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Veröffentlicht am 30.04.2023

Band 3 überraschte mich mit einem unerwarteten, aber passenden Fall

Das Mädchen und der General
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1957: In Frankfurt am Main wird Rosemarie Nitribitt ermordet, die eine ganze Reihe bekannter Männer zu ihren Kunden zählte, u. a. Hiram Anderson, Philipp Gerbers ehemaligen Vorgesetzten und Beinahe-Schwiegervater. ...

1957: In Frankfurt am Main wird Rosemarie Nitribitt ermordet, die eine ganze Reihe bekannter Männer zu ihren Kunden zählte, u. a. Hiram Anderson, Philipp Gerbers ehemaligen Vorgesetzten und Beinahe-Schwiegervater. Doch das ist nicht Andersons größtes Problem, denn er vermisst Geheimdokumente, die in den falschen Händen Unheil anrichten können, und die Nitribitt könnte sie in ihren Besitz gebracht haben. Philipp Gerber wird nach Frankfurt gesandt, um der Sache auf den Grund zu gehen, Anderson zu entlasten und die Dokumente zu finden.

Der Mord an Rosemarie Nitribitt ist bis heute ungeklärt – und unvergessen, auch wegen der Filme, die von ihrem Tod inspiriert wurden. Ralph Langroth hat hier seine eigene Deutung der Ereignisse vorgelegt, die am Ende eine logische Auflösung bietet. Ich hätte mir nicht vorstellen können, diesen Fall in dieser Romanreihe wiederzufinden, doch tatsächlich passt er sehr gut hinein.

Seit dem letzten Fall sind drei Jahre vergangen, Eva Herden und Philipp Gerber sind noch ein Paar, doch Eva ist zunächst beruflich unterwegs, und kommt erst im späteren Verlauf des Romans zum Zuge – vermisst habe ich sie nicht. In Frankfurt trifft Philipp nicht nur auf die Andersons, sondern auch auf frühere Kollegen und altbekannte Feinde. Und natürlich geben sich auch reale Persönlichkeiten der damaligen Zeit ein Stelldichein, ich habe mich besonders über einen bekannten Sänger gefreut, der tatsächlich seine eigene Geschichte mit der Nitribitt hatte. Auch Adenauer kann man natürlich wieder treffen.

Der Roman packt schnell, Ralph Langroths eingängiger Schreibstil sorgt dafür, dass man zügig liest, es gibt viele spannende Szenen, und die Atmosphäre der damaligen Zeit spiegelt sich in vielem wieder. Sicher kann man den Roman auch unabhängig von den Vorgängern lesen, mehr Spaß macht es aber, wenn man diese kennt.

Im Anhang findet sich ein lesenswertes Nachwort – gehört für mich zu einem guten historischen Roman unbedingt dazu – und eine Zeittafel. In der vorderen Umschlagklappe gibt es zudem eine Karte des Frankfurt/Main jener Zeit.

Auch Band 3 der Reihe, in deren Zentrum „Skandale“ der frühen BRD stehen, konnte mich wieder gut unterhalten und hatte einen interessanten Fall zu bieten. Ich empfehle die gesamte Reihe sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 23.04.2023

Für mich nur zum Teil lesenswert

Mademoiselle Eiffel und der Turm der Liebe
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Der Roman erzählt die Geschichte des Baus des womöglich berühmtesten Turms der Welt, des Eiffelturms. Im Mittelpunkt steht die Tochter Gustave Eiffels, Claire, verheiratet mit Adolphe Salles, einem Mitarbeiter ...

Der Roman erzählt die Geschichte des Baus des womöglich berühmtesten Turms der Welt, des Eiffelturms. Im Mittelpunkt steht die Tochter Gustave Eiffels, Claire, verheiratet mit Adolphe Salles, einem Mitarbeiter ihres Vaters, und Mutter eines kleinen Sohnes. Claire arbeitete als Privatsekretärin ihres Vaters.

Leider konnte mich die Autorin mit diesem Roman nicht so packen wie gewohnt. Claire kommt mir einfach nicht näher, sie wird nicht richtig lebendig für mich. Erzählt wird aus Claires Perspektive, allerdings nicht in Ich-Form, und eigentlich könnte sie eine faszinierende Frau sein, selbstbewusst, stark und eigenständig im Denken, doch leider stellt Sophie Villard sie mit recht altmodischem Denken und zudem übertrieben eifersüchtig dar. Anscheinend musste unbedingt das Thema Liebe mit in den Roman, was ich nur bedauern kann.

So kommt mit einem Subunternehmen eine Frau ins Spiel, die sich um Adolphe zu bemühen scheint. Claire reagiert darauf sehr übertrieben, überhaupt wirkt das Ganze sehr aufgesetzt, zumal es offensichtlich reine Fiktion ist. Berührt hat mich das nicht, sondern eher genervt. Auch andere Dinge im Roman wirken auf mich aufgesetzt bzw. unnötig, und geben dem Roman leider viel Vorhersehbarkeit (abseits des allgemein Bekannten) und Klischée.

Neben den Eiffels/Salles spielt Gordon Bennett eine größere Rolle, er ist Herausgeber des Pariser Ablegers der us-amerikanischen Zeitung The Herald, und dem Eiffelturm sehr zugeneigt, ganz im Gegensatz zu den französischen Zeitungen, die, wie auch viele Künstler, den Bau regelrecht verteufeln. Der Bau des Eiffelturms stand zeitweise unter keinem guten Stern, und da die Eiffels viel Privatvermögen investiert hatten, drohte ihnen ein Bankrott, sollte sich der Bau nicht verwirklichen lassen. Auch wenn man heute weiß, wie bedeutend der Turm ist, ist es interessant und spannend dies mitzuverfolgen. Gordon Bennett wird übrigens als eine Art Pendant zur o. g. Frau dargestellt, denn er scheint an Claire interessiert. Ich fand ihn übrigens viel interessanter und sympathischer als Claire.

Eine weitere Rolle spielt Valentine, Claires Schwester. Leider werden die weiteren Kinder Gustave Eiffels nur in wenigen Nebensätzen, und dann auch nur als „Geschwister“ erwähnt. Ich finde das sehr schade, spielt doch das Privatleben der Familie eine zentrale Rolle.

Sehr gut gefallen haben mir die Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten, so u. a. Henri de Toulouse-Lautrec, Jules Verne und Annie Oakley, das macht den Roman authentischer und gibt ihm mehr Atmosphäre. Auch die Einbeziehung der, vor allem italienischen, Arbeiter, und deren Leben im Umfeld des Turms, fand ich interessant.

Lesenswert ist auch das Nachwort, hier erfährt man manches über Fakten und Fiktion – für mich in einem guten historischen Roman unbedingt notwendig. Der Roman ist gut lesbar, man fliegt nur so durch die Seiten, auch habe ich einiges gegoogelt und auch Neues gelernt.

Leider ist mir der Roman zu liebeslastig, zumal vieles davon aufgesetzt wirkt, und Claire in meinen Augen in kein gutes Licht setzt, sie kam mir auch leider von Anfang an nicht nahe. Die Hintergründe rund um den Bau des Eiffelturms dagegen sind interessant und spannend.

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Veröffentlicht am 22.04.2023

Hat mich gut unterhalten

Grünblatt & Silberbart
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Der Zwerg Colin Silberbart und der Elb Flynn Grünblatt führen zusammen eine Detektei. Die beiden sind sehr unterschiedlich und ihre Fälle trotz der Prämisse „Keine Ehestreitigkeiten. Keine Verlieserkundungen. ...

Der Zwerg Colin Silberbart und der Elb Flynn Grünblatt führen zusammen eine Detektei. Die beiden sind sehr unterschiedlich und ihre Fälle trotz der Prämisse „Keine Ehestreitigkeiten. Keine Verlieserkundungen. Keine Drachen“ spannend und einzigartig.

Der Band enthält drei Kurzromane mit drei ebenfalls sehr unterschiedlichen Fällen, wobei der erste davon erzählt, wie die beiden zusammenkommen, hier haben sie noch keine Detektei gegründet, sondern sind durch diverse Umstände in den gleichen Fall involviert, den sie am Ende lösen müssen, um zu überleben.

Auch die beiden weiteren Geschichten sind für beide sehr gefährlich, und können nur durch ihre Fähigkeiten gemeinsam gelöst werden. Lebensgefahr besteht dabei immer, wodurch auch viel Spannung entsteht. Mir hat am besten die dritte Geschichte gefallen, die auch einiges an teils schwarzem Humor mitgebracht hat.

Tom Flambard gelingt es gut, mir beide Protagonisten sympathisch zu machen, so dass ich auch gut mit ihnen mitfiebern kann. Leider sind noch keine weiteren Bände erschienen, ich würde gerne mehr lesen, zumal ein Geheimnis, das sich bereits in der ersten Geschichte ergibt, und mit Katzen zu tun hat, in meinen Augen noch offen ist.

Die Welt kann man sich gut vorstellen, sie wird mit jedem Fall deutlicher, sie ist gut ausgearbeitet, wirkt lebendig und ist im wesentlichen begrenzt auf die Stadt Brae Flammar. Zu Beginn des Bandes findet sich eine Karte.

Mich haben die drei Geschichten der beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten gut unterhalten, ich würde gerne mehr von ihnen lesen, und empfehle diesen Band gerne an Fantasyfans weiter.

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Veröffentlicht am 17.04.2023

Setting klasse, Protagonist gewöhnungsbedürftig

Tod in Siebenbürgen
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Der Investigativjournalist Paul Schwartzmüller wird überraschend Erbe seiner Tante Zinzi. Eigentlich dachte er, dass sie, bei der er in seiner Kindheit die Ferien verbracht hat, schon vor 35 Jahren verstorben ...

Der Investigativjournalist Paul Schwartzmüller wird überraschend Erbe seiner Tante Zinzi. Eigentlich dachte er, dass sie, bei der er in seiner Kindheit die Ferien verbracht hat, schon vor 35 Jahren verstorben sei. Das hatte ihm zumindest sein Vater erzählt, als sie damals Siebenbürgen plötzlich verließen. Paul reist nach Siebenbürgen, eine Reise in seine Vergangenheit, die viele Erinnerungen weckt. Kurz nach seiner Ankunft begegnet er seinem Kindheitsfreund Sorin, der am nächsten Tag wegen Mordes verhaftet wird. Paul glaubt an seine Unschuld, und versucht, den wahren Mörder zu finden.

Schon der Schauplatz des Romans, Siebenbürgen, auch bekannt als Transsylvanien, hat mich sehr neugierig gemacht, und das mit Recht, denn ich habe sehr viel über diese rumänische Landschaft erfahren, in der sich bereits im Mittelalter Deutsche, die sogenannten Siebenbürger Sachsen, niedergelassen, das Land gegen Eroberer verteidigt, und ihre eigene Kultur bis heute bewahrt haben. Bewahrt wurde bis heute auch der Aberglaube, und so nehmen im Roman Dracula, Strigoi, Nachzehrer und Flüche eine gewisse Rolle ein.

Das Manko des Romans ist leider vor allem sein Protagonist. Ein Investigativjournalist, davon hatte ich mir einiges erwartet, und dann kommt Paul, der so gar nicht kompetent wirkt, vieles nicht durchschaut, und sich nicht mit Ruhm bekleckert – im Gegenteil möchte man sagen. Auch der Fall ist sehr eigen, ich bin nicht sicher, ob ich das Ganze überhaupt Kriminalroman nennen würde, denn man kann auch nicht wirklich von Ermittlungen sprechen. Paul trinkt und isst vor allem, erinnert sich an manches und schlafwandelt. Kommt er in seinen Recherchen voran, dann vor allem wegen anderen, die ihn, meist sehr deutlich, auf die Spur bringen. Die Charakterisierung dieser Anderen bleibt übrigens ziemlich an der Oberfläche, das liegt aber auch daran, dass Paul sie ebenfalls kaum näher kennenlernt.

Dennoch hat der Roman etwas, das mich nicht ungern lesen ließ. Tatsächlich hat die Autorin, die übrigens entgegen meiner Erwartung, nicht selbst aus der Gegend stammt, es geschafft, mich zu packen. Das liegt vor allem, aber eben nicht nur, am Setting, das mir übrigens große Lust machte, die Gegend selbst einmal zu besuchen. Ja, ich könnte mir vorstellen, einen weiteren Band mit Paul zu lesen, und zu schauen, wie er in Deutschland agiert, oder vielleicht nach Siebenbürgen zurückkehrt.

Am Ende wird der Fall natürlich aufgelöst, die Auflösung ist okay.

Dies ist einer der Romane, der es mir schwer macht, ihn zu bewerten. Das Setting ist klasse, keine Frage, der Protagonist gewöhnungsbedürftig und wirkt nicht sehr kompetent, seine Ermittlungen sind kaum vorhanden. Mehr als 3 Sterne kann ich leider nicht vergeben.

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Veröffentlicht am 15.04.2023

Absolut lesenswert

Die spürst du nicht
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Die Binders und die Strobl-Marineks machen Urlaub in der Toskana, auf Wunsch einer der Töchter mit dabei das 14jährige Flüchtlingsmädchen Aayana. Schon bald geschieht etwas Schreckliches …

Der Einstieg ...

Die Binders und die Strobl-Marineks machen Urlaub in der Toskana, auf Wunsch einer der Töchter mit dabei das 14jährige Flüchtlingsmädchen Aayana. Schon bald geschieht etwas Schreckliches …

Der Einstieg in den Roman hat etwas von einem Filmdrehbuch, und auch sonst ist die Erzählweise nicht immer „normal“. Zwischendurch gibt es z. B. auf Social Media veröffentlichte Pressenachrichten mitsamt einem Teil der dazugehörigen Posts. Vielleicht kann es sich mancher nun schon denken – man muss den Roman, genauso wie Posts auf Social Media, auf seine Art interpretieren. Für mich ist er in weiten Teilen Sarkasmus pur. Daniel Glattauer trifft da, wo es weh tut, und er hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Und auch wenn der Autor und die Charaktere des Romans Österreicher:innen sind, so passt es – leider – auch auf die deutsche Gesellschaft. Bei den Posts z. B. hat man das Gefühl, als wäre man gerade auf Facebook unterwegs. Die Charaktere wirken teilweise schon fast wie Karikaturen. Und mitten drin die somalische Familie, die man nicht spürt, die untergeht im „Leid“ der anderen, obwohl ihr Leid viel größer ist, größer noch, als man zunächst vielleicht denkt.

Mich hat das Ganze schnell gepackt, auch, aber nicht nur wegen der abwechslungsreichen Erzählweise. Man will wissen, wie es weiter-, wie es ausgeht, da bräuchte es noch nicht einmal die Geschehnisse rund um Sophie-Luise, auf deren Wunsch Aayana mitgefahren war, um Spannung aufkommen zu lassen. Wahrscheinlich werde ich auch noch öfter an den Roman denken, über ihn nachdenken müssen.

Für mich war dies der erste Roman des Autors, ich kann ihn daher nicht mit seinen anderen Werken vergleichen, aber, das kann ich sagen, er hat mich neugierig gemacht.

Sehr sarkastisch, die Charaktere zum Teil fast Karikaturen, mit einem ernsten und wichtigen Thema – der Roman hat mich auf verschiedene Arten berührt, wird nachhallen und ist absolut lesenswert.

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