Profilbild von PMelittaM

PMelittaM

Lesejury Star
offline

PMelittaM ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PMelittaM über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2018

Nette Unterhaltung für die Adventszeit

Hauptsache, der Baum brennt
0

Am 2. Dezember steht der Weihnachtsmann vor Sarah Christkinds Tür – jedenfalls behauptet er, er wäre es, Sarah hält ihn eher für einen Patienten für ihre psychologische Praxis, und hätte nie gedacht, dass ...

Am 2. Dezember steht der Weihnachtsmann vor Sarah Christkinds Tür – jedenfalls behauptet er, er wäre es, Sarah hält ihn eher für einen Patienten für ihre psychologische Praxis, und hätte nie gedacht, dass dies der Start in turbulente Wochen ist.

Der Klappentext versprach mir einen netten, wahrscheinlich lustigen Weihnachtsroman, und auch die Leseprobe machte mir Lust, den Roman zu lesen. Von der Autorin kannte ich bisher noch keinen Roman – ich war gespannt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für manche vielleicht, dass die Geschichte im Präsens geschrieben ist, ich finde aber, das passt zusätzlich zur Ich-Erzählung aus Sarahs Perspektive ganz gut.

Sarah ist 42 Jahre alt, frisch getrennt, Mutter zweier Jugendlicher, etwas naiv, aber ganz sympathisch. Mir erschien sie nicht besonders kompetent in ihrem Beruf, vor allem bei ihren Versuchen „den Weihnachtsmann“ zu therapieren. Mit ihrer Mutter hat sie Stress, mir kam es aber so vor, als läge das nicht allein an der Mutter.

Sehr sympathisch fand ich von Anfang an den Weihnachtsmann, und ich habe mir schnell gewünscht, dass er der echte sei und nicht nur ein psychiatrischer Patient. Seine Weltfremdheit sorgt für einiges an Alltag-/Situationskomik, wirkt aber hin und wieder etwas übertrieben. Immerhin lernt er relativ schnell.

Die Geschichte ist unterhaltsam und lädt immer wieder zum Schmunzeln ein. Besonders gut hat mir gefallen, dass wir durch Sarah, die während des Studiums als Stadtführerin jobbte, einiges über das historische und das weihnachtliche München erfahren, manchmal garniert von des Weihnachtsmanns etwas anderer Historie. Weniger gut gefielen mir die sexuellen Anspielungen (u. a. betätigt sich der Weihnachtsmann als Exhibitionist ...), sie passen für mich einfach nicht in einen humorvollen Weihnachtsroman bzw. sollte ein solcher sie nicht nötig haben. Auch das Ende hätte ich mir etwas anders gewünscht, da ging mir manches auf einmal viel zu schnell. Dafür gibt es im Anhang Rezepte für finnische Speisen, die im Roman erwähnt wurden.

Im Wesentlichen hat mich der Roman unterhalten und einige Male zum Schmunzeln, aber nicht in Weihnachtsstimmung gebracht. Wer leichte Unterhaltung für die Adventszeit sucht, kann hier zugreifen. 3,5 Sterne

Veröffentlicht am 27.11.2018

Düster und spannend

Die Melodie der Schatten
0

Schottland 1837: Fiona Hemington ist mit ihrer Tante auf dem Weg nach Inverness, als ihre Kutsche überfallen wird. Fiona gibt einer Eingebung nach, und kommt so mit dem Leben davon. Nach einigem Herumirren ...

Schottland 1837: Fiona Hemington ist mit ihrer Tante auf dem Weg nach Inverness, als ihre Kutsche überfallen wird. Fiona gibt einer Eingebung nach, und kommt so mit dem Leben davon. Nach einigem Herumirren findet sie in Thirstane Manor Unterschlupf, dessen Hausherr, Aidan Thirstane, einen sehr ablehnenden Eindruck macht und offenbar auch das eine oder andere Geheimnis hat.

Maria W. Peter hat gerade den goldenen Homer gewonnen, und mir bereits einige schöne Lesestunden beschert. Mit ihrem neuen Roman führt sie uns nicht nur nach Schottland, sondern erzählt auch eine recht düstere Geschichte, die einen Hauch Mystery aufweist. Lange weiß der Leser nicht, was real ist und was nicht, ganz wie Fiona selbst, die mit diversen Dispositionen belastet ist, die ihr das Leben schwer machen. Fiona durchläuft in diesem Roman eine interessante Entwicklung.

Auch Aidan Thirstane hat(te) es nicht leicht im Leben. Erst nach und nach erfährt der Leser seine Hintergrundgeschichte und entwickelt so auch ein gewisses Verständnis für ihn. Aidan handelt, ähnlich wie Fiona, nicht immer klug und durchdacht, doch kann man als Leser manches nachvollziehen.

Gleich zwei Protagonisten, die von ihren jeweils eigenen Dämonen geplagt werden, kann das gutgehen? Passt das zusammen? Ja, tatsächlich passt das gut, beschert dem Leser viel Spannung und die Möglichkeit, sich selbst über die Hintergründe Gedanken zu machen. Stellenweise ist die Geschichte fast ein Kammerspiel, zwei Charaktere, alles andere scheint manchmal nur Staffage. Dass das dann doch nicht so ist, zeigt sich in der weiteren Entwicklung der Geschichte, dennoch bleibt der Fokus klar auf Fiona und Aidan und ihre Beziehung zueinander gerichtet.

Sehr gut gefallen mir die geschichtlichen Hintergründe, die umfassender ausfallen, als zunächst gedacht. Hier hat die Autorin auch wieder perfekt recherchiert. Ich persönlich hätte mir ein bisschen mehr Schottland gewünscht, die Schauplätze sind doch arg begrenzt, und das Land an sich spielt eher eine Nebenrolle. Gut gefällt mir auch die Sprache, man hat fast das Gefühl, einen Roman aus jener Zeit zu lesen. Sobald man sich an die Sprache gewöhnt hat, lässt sich der Roman sehr gut und zügig lesen. Erzählt wird zudem sehr eindringlich, die Perspektiven der beiden Protagonisten wechseln sich ab, und manchmal hat man den Eindruck, sie wären gar nicht so unterschiedlich. Leider tat ich mir beim Lesen manchmal schwer, die Handlungen der Akteure nachzuvollziehen, manches kam mir ein bisschen aufgesetzt oder künstlich in die Länge gezogen vor.

Sehr umfangreich und gelungen sind die Bonusinhalte, neben einem interessanten Nachwort der Autorin gibt es ein Glossar, ein Register, Stöbertipps, Erklärungen der schottisch/gälischen Ausdrücke, Redewendungen und Sätze, ein Personenregister der handelnden Personen und der historische Persönlichkeiten, die erwähnt werden.

Ich bin etwas zwiegespalten, teilweise hat mir der Roman wirklich gut gefallen, er ist spannend, die Protagonisten sind interessant und machen eine gelungene Entwicklung durch. Manches wirkt auf mich aber etwas zu aufgesetzt oder in die Länge gezogen und hin und wieder auch klischeehaft. Sehr gelungen ist der gut recherchierte historische Hintergrund. Mein Lieblingsroman der Autorin ist „Die Melodie der Schatten“ nicht, aber ich war am Ende zufrieden mit der Geschichte, so dass ich knappe 4 Sterne vergeben kann und eine Leseempfehlung für Genrefans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Stimmung
  • Spannung
Veröffentlicht am 26.11.2018

Historischer Kriminalroman mit Schwächen

Die Tote im Fechtsaal
0

Dresden 1869: Annie Troll verdient den Lebensunterhalt für sich und ihre zwölfjährige Tochter Jette indem sie Fechtunterricht für Frauen erteilt. Die beiden kommen mehr schlecht als recht über die Runden, ...

Dresden 1869: Annie Troll verdient den Lebensunterhalt für sich und ihre zwölfjährige Tochter Jette indem sie Fechtunterricht für Frauen erteilt. Die beiden kommen mehr schlecht als recht über die Runden, die Schutzgeldforderungen, die Casimir Schmitt an sie richtet, kann sie nicht nachkommen, was sie diesem auch sehr deutlich macht, leider, denn damit bringt sie nicht nur sich sondern auch Jette in Gefahr. Als sie dann noch eine ihrer Schülerinnen tot im Fechtsaal findet, ist sie auch noch mordverdächtig. In ihrer Not wendet sie sich an Daniel Raabe, Dresdens erstem Privatdetektiv.

Aber auch der hat es nicht leicht. Der ehemalige Staatsanwalt hat vor drei Jahren bei einem Brand Frau und Kind verloren, und galt als möglicher Brandstifter. Überzeugt von der neuen Fingerabdruck-Methode, nimmt er mit Elan die Ermittlungen in Annie Trolls Fall auf.

Überraschend für mich entpuppte sich der historische Roman über eine Fechtlehrerin, den ich erwartet hatte, als historischer Krimi, der das Fechten ein bisschen an den Rand drückt, schade eigentlich, ich hatte mir mehr Szenen gewünscht, die das Fechten, Annies Unterricht und ihre Schülerinnen betreffen. Aber: Auch der Krimipart ist interessant, bietet Spannung und die Möglichkeit zum Mitraten.

Die beiden Protagonisten waren mir schnell sympathisch, vor allem Annie, aus eher schlechten sozialen Verhältnissen, muss sie ihr Kind alleine großziehen, und ist patent und selbstbewusst genug, um auch noch ein eigenes Gewerbe auf die Beine zu stellen. Sie kann anpacken und lässt sich so schnell nicht unterkriegen, hat aber mit ihrer Tochter eine klare Schwachstelle, die andere ausnutzen. Daniel Raabe dagegen ist vermögend, trägt aber ein Trauma mit sich herum. Er ist ein guter Spürhund, der seine Spur nicht so schnell aufgibt.

Erzählt wird aus beiden Perspektiven, sehr gut gefällt mir, dass die Autorin sowohl Annie als auch Daniel ihre jeweils eigene Sprache gibt. Die beiden zusammen ergeben ein gutes Paar, das womöglich noch einmal einen Fall zu lösen bekommt, denn das Ende des Romans ist relativ offen, eine Fortsetzung ganz sicher angedacht.

Trotzdem ist der aktuelle Fall der ermordeten Fechtschülerin natürlich aufgelöst. Mir wurde der Täter ein bisschen zu sehr aus dem Ärmel geschüttelt, andererseits konnte man mit Nachdenken schon darauf kommen, dass er es sein muss. Die Auflösung wird gelungen inszeniert, da könnte sich Hercule Poirot noch eine Scheibe abschneiden.

Was mich persönlich sehr gestört hat, ist die Storyline um Casimir Schmitt, in meinen Augen unnötig für die Geschichte, unnötig blutig und unnötig spannungsheischend. Auf mich wirkte es aufgesetzt und als ob die Geschichte noch ein bisschen verlängert werden musste. Mir hat das die Freude am Roman leider ein Stück weit kaputt gemacht. Auch ein bisschen mehr Zeit- und Lokalkolorit hätte ich mir gewünscht.

Leider konnte mich die Autorin mit diesem Roman nicht so überzeugen wie mit anderen Romanen, die ich von ihr kenne. Dennoch würde ich gerne eine Fortsetzung des Romans lesen und Annie Troll sowie Daniel Raabe wiedertreffen. Von mir gibt es gute 3 Sterne, und eine Empfehlung für Freunde historischer Krimis, die sich an meinen Kritikpunkten nicht stören.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Gelungene Märchenanthologie

Von Fuchsgeistern und Wunderlampen
0

Die dritte Märchenanthologie des Drachenmond-Verlages enthält 17 Geschichten von ebenso vielen Autoren/Autorinnen. Dieses Mal wurden sie in verschiedene Kulturkreise unterteilt, die allerdings unterschiedlich ...

Die dritte Märchenanthologie des Drachenmond-Verlages enthält 17 Geschichten von ebenso vielen Autoren/Autorinnen. Dieses Mal wurden sie in verschiedene Kulturkreise unterteilt, die allerdings unterschiedlich stark bedient werden, so gibt es vier „Mätchen aus dem Morgenland“, leider nur zwei „Märchen aus dem Reich der Mitte“ und elf „Märchen aus dem Abendland“, wobei bei letzterem auch ein paar Märchen aus Osteuropa enthalten sind. Nicht alle Geschichten sind Adaptionen bekannter Märchen, es gibt auch Märchen, die extra für diese Anthologie entstanden sind. Zwei der Märchen wurden bereits in früheren Anthologien veröffentlicht, während alle anderen extra für diese geschrieben wurde. Die meisten Autoren sind deutschsprachig, mit Holly Black und Trudi Canavan sind aber auch zwei englischsprachige Autorinnen mit an Bord.

So unterschiedlich wie die Autoren ist auch die Herangehensweise an die adaptierten Märchen und die Ausarbeitung. So fragt z. B. Akram El-Bahay danach, was passiert wäre, wenn Scheherazades Trick nicht gelungen wäre. Mancher Autor versetzt die Geschichte in eine andere Welt, so ist die Hänsel-und-Gretel-Adaption Trudi Canavans in einer dystopischen Welt angesiedelt, während Carsten Steenbergen ein japanisches Märchen in einer Steampunk-Welt ansiedelt. Auch andere Sichtweisen können Interessantes herausholen. Aschenputtel aus der Perspektive einer der Stiefschwestern bringt den Leser dazu, die Geschichte nicht nur buchstäblich mit anderen Augen zu sehen, Nina Blazons Adaption ist eine meiner Lieblingsgeschichten in dieser Anthologie. Warum man nicht unbedingt einen Prinzen zum Glücklichwerden braucht, erzählt Corinna Götte, während Christian Handel die Charakterisierung der Prinzessin aus „Die Gänsemagd“ ändert und damit dem Märchen eine ganz andere Bedeutung gibt. Boris Koch und Brigitte Melzer zeigen, dass man Märchen auch humorvoll erzählen kann.

Nicht jede Geschichte kann jedem gefallen, und so gibt es auch eine Geschichte, die mir gar nicht zusagt, und zwei oder drei, die für mich eher durchschnittlich sind. Aber das gehört bei einer Anthologie dazu, und Geschichten, die der eine nicht mag, werden bei einem anderen Lieblingsgeschichten.

Erwähnen muss ich noch das wunderschöne Cover und die Vignetten, die (beim Ebook) die einzelnen Märchen schmücken. Jedes Märchen wird zudem mit Informationen über die jeweiligen Autoren und ihre Werke eingeleitet. Dass man durchaus Lust bekommt, längere Werke des einen oder anderen zu lesen, muss wahrscheinlich gar nicht erwähnt werden.

In dieser Anthologie ist für jeden, der Märchen mag, etwas dabei, es macht Spaß zu lesen, was die Autoren und Autorinnen aus bekannten Märchen gemacht haben, und wie fantasievoll sie mit ihnen umgegangen sind. Ich vergebe eine absolute Leseempfehlung und verdiente volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Durchaus lesenswert

Queen Victoria
0

Victoria, 1819 geboren, war von 1837 bis 1901 britische Königin und gab einer ganzen Epoche ihren Namen, einer Epoche, die durch ihre Prüderie, aber auch durch ihre wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse ...

Victoria, 1819 geboren, war von 1837 bis 1901 britische Königin und gab einer ganzen Epoche ihren Namen, einer Epoche, die durch ihre Prüderie, aber auch durch ihre wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse bekannt wurde. Victoria kennen viele vor allem als trauernde Witwe, die ihren Ehemann um 40 Jahre überlebt hat, aber vielleicht auch als Frau, deren Nachkommen in die meisten europäischen Monarchien eingeheiratet haben. Wer Victoria wirklich war, möchte Julia Baird in dieser Biografie aufzeigen.

Die Biografie ist in fünf Teile gegliedert, die sich mit den verschiedenen Lebensphasen Victorias beschäftigen, ihr Leben als Prinzessin, als junger Königin, als Ehefrau, als Witwe und als alte Frau, es gibt die eine oder andere Überschneidung, aber mir gefällt dieser Aufbau sehr gut. Die einzelnen Teile werden weiter in insgesamt 30 Kapitel unterteilt, die mit einem jeweils sehr passenden Zitat eingeleitet werden.

Victoria war von Anfang an eine eher schwierige Persönlichkeit, oft stur und eigensinnig, sie hatte ihre eigenen Vorstellungen und tat alles, diese durchzusetzen, auch wenn es ihr eigentlich nicht zustand. Albert, ihr Ehemann war ihre große Liebe, und sie hätte gerne mehr Zeit mit ihm als reines Ehepaar gehabt, doch schon kurz nach der Hochzeit war sie schwanger, und als Albert starb war Beatrice, das jüngste von neun Kindern, erst 4 Jahre alt. Nach Alberts Tod verklärte sie ihn und macht ihre Trauer zu einer Art Lebensinhalt. Ob sie nach ihm jemals wieder eine intime Beziehung zu einem anderen Mann hatte, ist fraglich, aber es besteht durchaus die Möglichkeit.

Doch natürlich wird hier nicht nur über ihr privates Leben erzählt, als Königin beeinflusste sie die Politik und hatte einige Krisen durchzustehen, so fiel z. B. der Krimkrieg in diese Zeit und die Jack-the-Ripper-Morde (die hier nur am Rande gestreift werden, aber immerhin wurde einer ihrer Enkel eine Zeit lang verdächtigt). Über 60 Jahre war Victoria die Monarchin eines Weltreiches, und in dieser Zeit gab es eine Reihe von Veränderungen, wirtschaftlicher, politischer, wissenschaftlicher und sozialer Art, die sie nicht alle guthieß, die sie (oder auch ihr Ehemann) aber teilweise auch mit beeinflusste. Sie erlebte mehrere Premierminister, und nicht mit jedem kam sie gut aus, sie war mit verschiedenen anderen Herrscherhäusern verwandt, aber auch das war nicht immer positiv, sie musste viele Verluste erleiden, hat sich aber letztlich nie unterkriegen lassen, immerhin war ihr Wahlspruch „Ich werde nicht versagen“.

Julia Baird hat umfassend recherchiert, und konnte auch weniger bekannte Dokumente einsehen. Sie zeigt auch auf, wie Dokumente über Victoria teilweise geschönt oder gar vernichtet wurden, und dass manches anders gewesen ist, als es zunächst scheint. Julia Baird musste sich gegen manche Widerstände durchsetzen, um all dies in ihre Biografie einfließen lassen zu können. Dennoch kann auch sie manchmal nur spekulieren. Insgesamt ist ihre Biografie gut geschrieben und transparent genug, dass der Leser sich ein eigenes Bild machen kann. Mich persönlich hat manchmal allerdings der etwas unwissenschaftliche, romanhafte Stil gestört, wenn z. B. auf S. 134 „Die rührselige Herzogen schwafelte ...“ über Victorias Mutter geschrieben wird oder auf S. 279 „... säuselte die Königin“ über Victoria selbst.

Neben einem Familienstammbaum zu Beginn des Buches gibt es im Anhang ein interessantes Nachwort der Autorin, hier sind auch die umfangreichen Anmerkungen/Fußnoten aufgelistet, zum Teil bibliografische Nachweise, zum Teil aber auch zusätzliche inhaltliche Informationen, die man nicht überspringen sollte. Die obligaten Bibliografie, Bildnachweise und Register schließen das Buch ab. Passend zu einzelnen Kapiteln gibt es Karten, Fotos und Zeichnungen.

Im nächsten Jahr jährt sich Königin Victorias Geburtstag zum 200. Mal. Wer sich über sie informieren möchte und sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, liegt mit dieser Biografie nicht falsch. Wer schon ein bisschen über die Queen weiß, erhält hier womöglich eine neue Sicht auf sie. Gut lesen lässt sich das Buch allemal, hat aber schon einen gewissen Anspruch. Ich kann es empfehlen und vergebe 4 Sterne.