Profilbild von Paperboat

Paperboat

Lesejury Star
offline

Paperboat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Paperboat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2023

Wenn ich ehrlich bin, ist dieses Buch für uns alle notwendig

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
0

Ich habe in diesem Buch der britischen Autorin Reni Eddo-Lodge einige neue Dinge erfahren, vor allem über Hautfarbe und Großbritannien. Ihr Buch ist aus einem Blogbeitrag von 2014 heraus entstanden, in ...

Ich habe in diesem Buch der britischen Autorin Reni Eddo-Lodge einige neue Dinge erfahren, vor allem über Hautfarbe und Großbritannien. Ihr Buch ist aus einem Blogbeitrag von 2014 heraus entstanden, in dem sie kritisiert hat wie sehr viele (nicht alle) weiße Menschen noch immer die Existenz (und damit gelebte Alltagsrealität vieler PoC) von strukturellen Rassismus und seiner Symptome leugnen. Eddo-Lodge konnte und wollte sich nicht mehr emotional und intellektuell damit verausgaben, Menschen von etwas zu überzeugen, die gar nicht willens sind zuzuhören. Dieser Blogbeitrag hat eine Welle des Zuspruchs für Eddo-Lodge ausgelöst und es kamen sogar die Bitten von weißen Leser:innen, sie möge ihre Überzeugungsarbeit nicht aufgeben, ihre Stimme wäre notwendig.
Und so schrieb sie weiter.

In dem Kapitel "Geschichte" konnte mir das Buch neues Wissen vermitteln, z.B. im Hinblick auf die Auswirkungen des Sklavenhandels oder auch die Beteiligung der Commonwealth Nations (insb. Jamaika, Indien, Karibik) am 2. Weltkrieg. Amerika hat eine gut dokumentierte Geschichte seiner Kultur, und über Großbritannien (immerhin bis in die 1940er hinein noch immer Kolonialmacht) wusste ich bisher so gut wie nichts.

Über einen sehr wichtigen Punkt im Kapitel "White Priviledge" habe ich mir nie Gedanken gemacht. Interethnische Kinder (ein weißes und ein schwarzes Elternteil) sind Teil der Vielfalt des Schwarzseins, die oftmals weniger bedacht wird. Die feglende Erfahrung weißer Elternteile mit Rassismus macht diese blind für die Schwierigkeiten des Kindes, das sich mit den Vorurteilen der Welt in Bezug auf seine Hautfarbe allein und ohne die Hilfe der Eltern auseinandersetzen muss.
Hier wurde ich mir sehr klar meines weißen Privilegs bewusst, dass mir dieser Gedanke darum nie gekommen ist.
Wenn man über strukturellen Rassismus spricht, kommt man um Intersektionalität und Feminismus nicht herum, und auch zu diesen Themen hat Eddo-Lodge wichtige Dinge zu sagen.


Alles in allem hat mich das Lesen der Inhalte schon sehr bereichert. Kann ich mich von Rassismus freisprechen? - Ich denke nicht. Wie der Klappentext schreibt, liegt der Rassismus vor allem im Herzen der achtbaren Gesellschaft. Solange Menschen anderer Hautfarben und Kulturen benachteiligt und offen angegriffen werden, solange wird es für weiße privilegierte Menschen wie mich notwendig sein Bücher wie dieses zu lesen.

Veröffentlicht am 04.08.2023

Lest mehr Gedichte!

Feine Pflänzchen
0

𝐅𝐫𝐞𝐦𝐝𝐥ä𝐧𝐝𝐢𝐬𝐜𝐡 𝐝𝐮𝐟𝐭𝐞𝐭 𝐝𝐞𝐫 𝐉𝐚𝐬𝐦𝐢𝐧,
𝐃𝐨𝐜𝐡 𝐛𝐥ü𝐡𝐭 𝐞𝐫 𝐚𝐮𝐜𝐡 𝐢𝐧 𝐆𝐫𝐨ß-𝐁𝐞𝐫𝐥𝐢𝐧.
𝐖𝐞𝐫 𝐎𝐫𝐜𝐡𝐢𝐝𝐞𝐞𝐧 𝐳ü𝐜𝐡𝐭𝐞𝐭 𝐢𝐬𝐭,
𝐄𝐢𝐧 𝐎𝐫𝐜𝐡𝐢𝐝𝐞𝐚𝐥𝐢𝐬𝐭.

Ab und zu mal ein Gedicht, das erheitert den Geist. Da ich noch nie was von Mascha Kaléko ...

𝐅𝐫𝐞𝐦𝐝𝐥ä𝐧𝐝𝐢𝐬𝐜𝐡 𝐝𝐮𝐟𝐭𝐞𝐭 𝐝𝐞𝐫 𝐉𝐚𝐬𝐦𝐢𝐧,
𝐃𝐨𝐜𝐡 𝐛𝐥ü𝐡𝐭 𝐞𝐫 𝐚𝐮𝐜𝐡 𝐢𝐧 𝐆𝐫𝐨ß-𝐁𝐞𝐫𝐥𝐢𝐧.
𝐖𝐞𝐫 𝐎𝐫𝐜𝐡𝐢𝐝𝐞𝐞𝐧 𝐳ü𝐜𝐡𝐭𝐞𝐭 𝐢𝐬𝐭,
𝐄𝐢𝐧 𝐎𝐫𝐜𝐡𝐢𝐝𝐞𝐚𝐥𝐢𝐬𝐭.

Ab und zu mal ein Gedicht, das erheitert den Geist. Da ich noch nie was von Mascha Kaléko gelesen habe und mich jetzt so langsam mal nach dem Frühling sehne, schien mir "Feine Pflänzchen" genau richtig.
Die Gedichte sind kurz, manchmal nur zwei Zeilen lang, und doch steckt trotz der Knappheit immer etwas Neckisches darin. Die Illustrationen in dieser Ausgabe von dtv tragen ihren Teil dazu bei! Ein nettes kleines Bändchen!

»𝐍𝐞𝐢𝐧, 𝐌ö𝐡𝐫𝐞𝐧 𝐬𝐢𝐧𝐝 𝐳𝐮 𝐨𝐫𝐝𝐢𝐧ä𝐫,
𝐅𝐞𝐢𝐧 𝐢𝐬𝐭 𝐧𝐮𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐊𝐚𝐫𝐨𝐭𝐭𝐞!«
𝐒𝐨 𝐬𝐩𝐫𝐚𝐜𝐡 𝐌𝐚𝐝𝐚𝐦𝐞 𝐝𝐞 𝐏𝐨𝐦𝐩𝐚𝐝𝐨𝐮𝐫,
𝐃𝐢𝐞 𝐊𝐨𝐤𝐨𝐤𝐨𝐤𝐨𝐤𝐨𝐭𝐭𝐞.

𝐊𝐚𝐫𝐨𝐭𝐭𝐞𝐧 𝐠𝐚𝐛 𝐞𝐬 𝐢𝐧 𝐕𝐞𝐫𝐬𝐚𝐢𝐥𝐥𝐞𝐬
𝐒𝐨𝐠𝐚𝐫 𝐳𝐮𝐦 »𝐋𝐞𝐢𝐩𝐳𝐠𝐞𝐫 𝐀𝐥𝐥𝐞𝐫𝐥𝐚𝐢𝐥𝐥𝐞«.
- 𝐃𝐨𝐜𝐡 𝐝𝐢𝐞 𝐠𝐞𝐦𝐞𝐢𝐧𝐞𝐧 𝐌ö𝐡𝐫𝐞𝐧
𝐓𝐚𝐭 𝐝𝐚𝐬 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐰𝐞𝐢𝐭𝐞𝐫 𝐬𝐭ö𝐫𝐞𝐧.

Veröffentlicht am 04.08.2023

Lehrer:innen, nehmt dies als Schullektüre auf! (Und alle anderen: Lest es auch!)

Fette Sau
0

Lore hat ziemliches Übergewicht und geht genau deswegen täglich durch die Hölle in ihrer Schule. Von ihren Mitschülerinnen wird sie aufs Übelste gemobbt. Freundinnen, die ihr zur Seite stehen, hat sie ...

Lore hat ziemliches Übergewicht und geht genau deswegen täglich durch die Hölle in ihrer Schule. Von ihren Mitschülerinnen wird sie aufs Übelste gemobbt. Freundinnen, die ihr zur Seite stehen, hat sie nicht, und auch unter bei Lehrkräften findet sie keine Hilfe. Um sich abzulenken, flüchtet sie sich meistens in Handyspiele.
Nachdem es wieder mal besonders schlimm war, entschließt Lore sich, dass sie dringend abnehmen muss. Für ein halbes Jahr fährt sie in eine abgelegene Klinik im tiefsten Bayern, begegnet dort auch übergewichtigen Kindern und erfährt, wie es ist nicht ständig Angst vor anderen mehr haben zu müssen. Dort lernt sie auch die schlagfertige Julia kennen, die Lore mit ihrer Berliner Schnauze zeigt wie viel mehr in ihr steckt. In Julia findet sie erstmals eine Freundin, mit der sie sprichwörtlich durch dick und dünn geht. Die Mädchen verlieren mit jeder Woche Gewicht, und Lore darf wieder nach Hause. In der Schule wird sie von den anderen kaum wiedererkannt, und doch stellt sie fest, dass sich nichts geändert hat – die anderen mobben sie noch immer auf die grausamste Weise, an der sie fast verzweifelt und nur noch einen Ausweg weiß.

Christiane Kromp hat ein wichtiges, ein relevantes Buch geschrieben. Lores tägliches Mobbing wird hautnah beschrieben, und man fühlt als Leser:in, was mit dem Mädchen in ihrem Innersten passiert. Es macht wütend und man selbst spürt die Verzeiflung von Lore. „Fette Sau“ sollte meiner Meinung nach unbedingt als Unterrichtslektüre in Schulen aufgenommen werden, um ein stärkeres Bewusstsein für Mobbing zu schaffen.

Veröffentlicht am 04.08.2023

Ein inspirierendes Biografiebilderbuch über Anne-France Dautheville

Das Mädchen auf dem Motorrad
0

Ein Mädchen in Frankreich möchte die Welt sehen. Und sie möchte schreiben. Es ist 1973. Sie packt ein paar Kleidungsstücke ein, Dinge zur Reparatur ihres Motorrades, Schlafsack und Zelt, winkt dem Eiffelturm ...

Ein Mädchen in Frankreich möchte die Welt sehen. Und sie möchte schreiben. Es ist 1973. Sie packt ein paar Kleidungsstücke ein, Dinge zur Reparatur ihres Motorrades, Schlafsack und Zelt, winkt dem Eiffelturm zum Abschied, dann macht sie sich auf den Weg. Sie fliegt mit ihrem Motorrad im Flugzeug nach Kanada und erlebt die nordamerikanische Wildnis. Ihre Reise führt sie durch Afghanistan, durch Indien und viele weitere Länder. Überall begegnen ihr scheue Menschen, die schauen, und lächelnde Menschen, die ihr helfen. Ihre Gedanken, “Ich möchte, dass die Welt schön ist, und sie ist schön. Ich möchte, dass die Menschen gut sind, und sie sind gut.”, sie inspirieren. Als das Mädchen wieder zu Hause ankommt, ist Paris noch dieselbe Stadt und doch ein bisschen anders, genauso wie das Mädchen selbst.

In diesem Bilderbuch wird die Frau schlicht “das Mädchen” genannt. Hinter der Protagonistin verbirgt sich eigentlich die Französin Anne-France Dautheville, die in den 1970er Jahren als erste Frau die Welt mit dem Motorrad umrundet hat, wie man ganz hinten im Buch erfährt. Da war sie 28 Jahre alt. Dieses wirklich schöne Buch ist eine einzige große Inspiration, was als Mädchen möglich ist. Ich liebe es!

Veröffentlicht am 04.08.2023

Ein Papa zum Frisieren

Hair Love
0

“Hair Love” ist eine Hommage an das Afro-Haar und seine wunderbare Vielfältigkeit. Gleichzeitig zeigt dieses Bilderbuch eine super liebevolle Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Papa.

Zuri erzählt ...

“Hair Love” ist eine Hommage an das Afro-Haar und seine wunderbare Vielfältigkeit. Gleichzeitig zeigt dieses Bilderbuch eine super liebevolle Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Papa.

Zuri erzählt uns Leser:innen von ihren vielen Arten die Haare zu tragen. Als sie heute aufwacht, fühlt sie, dass es ein ganz besonderer Tag ist – und ganz besondere Tage brauchen auch entsprechende Frisuren, und so bittet sie ihren Vater ihr die Haare auf eine ganz bestimmte Weise zu frisieren. Gemeinsam gelingt ihnen eine tolle Frisur, und als Zuris Mutter nach Hause kommt, ist auch sie begeistert von der Haarpracht ihrer Tochter.

Ich muss sagen, dass ich so richtig positiv überrascht von Zuris Vater bin, denn er wirkt wie ein Hausmann, der Daheim ist, während seine Frau unterwegs ist (es wird nicht explizit erwähnt, aber in meiner Phantasie ist Zuris Mutter eine erfolgreiche Frau, die ihrer Karriere nachgeht, während Zuris Vater zu Hause bleibt und fürsorglich mit seiner Tochter umgeht, um dieses Buch möglich zu machen). Die Bilder sind so schön wie schon in “Sulwe”, welches ebenfalls von Vashti Harrison illustriert wurde. Ein herzerwärmendes Bilderbuch, das nicht nur für afrodeutsche Menschen interessant ist!