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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2023

Dieses Buch ist ein richtiges Schmankerl!

Heinz und sein Herrl
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Heinz und sein Herrl leben ein zurückgezogenes Leben im Wiener Gemeindebau. Sie drehen ihre Runden um den Block und besuchen ihren Freund Hans (seine Freundin Nina meiden sie aber). Schnell wird dem Lesenden ...

Heinz und sein Herrl leben ein zurückgezogenes Leben im Wiener Gemeindebau. Sie drehen ihre Runden um den Block und besuchen ihren Freund Hans (seine Freundin Nina meiden sie aber). Schnell wird dem Lesenden klar, dass das Herrl von Heinz ein anders ist als andere Menschen.
Eines Tages wird das von Routinen bestimmte Leben reichlich durcheinandergeworfen, als es ein Missverständnis mit dem Nachbarn, der immer schon was gegen Heinz hatte gibt. Der Nachbar stürzt und stirbt kurz darauf im Spital. Das Herrl befürchtet daraufhin den Nachbarn umgebracht zu haben und wegen Mordes ins Gefängnis zu müssen. Heinz’ Herrl wissen sich nicht anders zu helfen als eine alte Bekannte zu kontaktierten, die zur Aussage mit aufs Revier kommt. Zeitgleich tritt ins Leben von Heinz’ Herrl eine Frau, für die er Gefühle entwickelt wie er sie schon lange nicht mehr hatte. Die steht aber auch gleich unter Verdacht, als das Herrl plötzlich Drohbriefe erhält. Warum muss das Leben nur so kompliziert sein?

Der Klappentext versprach ein amüsantes und gemütliches Leseerlebnis, für mich war das Buch aber so viel mehr: Beim Lesen habe ich festgestellt, dass mir die österreichische Sprache unglaublich gut gefällt. Da begegnen einem Wörter wie Tramway, Stiegenhaus, Ordination oder Sackerl, in meinem umgebungsbedingten Sprachgebrauch vollkommen ungewöhnlich. Ich mag ja Bücher, in denen schrullige und seltsame Männer drin vorkommen, die wirken, als wären sie irgendwie ein bisschen fehl am Platz in der Welt. Mich erinnerte dieses Buch ein bisschen an “Rudi” von Anne Herzig, “Agathe” von Anne Bomann oder “Barbara stirbt nicht” von Alina Bronsky.

Veröffentlicht am 02.08.2023

Ein Goth Girl mit Verbindung zu den Toten

Tote schweigen nie
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Cassie Raven ist Assistentin im Leichenhaus, hat aber auch mental eine besondere Beziehung zu den Toten. Sie spricht mit ihnen, und die Verstorbenen sprechen in einem letzten Aufflackern von Leben auch ...

Cassie Raven ist Assistentin im Leichenhaus, hat aber auch mental eine besondere Beziehung zu den Toten. Sie spricht mit ihnen, und die Verstorbenen sprechen in einem letzten Aufflackern von Leben auch mit ihr. Eines Tages landet Cassies ehemalige Lehrerin im Leichenhaus, mit der sie auch eine Freundschaft verbunden hat. Durch die letzte Zwiesprache mit ihr zweifelt Cassie an einer natürlichen Todesursache. Sie möchte ihrer einstigen Freundin einen letzten Dienst erweisen und versucht auf eigene Faust ihrem Gefühl nachzugehen, merkt aber schnell, dass sie ohne kommissarische Hilfe nur bedingt weiterkommt.

Das war mal wieder ein Thriller, den ich nicht aus der Hand legen konnte! Die ungewöhnliche Cassie und ihr komplexes Seelen- und Sozialleben in Kombination mit einem sehr spannenden Fall haben mich mitgerissen und bis zum Ende des Buches nicht mehr losgelassen. Ich hoffe sehr, dass Cassie Raven sich zu einer Reihe entwickeln wird, weil ich einfach riesengroße Lust habe diese Protagonistin weiter zu begleiten!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Delikate Einblicke ins Sexgewerbe

Herbertstraße
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Auf der Reeperbahn nachts um halb eins... Nee, hier bleiben wir nicht, sondern gehen zwei Wegminuten weiter über St. Pauli durch zur Herbertstraße und erlauben uns einen Blick hinter jene Kulissen, die ...

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins... Nee, hier bleiben wir nicht, sondern gehen zwei Wegminuten weiter über St. Pauli durch zur Herbertstraße und erlauben uns einen Blick hinter jene Kulissen, die uns sonst verschlossen bleiben! “Herbertstraße” ist nicht nur die berühmte Sexmeile in Hamburg, es ist auch der Titel des Buches von Manuela Freitag. Manu fing schon früh mit der Prostitution an, wurde eine Frau des Gewerbes und machte sich einen Namen als sogenannte Stiefelfrau. Ihr Buch hat sie nach dem Arbeitsort benannt, an dem sie so viele Jahre verbracht hat, es bietet Einblicke in die Person hinter der unnahbaren Domina, die Neugier auf die Perversionen der menschlichen Sexualität wird aber auch gestillt. Ein intimes, ein delikates Buch!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Ein philosophischer Politthriller über den Syrienkrieg 2012

Ich rette die Welt - aber erst mal eine rauchen
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Wir befinden uns im Jahr 2012 in Syrien. Lea ist als Reporterin in dem kriegsgepeinigten Land. Gemeinsam mit ihr sind unter anderem Hannes und Nathan als Kriegsfotografen unterwegs. Zwischen Bombenanschlägen, ...

Wir befinden uns im Jahr 2012 in Syrien. Lea ist als Reporterin in dem kriegsgepeinigten Land. Gemeinsam mit ihr sind unter anderem Hannes und Nathan als Kriegsfotografen unterwegs. Zwischen Bombenanschlägen, dem Marsch der Soldaten und blutüberströmten Zivilopfern versucht sie einen Sinn in all dem menschgemachten Elend zu sehen. Dabei versucht sie nicht zu sterben, denn zu Hause wartet ihr Verlobter auf sie. Ob sie als dieselbe Person nach Deutschland zurückkehren wird, als die sie aufgebrochen ist...?

“Ich rette die Welt – aber erst mal eine rauchen” ist ein Politthriller mit vielen philosophischen Gedanken, welche die Protagonistin mit ihren Begleitern bei einer selbstgedrehten Zigarette teilt. Während Lea noch einen Sinn im Handeln zu sehen, sind viele der Menschen um sie herum längst desillusioniert und sehen die Kriegshandlungen und deren Ursprünge empathielos an sich vorbeiziehen.

In die Handlung und Lea als Hauptfigur steigt man als Leser:in direkt mit Explosionen und Verwundungen ein. Im weiteren Verlauf tauschen Lea und ihre Begleiter sich häufig versonnen über ihre Gedanken zum Syrienkrieg aus. Ich muss gestehen, für meinen persönlichen Geschmack ist der Verlauf der Geschichte teilweise zu theoretisch gewesen, und ich hätte mir mehr Handlung gewünscht. Eventuell bin ich aber auch mit den falschen Vorstellungen an dieses Buch gegangen. Für mich war es eher ein philosophischer Politthriller. Das Buch schließt allerdings verblüffend ab, also darf man wohl mit einer Fortsetzung rechnen und gespannt sein, wohin Leas Weg sie weiterführt.

Veröffentlicht am 02.08.2023

Feminismus im Jugendformat

Rules For Being A Girl
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Marin ist eine Vorzeigeschülerin an ihrer Schule. Ihr Studium am Ivy League College ist ihr eigentlich schon sicher. Zusammen mit ihrer besten Freundin Chloe ist sie im Redaktionsteam der Schülerzeitung. ...

Marin ist eine Vorzeigeschülerin an ihrer Schule. Ihr Studium am Ivy League College ist ihr eigentlich schon sicher. Zusammen mit ihrer besten Freundin Chloe ist sie im Redaktionsteam der Schülerzeitung. Chloe und sie sind beide ein bisschen in ihren Englischlehrer und Leiter der Schülerzeitung verliebt. Mr Beckett ist aber auch ein verdammt cooler Typ und immer so locker. Alles andere als locker sind aber die Regeln, die vor allem für die Schülerinnen an der Schule gelten, wie der Schuldirektor immer wieder exemplarisch vorführt, wenn wieder ein Mädchen gegen die hochheilige Kleiderordnung verstoßen hat, während die Jungs sich sämtliche Fehltritte erlauben können. Hat sich Marin darüber mit den anderen immer ein wenig lustig gemacht, ist damit spätestens Schluss, als sie selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs wird. Fortan fallen ihr so viele Dinge auf, die gravierend falsch laufen, und die sie ändern möchte. Doch Marin stellt auch fest, dass es alles andere als leicht ist diese starren und unfairen Zustände zu ändern...

Candace Bushnell dürfte für viele ein Begriff aus “Sex and the City” sein, und auch in diesem Buch für junge Leser:innen widmet sie sich feministischen Themen. Manchmal fand ich Marins feministische Wendung ein wenig forciert, grundlegend habe ich ihre Entwicklung aber gerne verfolgt. Die Story offenbart einige Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte, das hat es nochmal interessanter gemacht.