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Veröffentlicht am 30.07.2023

Die Geschichte der Wandlerin geht weiter

Stranded - Das Versprechen des Meeres
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In „Stranded – Das Versprechen des Meeres“ geht Mellies Geschichte weiter. Nachdem der Versuch fehlgeschalten ist in Astria, der Heimatstadt von Mellies und Rynns im See, einzudringen, mussten sich die ...

In „Stranded – Das Versprechen des Meeres“ geht Mellies Geschichte weiter. Nachdem der Versuch fehlgeschalten ist in Astria, der Heimatstadt von Mellies und Rynns im See, einzudringen, mussten sich die Verbündeten zurückziehen.
Quinn, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Soldat die Motive des Titans von Astria und seinem ergebenen Captain kennt, schlägt vor zusätzliche Hilfe zu beschaffen. Die anderen Wandler, die im Laufe der Jahre gestrandet sind und die mit Lügengeschichten gegenüber der Bevölkerung Astrias an einer Rückkehr gehindert wurden, sind mittlerweile weit verteilt. Quinn bringt Mellie, Rynn Unterwassersiedlung (mit dem Mellie sich aufgrund seines Verrats im ersten Buch noch nicht wieder vertragen hat) und ihre Mutter nach Kanada, wo in einem unterirdischen Höhlensystem vor einigen Jahrzehnten die Simmia gegründet wurde. Mellie lernt dort ihre Wandlermagie zu vertiefen durch Quinns magiebegabte Tochter Echo. Quinn schlägt vor, dass sie sich ebenfalls an die hawaiianische Meeresstadt Kintara wenden. Mellies Mutter ist strikt dagegen, weil Kintara von einer Wandlerin geführt wird, die einen tiefsitzenden Groll gegen sie führt und auch Mellie nicht akzeptieren würde. Es offenbart sich für Mellie ein Geheimnis von tragender Weite. Dennoch schmieden sie einen Plan, und auch Caleb, Mellies Landbewohner-Freund, kommt mir auf die Reise ins gefährliche Meer. Nach einigen Zwischenfällen gelingt es Kintaras Wandler dafür zu gewinnen Astrias Herrschaft zu stürzen und die Gruppe um Mellie macht sich auf den Weg zurück zum See, aus dem sie vor so vielen Jahren verbannt wurden.

Das sollten erstmal genug Worte sein, ohne die Story allzu sehr ihrer Spannung zu berauben. Ich kann sagen, mir hat die Fortsetzung von Mellies Geschichte sehr gefallen, es gab allerdings ein Manko für mich, denn das Buch hat sich durch die Teenieliebe einiger Charaktere doch arg in die Länge gezogen. Das hätte ich in diesem Ausmaß einfach nicht gebraucht, denn wenn ich etwas über Meerjungfrauen lese, dann möchte ich etwas über das Leben unter Wasser lesen und nicht wie sich zwei Jugendliche küssen. Zur Verteidigung dieses Umstandes sei gesagt, dass ich als erwachsene Leserin vermutlich nicht die geeignete Zielgruppe dieses Jugendbuches bin für speziell diese Thematik, dennoch hätte diese Verschiebung des Schwerpunkts weg von der eigentlichen Geschichte nicht sein müssen. Hätte Kate Dylan die verfügbare Seitenanzahl also mehr auf den Kampf um Astria gerichtet statt auf die Liebesduselei, wäre ich wirklich zu 100% zufrieden gewesen mit diesem Buch.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Unerwünschtes Kind / Unglückliche Geisha

Die letzte Geisha
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Bestanden meine bisherigen Leseerfahrungen über die Geisha Japans aus Vertreterinnen der gehobenen Geishakreise, in denen Musik, Unterhaltung, Gesang und Tanz in einem hohen Kurs standen, so habe ich mit ...

Bestanden meine bisherigen Leseerfahrungen über die Geisha Japans aus Vertreterinnen der gehobenen Geishakreise, in denen Musik, Unterhaltung, Gesang und Tanz in einem hohen Kurs standen, so habe ich mit Sayo Masudas „Die letzte Geisha“ die Kehrseite des Gewerbes in einer unbedeutenden Provinzstadt kennengelernt.
Sayo kommt über verschiedene Ecken in ein Geisha-Haus, wohin sie verkauft wurde. Sie wird einigermaßen in den Unterhaltungskünsten einer Geisha ausgebildet, jedoch wird sehr viel mehr Fokus auf ihre Erotik- und Verführungskünste gelegt als auf intellektuelle und kulturelle Künste, womit sie sich sehr von den Kyoto- und Tokyo-Geishas unterscheidet. Die Ausbildung und Verpflegung wird ihr in Rechnung gestellt, so dass sie jahrelang gebunden ist ein unerwünschtes Schicksal mit abendlichen Engagements, deren Abschluss oft bezahlte intime Episoden bilden, abzubezahlen.
Masuda berichtet über Rivalität und Schikane, die unter den Geisha in ihrem Umfeld herrschen, aber sie findet auch Schwestern unter den Leidensgenossinnen. Mit 19 Jahren hat sie einen Mäzen dermaßen für sich vereinnahmt, dass er sie freikauft – wobei lediglich die Herrschaft wechselt, denn ab sofort ist sie die Mätresse eines Mannes. Diesem läuft sie weg und findet Zuflucht bei ihren ehemaligen Geisha-Schwestern, die es ebenfalls aus dem verhassten Gewerbe geschafft haben. Ihr gelingt es ihr kleines Brüdderchen ausfindig zu machen, dem sie zu einem guten Leben verhelfen möchte wie ihr es selbst verwehrt war.

Im Nachwort wird erwähnt wie in den 1930er Jahren Zeitungsartikel in ganz Japan darüber berichteten, dass ganze Dörfer und Schulklassen in ländlichen Gebieten rar an Mädchen waren. Sehr offensichtlich war es in prekären Verhältnissen lukrativer ein junges Mädchen zu verkaufen statt es durchzufüttern. Ausbeutung und die Rückstellung der eigenen Bedürfnisse macht die Frauen zu seelisch Verwundeten, von denen viele den Freitod starben und wahrscheinlich noch mehr sich nie von den Traumata erholten.
Ihre Autobiografie verfasste Sayo Masuda, die Zeit ihres Lebens nie die japanischen Kanji-Schriftzeichen gelernt hatte sondern lediglich die vereinfachte Silbenschrift (Lernstand eines Grundschülers), auf die Ausschreibung einer Zeitung für eine Kurzgeschichte. Masudas Text wurde begeistert als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht, bevor ein Verlag sich dazu entschloss ihre Biografie als Buch zu verlegen. Die Einkünfte aus dieser Buchveröffentlichung ermöglichten es Masuda ein kleines Restaurant zu eröffnen, das sie betrieb, bis sie im Alter von 83 Jahren verstarb.

Dies ist eine kraftvolle Geschichte der anderen Seite der Medaille. Ich liebe Geschichten über Japan und sauge alles Fiktive wie Nichtfiktive gierig auf. So hat mich Sayo Masudas Geschichte sehr interessiert und nach dem Ende bewegt zurückgelassen.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Büchermenschen geht das Herz auf!

Sunwise Turn
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Madge Jenison und Mary Mowbray-Clark, beide in künstlerisch-intellektuellen Kreisen beheimatet, wagen es kurz vor den Wirren des Ersten Weltkrieges eine Buchhandlung in New York zu eröffnen. The „Sunwise ...

Madge Jenison und Mary Mowbray-Clark, beide in künstlerisch-intellektuellen Kreisen beheimatet, wagen es kurz vor den Wirren des Ersten Weltkrieges eine Buchhandlung in New York zu eröffnen. The „Sunwise Turn“ ist geboren. Beide sind keine gelernten Buchhändlerinnen und haben wenig Geschäftssinn, dafür ein unglaublichen Vorrat an Liebe zu Büchern, Enthusiasmus und Ideen. Die meistgehandelte Ware, sagen sie, ist in ihrer Buchhandlung das Gespräch, und so gestatet sich auch ihr Arbeitsalltag alles andere als konventionell. Schon bald ist Sunwise Turn über die Grenzen des Viertels und irgendwann auch über New Yorker Stadtgrenzen hinaus bekannt, und Frauen aus gehobenen Gesellschaftsschichten volontieren (häufig sogar) unentgeltlich, liefern Bestellungen aus, verkaufen Bücher im Laden usw. Es ist alles andere als eine gewöhnliche Buchhandlung, und Madge Jenison gibt in „Sunwise Turn“ nicht nur wie im Untertitel angegeben eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher, sondern auch einen Einblick in den Beruf des Buchhändlers in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Für mich als angehende Buchhändlerin ist dieses Buch eine Inspiration, auch wenn vieles sich vereinfacht und verändert hat und längst nicht mehr so gehandhabt wird wie vor 100 Jahren.
Ein faszinierendes Portrait ist dieses kleine Buch, das in meinem Bücherregal einen besonderen Platz bekommen wird!

Veröffentlicht am 30.07.2023

Phantastische Story mit einem Ausdruck zwischen Melodie und Parodie

Der kleinste Kuss der Welt
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Einem depressiven Erfinder rutscht bei einem Theaterbesuch ein Kuss von den Lippen. Die Frau, die dieser Kuss erreicht, verschwindet daraufhin – aber nicht einfach so, sie wird nämlich unsichtbar. Jener ...

Einem depressiven Erfinder rutscht bei einem Theaterbesuch ein Kuss von den Lippen. Die Frau, die dieser Kuss erreicht, verschwindet daraufhin – aber nicht einfach so, sie wird nämlich unsichtbar. Jener Erfinder versucht nach dieser Nacht fieberhaft die unsichtbare Frau wiederzufinden. Ihm, dem das Herz zuvor gebrochen wurde, erblüht es nun wieder vor Sehnsucht die Frau dieses so wohlschmeckenden Kusses ausfindig zu machen. Dafür sucht er einen Detektiv auf, der ihm seinen Papagei ausleiht, der dem Erfinder dabei hilft die unsichtbare Frau ausfindig zu machen. Um den Vogel auf die Fährte zu bringen, kreiert der Erfinder eine Praline, in der er den Geschmack des Kusses eingefangen hat. Es gelingt dem Erfinder tatsächlich seine verschwundene Liebe zu finden, die jedoch nicht wieder sichtbar wird. Als die einstige Liebe, die dem Erfinder das Herz gebrochen hat, zurück in sein Leben tritt, sieht er sich vor eine Entscheidung gestellt, die auch seine unsichtbare Liebe treffen und ihren ganzen Mut zusammen nehmen muss...

Was für ein wundervolles Buch Mathias Malzieu mit „Der kleinste Kuss der Welt“ geschaffen hat! Auch ich bin – wie viele andere sicher – durch Benjamin Lacombes Covergestaltung auf das Buch aufmerksam geworden. Poetisch, einfallsreich, hinreißend, ungewöhnlich, aber vor allem hat diese kurze Geschichte es zu jeder Zeit geschafft ein inneres Wohlgefühl in mir zu erzeugen, das ich gar nicht genau beschreiben kann. Inhalt und Stil sind teilweise skurril für den Leser, fügen sich aber in einem natürlichen Fluss in die Geschichte ein. Die Geschichte ist nicht nur hübsch zu lesen, sie vermittelt auch einige Denkanstöße während und nach dem Lesen.
Mein Fazit: Ich bin hin ausnehmend entzückt und werde mir seine anderen Werke ebenfalls gönnen!

Veröffentlicht am 30.07.2023

Das Bild eines Mannes wird erstellt durch die Frauen, die von ihm erzählen

Die zehn Lieben des Nishino
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Die Frauen fühlen sich von Yukihiko Nishino angezogen wie Motten vom Licht. Von Jugend an ist er ein charmanter Mensch, der die Wünsche der Frauen in seinem Umfeld instinktiv zu erraten vermag. Dennoch ...

Die Frauen fühlen sich von Yukihiko Nishino angezogen wie Motten vom Licht. Von Jugend an ist er ein charmanter Mensch, der die Wünsche der Frauen in seinem Umfeld instinktiv zu erraten vermag. Dennoch hält keine seiner Beziehungen lange.

In der ersten Schilderung besucht der alte Nishino Natsumi und ihre Tochter Minami, die er immer mit Gebäck verwöhnte. Er erinnert die beiden an eine lange zurückliegende Affäre, die Nishino und Manami gehabt haben.

Shiori ist die Mitschülerin des jungen Nishino. Die beiden jaben nicht so viel miteinander zu tun, bis Shiori auf einem Baugrundstück, auf dem sie Sentimentalitäten vergräbt, Nishino mit einer Frau sieht. Nachdem Nishino seine um ein verlorenes Baby trauernde Schwester getröstet hat und die Schmerzen in ihrer Brust lindert, indem er die Milch aus ihr getrunken hat, küssen Nishino und Shiori einander inbrünstig.

Nishino und Manami. Angestellter und Chefin, die zusammenkommen trotz Manamis Vorsatzes auf der Arbeit keine Liebschaft zu beginnen. Er will sie, sie liebt ihn, aber sie bleiben nicht zusammen. Sie verlässt ihn, bevor ihm klar wird, dass er sie nicht liebt.

Nishino und Kanoko waren einmal ein Paar. In freundschaftlicher Verbundenheit halten sie weiterhin Kontakt und übernachten in dieser Erzählung gemeinsam in einem Ryokan.

Reiko fragt Nishino ohne Umschweife, ob er Sex mit ihr haben will, was sie auch direkt in seiner Wohnung umsetzen. Sie bleibt fünf Tage bei ihm, bevor sie geht und weiter nicht über ihn nachdenkt. Nachdem Nishino sich bei ihr meldet, flammt Reikos Interesse an ihm auf, und schon bald verliebt sie sich in ihn. Doch nach etwa einem Jahr wird sie sich darüber klar, dass sie ihn nicht weiter lieben kann.

Tama ist die Mitbewohnerin von Subaru und verärgert darüber, als diese eines Nachts den fremden Nishino mit nach Hause bringt. Seine vielen unangekündigten Besuche bei Subaru und Tama, die sich gern von der Welt fern hält und lieber zu Hause ist, sind der zurückgezogen jungen Frau ein Dorn im Auge.
Eines Tages schlafen Tama und Nishino miteinander, sie werden von Subaru überrascht. Tama fragt Nishino, warum er mit ihr geschlafen hat, woraufhin er erwidert, weil sie ihn liebe.

Eriko lernt Nishino kennen, nachdem eine Katze sie auf ihrem Balkon besucht. Sie tauft den Vierbeiner "Mau". Als die Katze beinahe jeden Tag auftaucht, kommen auch Nishino und Eriko in Kontakt, und die beiden werden bald darauf Geliebte. Als die Katze nach einer Weile nicht mehr auftaucht, geht auch die Beziehung der beiden zuende.

Sayuri nimmt an einem Kochkurs teil, in dem auch der 37-jährige Nishino ist. Obwohl sie verheiratet ist und Mutter einer erwachsenen Tochter, findet Nishino sehr schnell einen Weg in Sayuris Herz. Kontakt halten sie hauptsächlich übers Telefon durch die Anrufe von Nishino, doch irgendwann ruft er nicht mehr an und besucht auch den Kochkurs nicht mehr, was Sayuri einige Monate trauern lässt.

Ai lernt Nishino kennen, als sie - das Studium hat sie schon fast abgebrochen - in einem Strandkiosk in einem Touristenort arbeitet, den der etwa 50-jährige Nishino mit einer um die 30 Jahre alten Frau besucht. Er trennt sich von der Frau, und im Gespräch mit Ai sagt er ihr, er habe sich in sie verliebt. Obwohl Ai an seiner Moral zweifelt und seinen Charakter allgemein nicht sehr gut einschätzt, werden die beiden ein Paar. Als Ai krank wird und einen Husten bekommt, geht Nishino Trauben für sie kaufen. Während er weg ist, ruft er Ai an und sagt ihr, er werde nicht zurückkommen.

Nozomi lernt Nishino mit 18 Jahren an der Uni während einer Freistunde kennen, wo sie beide Wirtschaftswissenschaften studieren. Er fragt sie ohne Scheu, ob das Gerücht stimme, sie hätte mit jedem Sex. Entrüstet über diese Unverschämtheit lässt sie ihn stehen. Einen Monat später begegnen sie sich zufällig wieder, als Nishino mit der wunderschönen Kanoko auf dem Campus auftaucht. Sie schlafen miteinander, und auf eine bösartige Äußerung Nozomis verlässt Nishino ihre Wohnung. Sie treffen sich erst ein Jahr später durch Zufall auf der Toilette einer Kneipe wieder, und Nishino hat einen mentalen Zusammenbruch, der offenbart wie hoch die Schuldgefühle seiner Schwester gegenüber wiegen.

Tja, was für eine Geschichte... Nishino, der eine liebt und mit vielen liebelt, kann seine Liebe zu der jeweils einen kaum zeigen. Doch stets in dem Moment, in dem er von seiner Liebe verlassen wird, begreift er seine Liebe und verfällt immer in Verzweiflung über den Verlust.
"Ja, dieser Mann wird wohl für immer allein bleiben, dachte ich, als ich ihm in die Augen schaute", denkt eine seiner Liebschaften.
Die einzelnen Geschichten sind immer aus der Sicht der Frauen in Nishinos Leben wiedergegeben und setzen Stück für Stück ein Bild von ihm zusammen.

So ganz weiß ich nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es hat keinen Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl der Ausdruck von Hiromi Kawakami mir gut gefallen hat. Vielleicht verhält es sich damit wie mit Kurzgeschichtensammlungen für mich; zu viele unverbundene Charaktere, auf die ich mich einlassen, und die dann dchon wieder weg sind, nachdem ich micch gerade an sie gewöhnt habe.