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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2023

Physik... davon verstehe ich nichts.

Schilf
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Ein Roman mit kriminalistischen Mitteln, angereichert mit philosophischen und physikalischen Fragen – so würde ich Juli Zehs „Schilf“ beschreiben.
So richtig warmgeworden bin ich bis zur letzten Seite ...

Ein Roman mit kriminalistischen Mitteln, angereichert mit philosophischen und physikalischen Fragen – so würde ich Juli Zehs „Schilf“ beschreiben.
So richtig warmgeworden bin ich bis zur letzten Seite nicht mit diesem Buch.

Zwei junge Männer verbindet eine Freundschaft, die sich auf die Liebe zur Physik gründet. Angeregt können Oskar und Sebastian stundenlang über dieses Thema unterhalten und ihre verschiedenen Ansichten diskutieren.
Diese unterschiedlichen Ansichten sind es allerdings auch, welche die Freundschaft irgendwann trüben. Für Oskar waren zwei Dinge im Leben das Wichtigste: Sebastian und die Physik. Sebastian hätte diese Frage andersherum genauso beantworten können, bis er eine Frau traf, heiratete und seither Familienvater ist. Mit Oskar ist er aber auch weiterhin befreundet, der die Familie in Freiburg häufig aus Genf besucht.
Nach dem letzten Besuch Oskars passiert bei Sebastian etwas Merkwürdiges und Verstörendes: Sein Sohn Liam wird entführt. An einer Raststätte hat er Halt gemacht auf dem Weg, das Kind ins Pfadfinderlager zu bringen. Als er den Rasthof wieder verlässt, ist sein Auto mitsamt dem darin schlafenden Sohn verschwunden. Er erhält einen Anruf mit der Aufforderung jemanden zu töten.

Bis hierher war das Buch so einigermaßen unterhaltsam, aber die Geschichte hat mich ein wenig in den vielen Erläuterungen zu physikalischen und esoterischen Theorien verloren. Für mich wirkte es ein wenig, als hat die Autorin sich für ein Thema interessiert und wollte es in einer Geschichte verwursten. Leider ist es dann so ein Mischmasch geworden, in dem ich mich nur schwer zurechtgefunden habe.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Für Japaninteressierte auf jeden Fall interessant

Japan – Abstieg in Würde
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Die japanische Gesellschaft gibt sich nach außen hin stark, unnahbar und hält sichtbare Emotionen zurück, um den Anschein zu wahren. So auch ihre Regierung. Für jemanden, der dieser Gesellschaft nicht ...

Die japanische Gesellschaft gibt sich nach außen hin stark, unnahbar und hält sichtbare Emotionen zurück, um den Anschein zu wahren. So auch ihre Regierung. Für jemanden, der dieser Gesellschaft nicht angehört, ist es nicht so einfach einen Einblick in das zu bekommen, was sie umtreibt und womit sie zu kämpfen hat. Japan als frühere Wirtschaftsmacht hat mit einem demographischen Problem zu kämfen, denn die Bevölkerung wird immer älter. Geplatzte Wirtschaftsblase, demographischer Wandel, gesellschaftliche Aussteiger, Fukushima - das sind nur einige Themen, mit denen man in diesem Buch versorgt wird.
Das Buch hat einen wirklich lesenswerten Stil. Normalerweise tue ich mich mit Sachbüchern schwer, sie lesen sich für mich einfach nicht so flüssig weg wie Fiktion. Ich weiß nicht, ob es am Thema liegt (ich interessiere mich sehr für Japan) oder an Wieland Wagners Schreibstil, aber es liest sich ungewohnt leicht für mich weg.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Spaßiges Wendebuch mit ernstem Thema

Regenland + Trockenland - Ein Wendebuch
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Nemeh wohnt auf der einen Seite des Buches, Trockenland. Ihr Brunnen ist ausgetrocknet und sie macht sich mit ihrem Wüstenfuchs zusammen auf die Suche nach Wasser. Nach einer Reise durch Staub und Sonne ...

Nemeh wohnt auf der einen Seite des Buches, Trockenland. Ihr Brunnen ist ausgetrocknet und sie macht sich mit ihrem Wüstenfuchs zusammen auf die Suche nach Wasser. Nach einer Reise durch Staub und Sonne macht sie Rast und wacht eines Morgens neben einem Jungen auf. In der Mitte des Buches begegnen sich Nehmeh und Lamar. Lamar wohnt auf der anderen Seite des Buches, Regenland. Seine Welt ist unbewohnbar geworden, eingekreist von Wasser erreichen ihn keine anderen Menschen ohne Boot mehr, und zu allem Überfluss regnet es auch noch die ganze Zeit. Mit seinem Huhn macht Lamar sich auf den Weg endlich aus dem ewigen Regen herauszukommen und paddelt mit seinem Boot den Fluss entlang. Der Fluss endet, und Lamar findet sich nach einem Fußmarsch in der Wüste wieder. Er macht Rast und wacht eines Morgens neben einem Mädchen auf.

Das Buch ist wirklich toll gestaltet! Von der einen Seite illustriert Joelle Tourlonias das Trockenland, von der anderen Seite Jan Birck, und mittendrin erzählt Michael Engler die Geschichte.
Das Bilderbuch spricht ohne erhobenen Zeigefinger die Probleme der nicht allzu fernen Erde und ihrer Bewohner an. Fluten und Dürre werden etwas sein, womit die nächste Generation sich auseinandersetzen muss, und diese Geschichte bietet eine Basis, auf der Eltern selbst entscheiden können mit welcher Mahnung sie ihre Kinder auf eine solche Welt vorbereiten.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Was für eine Wendung auf der Zielgeraden!

Neujahr
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Urlaub auf Lanzarote. Nach einer Woche auf der Insel macht Familienvater Henning etwas für sich. An Neujahr steigt er auf das gemietete Fahrrad und erklimt einen nahegelegenen Berg. Während der Fahrt begleiten ...

Urlaub auf Lanzarote. Nach einer Woche auf der Insel macht Familienvater Henning etwas für sich. An Neujahr steigt er auf das gemietete Fahrrad und erklimt einen nahegelegenen Berg. Während der Fahrt begleiten wir als Leser Henning durch Grübeleien und Erinnerungen durch seinen Kopf. Henning ist auf den ersten Blick ein stinknormaler Familienvater, der mit seiner Familie übers Jahresende in den Urlaub gefahren ist. Er resümiert über die üblichen Probleme mit seiner Frau Theresa, die glaubt, auf ihr laste zu viel Familie, zu viel Haushalt, zu oft die Kinder. Henning hat das Gefühl sich mehr bemühen zu müssen. Für seine Schwester Luna, die dann und wann mal auftaucht und ansonsten ziellos durch die Weltgeschichte kreuzt, muss er sich bei Theresa häufig entschuldigen. Wir erfahren, dass er unter Panikattacken leidet, für die Ärzte bisher keinen Grund gefunden haben.
Immer wieder werden wir zusammen mit Henning aus seinen Gedanken gerissen. In seinem untrainierten Zustand fangen seine Beine schnell an zu schmerzen und er stellt fest, dass er leidlich schlecht vorbereitet ist – nicht mal Wasser hat er mitgenommen. Aber er kämpft weiter. Auf der Bergspitze angekommen, trifft er auf ein weißes Haus und bricht vor Erschöpfung zusammen. Dehydriert und sonnenverbrannt wird er von der Besitzerin des Hauses eingelassen, die ihm ein Essen zu kochen und zu trinken zu geben. Während er sich erholt, regt sich ein längst vergessener Teil aus Hennings Erinnerung an die Oberfläche und offenbart ein lange verschüttetes Geheimnis...

Wow, ich kann gar nicht mehr zu diesem Buch sagen, ohne dem ganzen die Spannung zu nehmen. Anfangs dachte ich: Okay, jetzt lese ich davon wie ein Typ über 200 Seiten lang Fahrrad fährt und über sein Leben jammert... Aber es ist wirklich so viel mehr! Absolut lesenswert, finde ich!