Cover-Bild Neujahr

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

11,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 11.11.2019
  • ISBN: 9783442718962
Juli Zeh

Neujahr

Roman
Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2020

Überraschend gut

0

Ihr Lieben, ich freue mich, euch heute wieder eine Buchrezension vorstellen zu dürfen. Für 2020 habe ich mir vorgenommen, siebzig Bücher zu lesen und die ersten zwei sind geschafft. Zuletzt gelesen habe ...

Ihr Lieben, ich freue mich, euch heute wieder eine Buchrezension vorstellen zu dürfen. Für 2020 habe ich mir vorgenommen, siebzig Bücher zu lesen und die ersten zwei sind geschafft. Zuletzt gelesen habe ich »Neujahr« von Juli Zeh, welches mich, soviel kann ich bereits sagen, positiv überrascht hat. Ich gehöre zu denjenigen, die sich zu allererst durch das Cover für ein Buch begeistern lassen. Wenn mich dieses nicht anspricht, dann ist das Interesse meist schon verflogen. In dem Fall aber, war das Buch ein Weihnachtsgeschenk und so landete Zeh´s neuer Roman doch noch in meinem Bücherregal. Vom Cover her, hat es mich im Laden bisher nie überzeugen können. Aber einmal mehr ist mir bewusst geworden, dass dies nicht entscheidend ist.

Neujahrsmorgen in Lanzarote, Spanien: Der Familienvater Henning ist mit dem Fahrrad unterwegs. Ohne Proviant, geeignete Ausrüstung und bei fortwährender Steigung, wird es immer schwerer für ihn, sein Ziel zu erreichen. Während seiner anstrengenden Fahrt spielt er sein Leben gedanklich durch. Obwohl er mit seiner Ehefrau Theresa und seinen Kindern Bibbi und Jonas glücklich sein könnte, fühlt sich Henning immer öfter überfordert. Es geht ihm so mies, dass er seit geraumer Zeit unter immer wiederkehrenden Panikattacken leidet, die ihn stark mitnehmen. Kurz vor dem Gipfel, stellt Henning fest, dass er bereits als Kind an dem Ferienort in Lanzarote war und sich damals etwas Tragisches ereignet haben muss. Die Erinnerungen an den früheren Aufenthalt brechen ungefiltert über ihm herein.

Der Roman beschreibt die Rolle eines überforderten Mannes in heutiger Zeit und macht die Geschichte dadurch anders, besonders. Von Müttern, die ihre Familienrolle überdenken, ausbrechen wollen und sich leer und nutzlos fühlen, kann man in großer Anzahl lesen. Zeh stellt den Familienvater in den Mittelpunkt dieser Überforderung und das ist neu. So ist »Neujahr« ein moderner Roman, der es auch Männern zugesteht in ihrer Position als Vater und Ehemann Schwäche zu zeigen. Mir gefällt die Kombination aus persönlichem Drama und den Merkmalen eines Psychothrillers. Die wechselnden zeitlichen Ebenen und die unterschiedlichen Wahrnehmungen bringen Rasanz und Tragik in die Geschichte.

Juli Zeh macht deutlich, wie sehr die Kindheit uns prägt und welche Folgen dieser Umstand mit sich bringen kann. Das Buch umfasst lediglich 190 Seiten und ist somit kompakt und zügig lesbar. Die inhaltlichen Ereignisse gehen nah, die Erinnerungen des Protagonisten verschwimmen hin und wieder, sodass die Realität nicht ganz greifbar scheint. Deshalb ist mir nicht immer klar gewesen, wie sich die Situationen wirklich zugetragen haben. Besonders die Mitte und das Ende der Erzählung haben mich beeindruckt. Der sprachliche Stil, inklusive seiner ausgewählten Metaphern, sind auf großartige Weise gelungen.

»Neujahr« besticht durch seine fesselnden Darstellungen und trifft durch seine menschliche Seite bis ins Mark. Ein gesellschaftlich relevanter Roman über die prägenden Ereignisse der Kindheit, die bis ins Erwachsenensein nachhallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Wie die Kindheit unser weiteres Leben prägt

0

Einem spontanen Entschluss folgend, macht sich Henning am Neujahrsmorgen ,während des Familienurlaubs auf Lanzarote, mit dem Fahrrad auf, den Atalaya Vulkan zu erklimmen. Untrainiert mit schlechter Ausrüstung ...

Einem spontanen Entschluss folgend, macht sich Henning am Neujahrsmorgen ,während des Familienurlaubs auf Lanzarote, mit dem Fahrrad auf, den Atalaya Vulkan zu erklimmen. Untrainiert mit schlechter Ausrüstung und wie er unterwegs bemerkt sogar ohne Wasser, kraxelt er dennoch die Bergstraße immer weiter hoch und reflektiert dabei sein Leben, dass in einer Krise steckt. Er steht mit beiden Beinen im Leben, hat 2 gesunde Kinder und lebt ein modernes Familienmodell mit seiner Frau, bei dem sich beide Partner gleichermaßen auch um die Kinder und den Haushalt kümmern. Doch irgendwie überfordert ihn dieses Leben, und seit der Geburt der Tochter leidet er an Panikattacken und weiß nicht warum.

Im ersten Teil des Buches, der sich fast bis zur Mitte zieht, ist Henning mit seiner Radtour beschäftigt. Der Leser partizipiert an seinen Gedanken und Emotionen. Schließlich kommt er dehydriert und entkräftet an einem einsamen Hof aus, wo die Bewohnerin seinen desolaten Zustand erkennt und ihn erst einmal bewirtet, damit er wieder zu Kräften kommt. Henning hat in dem Haus sofort das Gefühl ein Dejà Vu zu erleben. Es stellt sich heraus, dass es ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit gab, dass sein Unterbewusstsein komplett verdrängt hat und das jetzt wieder zum Vorschein kommt.

Das Buch wird spannender und entwickelt einen Sog, wie in einem Krimi. Ich fand das Buch ein bisschen vorhersehbar. Wenn man aufmerksam liest, ahnt man was kommen wird. Trotzdem ist es fesselnd geschrieben und birgt Stoff zu Nachdenken. Das Ende ist mir etwas zu schnell abgehandelt. Ich vergebe gute 4 Sterne, da ich den Schreibstil von Juli Zeh sehr gerne mag. "Leere Herzen" hat mir allerdings noch etwas besser gefallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2020

ZÄH ...

0

Der Plot:
Die Idee, einen Roman analog zu einer bergauf führenden, immer steiler werdenden Radtour zu erzählen, hat etwas Faszinierendes. Von Etappe zu Etappe werden die Rückblenden erzählt. Aber was wird ...

Der Plot:
Die Idee, einen Roman analog zu einer bergauf führenden, immer steiler werdenden Radtour zu erzählen, hat etwas Faszinierendes. Von Etappe zu Etappe werden die Rückblenden erzählt. Aber was wird im Rückblick erzählt? Kindererlebnisse eines vierjährigen, der seine zweijährige Schwester liebt. Oder aus der Jetztzeit, wie „harmonisch“ das Familienleben ist. Und das Ganze verbrämt mit Otto-Normalverbraucher-Psychologie. Klischeehaft! Schade!

Die Personen:
Die Protagonisten lassen keine Frage offen. Sie sind gut skizziert, obwohl ich mir oft dachte, warum „lieben“ sich die eigentlich?

Die Sprache:
Die Sprache ist ein Gräuel! Aus dem Gerichtssaalprotokoll per copy & paste in einen Roman übertragen! Abgehackt, zum Teil extrem kurze Sätze, die so ganz und gar nicht zu einem angenehmen Lesefluss beitragen. Wenigstens sind die meisten Metaphern „brauchbar“!

Mein Fazit:
Juli Zeh ist (auf Vorschlag der SPD) ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht in Brandenburg. Genauso so liest sich ihr Text! Überforderte Eltern im Alltag, vermengt mit einem frühkindlichen Trauma, das natürlich zu Spätfolgen führt. Der Dr. Freud hätt‘ seine Freud‘ mit dem Geschriebenen! Leider bin ich nicht der Dr. Freud. Ich habe mir aufgrund der vielen positiven Rezensionen mehr erwartet. Aber vielleicht ist die heutige Gesellschaft wirklich schon so parterre, dass sie etwas gut findet, was sie seit Jahren glaubt am eigenen Körper zu verspüren! Es lebe der Krankenstand!

Aber in einem hat sie Recht: Auf die Frage: „Was will uns der Autor damit sagen?“ – ist ihre verbriefte Antwort: „Gar nichts!“ Habe ich leider zu spät erfahren!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2019

Atemberaubend berauschend

0

Neujahr von Julie Zeh ist im November 2019 als Taschenbuchausgabe bei btb erschienen. Am Neujahrsmorgen bezwingt Henning mit einem Fahrrad die Steilauffahrt nach Femés und reflektiert derweil über sein ...

Neujahr von Julie Zeh ist im November 2019 als Taschenbuchausgabe bei btb erschienen. Am Neujahrsmorgen bezwingt Henning mit einem Fahrrad die Steilauffahrt nach Femés und reflektiert derweil über sein Leben. Eigentlich ist alles in Ordnung, seiner Familie geht es gut, doch er befindet sich in einem unausweichlichen Dauerzustand: Familienernährer, Vater, Ehemann, und ES - Panikattacken, Angstzustände. Als er schließlich die Spitze des Hangs erreicht, ist Henning körperlich am Ende, dehydriert und unterzuckert bricht er zusammen und bemerkt dabei, dass er hier schon einmal war. Erinnerungen brechen über ihn herein und die erschreckende Erkenntnis über die Tragödie, die sich damals zugetragen hat. Da merkt er, dass ihn das, was er zu verdrängen versucht hat, bis heute verfolgt.

Wie im Rausch erzählt Julie Zeh die Geschichte von Henning in der Gegenwart, der nahen und der fernen Vergangenheit. Eindrucksvoll beschreibt sie seine Sorgen und Gedanken, was ihn bewegt und ängstigt, womit er umgehen und was er erleiden muss. Erfolgreich hatte er bis zum gemeinsamen Familienurlaub auf Lanzarote verdrängt, dass er bereits einmal dort war und sich Schreckliches zugetragen hat. Durch diese Hilflosigkeit und das Wissen um die Vergangenheit wird unterschwellig eine gewaltige Empathie erzeugt und der Leser zum Reflektieren angeregt. Bis zuletzt ist nicht klar, ob sich die Ereignisse wirklich so zugetragen haben mögen, oder das Ergebnis der Fantasien des dehydrierten und unterzuckerten Mannes sind. Schließlich kommt er jedoch in einem offenen Ende scheinbar zu einer Erkenntnis. Die so erhaltene Spannung hat mich berauscht durch die Geschichte getragen und in Atem gehalten.
Julie Zeh weiß mit Worten umzugehen, mit ihnen zu spielen und auf der Punkt Gedanken und Wendungen einzubringen. So ist dieser Roman inspirierend, erschreckend und ergreifend zugleich, erfordert jedoch die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers.

Vielen Dank an den btb Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar.