Profilbild von fraedherike

fraedherike

Lesejury Star
offline

fraedherike ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit fraedherike über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2021

Eine Idee der Zukunft und der Vergangenheit

Farm der Tiere
0

„Can you understand that liberty is worth more than just ribbons?“

Die Farm der Tiere (OT: Animal Farm) von George Orwell ist bereits 1945 erschienen. Die dystophische Erzählung handelt von der Erhebung ...

„Can you understand that liberty is worth more than just ribbons?“

Die Farm der Tiere (OT: Animal Farm) von George Orwell ist bereits 1945 erschienen. Die dystophische Erzählung handelt von der Erhebung der Tiere auf einer Farm in einer englischen Grafschaft gegen ihren menschlichen Besitzer. Angeführt von dem Schwein Old Major, der verkündet, dass sie die ganze Zeit über ausgebeutet, ja gar vernachlässigt, ihrer nicht würdig behandelt wurden, planen sie, die Menschen von dem Hof zu vertreiben und von nun an für sich selbst zu sorgen, denn „zwei Beine sind schlecht, vier Beine sind gut“. Doch aus der anfänglichen Nostalgie wird schnell eine von den Schweinen, den wohl klügsten Tieren der Farm, angeführte Diktatur, die schlimmer zu werden vermag, als sie es je erlebt haben.

Vielen wird die Geschichte vermutlich aus der Schule oder dem Studium bekannt sein, ist sie doch aufgrund der möglichen und offensichtlichen Interpretationsvorlagen gesellschaftshistorisch relevant einzustufen. Mir persönlich hat die Geschichte weniger zugesagt; das lag nicht nur am Plot an sich, dessen Idee zwar wahren Ursprungs sein mag, doch ich fürchtete mich ein wenig davor. Der schwerfällige Schreibstil und die kryptischen Beschreibungen taten dann ihr übriges.

Doch hervorzuheben ist umso mehr das wunderschöne Cover dieser Neuauflage des Manesse-Verlags!

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2021

Einfühlsame Erzählungen, aber ohne den Kick

Dieses entsetzliche Glück
0

In der Kleinstadt Hollyhock in Virginia herrscht Normalität. Sie sind miteinander verbunden, sei es durch Freundschaft, durch Streit, durch Ehe oder zufällige Bekanntschaft. Gemein haben die fünfzehn Leute ...

In der Kleinstadt Hollyhock in Virginia herrscht Normalität. Sie sind miteinander verbunden, sei es durch Freundschaft, durch Streit, durch Ehe oder zufällige Bekanntschaft. Gemein haben die fünfzehn Leute alle, dass sie ein Päckchen zu tragen haben, etwas, das sie bedrückt, aber auch himmelhoch jauchzen lässt; sie haben hier einen Ort der Ruhe gefunden, sind hierher geflüchtet, beginnen ein neues Leben. Sie sind Maklerinnen, Mütter und Väter, Schriftsteller oder Verkäufer.

Annette Mingels erzählt in fünfzehn Kurzgeschichten, bei der jede dieser Personen im Mittelpunkt steht, inwiefern das Glück in ihren jeweiligen Leben abhandengekommen ist, wieso sie bedrückt sind, sich unverstanden fühlen, von der Liebe und Hoffnung verlassen. Leider sind die Geschichten teils sehr oberflächlich erzählt, fließen monoton dahin und es gibt nur an kurzen Passagen einmal eine spannende Erhebung. Oftmals sind die Erzählungen offen gehalten, was durchaus auch seinen Reiz haben kann, hier jedoch eher ein beklemmenden Gefühl hinterlässt. Der Schreibstil an sich hat mir gut gefallen, doch in Kombination mit dem Plot konnte er mich nicht vollends begeistern.

Insgesamt eine anschauliche und beklemmende Sammlung von Perspektiven, für mich jedoch leider nichts.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2020

Tolle Auszeit

Witzige Tiere zeichnen
0

Witzige Tiere zeichnen hat mir einige wunderbare Augenblicke der Entspannnung und des Abschaltens verschaffen - gerade in der jetzigen Zeit tat das so gut! Die Step für Step-Anleitungen sind simpel dargestellt ...

Witzige Tiere zeichnen hat mir einige wunderbare Augenblicke der Entspannnung und des Abschaltens verschaffen - gerade in der jetzigen Zeit tat das so gut! Die Step für Step-Anleitungen sind simpel dargestellt und einfach nachzumalen. Die Auswahl der Tiere ist groß und ich konnte meine ganze Wohnung nun mit lustigen Unikaten der unterschiedlichsten Tiere schmücken, und werde sicher auch einige Bilder zu Weihnachten als kleines Goodie verschenken.
Danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.12.2020

Easy like French summer nights

Queen July
0

Manchmal war es besser, Menschen und Dinge ziehen zu lassen, anstatt ihnen hinterherzulaufen. (S. 103)

Alles begann in Paris, und da – genauer: in einer Badewanne gefüllt mit wohltuend kühlem Wasser und ...

Manchmal war es besser, Menschen und Dinge ziehen zu lassen, anstatt ihnen hinterherzulaufen. (S. 103)

Alles begann in Paris, und da – genauer: in einer Badewanne gefüllt mit wohltuend kühlem Wasser und einer Flasche Weißwein – soll es nun weitergehen: Aziza ist in Paris aufgewachsen, lebt aber nun in Dschibuti. Als sie mit ihrem Medizinstudium und der Ausbildung zur Anästhesistin fertig war, hat sie die Möglichkeit, Paris und die Geister der Vergangenheit hinter sich zu lassen, beim Schopfe gepackt und trat eine Stelle in einem chinesischen Krankenhaus an. Zwischen ihrer Arbeit, feucht-fröhlichen Partys und heißen, gemeinsamen Nächten mit einem attraktiven Kollegen aus Addis Abeba fällt ihr das auch nicht allzu schwer, bis sie eines Tages eine Nachricht ihrer Jugendliebe Strehler erhält. Einst ihre große Liebe, wendete er sich damals ohne ein Wort der Erklärung von ihr ab, und verletzte sie damit tief. Nun wollen sie sich nach all den Jahren, in denen sie beide neue Erfahrungen gemacht, ein anderes Leben geführt haben, in Paris wiedertreffen. Vor ihrem Treffen ist Aziza nervös, unsicher, und vertraut sich ihrer Gastgeberin July, der Freundin einer Freundin, neben einer Badewanne auf dem Boden sitzend, an.
Was mir zunächst wirr und fragmentiert erschien, fügte sich schnell zu einem stimmigen, atmosphärischen Ganzen zusammen, und unversehens war ich in Azizas Beschreibungen ihres Lebens versunken. Der fantastische Erzählverlauf, der Spannungsaufbau und die empathische Darstellung fesselten mich eines Soges gleich an die Seiten. Von außen betrachtet scheint es eine kitschige, wenn nicht sogar klischeebeladene Liebesgeschichte zu sein, doch es ist mehr: Stadelmaier greift gesellschaftspolitische Themen wie Terroranschläge, Krieg und Flucht auf, erzeugt eine bedrückende Art von Weltschmerz und stellt diesem junge, dickköpfige, aber aufgeweckte und gewitzte Protagonistinnen gegenüber. All das mündet in einer ausgeglichenen Symbiose aus Bedrückung und Zufriedenheit, Humor und Erotik. Azizas Gefühle werden spürbar in ihren Erzählungen transportiert, und regelmäßig von Julys teils vulgären, aber überlegten Kommentaren und Anmerkungen unterbrochen, was einen aufmerkenden Break gibt, trotz all der Schwermütigkeit den Optimismus bewahren lässt.

Das Buch hat mich mit seinem großen Gefühlsspektrum, der feinen Beobachtungsgabe und dem fesselnden Verlauf wirklich begeistert, und mir in diesen dunklen Zeiten ganz viel Sonne beschert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2020

Literarischer Leckerbissen

Der Koch
0

Palak Gosht nach Punjabi-Art gegart, Aloo Gobi Adhraki mit leichter Ingwernote – für Maravan, einen tamilischen Asylbeweber und leidenschaftlichen Koch, gibt es nichts Schöneres als die indische Küche. ...

Palak Gosht nach Punjabi-Art gegart, Aloo Gobi Adhraki mit leichter Ingwernote – für Maravan, einen tamilischen Asylbeweber und leidenschaftlichen Koch, gibt es nichts Schöneres als die indische Küche. Doch in der Realität arbeitet er als Hilfskraft im Zürcher Sternelokal Chez Huwyler. Als er seiner Kollegin Andrea bei einem Rendezvous ein aphrodisisches Menü kocht, ermutigt sie ihn dazu, ein gemeinsames Catering für Liebesmenüs zu eröffnen. Zu Beginn kochen durch Vermittlung einer Sexualtherapeutin nur für Paare, die wieder das Feuer in der Beziehung zu entflammen versuchen, aber der Erfolg von „Love Food“ spricht sich bald herum: Wirtschaftsmogule, Politiker, Waffenhändler, alle wollen sich der kulinarischen – und letztlich auch physischen – Liebe hingeben. Schnell wird es Maravan zu viel, das Catering zu anrüchig, doch er braucht das Geld, um seiner Familie in Sri Lanka zu helfen.

Wer denkt, in dieser Geschichte ginge es lediglich ums Kochen, das Verführen, den feinen Gaumen, der täuscht: Martin Suter hat mit seinem unvergleichlichen schweizerischen Charme ein modernes Märchen komponiert, das unter dem Deckmantel einer seichten Liebesgeschichte intensive Themen behandelt. Neben dem damals schon länger andauernden Bürgerkrieg in Sri Lanka, der Maravans Familie direkt betrifft, beeinflussen die zeitaktuellen Geschehnisse im Jahr 2008 Handlungsverlauf und -intentionen, seien es die Wahl von Präsident Obama oder der Börsencrash der Lehman Brothers. Sprachlich brilliant und mit erzählerischer Finesse beschreibt er, wie Maravan und Andrea ihren Catering-Service etablieren, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat und nicht zuletzt, welche grandiosen Gerichte er für „Love Food“ zaubert. Alleine bei der Vorstellung wurde mein innerer Pawlow’scher Hund wach und verlangte sehnsüchtig nach indischem Essen. Die Charaktere bilden ein bunt-diverses Potpourri und fügen sich optimal in die komplexe Handlung ein. Teils zog sich diese ein wenig in die Länge, aber letztlich hat mir die Geschichte rund um Maravan und seine Kochkünste sehr gefallen.

Vielen Dank an den @diogenesverlag für das #Rezensionsexemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere