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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2020

Intensiv, aber langatmig

Eine Liebe in Neapel
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In Eine Liebe in Neapel erzählt Heddi Goodrich die Geschichte einer Liebe, die im Neapel der 90er Jahre begann: Die amerikanische Linguistikstudentin Heddi wohnt in einer WG im Spanischen Viertel, genießt ...

In Eine Liebe in Neapel erzählt Heddi Goodrich die Geschichte einer Liebe, die im Neapel der 90er Jahre begann: Die amerikanische Linguistikstudentin Heddi wohnt in einer WG im Spanischen Viertel, genießt ihr Leben und die Geborgenheit, die sie von ihren Freunden erhält und so nie kennengelernt hatte. Auf einer Party schenkt ihr Pietro, ein Geologiestudent, ohne große Worte ein Mixtape mit Liebesliedern – was gleichzeitig der Beginn einer unerwarteten und tiefgreifenden Liebesgeschichte ist. Sie sind wie zwei Seelen in einem Körper und trotzen allen Widerständen.

Ehrlich und eindrucksvoll erzählt Goodrich aus der Sicht der Protagonistin von ihren Gefühlen und Gedanken, wodurch ihr empathischer Charakter noch mehr zur Geltung kommt. Sie ist ein sehr familiärer Mensch, der in der Gemeinschaft auflebt, aber jeden kleinsten Affront auch schnell persönlich nimmt. Pietro hingegen ist ein mysteriöser Charakter, der oftmals unüberlegt und gefühlsarm handelt, innerhalb der Geschichte eine eher negative Entwicklung vollzieht. Dies kann aber auch der umfassenden Darstellung seiner Familie geschuldet sein, die der Liebe der beiden nicht ohne Vorurteile gegenübersteht.
Trotz dessen die Beschreibungen Neapels, der Vulkane und der inneren und äußeren Gefühle mir gut gefallen hat, überzeugte mich der Roman im Ganzen nicht: Die Handlung war überwiegend zäh und einfallslos, der Spannungsbogen sank bereits nach der ersten Hälfte enorm ab. Hinter dem Vordergrund, dass es ein biographischer Roman ist, sehr diesen Kritikpunkten jedoch weniger Aufmerksamkeit geschenkt, denn das Leben ist eben kein perfekt konstruierter Roman, sondern nimmt eben seinen Lauf. Wenn man sich für dieses Buch interessiert, sollte man diesen Punkt unbedingt beachten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2020

Intensiv und wichtig

Das Gegenteil von Hasen
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Das Gegenteil von Hasen von Anne Freytag ist ein intensiver Roman, dessen Fokus auf Mobbing liegt. Darüber hinaus werden Themen wie LGBTQ, familiäre Probleme und Freundschaft thematisiert.

Julia schreibt ...

Das Gegenteil von Hasen von Anne Freytag ist ein intensiver Roman, dessen Fokus auf Mobbing liegt. Darüber hinaus werden Themen wie LGBTQ, familiäre Probleme und Freundschaft thematisiert.

Julia schreibt in ihrem privaten Blog über ihr Leben, ihre Freunde, ihre Gefühle, nutzt ihn als Ventil. Als sie jedoch eines Morgens ihren Jutebeutel mit ihrem Laptop - auf dem fataler Weise all ihre Passwörter gespeichert sind - im Bus liegen lässt, bricht eine Welt für sie zusammen. Edgar, mit dem sie sich beim Bus fahren angefreundet hat, findet ihn, doch der Laptop ist verschwunden. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hat sich der oder die Unbekannte Zugang zu ihrem Blog verschafft und veröffentlich nun nach und nach ihre verfassten Beiträge. Wer hinter der Aktion steckt, ist zunächst unklar, doch nach und nach kommt heraus: Gründe dafür hätten einige.

Das Buch folgt einem chronologischen Aufbau und schildert aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten die Situation und die jeweiligen Gefühle, die die Personen mit der Veröffentlichung verbinden und zu der Situation im Allgemeinen hegen. Schnell wird klar, welch tief der Ursprung der Handlung liegt, wie mannigfaltig die Handlungshintergründe der einzelnen Protagonisten. Anne Freytag schreibt sehr klar und auf den Punkt, was die Brisanz des Handlungsverlaufs und die Erzählgeschwindigkeit optimal unterstützt. Sie führt die für die Handlung wichtigen Personen ausführlich ein und beschreibt ihre Gefühlswelt und ihr soziales Umfeld, und erzeugt so ein stimmiges Gesamtbild.

Der Roman hat mich von Beginn an gefesselt und oftmals über die Realität der behandelten Absurditäten den Kopf schütteln lassen. Eindringlich, intensiv und erschreckend real - aber auch unglaublich gut - sind wohl die besten Attribute zur Beschreibung dieses Buches und ich kann es jedem, der mit der Lektüre des Buches keinen Trigger verbindet, empfehlen.

Herzlichen Dank an den Heyne-Verlag für das kostenfreie Rezensionsexemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2020

Berührend und fesselnd

Truly
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Es gibt Tage, da gibt es Dinge, die weh tun. Zum Beispiel über unseren Schatten zu springen.

Truly ist der erste Band der In Love-Reihe von Ava Reed und erzählt die Geschichte von Andie, die nach einigen ...

Es gibt Tage, da gibt es Dinge, die weh tun. Zum Beispiel über unseren Schatten zu springen.

Truly ist der erste Band der In Love-Reihe von Ava Reed und erzählt die Geschichte von Andie, die nach einigen Rückschlägen nun endlich das gemeinsame Studium mit ihrer besten Freundin June beginnen kann. Doch sie hat kein Zimmer auf dem Campus bekommen und benötigt dringend einen Job, um sich eine Wohnung leisten zu können. Als sie zur Feier der Wiedervereinigung mit June feiern geht, wird ihr im Club ein Job als Barkeeperin angeboten - und auch wenn sie davon keine Ahnung hat, nimmt sie ihn dankbar an. Hätte sie jedoch gewusst, dass sie dabei auf Cooper treffen würde, hätte sie vermutlich eine andere Entscheidung getroffen. Er scheint unnahbar und fern, und doch spüren beide, dass da noch andere Gefühle verborgen sind.

Selten habe ich in letzter Zeit ein dermaßen gefühl- und humorvolles New Adult-Buch gelesen! Die Protagonisten, das Setting und der Handlungsverlauf sind unglaublich toll beschrieben und konstruiert, und ich war von Beginn an gegangen und habe mit Andie und Cooper mitgefiebert, mitgelacht und mitgeliebt, aber auch mit ihnen gelitten.

Definitiv ein Jahreshighlight!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2020

Ein weiteres Meisterwerk aus der Feder von Sarina Bowen

Never Let Me Down
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Never Let Me Down ist ein Stand Alone von Sarina Bowen und erzählt die Geschichte von Rachel. Die 17-jährige wohnt nach dem Tod ihrer Mutter in einem Pflegeheim, da ihr Vater nur eine Affäre war - und ...

Never Let Me Down ist ein Stand Alone von Sarina Bowen und erzählt die Geschichte von Rachel. Die 17-jährige wohnt nach dem Tod ihrer Mutter in einem Pflegeheim, da ihr Vater nur eine Affäre war - und doch wissen sie von der Existenz des jeweils anderen. Denn ihr Vater ist Frederik, ein gefeierter Rockstar, und schon lange schwärmt sie für ihn. Als er von dem Tod von Rachels Mutter erfuhr, nimmt er sie sofort zu sich und kümmert sich um sie. Doch mit dem Umzug kommt auch ein Schulwechsel und so beginnt Rachel ihr Studium am Clairborne College. Dort verliebt sie sich in Jake, der ihr als Pate zur Seite steht, aber es stehen noch einige unbeantwortete Fragen offen, die sie klären muss, um ihren Frieden zu finden.

Die Handlung ist in sich schlüssig erzählt und hat mich von Beginn an gefesselt. Rachel ist eine unglaublich liebe Protagonistin, die mir sofort ans Herz gewachsen ist, und das nicht nur ob ihres schlimmen Schicksals. Dass ihr Vater, der sie bis dato nicht kannte, so herzlich aufnehmen würde, ist keine Selbstverständlichkeit und zeugt sowohl von Scham als auch dem Versuch, Verlorenes wieder gut zu machen. Doch sie landet in einem herzlichen Umfeld, denn auch seine Band-Kollegen nehmen sie direkt in den engen Kreis auf. Ihre Ankunft am College, vor der sie arge Angst hatte, wurde ihr durch Jake als Paten und ihre Mitbewohnerin Aurora um einiges erleichert und so konnte sie optimal in einen neuen, aufregenden Lebensabschnitt starten.

Von der Charakteren sind mir besonders Jake und Aurora besonders lieb, wohingegen Rachels Exfreund Haze einfach nur dämlich war - und für mich der wahre Antiheld der Geschichte.

Die Geschichte behandelt sowohl den Verlust eines Familienmitglieds als auch die Wieder-Eingliederung in eine familiäre Struktur, das Erwachsenwerden und sexuelle Übergriffigkeit und kulturelle Diversität. Das finde ich eine umfassende und gut integrierte Bandbreite, sodass der Roman auch dahingehend eine wichtige Rolle innehat.

Das Cover ist unglaublich schön gestaltet und hat einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten.

Insgesamt ein toller Roman, der mit eine wunderbare Lesezeit beschert hat.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 25.05.2020

Düster und geheimnisvoll

All das zu verlieren
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People who are never satisfied destroy everything around them.

All das zu verlieren von Leïla Slimani ist im Mai 2019 erstmals in deutscher Auflage erschienen und erzählt die Geschichte von Adèle. Die ...

People who are never satisfied destroy everything around them.

All das zu verlieren von Leïla Slimani ist im Mai 2019 erstmals in deutscher Auflage erschienen und erzählt die Geschichte von Adèle. Die junge Frau scheint ein erfülltes Leben zu füllen: Sie arbeitet als Journalistin für eine große Pariser Zeitung, wohnt mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in einem schicken Viertel und ist unabhängig. Doch sie ist nicht glücklich: Immer öfter versucht sie aus der familiären Enge auszubrechen, trifft sich mit anderen Männern, um Sex zu haben und Drogen zu nehmen. Sie weiß, dass sie damit all ihre Privilegien, ihre Familie verlieren könnte, und setzt trotzdem alles aufs Spiel.

Adèle ist eine sehr vielschichtige Protagonistin, die von all ihren Sehnsüchten nach Abenteuer, ihrer Lustlosigkeit gegenüber ihrer Ehe und dem damit verbunden Schwermut zerrissen wird. Eindringlich beschreibt die Autorin ihre zugleich stille und explosive Selbstzerstörung und obsessive Manie. Der erste Teil des Romans wird aus der Sicht von Adèle beschrieben, was diesen Effekt noch verstärkt und ihre Gedanken und Gefühle verdeutlicht. Die Kapitel sind kurz verhaltene Eindrücke und erzeugen ein schnelles Tempo, das seinen Höhepunkt in der Entdeckung der Affäre findet. Von da an ändert sich der Charakter von Adèle grundlegend und hält den Leser bis zu ihrer letzten Handlung in Atem.

Leila Slimani hat einen denkwürdigen Roman über Feminismus, Verlustängste und kaputte Familienstrukturen, der individuell großen Interpretationsspielraum lässt. Jeder sollte sich selbst einen Eindruck verschaffen und seine eigenen Ansichten damit abgleichen.

Vielen Dank an den Luchterhand-Verlag für das #Rezensionsexemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere