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Veröffentlicht am 04.03.2023

Europapolitischer Schabernack

Herr Sonneborn geht nach Brüssel
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Ich muss direkt zu Beginn erwähnen: Von Politik habe ich nicht die geringste Ahnung. Mir wurde das Buch von einem Bekannten empfohlen, und ich hatte definitiv meinen Spaß beim Lesen. Ungläubiges Kopfschütteln ...

Ich muss direkt zu Beginn erwähnen: Von Politik habe ich nicht die geringste Ahnung. Mir wurde das Buch von einem Bekannten empfohlen, und ich hatte definitiv meinen Spaß beim Lesen. Ungläubiges Kopfschütteln wechselte sich mit lauten Lachern ab (die meine Mitfahrer im ÖPNV regelmäßig irritiert haben).

In chronologischer Abfolge liest man sich durch seine Amtszeit in Brüssel und einmal im Monat für wenige Tage in Straßburg (großartig wahnsinniges Kapitel!), erfährt welche Themen im Europaparlament anstehen, welche Feindschaften sich zu Sonneborn entwickeln und was für Gesetze teilweise so beschlossen (oder abgewendet) werden.
Wenn ein Satiriker wie Sonneborn über das EU-Parlament schreibt, fragt man sich ganz zwangsweise, ob er da nicht ein wenig in seinem Sinne übertreibt; dann guckt man ins Netz und findet in Videos dutzendweise Verifikation dieses Zirkusses der Irren, die von Brüssel aus regieren.
Besonders ulkig fand ich ja, dass sich die etablierten Parteien einerseits über DIE PARTEI lustig machen, sie nicht ernst nehmen wollen und herabwürdigen, auf den letzten Seiten des Buches jedoch erwähnt wird, dass ebendiese anderen Parteien neidisch auf die Reaktionen zur Partei- und Pressearbeit der PARTEI reagieren. Aber diese Wirkung hat die PARTEI, am eigenen Handeln dasjenige der anderen Parteien aufzuzeigen und zu einer Bewertung einzuladen wie die Goldverkäufe der NPD, welche DIE PARTEI mit EU-Banknotenverkäufen (80 Euro gegen 100 Euro) gekonnt parodiert und angeklagt erfolgreich durch mehrere Gerichtsinstanzen Zuspruch erhalten hat. Aber lest selbst!

Man kann es gut- oder schlechtheißen, wenn eine Satirepartei wie DIE PARTEI mit Sonneborn an der Spitze ihren Schabernack in der Politik betreibt, aber man wird wesentlich mehr erfahren als von anderen Parteien oder ihren Programmen, denn Sonneborn benötigt keine falschen Versprechen, er macht einfach das, was das Titanic-Magazin schon immer gemacht hat auch in diesem Buch – die Politik ein wenig transparenter.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Angst ist sehr subjektiv!

Schwarzhase
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Als der Hase eines Tages aus seinem Kaninchenloch ins Tageslicht heraustritt, wartet da ein riesengroßer schwarzer Hase. Schwarzhase macht dem Hasen ganz schöne Angst und er versucht ihm davonzulaufen. ...

Als der Hase eines Tages aus seinem Kaninchenloch ins Tageslicht heraustritt, wartet da ein riesengroßer schwarzer Hase. Schwarzhase macht dem Hasen ganz schöne Angst und er versucht ihm davonzulaufen. Hase weiß nicht, dass es sein vergrößerter Schatten ist, der ihn verfolgt und diesen entsprechend nicht abschütteln kann. Erst als Hase auf seiner Flucht im dunklen Wald anhält, hat er den Schwarzhasen abgeschüttelt, denn im Dunkeln gibt es keine Schatten. Im Wald wartet aber eine wirkliche Gefahr auf Hase; während er eine wohlverdiente Rast einlegt, überrascht ihn der Wolf beim Möhrenmampfen, und Hase muss schon wieder wegrennen. Gerade als Hase glaubt, jetzt ist es vorbei mit ihm, hält der Wolf inne und flüchtet zurück in den schützenden Wald: Der Wolf hat nämlich auch den Schwarzhasen gesehen und Angst bekommen! Jetzt erkennt Hase, dass man vor manchen Dingen keine Angst haben muss, weil sie ganz schön hilfreich sind.

Der Hase ist echt niedlich gezeichnet mit seinen kleinen Stummelbeinchen und seinen langen Löffeln! Besonders das Bild im dichten, dunklen Wald, wo Hase auf einem Baumstumpf sitzend dickbäckig eine Karotte mümmelt, hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Für mich handelt die Geschichte davon, dass es manchmal Dinge gibt, vor denen man sich auf den zweiten Blick gar nicht zu fürchten braucht und es sich lohnt diese genauer zu betrachten. Ganz süß gezeichnetes Kinderbuch!

Veröffentlicht am 04.03.2023

Nicht so gut wie früher

Der Bücherdrache
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Der Bücherdrache ist eine ähnlich sagenumwobene Kreatur wie der Schattenkönig, vielleicht etwas weniger bekannt, aber ähnlich „ormträchtig“.
Hildegunst von Mythenmetz taucht in einem Comicstreifen in einen ...

Der Bücherdrache ist eine ähnlich sagenumwobene Kreatur wie der Schattenkönig, vielleicht etwas weniger bekannt, aber ähnlich „ormträchtig“.
Hildegunst von Mythenmetz taucht in einem Comicstreifen in einen Traum ein und von dort (wie im Film „Inception“) in einige tiefere Lagen. Er trifft, es geht wie gewohnt als Text weiter, auf den Buchling Hildegunst Zwei. Buchlinge sind Bewohner der Ledernen Grotte der Untenwelt Buchhaims, ihre Aufgabe ist es sämtliche Werke des Autoren auswendig zu lernen, nach dem sie benannt sind. Hildegunst Zwei erzählt seinem autorischen Vorbild von seinem Abenteuer.

Der kleine Hildegunst Zwei hat eigentlich ganz schön viel auswendig zu lernen, da Hildegunst von Mythenmetz als langlebiger Lindwurm eine ganze Menge zu Papier gebracht hat, aber er lernt eine Gruppe von Klassikern kennen, die nur sehr wenig memorieren mussten, entsprechend viel Zeit haben und mit kleinen, unerfahrenen Buchlingen Unfug treiben. So kommt es, dass sie Hildegunst Zwei einen Streich spielen und ihn in den buchdurchtränkten Sumpf schicken, um dem berüchtigten Bücherdrachen eine bücherne Schuppe zu stehlen. Nach einer Wanderung trifft der junge Buchlign auch tatsächlich auf den Drachen, der ihm seine gaaaanze verdammte Lebensgeschichte erzählt, und hier liegt für mich der Knackpunkt des Buches. Aber dazu später. Der zunächst freundlich und sogar kumpelhaft wirkende Drache offenbart Hildegunst Zwei, dass er ihn aus dem Sumpf nicht entkommen lassen kann und leider töten muss, zunächst jedoch muss er als Drache im gesetzten Alter sein Mittagsschläfchen halten. Das ruft die Gruppe von unfugtreibenden Buchlingen auf den Plan, die sich um Hildegunst Zwei Sorgen gemacht haben, denn wie sich herausstellt, wussten sie gar nicht, dass es den Drachen wirklich gibt. Mit einem waghalsigen Plan gelingt es der Gruppe zu entkommen, und dabei finden sie etwas sehr erstaunliches über ihre eigene Gattung heraus.

Walter Moers schreibt, finde ich, wie gewohnt gewitzt, spannend und mit einer Skurrilität, die oftmals ihresgleichen sucht. Als Fan seiner früheren Bücher, „Die Stadt der Träumenden Bücher“, „Ensel und Krete“, „Rumo“ oder „Käpt'n Blaubär“ kommt es mir mittlerweile leider so vor, als ob Moers zum Chronisten seiner eigenen ausgedachten Welt Zamonien verkommt. Er ergießt sich in langen Beschreibungen zur Umgebung, vieles ist eine unnötige Aufzählung, die mich mit dem Fuß auftippeln lässt, ungeduldig wann es denn weitergeht. Seine früheren Werke waren wirklich spannend und ereignisgeladen, „Der Bücherdrache“ kann da leider genauso wenig wie „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ mithalten, letzteres war für mich der hohe Tiefpunkt seiner ewig langen Beschreibungen. Nichts desto trotz ist es ein gutes Buch, was für mich leider nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen kann.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Für mich eines der besten Werke Yoko Ogawas!

Hotel Iris
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Die jugendliche Mari arbeitet im Hotel ihrer Mutter am Meer. Eines Abends macht eine Prostituierte einen großen Aufstand und schreit vulgär durch die Gänge. Aus dem Zimmer, aus dem die Prostituierte geflohen ...

Die jugendliche Mari arbeitet im Hotel ihrer Mutter am Meer. Eines Abends macht eine Prostituierte einen großen Aufstand und schreit vulgär durch die Gänge. Aus dem Zimmer, aus dem die Prostituierte geflohen ist, ertönt die durchdringende Stimme eines Mannes mit den Worten:“Schweig, Hure!“
Mit diesen Worten beginnt die Faszination Maris für den deutlich älteren Mann. Als sie ihn in der Stadt zufällig wiedersieht, entschließt sie sich ihm heimlich zu folgen, was ihm aber nicht verborgen bleibt. Er spricht sie an, und aus Interesse aneinander verbringen sie Zeit zusammen. Sie verabreden sich an einem folgenden Tag. Mari erfährt, dass der alte Mann Übersetzer ist und Texte aus dem Russischen ins Japanische übersetzt. Maris Faszination für den Mann lässt sie ihn auf die kleine Insel folgen, auf der er wohnt.
Sonst ein sehr zugewandter, behutsamer, höflicher und freundlicher Mann ist das Haus auf der Insel sein Reich, in dem Mari sich ihm komplett unterordnet und beherrschen lässt. Anders als bei ihrer Mutter, deren Herumkommandieren sie als notwendiges Übel erträgt, empfindet sie in den Befehlen des Übersetzers eine sexuelle Lust. Was die beiden abgeschieden im Haus auf der Insel ausleben, könnte auch die Seiten einer BDSM-Novelle füllen. Das Besondere an Yoko Ogawas „Hotel Iris“ empfinde ich in der Vereinigung ihrer sonst üblichen unscheinbaren und bisweilen stillen Beschreibungen der Dinge in einem harten Kontrast mit dem intensiven vulgären Szenario dieser Geschichte.

Der ältere Mann, der Übersetzer, wird nie mit Namen erwähnt; er bleibt ein namenloser Herr. Der Gescichte ist dies sehr zuträglich, verstärkt es doch die ungleiche Rollenverteilung zwischen ihm und dem jungen Mädchen, das unvergleichliche Lust dabei empfindet sexuell von dem Mann erniedrigt und benutzt zu werden. Mit einigen Werken Ogawas bin ich bereits vertraut, es war jedoch äußerst erfrischend ihre eleganten, wohl platzierten Worte in dieser anrüchigen Konstellation eines dominant-devoten-Verhältnisses zu erleben. Dabei sind die Attribute auf ihre Weise bunt gemischt: Unschuld sowie Lust, davon haben beide ein wenig; Mari ist unerfahren und unschuldig in allen sexuellen Belangen, während der ältere Mann sich unerfahren und unbeholfen in der Welt bewegt.
Für mich neben „Der Herr der kleinen Vögel“ bisher eines der besten Werke Yoko Ogawas!

Veröffentlicht am 04.03.2023

Süße erste Liebe

Zuckerkringel-Ferien mit Marie
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Max fährt mit seiner Familie nach Frankreich in den Urlaub ans Meer. Auf dem Schoß hat er sein geliebtes Segelboot, das er selbst gebaut hat und schon darauf brennt, es im Meer zu Wasser zu lassen. Sein ...

Max fährt mit seiner Familie nach Frankreich in den Urlaub ans Meer. Auf dem Schoß hat er sein geliebtes Segelboot, das er selbst gebaut hat und schon darauf brennt, es im Meer zu Wasser zu lassen. Sein Bruder Ben hingegen hat nur Fußball im Kopf und möchte am liebsten sofort auf den Bolzplatz.
Endlich am Meer angekommen, stellt Max fest, dass der Wellengang für sein Boot zu hoch ist. Ihm fällt am Strand aber ein Mädchen auf, das Gebäck verkauft. Er erfährt, dass sie Marie heißt und jeden Tag Chichis verkauft, weil sie dringend Geld benötigt. Max entwickelt ein besonderes Interesse für das Mädchen. Marie spricht auch ganz viele Sprachen. Daher kennt sie auch ganz viele Leute, so wie Luuk, ein Junge aus den Niederlanden, auf den Max ganz schön eifersüchtig wird.
Max und Marie werden unzertrennlich, sie zeigt ihm die besten Plätze im Urlaubsort und erzählt, wofür sie so dringend viel Geld verdienen muss. Max ist daraufhin wild entschlossen ihr zu helfen. Er erfährt von einem Talentwettbewerb, bei dem es als Preisgeld 100€ zu gewinnen gibt. Marie hat aber kein wirkliches Talent, und auch Max fällt nichts ein. Doch Luuk hat ein ganz spezielles Talent und will für Marie antreten. Doch Max Bruder Ben will antreten.

Eine ganz niedliche Urlaubsgeschichte, in der sich eine erste Liebe entwickelt. Das Buch hat mein Augenmerk auf sich gezogen, weil Illustrationen von Joelle Tourlonias diese Wirkung auf mich haben. Sie hat nicht nur das Cover gestaltet, sondern auch innerhalb des Buches illustriert. Die Bilder von ihr begleiten die Story sehr harmonisch. Besonders gut an dem Buch hat mir gefallen, dass es so international gehalten ist. Man kommt mit französischen, englischen und niederländischen Wörtern in Kontakt, genau wie an einem richtigen Urlaubsstrand.
Eine tolle Urlaubsgeschichte, finde ich!