Wissenschaftlich fundierter Ratgeber
Wie Kinder essenSchon das Cover hat mich sofort angesprochen. Es wirkt freundlich, modern und vermittelt den Eindruck eines Ratgebers, der Eltern hilfreiche Unterstützung im Alltag bietet. Dadurch hatte ich große Erwartungen ...
Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Es wirkt freundlich, modern und vermittelt den Eindruck eines Ratgebers, der Eltern hilfreiche Unterstützung im Alltag bietet. Dadurch hatte ich große Erwartungen an das Buch, zumal wir im Alltag auch ab und an Probleme beim Essen am Tisch haben.
Beim Lesen habe ich allerdings schnell gemerkt, dass sich das Buch für mich persönlich stellenweise etwas trocken liest. Es enthält viele theoretische Hintergründe und Studien, wodurch ich mir insgesamt weniger praktische Tipps mittnehmen konnte, als ich gehofft hatte. Vor allem hatte ich erwartet, mehr konkrete Anregungen zu erhalten, wie man Kinder zum Essen motivieren oder schwierige Esssituationen im Alltag besser meistern kann. Stattdesen lag der Schwerpunkt eher auf wissenschaftlichen Erklärungen.
Inhaltlich gab es für mich deshalb nur wenige neue Erkenntnisse. Was das Thema Ernährung betrifft, fühlte ich mich nach dem Lesen nicht wesentlich besser informiert als zuvor.
Besonders interessant fand ich jedoch den Gedanken, dass Kinder nach einem anstrengenden Tag häufig ein sogenanntes "Safe Food" benötigen - also ein Essen, das sie bereits kennen und mögen. Neue Lebensmittel bedeuten für Kinder ebenfalls lernen und können deshalb gerade nach einem ereignisreichen Tag überfordernd sein. Dieser Zusammenhang war für mich sehr nachvollziehbar und hat mir eine neue Perspektive eröffnet.
Ebenfalls positiv in Erinnerung geblieben ist der Abschnitt, in dem die Autorin Fragen formuliert, die Eltern sich über ihr eigenes Kind stellen können - beispielsweise zum allgemeinem Wohlbefinden, zur Entwicklung oder zum Gesundheitszustand. Dadurch wird deutlich, dass eine einseitige Ernährung nicht automatisch auf eine Mangelernährung hindeutet und Eltern sich häufig vorschnell Sorgen machen. Diesen Teil fand ich besonders hilfreich und beruhigend.
Etwas weit vom eigentlichen Thema entfernt empfand ich hingegen die ausführlichen Abschnitte über Übergewicht und Essstörungen, auch wenn dies natürlich auch dazugehört. Diese Themen sind zwar wichtig, nahmen für meinen Geschmack aber einen zu großen Raum ein und passten nicht immer zu meinen Erwartungen an den Ratgeber.
Insgesamt ist dieses Buch mit interessanten Denkanstößen und wissenschaftlichen Hintergrundwissen. Wer sich vor allem für die theoretischen Zusammenhänge des Essverhaltens von Kindern interessiert, wird hier sichlich fündig. Wer jedoch auf viele alltagstaugliche und konkrete Tipps hofft, könne - so wie ich - etwas enttäuscht werden.