Informativ, abwechslungsreich und gut geschrieben
Ich glaube die meisten Eltern kennen die Situation, dass es Essen gibt und der pure Stress ausbricht. Weil die Kinder nicht zum Tisch kommen oder ganz einfach, weil sie angewidert das Gesicht verziehen ...
Ich glaube die meisten Eltern kennen die Situation, dass es Essen gibt und der pure Stress ausbricht. Weil die Kinder nicht zum Tisch kommen oder ganz einfach, weil sie angewidert das Gesicht verziehen und einem sehr deutlich machen, wie eklig das Essen doch ist. Und das kann dann schon mal sehr schnell für Ärger suchen, wenn man sich echt Mühe in der Küche gegeben hat. Auch ich kenne solche Situationen gut. Zwar bin ich bei uns Zuhause nicht unbedingt diejenige die viel und ausführlich kocht. Das ist eher mein Mann. Aber für ihn gab es schon unzählige frustrierende Situationen, die mich dann ebenfalls mit reingezogen haben.
Wir haben schon die verschiedensten Dinge ausprobiert. Manches hilft gar nicht, manches nur zeitweise. Und so bin ich auf dieses Buch gestoßen und dachte mir, dass es doch vielleicht durchaus Sinn ergeben würde, wenn ich einfach mal versuche meine Kinder zu verstehen bzw. zu ergründen, woher dieses ablehnende Verhalten und kommt und wie man etwas mehr Ruhe an den Esstisch bringen kann. Ebenfalls erhoffte ich mir, meine eigenen Prägungen (sowie auf dem Titel beschrieben) reflektieren zu können.
Unterteilt ist das Buch in fünf Kapitel, die verschiedenste Dinge wie Ernährungspsychologie, eigene Prägungen, oder eben auch von Anspannung zu Entspannung am Familientisch. Die Kapitel sind unglaublich abwechslungsreich gestaltet, weshalb ich für ein Sachbuch ziemlich zügig durch die Seiten geflogen bin. Schon im Vorwort wird auch deutlich, dass man das Buch nicht unbedingt von vorne nach hinten durchlesen muss, sondern sich einfach auch die Kapitel rauspicken kann, die für einen selbst relevant sind. Ich habe aber vorne begonnen, weil mich eben auch die ernährungspsychologischen Grundlagen interessiert haben.
Noch kurzweiliger wird das Buch durch die kleinen comicartigen Zeichnungen, die das ganze immer wieder auflockern und auch die Fallbeispiele aus Ronia Schiftans Praxis, die eindrückliche Beispiele zeigen, in denen ich mich stellenweise auch wieder erkannt haben, was dafür gesorgt hat, dass ich mich noch besser verstanden gefühlt habe. Ich habe gemerkt, dass ich mit verschiedenen Problematiken gar nicht alleine bin und daher haben mir diese praxisnahen Beispiele sehr geholfen.
Natürlich erfährt man auch viele psychologische und wissenschaftliche Hintergründe zum kindlichen Essverhalten und auch das hat mir schon geholfen. Ich weiß nicht, wie oft wir daran verzweifelt sind, dass unsere Kinder neues Essen nicht probieren wollten. Nach der Lektüre gehen wir da einfach entspannter damit um. Ich habe meinem Mann auch schon davon erzählt und für mich ist das einfach so schön, dass es jetzt einen friedlichen Weg gibt, der ohne Anspannung stattfinden kann. Sicherlich wird das nicht alles lösen, aber ich finde es einfach schön, wenn man solche Alternativen dann immer wieder auch schwarz auf weiß lesen kann.
Sicherlich trifft nicht alles aus dem Buch auf uns zu und nicht alles werden wir in unserem Alltag verwenden können bzw. sehe ich dann vielleicht auch etwas anders oder differenziert. Dies ändert aber nichts daran, dass das wirklich ein sehr gutes Sachbuch ist. Ein Sachbuch, dass ohne Vorwürfe und belehrenden Zeigefinger daherkommt. Ein Sachbuch, bei dem ich das Gefühl habe, dass es wirklich helfen möchte, Anspannung zu lösen und friedliche Wege für ein eigentlich so schönes Thema - Das Essen - zu finden.
Besonders schön finde ich auch die vielen kurzen Abschnitte innerhalb der Kapitel. Diese eignen sich perfekt dafür, dass man das Buch einfach mal kurz in die Hand nimmt und kleine Abschnitte liest. Manchmal reicht das ja auch, um einen in dem zu bestärken, was man tut oder neuen Mut zu geben, bei Dingen, die einem schwerfallen (bei mir wäre das z.B. das Stichwort Körperbild). Ich hatte so einige Aha-Momente und versuche nun ganz gezielt, Dinge anders und positiver zu formulieren. Und was ich besonders schön finde, ist dass vieles ja nicht nur fürs Essen gilt, sondern sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen lässt.
Ein super Sachbuch, dass für mich persönlich extrem informativ war und mich immer wieder zum Nachdenken gebracht hat. Es hat dafür gesorgt, dass mein Verständnis für manches Essverhalten deutlich gewachsen ist und mir die nötigen Werkzeuge an die Hand gegeben, damit ich in Zukunft deutlich gelassenere mit einigen stressigen Situationen umgehen kann.