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Pollykatze

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2025

stark angefangen, stark nachgelassen

How To Kill a Guy in Ten Ways
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Hauptperson Millie ist eine junge Frau mit schwieriger Vergangenheit, die in ihrer Freizeit einen "Rettungsservice" für Frauen anbietet, die von Männern bedrängt/sexualisiert/etc. werden. Grund dafür ist ...

Hauptperson Millie ist eine junge Frau mit schwieriger Vergangenheit, die in ihrer Freizeit einen "Rettungsservice" für Frauen anbietet, die von Männern bedrängt/sexualisiert/etc. werden. Grund dafür ist ihre Schwester Katie, die nach einer Vergewaltigung in eine schwere Depression fällt, wofür sich Millie die Schuld gibt. Abgesehen von Katie gibt es nur noch die beste Freundin Nina und den frisch kennengelernten James in ihrem Leben. An einem Abend eskaliert die Situation und es entwickelt sich eine Geschichte, die eine Mischung aus Rachefeldzug und Selbstjustiz mit einer guten Portion female rage ist.

Erstmal das Positive ;) : Die Einführung von Millie hat mir super gefallen; humorvoll, bissig und stark. Auch die allgemeine Ausgangssituation finde ich passend, weil sie an das Ende anknüpft und sich so der Kreis schließt. Besonders genossen habe ich die Radikalität und des feministischen Anspruch des Buches. Ständig habe ich mir die Frage gestellt, was gerecht ist, wie man im Patriarchat mit solchen Männern umgehen soll und wie viel Selbstjustiz zu viel ist.

ABER (leider): Obwohl mir die Idee hinter der Geschichte super gefallen hat, bin ich vom Handlungsverlauf etwas enttäuscht. Die Clues sind so offensichtlich gesetzt, dass man als Lesende den Plot sehr schnell durchsteigt und sich dadurch für mich Stellen ergeben, an denen ich gern ein paar Seiten übersprungen hätte. Es konnte mich leider nur eine Wendung ganz zum Schluss überraschen. Der Schreibstil ist leicht zu lesen, was das Buch als leichte Unterhaltung auszeichnet, hat aber einige Fehler bzw. unschöne Formulierungen, über die ich gestolpert bin und die mich aus dem Lesefluss gerissen haben. Millies Handlungen und die Motivation dahinter, konnte ich nur teilweise nachvollziehen und stellenweise hätte eine detailliertere Beschreibung geholfen. Die Charakterentwicklung von Millie hätte meiner Meinung nach umfangreicher/tiefgründiger sein können und eine weiter differenzierte Nebenfigur, hätte der Geschichte gut getan.

Trigger:
- Sexueller Missbrauch, Vergewaltigung (von Kindern)
- explizite Gewalt/Mord
- ungesunder Alkoholkonsum
- häusliche Gewalt

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2025

Zu 80% in Love - nicht Hazlewoods bestes Buch

Not in Love – Die trügerische Abwesenheit von Liebe
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Rue arbeitet in der Forschung als Lebensmitteltechnikerin in dem Konzern Kline, der von ihrer Freundin Florence geleitet wird. Sie ist ein eigenwilliger Charakter mit Tiefgang, Problemen und nachvollziehbaren ...

Rue arbeitet in der Forschung als Lebensmitteltechnikerin in dem Konzern Kline, der von ihrer Freundin Florence geleitet wird. Sie ist ein eigenwilliger Charakter mit Tiefgang, Problemen und nachvollziehbaren Emotionen. Auf der anderen Seite steht Eli, der mit seiner Firma (Finanzzeug, was ich bis zuletzt nicht verstanden habe) das Unternehmen Kline aufkaufen will. Was sich ganz zu Beginn wie Liebe auf den ersten Blick liest, entpuppt sich als körperliche Beziehung mit emotionalen Verwicklungen.

Die Geschichte hat sich extrem rund gelesen, weil die Motivationen hinter den Handlungen aller Beteiligten deutlich geworden ist. Ich mochte sehr, dass man sich so wirklich in die Personen hineinversetzten konnte. Besonders durch die Doppelperspektive ist das gelungen und mir war es möglich eine Beziehung zu Rue und Eli aufzubauen, die beide toll geschriebene Figuren sind. Der Schreibstil war, wie bei den anderen Büchern für Ali Hazlewood leicht zu lesen und erfrischend - für mich perfekt als entspannte Lektüre im Bett oder am See. Auch der Aufbau des Plots, war wie gewohnt klasse, auch wenn leider es an einigen Stellen ziemlich vorhersehbar ist.
Der Anteil an spicy Szenen ist allerdings deutlich länger als bei ihren anderen Büchern und war mir stellenweise zu viel. Vor allem, dass penetrativer Sex als "heiliger Gral", den man anstreben solle dargestellt wurde, hat mir etwas aufgestoßen.
Sehr gefallen hat mir die komplexe Darstellung von Freund*innenschaft. Sowohl die Beziehung von Rue zu Trisha und Rues Sorgen über ein soziales Netz, als auch die Freundschaft von Eli zu Hark und Minami, hatte eine eigene Dynamik, die dem Buch Abwechslung gegeben haben.
Man sollte aber bedenken, dass die Charaktere vorbelastet sind, wie schon im Vorwort erwähnt. Die Vergangenheit beider Hauptpersonen überschattet die Handlung teilweise bzw. schwingt immer mit. Das habe ich als positiv und negativ empfunden.

Not in Love ist ein leicht unterhaltendes Buch mit viel Sex, relativ komplexen Charakteren und einer Handlung, die nicht nur die Romanze behandelt. Ich fand es gut, aber leider sehr vorhersehbar und schwächer als die anderen Bücher der Autorin. Wer eine sexy Liebesgeschichte mit Handlungsrahmen lesen möchte, macht mit diesem Buch nichts falsch.

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.08.2025

(k)eine Liebesromanze

Cleopatra und Frankenstein
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An die Lektüre bin ich mit der Erwartung herangegangen, dass ich eine spannende Liebesgeschichte lese, wie sie der Klappentext verspricht. Obwohl die romantische Beziehung von Cleo und Frank Handlungstreiber ...

An die Lektüre bin ich mit der Erwartung herangegangen, dass ich eine spannende Liebesgeschichte lese, wie sie der Klappentext verspricht. Obwohl die romantische Beziehung von Cleo und Frank Handlungstreiber der Geschichte ist, ist sie doch weniger zentral als erhofft. Viel mehr die tiefsitzenden persönlichen Probleme stehen im Fokus der Geschichte und die Lesenden nehmen eine beobachtende Rolle im Leben von verschiedenen Personen ein. Cleo und Frank lernen sich nach einer Partynacht an Sylvester kennen und es scheint wie Liebe auf den ersten Blick, obwohl Cleo als junge Kunststudentin und der beruflich erfolgreiche 20 Jahre ältere (nicht so cool) Frank aus verschiedenen Lebensrealitäten kommen. Nachdem sie innerhalb von kürzester Zeit geheiratet haben, entpuppt sich die Beziehung als doch nicht so perfekt und es zeigt sich, dass eine Ehe Zeit, Arbeit und Kommunikation erfordert (Überraschung...). Man liest Kapitel aus der Perspektive der Beiden, aber auch aus der seines besten Freundes Anders, seiner Schwester Zoe, seiner Arbeitskollegin Eleanor, ihres besten Freundes Quentin und deren gemeinsamen Freundes Santiago. Die Multiperspektive hat mir super gut gefallen und dem Buch mehr Abwechslung und Charakter gegeben. Anstrengend fand ich allerdings, dass jede Person gefühlt ausschließlich durch deren Traumata charakterisiert wird und ich an vielen Stellen das Gefühl hatte, dass die Personen im Roman durch deren Vergangenheit klar eingeschränkt bzw. bestimmt sind, und keine weiteren Eigenschaften besitzen. Auch zum Ende des Buches war immer noch eine starke Distanz zu den Figuren, was deren Verhalten und ihre Entscheidungen für mich häufig unverständlich gemacht hat. Die Beschreibungen von Orten, besonders aber die von Stimmungen/Vibes zwischen Personen, hat mir super gefallen. Ich konnte an diesen Stellen super eintauchen und meine Position als Beobachterin im chaotischen Leben anderer Personen genießen. Weil es so viele verschiedene Personen (mit verschiedenen Problemen) gibt, fällt es leicht sich von der ein oder anderen Szene angesprochen zu fühlen und sich emotional zu involvieren.
Das Buch hat seine Stärken und Schwächen und mein Lektüreeindruck ist stark von meiner Erwartungshaltung und den Triggern geprägt. Allgemein lässt sich sagen, dass es beiden Parteien an Reife mangelt und ich mit beiden nicht wirklich warm geworden bin. Drogen (aller Art) nehmen im Roman eine so große Rolle ein, dass ich es oftmals als nicht relevant für die Handlung erachtet habe. (Warum die gefühlt 10. Nase Koks auch noch im Detail erläutert wird.

TRIGGRER:
Suizid
Alkohol und andere Drogen
Tod eines Tieres (explizite Beschreibung)
Essstörung
Gewalt
Vergewaltigungsfantasien

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Veröffentlicht am 22.02.2025

brandaktuell und unvorhersehbar

Deep Fake
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Die Lehrerin Mira entdeckt ein Deep-Fake-Video von sich, was sie nicht nur persönlich, sondern auch beruflich aus der Bahn wirft. Dazu kommt eine mysteriöse Verknüpfung zu ihrer Vergangenheit in ihrem ...

Die Lehrerin Mira entdeckt ein Deep-Fake-Video von sich, was sie nicht nur persönlich, sondern auch beruflich aus der Bahn wirft. Dazu kommt eine mysteriöse Verknüpfung zu ihrer Vergangenheit in ihrem Heimatdorf. Die Zusammenhänge von Miras alter Jugendgruppe und den Geschehnissen rund um das Video spitzen sich Seite für Seite zu.
Ich mochte die beiden Handlungsebenen sehr. Zum einen die aktuelle Perspektive Miras, die versucht den Urheber des Deep-Fakes zu finden und zum anderen die Rückblicke mittels Tagebucheinträgen. Zugeben muss ich allerdings, dass mich die Vergangenheit etwas mehr gefesselt hat, da es sich mehr gelesen hat wie ein Pageturner. Der aktuelle Handlungsstrang hatte ein paar Längen.
Die verschiedenen Charaktere und deren Beziehungen waren sehr tief und realistisch dargestellt. Weil man die Personen gut einschätzen konnte, hat miträtseln großen Spaß gemacht. Und ohne zu Spoilern kann ich sagen, dass das Ende sehr unerwartet kam und ich nicht mit demder Täterin gerechnet hatte. In der aktuellen Handlung hätte ich mir bei näherem Nachdenken allerdings noch eine Perspektive mehr gewünscht , das hätte es noch ein bisschen spannender gestaltet.

Zuletzt muss ich aber noch sagen, dass es sich eher wie ein Jugendbuch gelesen hat bzw. definitiv auch etwas für junge Erwachsene ist. Die Dynamik mit der Freundesgruppe und denTagebucheinträgen, hat mit den Vibe eines klassischen Thrillers für Jugendliche gegeben. Spannend wars trotzdem!! Eine Empfehlung für die entspannt Lektüre mit einer guten Prise Nervenkitzel.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 15.01.2025

Schreibstil mit Sogwirkung

Die Vegetarierin
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"Die Vegetarierin" ist ein schweres Buch, obwohl es ganz dünn ist.
Es ist grausam. Sowohl dessen Inhalt als auch die Härte der Sprache. Ich musste häufig Pausen machen, um zu versuchen das Gelesene zu ...

"Die Vegetarierin" ist ein schweres Buch, obwohl es ganz dünn ist.
Es ist grausam. Sowohl dessen Inhalt als auch die Härte der Sprache. Ich musste häufig Pausen machen, um zu versuchen das Gelesene zu verarbeiten, was mir nur mäßig gelungen ist.
Das kurze Werk besteht aus 3 Teilen, die aus den Perspektiven (mehr oder weniger) nahestehender Personen geschrieben sind: Ehemann Chong, ihr namenloser Schwager und ihre Schwester In-Hye.
Die Protagonistin Yong-Hye tritt weniger als Handlende auf, sondern mehr als Objekt, über das gesprochen, geurteilt und gedacht wird. Die junge Frau entscheidet sich ganz plötzlich auf jegliche tierische Produkte zu verzichten, was sowohl der Ehemann als auch Yong Hyes Familie als eine Art persönlichen Affront deuten, beziehungsweise schlichtweg auf sich beziehen. Die von ihrem Mann Chong wegen ihrer Durchschnittlichkeit geliebte Frau macht eine Art Verwandlung durch. Obwohl man nur durch die Beobachtung der Anderen auf Yong Hye blickt, wirkte sie auf mich Seite für Seite befreiter, weshalb ich mich fast dazu hinreißen lasse von einer Emanzipationsgeschichte zu sprechen.

Sprachlich und erzählerisch hat mich Han Kang schon ab Seite 1 gepackt. Den Schreibstil würde ich als direkt und irgendwie scharfkantig beschreiben, mit so einer Sogwirkung, dass ich trotz des verstörenden Inhalts nicht aufhören konnte zu lesen. Die Autorin hat irgendwas zwischen absurd-verstörender Gesellschaftskritik und literarischem Meisterwerk geschrieben.

Ich kann "Die Vegetarierin" empfehlen, aber nur wenn man in stabiler psychischer Verfassung ist!

Es folgen ein paar Trigger (kann spoilern): sexualisierte/sexuelle Gewalt (aus Täterperspektive), familiäre Gewalt, Essstörung (Anorexie) und Suizid(-versuch).

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