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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2020

Snows Geschichte hat mich gepackt

Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange
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Panem zehn Jahre nach Kriegsende – die zehnten Hungerspiele werden ausgetragen. Dieses Jahr gibt es Mentoren aus den Reihen der Akademie-Schüler des Kapitols, die ihre Tribute im Kampf um ein Stipendium ...

Panem zehn Jahre nach Kriegsende – die zehnten Hungerspiele werden ausgetragen. Dieses Jahr gibt es Mentoren aus den Reihen der Akademie-Schüler des Kapitols, die ihre Tribute im Kampf um ein Stipendium in Szene setzen sollen. Mit dabei ist Coriolanus Snow – späterer Präsident von Panem, was zu diesem Zeitpunkt aber niemand außer seiner Großmutter ahnt. Die Snows haben schon bessere Zeiten gekannt und so ist der intelligente Coriolanus auf das Stipendium mehr als angewiesen, doch zu seinem Entsetzen wird ihm ausgerechnet Lucy Gray zugeteilt, das weibliche Tribut aus Distrikt 12 – das Tribut mit den schlechtesten Chancen. So scheint es zumindest, doch manchmal kommt alles ganz anders oder wie der Wahlspruch der Snows lautet: „Snow landet immer oben!“

Ich habe mich sehr auf den neuen Panem-Band gefreut – und ja, auch, weil die Hungerspiele wieder mehr im Fokus zu stehen schienen als es im dritten Band der Fall war. Zuerst war ich etwas skeptisch, dass dieses Mal ein Mentor die Hauptrolle hat und kein Tribut, wir also nicht unmittelbar in der Arena sind, aber das hat der Handlung keinen Abbruch getan. Im Gegenteil war es total spannend, das ganze mal von der anderen Seite zu erleben und Konflikte und Spannungen gab es da wahrlich mehr als genug.

Das Panem der zehnten Hungerspiele ist ein ganz anderes als zurzeit von Katniss, das glänzende Kapitol wird noch von Armut und Verfall regiert und auch die Hungerspiele sind noch nicht das Massenspektakel, das sie einmal sein werden. Wie es zu letzterem kommt, wird zu einem Gutteil in diesem Buch erzählt, das hat mir sehr gut gefallen. Auch all die Anspielungen auf spätere Ereignisse machen einfach Spaß.

Wiedererwartend war Coriolanus eine sehr spannende und interessante Hauptperson. Er war überhaupt nicht unsympathisch, wie ich es erst befürchtet hatte und ich habe sehr mit ihm mitgefiebert. Besonders gut hat mir gefallen, dass er so intelligent und ja, auch selbstsüchtig ist. Auch mit dem weiblichen Gegenspieler Lucy Gray ist eine faszinierende Person gelungen, deren Schicksal ich gerne mitverfolgt habe.

Das einzige Manko des Buches war für mich das letzte Drittel. Während ich durch die ersten beiden Drittel nur so durchgerauscht bin, gab es für mich hier doch eine Durststrecke. Ich habe hier zwar auch schnell weitergelesen, war aber nicht mehr so begierig zu erfahren, wie es weitergeht, wie am Anfang. Hier haben mir einfach die Konflikte etwas gefehlt, es war zu repetitiv und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass hier ein bisschen Seiten gefüllt wurden. Gut, vielleicht war dieser Abschnitt auch nötig, damit das Ende in seiner vollen Wucht wirken konnte, aber ich hätte mir hier trotzdem mehr Spannung gewünscht. Das Ende hingegen hatte es dann wieder in sich und konnte mich total überzeugen. Es war einfach perfekt und hat mich mit dem vorangegangenen Teil wieder versöhnt. Also allein für das Ende lohnt es sich, das Buch zu lesen.

Insgesamt hat mich der vierte Panem Band überzeugt und ich spreche eine klare Leseempfehlung aus. Man kann das Buch lesen, wenn man die anderen Bücher noch nicht kennt, aber ich glaube, mehr Freude hat man, wenn man die Haupttrilogie bereits kennt, weil man die Anspielungen auf spätere Ereignisse besser versteht.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2020

Sprache ist alles

Ich erwarte die Ankunft des Teufels
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Es gibt nicht viel Handlung in diesem Buch – es lebt von Gedanken und vor allem von Sprache. Die 19-jährige Mary McLane sagt von sich selbst, dass sie ein Genie wäre und da kann ich nur zustimmen. Sie ...

Es gibt nicht viel Handlung in diesem Buch – es lebt von Gedanken und vor allem von Sprache. Die 19-jährige Mary McLane sagt von sich selbst, dass sie ein Genie wäre und da kann ich nur zustimmen. Sie schreibt wunderschön und es macht großen Spaß, ihre Gedankengänge zu verfolgen und sich ganz auf den Teufel, Sand und Ödnis einzulassen.
Das Buch liest sich recht schnell, was auch daran liegen kann, dass die Tagebucheinträge recht kurz sind und ich oft gesagt habe „einen Eintrag noch, einen noch, …“ Dennoch glaube ich, dass man diesen autobiographischen Text vor allem dann genießen kann, wenn man ihn ab und zu weglegt und immer mal wieder zur Hand nimmt. Etwa ab der Mitte hat sich das Buch für mich etwas gezogen, teilweise war es zu repetitiv, teilweise hätte ich mir dann doch irgendeine Art von Handlung gewünscht. Vielleicht lag das auch daran, dass ich einen etwas anderen Text erwartet habe.
Alles in einem kann ich „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ jedem empfehlen, der einen außerordentlich gut geschriebenen literarischen Text zu schätzen weiß, der sich an Sprache erfreuen kann und nicht daran stört, wenn es keine nennenswerte Handlung gibt. Ein Leseerlebnis war es allemal!

Veröffentlicht am 11.08.2019

Effi liest sich frei

Effi liest
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Effi hat ihren eigenen Kopf und geht mit dem auch gerne mal durch die Wand – selbst, wenn das mit einem Schulverweis endet, auch wenn der eigentlich völlig unberechtigt war. Nur, weil Effi in Besitz ein ...

Effi hat ihren eigenen Kopf und geht mit dem auch gerne mal durch die Wand – selbst, wenn das mit einem Schulverweis endet, auch wenn der eigentlich völlig unberechtigt war. Nur, weil Effi in Besitz ein es Buches war, das sie noch nicht einmal gelesen hat. Kein Wunder, dass sie fortan besessen von dem Gedanken an den verbotenen Inhalt ist. Sie will es Lesen – um jeden Preis. Gemeinsam mit ihren Freundinnen setzt sie alles dran herauszufinden, welches mysteriöse Wissen da vor ihnen geheim gehalten werden soll.

Dieses Buch hat viele Themen, es geht um Emanzipation und Selbstbestimmung, die weibliche Hysterie und Sigmund Freud, und nicht zuletzt um Freundschaft, Liebe. Diese Vielfalt machen die Geschichte sehr interessant und lesenswert. Gerade über Freud und die erschreckenden Ansichten über die Aufklärung der Frauen im frühen 19. Jahrhundert habe ich noch einiges Neues erfahren, was mich beim Lesen sehr aufgeregt hat, aber so war die damalige Zeit nun mal und Anna Moretti vermittelt da einen tollen Einblick.

Effi ist eine sehr sympathische Hauptfigur, die ich gerne auf ihrem Weg begleitet habe, weil sie weiß, was sie will und sich nicht klein kriegen lässt. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und das ist sehr erfrischend. Auch die anderen Personen sind gut gelungen, allen voran Effis Tante, meine persönliche Lieblingsfigur. Die Romanze mit Max ist vielleicht ein bisschen kitschig und hier hätte ich mir die ein oder andere Entwicklung gewünscht, aber da das Buch als „romantische Komödie“ beworben wird, passt es dann wieder.

Die Handlung lebt von Effis Wissensdurst und den Komplikationen die daraus entstehen. Als sie dann auch noch „krank“ wird und bei einem Kollegen von Freud in Behandlung kommt, spitzt sich die Situation zu – gegen Ende vielleicht etwas zu sehr und ich muss gestehen, dass mir hier die Entwicklungen etwas zu schnell gingen (auch in Bezug auf Max, der bei Effis „Krankheit“ keine ganz unwesentliche Rolle spielt). Da hätten ein paar Seiten mehr nicht geschadet. Nichtsdestotrotz wird alles zu einem zufriedenstellenden Ende zusammengeführt.

Ich habe ein paar vergnügliche Lesestunden mit „Effi liest“ verbracht und kann es jedem empfehlen, der auf der Suche nach einer lockeren Unterhaltungslektüre ist, die ganz nebenbei ein paar ernstere Themen aufgreift.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Humor
Veröffentlicht am 28.06.2019

Spannende Expedition mit enttäuschendem Ziel

Dschungel
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Felix ist verschwunden - er ist irgendwo in Asien und gibt kein Lebenszeichen mehr von sich. Gegen seinen Willen macht sich Felix bester Freund auf die Suche nach ihm. Die Reise als Backpacker in das fremde ...

Felix ist verschwunden - er ist irgendwo in Asien und gibt kein Lebenszeichen mehr von sich. Gegen seinen Willen macht sich Felix bester Freund auf die Suche nach ihm. Die Reise als Backpacker in das fremde Asien ist für ihn eine Herausforderung, in der er ständig über sich selbst hinauswachsen muss, aber nur so kann er seinen Freund finden - wenn der denn überhaupt gefunden werden will...

Als ich zu lesen begann, war ich begeistert von dem Buch - das lag vor allem an Friedemann Karigs Schreibstil, der wirklich gelungen ist. Modern, aber sehr angenehm. Die Handlung war ebenfalls spannend, vor allem, da sich die Gegenwart hier stets mit der Vergangenheit abwechselt. Während Felix Freund ihn sucht, erfahren wir Kapitel für Kapitel, wie sich die ungleiche Freundschaft der beiden entwickeln konnte und wir zu dem Punkt gekommen sind, an dem die beiden heute stehen. Das war unterhaltsam und beide Handlungsstränge waren glücklicherweise ähnlich spannend.

Felix und sein Freund sind sehr gegensätzliche Personen, aber dadurch ist eine interessante Dynamik entstanden, die die Geschichte - zumindest in der Vergangenheit - zu einem guten Teil vorangetrieben hat. Das Nebenpersonal war zwar relativ klischeehaft, aber das passte so eigentlich ganz gut in die Kulisse, weil sie eben auch keine andere Rolle hatten als Statisten.

So weit so gut. Dass es dann am Ende noch einen großen Knall geben musste, war vorauszusehen, aber mich persönlich hat die Auflösung um das große Geheimnis aus der Vergangenheit einfach nur enttäuscht, kein bisschen innovativ. Es hätte sehr interessante Wege gegeben, auf die der Autor hätte ausweichen können, was er aber leider nicht getan hat. Auch das Ende in der Gegenwartsstory war leider einfach nur unglaubwürdig und nicht wirklich befriedigend.

Die Idee zu Friedemann Karigs Roman ist vielversprechend und macht neugierig. Leider konnten meine Ansprüche dann gerade gegen Ende nicht mehr erfüllt werden.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Herrlich unaufgeregt und einfach nur echt

Siebzehnter Sommer
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Angie hat die Schule abgeschlossen und verbringt den letzten Sommer zu Hause bei ihrer Familie, bevor sie in eine andere Stadt zieht, um aufs College zu gehen. Ausgerechnet jetzt lernt sie den Mädchenschwarm ...

Angie hat die Schule abgeschlossen und verbringt den letzten Sommer zu Hause bei ihrer Familie, bevor sie in eine andere Stadt zieht, um aufs College zu gehen. Ausgerechnet jetzt lernt sie den Mädchenschwarm Jack näher kennen und die beiden verlieben sich. Obwohl sie wissen, dass ihnen nicht viel Zeit zu zweit bleiben wird, wird der Sommer zu einem der schönsten ihres Lebens.

"Siebzehnter Sommer" gilt in den USA als ein Kultbuch und nachdem ich es jetzt gelesen habe, kann ich sagen, zurecht! Angie hat so einen bezaubernden Erzählstil, dass man beim Lesen ganz hingerissen ist. Ich muss zugeben, dass die Beschreibung der Geschichte für mich erst ein bisschen kitischig klang, aber das Buch ist einfach alles andere als kitschig und der Klappentext wird dieser bezaubernden Geschichte einfach nicht gerecht. Die Liebesgeschichte wird mit einem unglaublich echten Ton erzählt, unglaublich unaufgeregt und einfach nur echt. Ganz, ganz toll!! Es gibt wunderbare Beschreibungen wie sich die Vegetation über den Sommer verändert, selten habe ich die Beschreibung von Tomaten so genossen wie hier. Die Autorin ist eine unglaublich gute Beobachterin.

Es gibt keine Action in diesem Buch, die Liebesgeschichte ist ruhig, ich möchte fast schon sagen, plätschert dahin, aber das ist keinesfalls negativ gemeint. Sie ist einfach unglaublich realistisch. Auch die Beziehung zwischen Angie und Jack ist geprägt von kleinen Szenen und Beobachtungen, die einfach nur toll sind. Der Klappentext klingt so dramatisch, aber der Geschichte geht fast jede Dramatik ab, dafür ist Angie viel zu abgeklärt. Was mich beim Klappentext auch gestört hat, ist die Ankündigung, dass Angie sich zwischen der Liebe und der Freiheit entscheiden müsse - das stimmt einfach überhaupt nicht. Angie ist eine junge, emanzipierte Frau - lasst euch von dem Text nicht abschrecken.

Wie man vielleicht gemerkt hat, bin ich begeistert von diesem wunderbar unaufgeregten und echten Buch und kann es nur wärmsten empfehlen. Mir hat es ein paar sehr schöne Lesestunden bereitet.