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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2025

Klassisch, britisch und ein bisschen verwirrend

Campion. Tödliches Erbe
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"Campion - Tödliches Erbe" ist ein Krimi im alten Stil. Wir haben einen (leicht exzentrischen) Ermittler, halten uns vor allem in alten Herrenhäusern auf und tauchen ein bisschen in die Unterwelt ein. ...

"Campion - Tödliches Erbe" ist ein Krimi im alten Stil. Wir haben einen (leicht exzentrischen) Ermittler, halten uns vor allem in alten Herrenhäusern auf und tauchen ein bisschen in die Unterwelt ein. Das liest sich vergnüglich und fühlt sich sehr britisch beim Lesen an.

Albert Campion ist ein eigenwilliger Held, ein junger, leicht schwächlich wirkender Adliger, der oft unterschätzt wird - großer Fehler. Gemeinsam mit Lugg, seinem Diener und treuem Gefährten macht er sich auf, dem Verbrechen die Stirn zu bieten.

In diesem Fall geht es darum einen wertvollen Kelch davor zu schützen, von einer der reichsten Diebes-Banden zu schützen, die es auf die Kostbarkeit abgesehen haben. Doch schnell gibt es auf dem Anwesen der Gyrth den ersten Toten und Campion merkt, dass dieser Auftrag doch ein bisschen herausvordernder wird, als erwartet. Die Handlung ist recht actionreich und für die knapp 300 Seiten passiert so einiges - gerade gegen Ende wirkte aber so manches auf mich ein bisschen verwirrend und abstrus. Da wäre ich lieber bei etwas klassicheren Ermittlungen geblieben und hätte etwas weniger abgedrehte Wendungen gehabt.

Insgesamt ist Campion aber ein unterhaltsamer Ermittler, den man gerne auf seinem Weg begleitet. Er ist bei weitem nicht so stark wie sein Kollege Holmes und dem Roman geht ein bisschen die Raffinesse ab, aber gut lesen kann man ihn allemal.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Was für ein wilder Ritt!

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Was habe ich da schon wieder gelesen? Diese Frage habe ich mir nicht nur am Ende des Buches gestellt, sondern jedes Mal, wenn ich das Buch beiseite gelegt habe. "Der letzte Mord am Ende der Welt" ist eine ...

Was habe ich da schon wieder gelesen? Diese Frage habe ich mir nicht nur am Ende des Buches gestellt, sondern jedes Mal, wenn ich das Buch beiseite gelegt habe. "Der letzte Mord am Ende der Welt" ist eine irre Geschichte, ein verrückter Genre-Mix aus Science-Fiction, Apokalypse, Dystopie, Thriller und ein bisschen guter alter Sherlock-Holmes-Manier.

Ich will gar nicht so viel über den Inhalt sagen, weil ich das Gefühl habe, dass das bei diesem Buch eh nicht so viel bringen würde, dafür ist es zu verrückt und gleichzeitig muss man sich eh so sehr auf das Gelesene einlassen, dass es eigentlich auch keine große Rolle spielt. Vielleicht gilt sogar eher umso weniger man weiß, umso mehr kann man sich auf dieses Experiment einlassen.

Im Groben geht es darum, dass 120 Menschen auf einer Insel leben, die umgeben ist von tödlichem Nebel. Auf Grund diverser Umstände steht das Ende der Menschheit kurz bevor, um genau zu sein, verbleiben noch 107 Stunden. Es gibt jedoch einen Ausweg, um das Ende zu verhindern - im Dorft wurde ein Mord verübt und sollte der Täter gefunden werden, kann das Aussterben verhindert werden. Das einzige Problem ist, dass sich niemand an die Mordnacht erinnert ... Und so beginnt ein wahrlich irres Spiel um Menschlichkeit und Erinnerung.

Es war mein erstes Buch von Stuart Turton, aber ich glaube nicht, dass es mein letztes wahr. Dieses Buch war so seltsam, so verstörend, aber gleichzeitig auch so fesselnd und faszinierend, dass es wirklich eine Erfahrung war. Es war teilweise anstrengend zu lesen und manchmal auch einfach nur wirr, und wer nur überfliegen will, kann das Lesen quasi gleich lassen, aber gleichzeitig hat es auch einen gewissen Sog ausgeübt. Insgesamt also auf jeden Fall ein Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte. Dieses Buch wird garantiert nicht jedem gefallen, aber wenn man bereit ist, sich auf die Geschichte einzulassen, wird man definitiv belohnt.

Veröffentlicht am 10.02.2025

Sturmhöhe on Ice

The Favourites
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Ich hatte hohe Erwartungen an "The Favourites", wurde es doch im Vorfeld als ein Mix aus "Sturmhöhe" und "Daisy Jones and the Six" angekündigt - zwei Bücher, die ich sehr mag. Und ich muss sagen, ich wurde ...

Ich hatte hohe Erwartungen an "The Favourites", wurde es doch im Vorfeld als ein Mix aus "Sturmhöhe" und "Daisy Jones and the Six" angekündigt - zwei Bücher, die ich sehr mag. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Diese Beschreibung trifft wirklich perfekt auf das Buch zu!

Wir begleiten Kat Shaw und Heath Rocha dabei, wie sie sich in der Welt des Eistanzes nach ganz oben auf das goldene Treppchen kämpfen (und kämpfen ist hier durchaus wörtlich zu nehmen). Es gibt Intrigen und Skandale, es gibt Leidenschaft, es gibt Hass, einfach ganz viele Emotionen, es gibt jede Menge Sport, Wettkampf, Konkurrenz, Glamour und Partys.

Das Buch wird in erster Linie aus Kats Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, immer wieder unterbrochen von Interview-artigen Einschüben, die zu einer Doku-Serie über das Leben der beiden Eistanz-Legenden gehören. Für mich hat das sehr gut harmoniert, das Lesen abwechslungsreich gemacht und irgendwie auch einen totalen Sog entwickelt und es wirklich brilliant geschafft, Spannung aufzubauen, da man durch die Einschübe häufig schon ahnte, dass jetzt wieder der nächste Skandal auf uns zu kommen würde.

Wie die Namen der beiden Protagonisten schon verraten, handelt es sich um eine moderne Nacherzählung von "Sturmhöhe" von Emily Bronte. Ich hätte nicht erwartet, dass das so gut mit der Eistanzwelt harmoniert, aber es hat bestens funktioniert. So gut wie alle Figuren konnten ihrem Alter-Ego in "Sturmhöhe" zugeordnet werden und wenn man die Geschichte kennt, konnte man schon sehr gut ahnen, was da noch alles auf uns zu kommen würde. Gerade in der ersten Hälfte laufen die Geschichten wirklich fast parallel. Etwa nach zwei Dritteln gibt es allerdings einen Cut, wo man ganz klar merkt, dass sich "The Favourites" hier löst und eigene Wege geht. An sich finde ich das super und ein spannendes Gedankenexperiment. Doch obwohl ich auch diesen Teil fix weggelesen habe, hat man leider diesen Break deutlich gemerkt und für mich gab es in der Qualität und Originalität der Handlung hier einen ganz eindeutigen Einbruch und auch in der Art, wie sich die Figuren entwickelt haben, was ich sehr schade fand.

"The Favourites" wird von seiner großen Vorlage "Sturmhöhe" getragen, nur auf eigenen Füßen war das Buch leider etwas wackelig unterwegs. Nichtsdestotrotz hat es mir viel Spaß gemacht zu lesen und in die Welt des Eistanzes einzutauchen und ich würde die Geschichte auf jeden Fall weiterempfehlen. Ein wahrer Page-Turner!

Veröffentlicht am 10.02.2025

Ich bin ratlos zurückgeblieben

Shanghai Story
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In "Shanghai Story" begleiten wir eine Shanghaier Familie mit drei Töchtern durch einen Teil ihres Lebens. Der Clou - die Geschichte beginnt im Jahr 2040 und wird von da an rückwärts erzählt. Zumindest ...

In "Shanghai Story" begleiten wir eine Shanghaier Familie mit drei Töchtern durch einen Teil ihres Lebens. Der Clou - die Geschichte beginnt im Jahr 2040 und wird von da an rückwärts erzählt. Zumindest dachte ich, dass das der Clou wäre, der diese Geschichte ausmacht. Die ungewöhnliche Erzählweise dieses Romans war eine der Hauptgründe, warum ich mich für die Geschichte interessiert habe und leider wurde ich gerade hier sehr enttäuscht. Ein bisschen hat es sich beim Lesen angefühlt, als wäre das ganze Buch nur geschrieben worden, um eine Geschichte rückwärts erzählen zu können und damit das funktioniert, musste halt noch irgendwas da sein, das erzählt werden konnte. Das war dann halt eine Shanghaier Familie und ihr Leben, aber wirklich funktioniert hat das Ganze für mich leider nicht.

Schon in den ersten Kapiteln ist klar geworden, dass es erstaunlich wenig Anreize gab, die zum Weiterlesen einluden, kaum Ereignisse bei denen ich mich gefragt habe, wie wir jetzt dahin gekommen sind. Stattdessen bekam ich jede Menge lose Fäden, bei denen klar war, dass wir nie erfahren würden, wie es weitergeht - und leider haben wir auch nur in den seltensten Fällen erfahren, wie wir dorthin gekommen sind. Das ganze Buch wirkte für mich ein bisschen wie eine Kurzgeschichtensammlung. Nette Geschichten, die an sich ganz spannend zu lesen waren, aber kaum miteinander zu tun hatten. Komplizierte und aufregende Verflechtungen sucht man hier leider vergebens.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch nicht ungern gelesen. Die einzelnen Abschnitte lesen sich gut, der Schreibstil ist gelungen, aber das große Wow-Erlebnis blieb aus und am Ende habe ich das Buch ein wenig ratlos sinken lassen, weil ich einfach nicht wusste, ob ich jetzt irgendetwas großes übersehen hatte oder es da einfach wirklich nichts weiter gab.

Insgesamt ist "Shanhai Story" ein Buch, das man nicht unbedingt gelesen haben muss. Ich glaube, gerade das Rückwärts-Erzählen wird in anderen Romanen besser umgesetzt und auch die gesellschaftlichen Entwicklungen findet man in anderen Romanen stärker. Vielleicht hätte es diesem Buch gut getan, wenn es ganz traditionell erzählt worden wäre, aber so hat es mich leider einfach nur ein bisschen enttäuscht und ratlos zurückgelassen.

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Veröffentlicht am 17.12.2024

Atemloser Monster-Horror

Sweet Nightmare
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„Sweet Nightmare“ war mein erstes Buch von Tracy Wolff und ich muss gestehen, dass ich mich kurz an den Schreibstil gewöhnen musste und am Anfang auch ein bisschen abgestoßen von der teils recht vulgären ...

„Sweet Nightmare“ war mein erstes Buch von Tracy Wolff und ich muss gestehen, dass ich mich kurz an den Schreibstil gewöhnen musste und am Anfang auch ein bisschen abgestoßen von der teils recht vulgären Sprache war. Dann habe ich aber ganz gut in den recht flapsigen Erzählton reingefunden und fand er liest sich sehr flott und unterhaltsam weg.

Huuuiii, in diesem Buch war ganz schön was los. Da wurde einem ein Monster nach dem anderen vor die Füße geworfen, ganz ohne große Erklärungen und Beschreibungen, aber seltsamerweise hat das aber überhaupt nicht weitergestört. Was mich da mehr gestört hat, war das extrem hohe Erzähltempo – es folgt ein Schockmoment auf den nächsten, ein Monster auf das andere, ein wahrer Reigen an Katastrophen. Und an Wunden, Blut und Leichen – teilweise hatte das Buch leichte Horror-Anklänge für mich. Leider war es so viel, dass mich die Geschehnisse irgendwann ein bisschen kalt gelassen haben und ich nicht mehr wirklich mitgefühlt habe, weil alles nur noch wie ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein wirkte.

Sehr gut gefallen hat mir, dass viele wichtige Fragen geklärt wurden, sodass ich das Buch einigermaßen zufrieden geschlossen habe, auch wenn gleichzeitig noch genügend offene Punkte und fiese Cliffhanger mit in den zweiten Band genommen werden.

All in all war es eine wirklich spannende Geschichte, die ich in zwei Tagen durchgelesen habe, weil ich wissen wollte, wie es denn jetzt weitergeht. Gleichzeitig war mir irgendwie auch von allem ein bisschen zu viel - zu viele Monster, zu viele Handlungsfäden, zu viele Katastrophen, viel zu viele Tote - hier wäre weniger und mal ein bisschen Luft holen für mich mehr gewesen. Und irgendwie haben die Figuren unter all der Action für mich auch ein bisschen gelitten, da hätte ich mir noch ein bisschen mehr Entwicklung und Tiefe gewünscht. Trotz allem war es ein echter Pageturner, den ich kaum aus der Hand legen konnte, mich aber trotzdem irgendwie mit gemischten Gefühlen zurücklässt.