Profilbild von PrinzessinButterblume

PrinzessinButterblume

Lesejury Star
offline

PrinzessinButterblume ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PrinzessinButterblume über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2022

Gefangen im gläsernen Palast

Die Kinder sind Könige
0

Wieder einmal hat Delphine de Vigang es geschafft, ein aktuelles Thema in einen spannenden Roman umzuwandeln. Dieses Mal stehen Kinder-Influencer im Fokus, die von ihren Eltern schon mit sehr jungen Jahren ...

Wieder einmal hat Delphine de Vigang es geschafft, ein aktuelles Thema in einen spannenden Roman umzuwandeln. Dieses Mal stehen Kinder-Influencer im Fokus, die von ihren Eltern schon mit sehr jungen Jahren vor die Kamera gestellt werden und die ähnlich wie in der Truman-Show in aller Öffentlichkeit aufwachsen. In diesem Buch sind das die Geschwister Jimmy und Kimmy, deren Mutter Melanie ihnen sehr früh mit einem YouTube-Kanal zu Berühmtheit verholfen hat. Doch dann verschwindet Kimmy plötzliche und die Polizei steht vor der großen Herausforderung ein Kind zu suchen, von dem eine anonyme Masse private Einblicke kennt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Melanie und der Polizistin Clara erzählt, was es sehr spannend macht, da wir so einmal die Seite der verzweifelten Eltern und gleichzeitig die Suche bei der Polizei mitbekommen. Die Handlung verläuft stringend, macht aber große Sprünge zurück in die Vergangenheit und wir erfahren, wie Melanie zu ihrer Internetberühmtheit gekommen ist und wie Clara zur Polizeit kam. Zwischen den Kapiteln gibt es immer einen Auszug aus den Polizeiakten, was wirklich spannend zu lesen war. Wie immer hat mich auch De Vigangs Schreibstil wieder begeistert, recht nüchtern und klar, aber gleichzeitig auch fesselnd.

Das Thema ist wirklich wichtig und gleichzeitig auch sehr schockierend. Natürlich war mir die Thematik vorher schon bekannt, aber ich glaube, dass ich erst durch dieses Buch die Tragweite, die eine solche Darstellung im Netz für die Kinder haben kann, begriffen habe. De Vignag schafft es grandios, das Gefühl von Erschöpfung und Druck, Erfolg und Einsamkeit darzustellen und ich habe, vor allem auf der Gefühlsebene, viel dazugelernt.

"Die Kinder sind Könige" ist ein hochaktueller Roman, der auf einen Missstand aufmerksam macht, dem bedeutend mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Vielleicht kann dieses Buch ja ein bisschen dazu beitragen, es wäre wünschenswert.

Veröffentlicht am 25.03.2022

Ein bisschen wie Flavia de Luce im viktorianischen England

Mord im Gewächshaus
0

Myrtle Hardcastle ist ein äußerst gewitztes und schlaues Mädchen - fast schon ein bisschen zu clever, wenn es nach ihrem Vater geht. Und dass sie sich dann auch noch in den Einbruch im Nachbarhaus einmischt ...

Myrtle Hardcastle ist ein äußerst gewitztes und schlaues Mädchen - fast schon ein bisschen zu clever, wenn es nach ihrem Vater geht. Und dass sie sich dann auch noch in den Einbruch im Nachbarhaus einmischt und anfängt in einem Mordfall zu ermitteln, gehört sich natürlich so gar nicht für eine Tochter aus hohem Haus. Zum Glück steht Myrtle ihre taffe Gourvernante zur Seite und gemeinsam machen sie sich daran, das Rätsel zu lösen.

"Mord im Gewächshaus" ist ein Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht! Die Zielgruppe ist vermutlich etwas jünger angesetzt, aber das hat mich beim Lesen überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil war ich sehr angetan von der Sprache, die nicht unbedingt ganz einfach ist, aber wunderbar in die damalige Zeit passt. Mein absolutes Highlight waren dabei kleine Fußnoten, die mit einem Zwinkern die Handlung kommentiert oder ungewohnte Begriffe erklärt haben - das hat wirklich Spaß gemacht.

Das Personal der Geschichte ist vielfältig, stets ein bisschen überzogen, aber immer wunderbar liebenswert und ich habe sie alle gemocht und sehr plastisch vor mir gesehen. Myrtle steht natürlich im Fokus und mit ihrer gewitzten Art und Vorliebe fürs Morbide hat sie mich tatsächlich ein bisschen an Flavia de Luce erinnert, was mich sehr gefreut hat. Aber auch das Nebenpersonla ist toll gestaltet.

Der Fall selbst weiß bis zum Ende mit Überraschungen und Wendungen zu glänzen, manches war ein bisschen vorhersehbar, aber anderes dafür umso weniger. Es war spannend, aber nicht gruselig, sondern eher wohlig-spannend. Besonders gut hat mir das viktorianische Setting gefallen, das wirklich sehr lebendig war und einen tollen Rahmen für den Krimi gebildet hat.

Insgesamt hatte ich viel Freude mit Myrtle und hoffe, ihr noch bei vielen weiteren Fällen über die Schulter schauen zu dürfen.

Veröffentlicht am 03.03.2022

Filmdreh mit bekanntem Plot

Viele Träume führen ans Ziel
1

Es ist Sommer, Leni hat gerade das Abi in der Tasche und das einzige, was sie ganz genau weiß, ist, dass sie nicht Jura studieren will - aber was stattdessen? Durch Zufall landet sie als Praktikantin am ...

Es ist Sommer, Leni hat gerade das Abi in der Tasche und das einzige, was sie ganz genau weiß, ist, dass sie nicht Jura studieren will - aber was stattdessen? Durch Zufall landet sie als Praktikantin am Set einer Netflix-Serie, die in München gedreht wird. Am Set lernt einen der Hauptdarsteller Jonas kennen und geräht sofot mit ihm aneinander. Aber dann kommt es durch eine Verkettung verschiedener Ereignisse dazu, dass sie sich ausgerechnet mit Jonas verbünden muss ...

"Viele Träume führen ans Ziel" verspricht eine locker, leichte Liebesgeschichte und genau die bekommt man auch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Einstieg ins Buch ist leicht gemacht und die Geschichte liest sich flott weg. Das ist vor allem Gloria Trutnaus tollem Schreibstil zu verdanken, der sich ganz unbeschwert lesen lässt und für gute Laune sorgt.

Die Geschichte wird abwechselnd mal aus der Sicht von Leni und dann wieder von Jonas erzählt, was natürlich interessant ist. Beide Protagonisten an sich waren mir sympathisch, nur die Love-Story habe ich leider nicht wirklich fühlen können. Das lag vielleicht daran, dass die Handlung sich zu Beginn ganz genüsslich entfaltet hat, nach hinten raus, dann aber leider sehr verdichtet und schon fast gedrängt war. Auf einmal ging alles recht schnell und für mich wäre es toll gewesen, wenn etwas mehr Zeit dagewesen wäre, um Gefühle aufkommen zulassen.

Es ist sehr schnell relativ klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt und die meisten Plottwists lassen sich schon früh vorausehen. An sich stört mich das nicht unbedingt, weil es ja genau das ist, was ich von einem unterhaltsamen Liebesroman erwarte, trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl, dass ich gerne ein bisschen mehr überrascht worden wäre.

Gut hat mir auf jeden Fall der unterschiedliche Lebensansatz von Leni und Jonas gefallen und die gegensätzliche Art, wie ihre Eltern auf die Situationen reagiert haben.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, es war eine amüsante Lektüre, auch wenn ich ein bisschen mehr erwartet hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 27.02.2022

Süße Geschichte übers Tanzen

Ballet School – Der Tanz deines Lebens
0

Auf Grund ihrer Vergangenheit hat April eine tiefe Abneigung gegen das Balett, als sie dann eine Wette verliert und ihre beste Freundin Mimi zu ihrem Balett-Training begleitet, eröffnet sich für April ...

Auf Grund ihrer Vergangenheit hat April eine tiefe Abneigung gegen das Balett, als sie dann eine Wette verliert und ihre beste Freundin Mimi zu ihrem Balett-Training begleitet, eröffnet sich für April eine völlig neue Welt. Und auf einmal weiß sie, dass Tanzen alles ist, was sie je wollte und will. Sie fängt an, hart zu trainieren und bekommt kurze darauf durch einen Zufall die Chance an der Aufnahmeprüfung der Royal Ballet School vortanzen zu dürfen ...

Die Geschichte ist ein vielversprechender Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. April ist eine sehr zielgerichtete und sympathische Heldin, die ich auf ihrem Weg gerne begleitet habe. Auch die anderen Personen mochte ich, auch wenn ich manche ihrer Handlungen ein bisschen an den Haaren herbeigezogen fand, aber sie waren nun mal für den Plot nötig und aufgrund der jungen Zielgruppe, fand ich das auch nicht weiter schlimm.

Toll fand ich, dass es die Royal Ballet School wirklich gibt und ich mir das gelesene danach bei Google anschauen konnte und begeister war, wie gut die Autorin hier die Gebäude beschrieben hat. Die Stimmung der Tanzschule kommt sehr gut rüber und ich hätte direkt selbst Lust, jetzt loszulegen.

Es gibt mehrere kleinere und größere Konflikte, die fast alle geklärt werden, was mir auch für einen Reihenauftakt sehr gut gefallen hat, gleichzeitig hat er auber auch Lust auf die Vorsetzung gemacht.

Besonders hervorheben, muss ich auf jeden Fall die tolle Aufmachung des Buches. Der Umschlag ist einfach nur eine wunderschön schillernde Augenweide.

Insgesamt hat mir "Balett School" Spaß gemacht beim Lesen und gerade jüngere Leser haben an der Geschichte bestimmt viel Freude.

Veröffentlicht am 18.02.2022

Beeindruckend und schonungslos

So reich wie der König
0

Der Titel "So reich wie der König" klingt nach einem Märchen, nach einer Erzählung aus 1001 Nacht. Und ja, auch den schillernden Reichtum findet man hier, aber gleichzeitig auch bittere Armut. Die Protagonistin ...

Der Titel "So reich wie der König" klingt nach einem Märchen, nach einer Erzählung aus 1001 Nacht. Und ja, auch den schillernden Reichtum findet man hier, aber gleichzeitig auch bittere Armut. Die Protagonistin Sarah wohnt mit ihrer Mutter in den Armenbaracken von Casablanca und sie will nichts mehr als diesem Elend zu entfliehen. Ihr Plan ist es, einen Sohn einer der reichsten Familien der Stadt zu heiraten und sie setzt alles daran, diesen Plan zu verwirklichen.

Die Geschichte zeichnet sich vor allem durch ihre Sprache aus, die sehr poetisch ist und mir den Zugang am Anfang nicht ganz leicht gemacht hat, die aber nach und nach immer mehr Sog entfaltet hat. Der Autorin gelingt es wunderbar die Kontraste der Stadt aufzuzeigen und sie springt scheinbar mühelos zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Das ist teilweise alles andere als schön, sondern wirklich schockierend und beklemmend. Es macht nicht unbedingt Spaß, diese Stellen zu lesen, aber gleichzeitig sind sie bewundernswert realistisch beschrieben.

Die Liebesgeschichte steht natürlich im Vordergrund, aber es ist kein Liebesroman, sondern einer, der die Gesellschaft Marokkos in den 90ern beleuchtet und in dem es mindestens so sehr um die soziale Ungleichheit wie um die Liebe geht.

Insgesamt kein einfacher, aber ein sehr kunstvoller und lesenswerter Roman, der einem den Zugang nicht ganz leicht macht, aber auf jeden Fall lohnenswert ist.