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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2022

Humorvoller Sommerroman

Neuanfang auf Whale Island
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Inhalt: Stella Minetti kommt als Restaurantmanagerin viel in der Welt herum. Jetzt hofft die Halbitalienerin zusammen mit ihrer 13-jährigen Tochter Feli auf einen Neubeginn in dem charmanten Inselhotel ...

Inhalt: Stella Minetti kommt als Restaurantmanagerin viel in der Welt herum. Jetzt hofft die Halbitalienerin zusammen mit ihrer 13-jährigen Tochter Feli auf einen Neubeginn in dem charmanten Inselhotel der Familie Cameron auf Whale Island. Nach einem Vorfall in Bangkok hat Feli eine schwere Zeit hinter sich. Seitdem leidet sie unter mangelndem Selbstbewusstsein und zieht sich ziemlich zurück.
Von Anfang an gerät die temperamentvolle Stella immer wieder mit dem aufbrausenden Chefkoch Aidan Cameron aneinander, obwohl sie sich eigentlich zu ihm hingezogen fühlt. Dann taucht auch noch der bekannte Sänger Jackson Porter auf und bringt noch mehr Unruhe…

Meine Meinung: „Neuanfang auf Whale Island" ist bereits der 2. Teil der Whale-Island Reihe, aber ganz problemlos ohne Vorwissen zu lesen (ich kenne den 1. Teil auch nicht). Möchte man allerdings alle drei Teile lesen, würde ich wegen der Weiterentwicklung einiger Charaktere empfehlen, bei Teil 1 zu beginnen.
Ich bin überhaupt kein Fan von Liebesromanen, aber die Romane von Miriam Covi lese ich immer sehr gerne. Ihr Schreibstil ist absolut mitreißend und sehr humorvoll, an einigen Stellen habe ich laut lachen müssen. Außerdem beschreibt sie ihre Charaktere so warmherzig und liebevoll, dass man fast den Eindruck hat, man würde sie persönlich kennen. Die Geschichte wird hauptsächlich aus Stellas Perspektive erzählt, doch einige Kapitel auch aus Aidans Sicht. So bekommt man Einblick in die Gedanken und Gefühle von beiden, was ich sehr gelungen finde.
Natürlich ist schon nach dem Lesen des Klappentextes klar, wie das Buch endet, aber der Weg dorthin, der amüsante Schlagabtausch zwischen Stella und Aidan, hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich einige Szenen doch etwas überzogen fand.
Es werden aber auch ernste Themen angesprochen, wie z.B. Mobbing oder Bodyshaming.
Insgesamt hätte der Roman für mein Empfinden durchaus um einiges kürzer sein können. Nach etwa 400 Seiten fand ich die Geschichte etwas zu gewollt in die Länge gezogen, was aber auch dran liegen kann, dass ein Liebesroman nicht mein bevorzugtes Genre ist.

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer und humorvoller Sommerroman mit einem wunderschönen Setting und liebenswerten Charakteren. Perfekt für den Urlaub oder für ein paar entspannte Stunden auf der Terrasse.

Veröffentlicht am 10.08.2022

Interessant, aber teilweise auch langatmig

Die verlorenen Kinder von Paris
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Inhalt: Paris 1935. Die bedrohlichen Nachrichten aus Deutschland, sowie die Grausamkeit der Nationalsozialisten gegenüber den Juden, verunsichert auch die Franzosen. Als immer mehr jüdische Flüchtlinge, ...

Inhalt: Paris 1935. Die bedrohlichen Nachrichten aus Deutschland, sowie die Grausamkeit der Nationalsozialisten gegenüber den Juden, verunsichert auch die Franzosen. Als immer mehr jüdische Flüchtlinge, darunter viele Kinder, nach Paris kommen, beschließt Madeleine Lévy zu helfen. Gemeinsam mit Freunden und Familienmitgliedern schließt sie sich der Résistance an, fälscht Papiere und sichert Fluchtrouten, um hauptsächlich Kinder über die Pyrenäen aus dem Land und in Sicherheit zu bringen. Doch die Lage für die Juden und die Résistance wird auch in Frankreich immer gefährlicher.

Meine Meinung: Der Roman basiert auf Tatsachen und erzählt von 1935 - 43 von der jungen Madeleine Lévy, der Enkelin von Alfred Dreyfus (bekannt durch die Dreyfus -Affaire 1894). Madeleine, die seit einer Scharlacherkrankung als Kind schwerhörig war, schloss sich trotz dieses Handicaps der Résistance an und handelte äußerst mutig, selbstlos und engagiert. Ihr eigenes Glück und eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Freund Claude Lehmann, der auch Mitglied der Résistance war, stellt sie in der Hoffnung auf ein Ende des Nazi-Terrors zurück.
Sehr gut gefallen hat mir der beschriebene Zusammenhalt und die enge Verbundenheit der Familie Lévy/Dreyfus.
Der Titel „Die verlorenen Kinder von Paris“ ist meiner Meinung nach etwas ungünstig gewählt, denn er weckt falsche Erwartungen an das Buch. Zwar arbeitet Madeleine für die Freiheit der Kinder und hat auch manchmal persönlichen Kontakt zu einigen Kindern, doch an der eigentlichen Flucht ist sie nie beteiligt.
Durch die beschriebenen Gräueltaten der Nazis und der Vichy Regierung, die oft etwas dokumentarisch beschrieben werden, geht dieser Roman sehr unter die Haut und ich muss die mutigen Mitglieder der Résistance bewundern, deren Leben stets in großer Gefahr war.
Der Roman ist eindringlich, interessant und informativ. Leider habe ich mich trotzdem mit dem Lesen etwas schwergetan, denn oft habe ich die Handlung als ziemlich langatmig empfunden. So richtig fesseln konnte mich das Buch deshalb nicht. Schade finde ich auch, dass es am Ende des Buches - außer dem Epilog - keine weiteren Erklärungen gibt. Deshalb weiß ich nicht, was im Roman den Tatsachen entspricht (die historischen Fakten werden natürlich stimmen) und welche fiktiven Charaktere und Ereignisse von der Autorin zugefügt wurden.

Veröffentlicht am 30.07.2022

70er Jahre Markisen im Ruhrpott

Der Markisenmann
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Inhalt: Nach einem von ihr verschuldeten tragischen Vorfall wird die 15-jährige Kim in den Sommerferien kurzerhand zu ihrem leiblichen Vater abgeschoben. An Roland Papen, von Kims Stiefvater ironisch nur ...

Inhalt: Nach einem von ihr verschuldeten tragischen Vorfall wird die 15-jährige Kim in den Sommerferien kurzerhand zu ihrem leiblichen Vater abgeschoben. An Roland Papen, von Kims Stiefvater ironisch nur „der feine Herr Papen“ genannt, kann Kim sich allerdings nicht erinnern, denn sie war erst zwei Jahre alt, als er sie und ihre Mutter verließ. Seitdem hatten sie keinen Kontakt.
Natürlich hat sich Kim in ihrer Phantasie ein Bild von ihm gemacht und als sie ihn zum ersten Mal sieht, ist sie maßlos enttäuscht. Ein kleiner Mann, mit dünnem Haar und schiefer Brille. Und zu allem Überfluss lebt er in einer Lagerhalle und verkauft hässliche Markisen aus Restbeständen der ehemaligen DDR. Doch nach und nach werden Vater und Tochter zu einem tollen Team und der Sommer wird für beide unvergesslich…

Meine Meinung: Jan Weiler erzählt die Geschichte aus der Sicht der damals 15-jährigen Kim. Inzwischen ist sie um die dreißig Jahre alt und erinnert sich an diesen besonderen Sommer.
Das Cover ist so hässlich wie die Markisen, die Ronald Papen verkauft. Hätte ich nicht im Internet gegeisterte Rezensionen gelesen, so hätte ich das Buch auf keinen Fall beachtet. Das ist schade, denn hinter dem Cover steckt eine gute Geschichte.
Kim ist eine verwöhnte und unzufriedene 15-jährige, der es zwar nicht an materiellen Dingen fehlt, dafür aber an Verständnis und Liebe. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und dem jüngeren Halbbruder, der die volle Aufmerksamkeit und Zuneigung der Eltern bekommt. Kim fühlt sich unverstanden und es kommt zu einer plötzlichen und völlig unerwarteten Reaktion von ihr, die für ihren Bruder schmerzvolle und weitreichende Folgen hat. Den Urlaub bei ihrem leiblichen Vater hält sie für eine Strafaktion und verhält sich zunächst bockig.
Ronald Papen wohnt in seiner Lagerhalle und verkauft im Haustürgeschäft ziemlich erfolglos seine Markisen. Er nimmt die Arbeit als seine Strafe für etwas an, das wir erst am Ende des Buches erfahren. Er ist ein bescheidener Mann und scheinbar zufrieden mit seinem Leben. Seine Tage sind durchstrukturiert und haben meistens den gleichen Ablauf. Weder stellt er Kim Fragen, noch versucht er, sie zu erziehen und macht dadurch unbewusst alles richtig. Er wird als ziemlich skurril, aber auch äußerst liebenswert beschrieben, ebenso wie seine Freunde, mit denen er abends in Rosis Pilztreff zusammensitzt. Alle Charaktere sind mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen.
Durch Kims manchmal etwas fragwürdige und absurde Ideen, verkaufen sie zusammen mehr Markisen als jemals zuvor und erleben einige sehr schräge und witzige Situationen.
Je besser Kim und Ronald sich kennenlernen, desto mehr mögen sie sich und es macht Spaß die beiden auf ihrem tragisch komischen Weg zu begleiten. Denn „Der Markisenmann ist eigentlich eine ernste Geschichte über nicht wieder gutzumachende Fehler in der Vergangenheit, über das Erwachsenwerden und über Freundschaft und Familienbande. Jan Weiler ist es gut gelungen, die Tragik mit Humor zu verbinden und eine unterhaltsame Geschichte zu schreiben.

Veröffentlicht am 28.07.2022

Tolles Mitmachbuch

Rille: Wann ist bald?
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Rille ist ein kleiner Gorilla. Eines Tages findet er mitten im Dschungel ein Ei. Wem mag das gehören? Doch keine Ei-Mama oder ein Ei-Papa ist zu sehen. Rille nimmt das Ei mit nach Hause und wartet ungeduldig, ...

Rille ist ein kleiner Gorilla. Eines Tages findet er mitten im Dschungel ein Ei. Wem mag das gehören? Doch keine Ei-Mama oder ein Ei-Papa ist zu sehen. Rille nimmt das Ei mit nach Hause und wartet ungeduldig, dass endlich jemand daraus schlüpft.
„Wann ist bald - Rille und die Geduld“ ist ein niedliches und liebenswertes Mitmach -Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren, das mich von der ersten Seite an begeistert hat. Die Illustrationen sind liebevoll und farbenfroh und auf jeder Seite gibt es einiges zu entdecken. Der Text ist leicht verständlich und oft werden die Kinder direkt angesprochen und aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Entweder sollen sie pusten, an die Eischale klopfen, ein Lied singen, zählen oder beim Brüten helfen.
Die Themen Geduld und Warten kennen alle Kinder und fühlen sich dadurch direkt angesprochen und mit Rille verbunden. Alle wollen wissen, was in dem Ei ist. Am Ende wird das Warten dann auch belohnt: Die Schale knackt und heraus schlüpft ein …

Veröffentlicht am 28.07.2022

Sprachlosigkeit

Die Ewigkeit ist ein guter Ort
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Inhalt: Elke ist Ende zwanzig, hat Theologie studiert und arbeitet im Albertusstift in Köln. Den ehrenamtlichen Seelsorge-Dienst im Seniorenheim mag sie besonders gern. Als sie eines Tages am Sterbebett ...

Inhalt: Elke ist Ende zwanzig, hat Theologie studiert und arbeitet im Albertusstift in Köln. Den ehrenamtlichen Seelsorge-Dienst im Seniorenheim mag sie besonders gern. Als sie eines Tages am Sterbebett einer alten Dame das Vaterunser sprechen soll, fehlen ihr die Worte. Ihr fällt der seit ihrer Kindheit bekannte Text nicht mehr ein und sie stammelt unzusammenhängende Worte. Genauso ist es bei anderen Gebeten und bei einer von ihr vorbereiteten Andacht. Sie nennt es Gottdemenz. Und da ihre Sprachlosigkeit anhält, wird sie kurzerhand suspendiert.
Elke fährt zu ihren Eltern nach Norddeutschland. Aber auch ihr Vater, der selber Pastor ist, hat Erwartungen an sie. Er möchte, dass sie möglichst bald seine Nachfolge antritt, damit er sich zurückziehen kann. Und dann gibt es in ihrem Elternhaus noch den leeren Platz am Tisch, wo früher ihr Bruder Chris saß, der vor 15 Jahren im See ertrunken ist.

„Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ wird aus der Sicht von Elke erzählt. Aber obwohl es um sehr ernste und traurige Themen, wie Glaube, Tod, Trauerbewältigung und Selbstfindung geht, habe ich die Atmosphäre des Romans in großen Teilen eher als heiter empfunden. Allerdings gibt es auch traurige, berührende und nachdenklich machende Passagen.
Elke mochte ich sehr gern. Trotz aller Probleme verliert sie nicht ihren Humor. Sie zweifelt an ihrem Glauben und auf der Suche nach dem Grund ihrer Sprachlosigkeit muss sie sich zuerst mit dem frühen Tod ihres Bruders auseinandersetzen. Ihr Freund Jan ist Atheist und ihr keine große Hilfe. So richtig verstehen kann er Elke nicht und die beiden reden auch viel zu wenig miteinander. Das wirklich Wichtige behält Elke für sich. Eigentlich leben die beiden nebeneinander her, jeder hat seine eigenen Interessen und seinen eigenen Freundes- und Bekanntenkreis.
Dann ist da noch Gertrude, der alte und nervige Papagei, sowie einige andere tolle Nebencharaktere, die sehr zur Auflockerung der Geschichte beitragen.
Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen. Es ist zwar offen, aber voller Hoffnung.

Das Buch ist tiefgründig, berührend und humorvoll und ich empfehle es gerne weiter.