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Raeubertochter

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2021

Sehr sympathische Protagonisten

Tote schweigen nie
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Der Einstieg in das Buch fiel mir leicht und auch Cassie Raven mochte ich sofort sehr gerne. Cassie ist unkonventionell und etwas schräg, doch mit Leib und Seele Sektionsassistentin. Behutsam und mit Respekt ...

Der Einstieg in das Buch fiel mir leicht und auch Cassie Raven mochte ich sofort sehr gerne. Cassie ist unkonventionell und etwas schräg, doch mit Leib und Seele Sektionsassistentin. Behutsam und mit Respekt behandelt sie die ihr anvertrauten Toten und spricht mit ihnen - und manchmal bekommt sie auch eine Antwort. Ihr Chef hält sehr viel von ihr, denn sie ist engagiert und scharfsinnig. Cassie hatte eine schwierige Kindheit und Jugend und nur dank der Hilfe ihrer Mentorin, Mrs. Edwards, hat sie sich aufgerafft, gelernt und es so weit gebracht. Deshalb ist es ihr sehr wichtig herauszufinden, wie Mrs. Edwards wirklich gestorben ist, denn an einen Unfall glaubt Cassie nicht.
Die Polizistin DS Phyllida Flyte ist das genaue Gegenteil von Cassie. Immer wie aus dem Ei gepellt, kühl, unnahbar und überaus korrrekt. Doch auch sie hat eine traurige Vergangenheit und ganz langsam nähern die beiden unterschiedlichen Frauen sich an.
Dieser Thriller beginnt ziemlich ruhig und steigert die Spannung langsam, aber anhaltend und es kommt zu überraschenden Wendungen. Zudem gibt es detaillierte Einblicke in Cassies Arbeit in der Leichenhalle und bei den Obduktionen. Der Schreibstil von A. K. Turner lässt sich leicht lesen und ist teilweise (im Zusammenhang mit Cassie) sogar humorvoll.

Fazit: Auch wenn „Tote schweigen nie“ nicht wahnsinnig spannend ist, finde ich diesen Serienauftakt doch sehr gelungen, was zum größten Teil an den Protagonisten liegt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und freue mich schon auf den nächsten Teil, der hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Veröffentlicht am 22.08.2021

Nichts ist, wie es scheint...

Neben wem du erwachst
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Inhalt: Nach einer durchzechten Nacht mit ihrer Freundin April, erwacht Luise mit einem fürchterlichen Kater. Und neben ihr liegt nicht, wie erwartet, ihr Mann Niall, sondern ein völlig Fremder - blutüberströmt ...

Inhalt: Nach einer durchzechten Nacht mit ihrer Freundin April, erwacht Luise mit einem fürchterlichen Kater. Und neben ihr liegt nicht, wie erwartet, ihr Mann Niall, sondern ein völlig Fremder - blutüberströmt und tot. Luise kann sich an nichts erinnern, hat einen totalen Blackout. DCI Jonah Sheens und sein Team übernehmen die Ermittlungen in diesem undurchsichtigen Mordfall, der sie ständig vor neue Fragen stellt.

Meine Meinung: Ich habe mich gefreut, wieder etwas von Jonah Sheens, Juliette Hanson und ihren Kollegen lesen zu können. Mir gefällt das gesamte Team von der Polizei Southampton sehr gut und auch die Einblicke in das Privatleben der Ermittler mag ich gern. In diesem 3.Teil geht es im privaten Bereich um Juliettes Probleme mit ihrem Ex-Freund Damien.
Der größte Teil der Geschichte besteht aus den Ermittlungen der Polizei, die mir ziemlich realistisch vorkamen. Viele neue Informationen und Wendungen machen die Handlung spannend, komplex und unterhaltsam.
In einem zweiten, etwas kürzeren Handlungsstrang, schreibt Luise - die für die Polizei die Hauptverdächtige ist - für ihren Mann Niall einen ehrlichen und aufschlussreichen Bericht über ihr Abrutschen in die Alkoholsucht und die daraus entstandenen zwei Persönlichkeiten. Die nüchterne Luise und die betrunkene Luise. Nach und nach nähert sich ihre Erzählung der Tatnacht und ganz langsam kommt ihre Erinnerung zurück. Obwohl ich mit Luise nicht ganz warm geworden bin, tragen ihre Kapitel sehr dazu bei, dass der Fall immer immer undurchschaubarer und spannender wird. Immer mehr Verdächtige kommen hinzu. Die Auflösung hat mich sehr überrascht, aber völlig zufriedengestellt.

Fazit: Ein undurchsichtiger Krimi mit überraschenden Wendungen, bei dem nichts ist, wie es zunächst scheint.

Veröffentlicht am 17.08.2021

Ruhiger und einfühlsamer Roman

Wildtriebe
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Inhalt: Auf dem Betches-Hof, dem größten Bauernhof in Hausen, einem kleinen Ort in Hessen, leben drei Generationen von Frauen unter einem Dach. Für die alte Bäuerin Lisbeth ist der Hof ihr ganzer Lebenssinn, ...

Inhalt: Auf dem Betches-Hof, dem größten Bauernhof in Hausen, einem kleinen Ort in Hessen, leben drei Generationen von Frauen unter einem Dach. Für die alte Bäuerin Lisbeth ist der Hof ihr ganzer Lebenssinn, seit sie ihn von ihren Eltern geerbt hat. Ihre Schwiegertochter Marlies, die keine Bauerstochter ist - so wie von Lisbeth heimlich gewünscht - hat andere Vorstellungen vom Leben als Tag für Tag einen Hof zu bewirtschaften, und ihre Tochter Joanna geht selbstbewusst ihren eigenen Weg . Immer wieder kommt es vor allem zwischen Lisbeth und Marlies zu Konflikten, denn statt miteinander zu reden, tragen sie stille Kämpfe aus. Das einzige Bindeglied der Frauen ist Joanna.

Meine Meinung: Ich brauchte einige Seiten, um mich an den etwas ungewöhnlichen Schreibstil zu gewöhnen. Ute Mank erzählt die Geschichte ruhig und unaufgeregt in kurzen, manchmal sogar nicht beendeten Sätzen, so wie auch in vielen sehr kurzen Abschnitten. Im Wechsel erfährt der Leser aus den Perspektiven von Lisbeth und Marlies von deren Gedanken und Handlungen. Gerade zu Anfang haben mich auch die spontanen Zeitsprünge etwas verwirrt, doch schon bald kam ich gut damit zurecht.
Lisbeth ist nicht glücklich mit ihrer neuen Schwiegertochter, die so anders ist als gewünscht. Marlies dagegen fühlt sich von Lisbeths Anforderungen und Erwartungen unter Druck gesetzt und sucht andere Herausforderungen. Der Hof diktiert das Leben der ganzen Familie und gibt deren Lebensrythmus vor. Über die Arbeitserleichterungen die die Modernisierung mit sich bringt, ist Marlies sehr froh, doch Lisbeth machen sie traurig.
Joanna wird von beiden Frauen geliebt und ist gleichzeitig Streitpunkt, wie auch Verbindung zwischen ihnen. Beide setzen große Hoffnungen in sie. Leider war mir Joanna nicht besonders sympathisch. Lisbeth und Marlies sind mir dagegen im Lauf der Geschichte ziemlich nah gekommen. Ich konnte mich gut in beide hineinversetzen und auch den Generationskonflikt gut nachvollziehen. Ich hatte für beide Verständnis, auch wenn ich Lisbeths Einmischungen und Verhalten gegenüber Marlies nicht richtig fand. Da war ich ganz auf Marlies Seite. Die Männer in dieser Geschichte bleiben eher unauffällige Nebendarsteller, die sich nur ungern in Konflikte einmischen. Trotzdem mochte ich Karl, Lisbeths Mann, sehr gern, denn er verhällt sich Marlies gegen über offener und freundlicher als seine Frau.
Die Autorin beschreibt sehr authentisch das Alltagsleben auf einem Hof. Sie erzählt von der Arbeit und den Traditionen. Vom Klatsch und Tratsch in dem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Vom Pflichtbewusstsein der älteren Generation. Vom Druck, Kinder in die Welt setzen zu müssen - je mehr desto besser - um Erben für den Hof zu haben. Und auch von der Veränderung des Frauenbildes und der Modernisierung der Landwirtschaft.

Fazit: Mir hat dieser ruhige und einfühlsame Roman wirklich gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.

Veröffentlicht am 10.08.2021

Sehr interessantes Thema

Die Alster-Schule - Zeit des Wandels
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Inhalt: Hamburg 1930. Die engagierte junge Lehrerin Felicitas Marquardt, die von der Reformpädagigik absolut überzeugt ist, tritt eine Stelle an der Alster Schule in Hamburg an. Hier wird ohne Rohrstock ...

Inhalt: Hamburg 1930. Die engagierte junge Lehrerin Felicitas Marquardt, die von der Reformpädagigik absolut überzeugt ist, tritt eine Stelle an der Alster Schule in Hamburg an. Hier wird ohne Rohrstock unterrichtet. Die Schüler*innen sollen Freude am Lernen und selbstständigen Denken entwickeln.
Felicitas hat einen starken Freiheitswillen, möchte ein selbstbestimmtes Leben führen und berufstätig sein. Ihr guter Freund und Kollege Emil hat strengere bürgerliche Vorstellungen vom Leben und obwohl beide heimlich ineinander verliebt sind, passen ihre Lebenseinstellungen in keinster Weise zusammen. Als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen, gerät Felicitas in einen Konflikt zwischen ihren Idealen und den strengen neuen Umstrukturierungen der Schule und des Lehrstoffs.

Meine Meinung: „Die Alster Schule - Zeit des Wandels“ ist der erste Band des Zweiteilers mit der Lehrerin Felicitas Marquardt. Die Geschichte wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt und umfasst die Jahre 1930 - 38. Die Protagonistin Felicitas verhält sich äußerst unkonventionell, ist eigensinnig, lebenshungrig, aber auch mutig. Ihre Freundin Anneliese, mit der sie sich für einige Zeit eine Wohnung teilt, ist eher das Gegenteil von ihr. Sie ist ziemlich naiv und ihr Lebensziel ist es, Ehefrau und Mutter zu sein. Emil, der Turnlehrer, war mir von Anfang an sehr unsympathisch. Wahrscheinlich kann er schon aufgrund seiner strengen und lieblosen Erziehung keine Gefühle zeigen und ist leider auch sehr empfänglich für die Propaganda der Nazis.
Obwohl der Schreibstil sich flüssig lesen lässt, fand ich ihn etwas emotionslos. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich auch mit den Charakteren nicht so richtig anfreunden und mitfiebern konnte. Trotzdem finde ich die Geschichte wirklich sehr interessant! Es wird erschreckend deutlich, wie sehr sich das Leben nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland verändert hat. Ich fand es überraschend zu lesen, wie viele radikale Änderungen es auch in den Schulen gab, die die Lehrer, den Lehrstoff und das Verhalten von Lehrern und Schülern betrafen. Vieles ist in unseren Augen heute lächerlich, doch wer sich damals an diese Vorgaben nicht hielt, wurde sofort entlassen. Z.B. musste im Geometrie Unterricht in jeden Kreis oder Quadrat ein Hakenkreuz gemalt werden oder man durfte nicht behaupten, dass Jesus Jude war und die drei Weisen aus dem Morgenland stammten… .

Fazit: Auch wenn mich das Buch nicht komplett überzeugen konnte, so fand ich diese fiktive Geschichte mit dem gut recherchierten geschichtlichen Hintergrund doch sehr interessant, wichtig und lesenswert. Ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte.

Veröffentlicht am 06.08.2021

Unterhaltsamer Nordsee-Krimi

Nordwestzorn
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„Nordwestzorn“ von Svea Jensen ist der 2. Fall für die Soko St. Peter-Ording, aber auch ohne Vorwissen zu lesen.

Inhalt: Vor mehr als 15 Jahren verschwand der 9-jährige Florian aus einem Sommercamp bei ...

„Nordwestzorn“ von Svea Jensen ist der 2. Fall für die Soko St. Peter-Ording, aber auch ohne Vorwissen zu lesen.

Inhalt: Vor mehr als 15 Jahren verschwand der 9-jährige Florian aus einem Sommercamp bei St. Peter-Ording. Trotz einer groß angelegten Suche wurde das Kind nie gefunden. Es gab drei Tatverdächtige, von denen allerdings nur einer angeklagt wurde, den Jungen missbraucht und getötet zu haben. Doch nach einem öffentlichkeitswirksamen Indizienprozess wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Nun greift Anna Wagner mit ihrem Team den Fall wieder auf.

Meine Meinung: Anna Wagner übernimmt nun wie von ihr erhofft, in St. Peter-Ording die Leitung der neu eingerichteten Vermisstenstelle. So kommt es für den Leser zu einer erneuten Begegnung mit den schon bekannten sympathischen Charakteren aus Teil eins. Die Einblicke in das Privatleben der Protagonisten Anna und ihrem Kollegen Hendrik gefielen mir auch in diesem Buch wieder gut. Beide entwickeln sich interessant und authentisch weiter und ich hätte sogar gern noch mehr private Einblicke bekommen.
Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich hauptsächlich auf die ehemaligen Tatverdächtigen und die damals für den Fall zuständigen Polizisten. Sympathisch war mir von ihnen keiner.
Häufige Perspektivwechsel und verschiedene Blickwinkel machen die Handlung interessanter, genauso wie die Rückblicke in die Vergangenheit. Die anschaulichen Beschreibungen von St. Peter-Ording und der näheren Umgebung (diesmal im Schnee) haben mir wieder super gut gefallen und eine tolle Nordsee-Atmosphäre geschaffen.
Ich fand die Handlung zwar nicht atemberaubend spannend, wollte aber unbedingt wissen, was damals wirklich geschehen war, so dass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen habe. Bis zur schockierenden Auflösung tappte ich völlig im Dunkeln.

Fazit: Mir hat dieser 2. Teil besser gefallen als der Vorgänger. Ein unterhaltsamer und solider Nordsee Krimi mit einem tollen Handlungsort und sympathischen Ermittlern.