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Veröffentlicht am 10.11.2020

Sardinien im Oktober 1922

Die sardische Hochzeit
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Inhalt: Sardinien, Oktober 1922. Es ist kurz vor Mussolinis Machtergreifung und ganz Italien steht an der Schwelle eines politischen Umschwungs. Auch in Sardinien brodelt es und ausgerechnet jetzt kommt ...

Inhalt: Sardinien, Oktober 1922. Es ist kurz vor Mussolinis Machtergreifung und ganz Italien steht an der Schwelle eines politischen Umschwungs. Auch in Sardinien brodelt es und ausgerechnet jetzt kommt Leo Lanteri, Kriegsveteran und Erbe einer ligurischen Olivenplantage auf die Insel. Da er in seiner Heimat im Streit einen Faschisten getötet hat, muss er untertauchen, bis sein Vater die Sache auf seine Weise geregelt hat. Leo, der als Fremder vom Festland nicht überall gern gesehen ist, ist auf der Suche nach einer bestimmten Olivensorte - der pecora nora - als er auf dem Landgut des Mussolini Anhängers Soriga dessen eigenwillige Tochter Gioia kennenlernt und sich sofort in sie verliebt. Doch Gioia ist bereits verlobt und wird in einer Woche heiraten.

Meine Meinung: Ich muss zugeben, dass ich mich mit dem Buch zuerst sehr schwer getan habe. Grit Landau verknüpft in ihrem Buch politische Entwicklungen und historische Ereignisse mit einer fiktiven Romanhandlung. Das war nicht das, was ich inhaltlich erwartet hatte und trotz des wirklich tollen und flüssigen Schreibstils kam ich eine Weile nur langsam mit dem Lesen voran. Auch die Liebesgeschichte zwischen Leo und Gioia beginnt relativ spät und kommt meiner Meinung nach zu kurz. Doch spätestens nach der Hälfte des Buches packte mich die Geschichte immer mehr. Auch Leo mochte ich gern. Trotz seiner traumatischen Kriegserfahrungen und wiederkehrenden Albträume ist er mutig und selbstbewusst.
Sehr gut gefallen haben mir zu Beginn jeden Kapitels die ausführlichen Erklärungen zu den alten sardischen Mythen und Gebräuchen, sowie die vielen sardischen Ausdrücke im Text.
Ich wusste bisher noch nicht viel von Italiens Geschichte und habe schon während des Lesens einiges nachgeschlagen, z.B. Die Isonzo-Schlacht, Mussolinis „Marsch auf Rom“ und seine Machtergreifung.
Das Ende der Geschichte war für mich völlig überraschend und hat mir richtig gut gefallen.

Fazit: Obwohl der Titel des Buches eher eine Liebesgeschichte vermuten lässt, ist diese eher eine Nebenhandlung des Romans. Der Schwerpunkt liegt auf dem politischen Geschehen und dem geschichtlichen Hintergrund. Ich persönlich hätte es mir genau umgekehrt gewünscht. Trotzdem habe ich das Buch nach anfänglichen Schwierigkeiten gerne gelesen.

Veröffentlicht am 09.11.2020

Unterhaltsamer und turbulenter Winter- und Weihnachtsroman

Eine Weihnachtshochzeit im Schnee
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Inhalt: Maggie freut sich auf ein gemeinsames Weihnachten mit ihren erwachsenen Töchtern Rosie und Katie und ihrem Noch-Ehemann Nick in ihrem gemütlichen Honeysuckle Cottage. Schon seit einigen Monaten ...

Inhalt: Maggie freut sich auf ein gemeinsames Weihnachten mit ihren erwachsenen Töchtern Rosie und Katie und ihrem Noch-Ehemann Nick in ihrem gemütlichen Honeysuckle Cottage. Schon seit einigen Monaten gehen Maggie und Nick getrennte Wege, doch Maggie zögert noch, ihren Töchtern davon zu erzählen. Doch dann kommt ganz kurzfristig Rosies Ankündigung: Sie wird heiraten. Und zwar schon Weihnachten im verschneiten Aspen in Colorado, dem Zuhause ihres zukünftigen Mannes. Maggie und Nick beschließen, bis nach Weihnachten den Schein zu wahren und als glückliches Paar aufzutreten. Rosies ältere Schwester Katie hält die überstürzte Heirat für einen großen Fehler und beschließt, die Hochzeit zu verhindern.

Meine Meinung: Ich habe inzwischen schon einige Bücher von Sarah Morgan gelesen. Durch den lebhaften und leichten Schreibstil fiel mir auch in diesem Buch der Einstieg sehr leicht. Der Roman wird im Wechsel aus den Perspektiven von Maggie, Rosie und Katie erzählt. Obwohl jede der Frauen ihre eigene Geschichte hat, wird aus allem ein großes Ganzes. Maggie mochte ich von Anfang an sehr gerne und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Ihre Geschichte hat mir am besten gefallen und ich musste häufig schmunzeln. Katie fand ich leider nicht ganz so sympathisch. Vor allem zu Beginn ist sie sehr kratzbürstig und schlecht gelaunt. Es dauert auch einige Zeit, bis klar wird, was ihr zugestoßen ist. Die Entwicklung ihrer Geschichte hat mir dann aber gut gefallen. Rosie ist noch sehr jung und dadurch leicht beeinflussbar, aber durchaus sehr liebenswert. Auch alle anderen Charaktere sind wie immer wunderbar warmherzig beschrieben.
Das traumhafte Setting im verschneiten Aspen trägt viel zu einer Wohlfühl-Atmosphäre bei und ist perfekt für einen Winterroman: Schnee, Wälder, Baumhäuser mit gemütlichem Kaminfeuer, Hundeschlitten und vieles mehr.

Fazit: Wieder einmal ein unterhaltsamer und turbulenter Winter- und Weihnachtsroman von Sarah Morgan. Ideal zum Abschalten vom Alltag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2020

Schöner nostalgischer Winterroman

Das Winterkarussell
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Inhalt: 1990: Antonia ist erst 15 Jahre alt, als ihre Mutter bei einem Unfall stirbt. Das Jugendamt macht als einzigen Verwandten ihren Großvater Otto ausfindig. Otto, der Vater ihrer Mutter, wusste bisher ...


Inhalt: 1990: Antonia ist erst 15 Jahre alt, als ihre Mutter bei einem Unfall stirbt. Das Jugendamt macht als einzigen Verwandten ihren Großvater Otto ausfindig. Otto, der Vater ihrer Mutter, wusste bisher nicht einmal, dass er eine Tochter hatte und jetzt soll er sich plötzlich um eine Enkeltochter kümmern. Der mürrische alte Mann, der einsam und zurückgezogen auf einem alten Bauernhof im Taunus lebt, ist zunächst mit der Situation überfordert. Seine ganze Liebe gilt seinem „alten Mädchen“, einem alten nostalgischen Kinderkarussell, das seit Jahrzehnten unbenutzt in seiner Scheune steht. Doch ganz langsam und in kleinen Schritten, nähern sich Otto und Antonia einander an. Dann kommt die Anfrage aus Frankfurt, ob Otto mit seinem Karussell auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt kommen kann. In Otto werden Erinnerungen an den Winter 1938 wach, in dem das Karussell zum letzten Mal auf einem Weihnachtsmarkt war. Der Winter, in dem er Lene kennenlernte und sich unsterblich verliebte…

Meine Meinung: Das Buch hat mir von Anfang an gut gefallen. Der Schreibstil von Anna Liebig ist flüssig, lebendig und sehr bildhaft. Es ist ihr gelungen, eine wunderbar warmherzige und nostalgische Atmosphäre zu schaffen und ich konnte mir vor allem das Karussell und den Weihnachtsmarkt mit seinen verschiedenen Verkaufsständen sehr gut vorstellen.
Auch wenn die Geschichte traurig beginnt, so habe ich sie nicht als zu bedrückend empfunden. Es war schön zu lesen, wie sich das junge Mädchen mit dem brummigen alten Mann anfreundet und wie gut beiden die Nähe des anderen tut und seelische Wunden heilt. Antonia ist ein sehr sympathisches Mädchen und ich mochte sie sofort. Sie wirkt und verhält sich allerdings wesentlich erwachsener als 15 Jahre. Zum Glück ist auch Otto nicht ständig mürrisch, sondern eigentlich nur einsam und durchaus liebenswert. Auch Gerda und Justus, die Otto und Antonia auf dem Weihnachtsmarkt unterstützen, mochte ich sehr gerne.
in Rückblicken erfährt der Leser von der Liebesgeschichte zwischen Otto und Lene, die aus völlig verschiedenen Vehältnissen kommen. Während Otto zusammen mit seinem Vater und Bruder als Schausteller mit dem Kinderkarussell von Stadt zu Stadt zieht und in einem Wohnwagen wohnt, kommt Lene aus wohlhabenden Verhältnissen und lebt mit ihren Eltern in einem vornehmen Haus in Frankfurt. Obwohl von Anfang an klar ist, das ihre Liebe tragisch enden wird, hat mir auch diese Geschichte gut gefallen.

Fazit: Ein warmherziger und berührender nostalgischer Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht am 27.10.2020

Schöne Wintergeschichte

Wintermeer und Dünenzauber
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Inhalt: Nach einer gescheiterten Beziehung kehrt Jana nach ein paar Jahren auf Gran Canaria in ihre Heimatstadt Sankt Peter Ording zurück. Hier an der Nordsee fühlt sie sich zu Hause. Sie zieht in das ...

Inhalt: Nach einer gescheiterten Beziehung kehrt Jana nach ein paar Jahren auf Gran Canaria in ihre Heimatstadt Sankt Peter Ording zurück. Hier an der Nordsee fühlt sie sich zu Hause. Sie zieht in das alte Kapitänshaus ihrer Oma Hansa und eröffnet zusammen mit ihrer besten Freundin Pütti den Geschenkeladen „MeerGlück“, ein Wohlfühllädchen, in dem die beiden von Jana selbst gemachte Öle, Duftkerzen und Ähnliches verkaufen und Pütti den Kunden Köstlichkeiten für Körper und Seele anbietet - direkt gegenüber von Ayk Truels Buchhandlung. Schon in der 9. Klasse war Jana heimlich in Ayk verliebt und auch jetzt fühlt sie sich noch von ihm angezogen. Doch Ayk hat ein Geheimnis und verhält sich Jana gegenüber sehr zurückhaltend.

Meine Meinung: Wie schon das Cover verspricht, ist „Wintermeer und Dünenzauber“ ein leicht und locker zu lesender Unterhaltungs- und Wohlfühlroman. Die Charaktere sind alle sehr liebenswert und hilfsbereit. Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen des winterlichen Sankt Peter Ording und von Oma Hansas Haus am Meer. Auch die gemeinsame Geschäftsidee von Ayk und Jana fand ich interessant und würde sie persönlich gerne ausprobieren. Die Geschichte plätschert allerdings etwas vor sich hin und insgesamt gab es mir zu viel Esoterik in dem Geschenkeladen und zu unglaubwürdige Heilungen. Gegen alle Beschwerden scheint es ein passendes Öl zu geben, sogar gegen Liebeskummer. Schön, wenn es so einfach wäre. Später wird ein schwerwiegendes Problem angesprochen, das auch viel zu einfach gelöst wird. Hier fehlte mir definitiv die Tiefe.
Auf den letzten Seiten des Buches gibt es noch Erklärungen zu den Düften, Ölen, Heilsteinen und Gewürzen und einige von Püttis Rezepten.

Fazit: Der Roman hat mich einige Stunden gut unterhalten. Perfekt für zwischendurch, aber nichts Besonders.

Veröffentlicht am 22.10.2020

Paris in der Besatzungszeit

Die Königin des Ritz
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Paris 1940: Das prunkvolle Pariser Luxushotel Ritz ist zum Hauptquartier der deutschen Besatzer geworden und nur noch wenige der reichen Stammgäste, wie zum Beispiel Coco Chanel, sind geblieben. Stattdessen ...

Paris 1940: Das prunkvolle Pariser Luxushotel Ritz ist zum Hauptquartier der deutschen Besatzer geworden und nur noch wenige der reichen Stammgäste, wie zum Beispiel Coco Chanel, sind geblieben. Stattdessen wehen überall Hakenkreuzfahnen und deutsche Soldaten wohnen in den opulent ausgestatteten Zimmern.
Blanche Auzello, die temeramentvolle Ehefrau des Direktors Claude Auzello, kann es kaum ertragen, wie unterwürfig ihr Ehemann sich den Nazis gegenüber verhält. Dann beginnt sie, Aufträge für die Résistance zu übernehmen und englische Soldaten aus dem Land zu schmuggeln. Dabei geht sie große Risiken ein. Blanche ahnt nicht, dass auch Claude schon lange für die Résistance arbeitet…

Die Autorin Melanie Benjamin ließ sich für diesen Roman von der wahren Geschichte der Blanche Aurello, von der es nicht sehr viele Informationen gibt, inspirieren.
Der Roman wird im Wechsel aus den Perspektiven von Blanche und Claude erzählt. In der ersten Hälfte gibt es sehr viele Rückblicke auf ihr Kennenlernen und die ersten Jahre ihrer turbulenten Ehe. Blanche ist temperamentvoll und lebenslustig und erfüllt überhaupt nicht die Erwartungen, die Claude an eine Ehefrau hat. Weder kann sie kochen, noch sitzt sie zuhause und wartet auf ihn. Dagegen nimmt sich Claude die Freiheit heraus, ganz offen eine Geliebte zu haben, die er Donnerstags regelmäßig besucht. Da fliegen schon mal die Fetzen. Doch beide lieben das Ritz.
Dieser erste Teil des Buches hat mich ziemlich gelangweilt. Erst als beide bei der Résistance tätig sind, nimmt die Handlung an Fahrt auf und konnte mich mehr fesseln. Leider hat es auch sehr lange gedauert, bis ich mich Claude und Blanche nahe fühlte. Erst ziemlich gegen Ende der Geschichte, als auch die Handlung immer spannender und dramatischer wird, konnte ich emotional mit ihnen mitfiebern.
Das Leben in Paris und im nach wie vor glanzvollen Hotel Ritz wird sehr eindringlich und glaubwürdig geschildert. Die Pariser leiden immer mehr unter der Naziherrschaft und müssen hilflos mitansehen, was geschieht. Die Situation spitzt sich immer weiter zu.

Fazit: Leider hat es mir zu lange gedauert, bis die Handlung interessant wurde und ich einen Bezug zu den Charakteren bekommen habe. Deshalb hat mich das Buch nicht völlig überzeugt.