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Veröffentlicht am 20.02.2022

Drei Kämpferinnen, Überlebende, Kriegerinnen

Das Mädchen mit dem Drachen
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Die französische Lehrerin Léna will nach einem Schicksalsschlag eine Auszeit nehmen. Sie fliegt nach Indien in eine Gegend, die ihr Partner immer besuchen wollte, sich diesen Traum jedoch nie erfüllen ...

Die französische Lehrerin Léna will nach einem Schicksalsschlag eine Auszeit nehmen. Sie fliegt nach Indien in eine Gegend, die ihr Partner immer besuchen wollte, sich diesen Traum jedoch nie erfüllen konnte.
Als sie eines Morgens beinahe im Meer ertrinkt und nur dank des beherzten Eingreifens eines kleinen Mädchens gerettet wird, ändert sich alles. Sie sucht nach der Kleinen, um ihr zu danken. Dabei erfährt sie, dass sie von Frauen der sogenannten Roten Brigade gerettet wurde, einer Gruppe von Frauen, die durch die Straßen patrouillieren, um andere Frauen vor Vergewaltigungen und anderer Gewalt zu schützen. Léna erhält Einblick in ein Indien, das vom touristischen Indien Lichtjahre entfernt ist und beschließt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas zu verändern. Ihr schwebt eine Schule für Dalits, die sogenannten „Unberührbaren“, vor, eine Kaste, die nur niedrige Arbeiten verrichtet und der keinerlei Bildung zuteil wird. Zusammen mit der lokalen Anführerin der Roten Brigade, Preeti, beginnt sie den langen und mühsamen Weg durch die Instanzen, bis es ihr tatsächlich gelingt, mithilfe von Spenden eine Schule für die Ärmsten der Armen zu eröffnen.
Das Buch spricht viele Missstände an, die selbst im 21. Jahrhundert noch in Indien herrschen: Kinderarbeit, Zwangsehen, Massenvergewaltigungen, um nur ein paar zu nennen. Dennoch ist das Buch keine ganz und gar bedrückende Lektüre, denn es gibt auch Hoffnungsschimmer und Menschen, die sich von den jahrhundertealten Traditionen und Zwängen befreien möchten. Beim Lesen dieses Buchs wird einem klar, in welch privilegierter Welt wir hier im Westen leben und auf welch hohem Niveau hier gejammert wird! „Das Mädchen mit dem Drachen“ ist auf jeden Fall ein sehr berührendes Buch, das viele wichtige Themen anspricht und aufzeigt, dass auch Einzelne etwas bewegen können.

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Veröffentlicht am 11.02.2022

Ein Fall, der's in sich hat

Grenzfall - Ihr Schrei in der Nacht
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Im dichten Schneegestöber wird in der Jachenau eine junge Frau vermisst. Sie war auf dem Heimweg zu ihren Eltern, um mit ihnen Geburtstag zu feiern, doch sie kommt nie zuhause an. Kurz darauf verschwinden ...

Im dichten Schneegestöber wird in der Jachenau eine junge Frau vermisst. Sie war auf dem Heimweg zu ihren Eltern, um mit ihnen Geburtstag zu feiern, doch sie kommt nie zuhause an. Kurz darauf verschwinden zwei weitere junge Menschen aus der Gegend.
Beinahe zeitgleich verschwinden aus einem Innsbrucker Studentenwohnheim zwei junge Frauen. Alles nur Zufall? Oder stecken dieselben Täter dahinter? Allerdings könnte in Innsbruck Fremdenfeindlichkeit das Motiv sein, denn eine der beiden Frauen stammt aus Syrien.
Es ist der zweite Fall der „Grenzfall“-Reihe von Anna Schneider, in denen auf der österreichischen Seite der 60jährige Bernhard Krammer gemeinsam mit Rosa Szabo vom LKA Tirol und auf der deutschen Seite die 32jährige Alexa Jahn mit ihrem Kollegen Huber ermitteln. Den ersten Band kannte ich nicht, trotzdem fiel es mir nicht schwer, in die Geschichte reinzukommen. Zu Beginn des Buches erhält der Leser einen kurzen Steckbrief der beiden Kommissare Jahn und Krammer sowie eine Landkarte der Gegend des Geschehens, was äußerst hilfreich ist.
Jahn und Krammer haben auch im ersten Fall (der im übrigen erst eine Woche zurückliegt) grenzüberschreitend miteinander gearbeitet. Bald stellt sich heraus, dass sie mehr als der Beruf verbindet.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Jahns und Krammers Perspektive erzählt, dazwischen erfährt man immer wieder Einzelheiten aus der Sicht der Opfer sowie kursiv geschriebene Gedanken, vermutlich des Täters. Anna Schneider erzählt in kurzen Kapiteln, ihr Schreibstil ist flüssig und spannend, man mag das Buch gar nicht aus der Hand legen. Was der Leser ganz am Schluss über die Täter erfährt, ist sowohl perfide als auch äußerst gruslig, besonders da eine gewisse Gruppierung keineswegs der Fantasie der Autorin entspringt, sondern tatsächlich existiert. Ich werde diese Reihe mit Sicherheit weiterverfolgen und freue mich schon auf den angekündigten 3. Band!

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Veröffentlicht am 08.02.2022

Anne Holt enttäuscht mich nie

Ein Grab für zwei
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Selma Falck, einstige Spitzensportlerin und danach erfolgreiche Anwältin, ist tief gefallen. Um ihrer Spielsucht zu frönen, hat sie in großem Stil Geld eines Klienten veruntreut, bekommt von ihm allerdings ...

Selma Falck, einstige Spitzensportlerin und danach erfolgreiche Anwältin, ist tief gefallen. Um ihrer Spielsucht zu frönen, hat sie in großem Stil Geld eines Klienten veruntreut, bekommt von ihm allerdings die Chance, eine Anzeige abzuwenden: Selma soll die Tochter des Geschäftsmanns Jan Morell, Hege Chin Morell, vom Vorwurf des Dopings freiwaschen. Hege ist die erfolgreichste norwegische Langläuferin. Sie kann sich keinen Reim darauf machen, weshalb sie positiv getestet wurde, denn sie hat nie wissentlich verbotene Substanzen zu sich genommen. Selma ist zwar der Meinung, in diesem Fall wenig ausrichten zu können, findet dann aber doch Indizien, die darauf hinweisen, dass das Mittel Hege ohne ihr Wissen verabreicht wurde. Dann geschieht ein schrecklicher Unfall, bei dem Norwegens bester männlicher Langläufer, Selmas Patensohn, ums Leben kommt. Auch bei ihm werden verbotene Substanzen nachgewiesen. Hängen die beiden Fälle zusammen und wenn ja, wie? Selma stellt sich die Frage „cui bono?“ – wem nützt es – bzw. wem soll geschadet werden?
Neben diesem Haupthandlungsstrang gibt es noch eine Art Drehbuch sowie die Gedanken eines Mannes, der in einer immer kleiner werdenden Zelle gefangen gehalten wird. Was es hiermit auf sich hat, erfährt man erst nach und nach.
Selma, die aufgrund ihrer Spielsucht aus dem Haus der Familie ausgezogen ist, haust nun mehr schlecht als recht in einer heruntergekommenen Wohnung. Ihr Leben ist ein einziger Trümmerhaufen, doch es gibt ihr Auftrieb, als sie immer mehr Einzelheiten ans Licht bringt, was im norwegischen Spitzensport, vor allem im Langlaufverband, alles im Argen liegt.
Ich fand das Hörbuch ausgesprochen fesselnd. Abgesehen von der spannenden Handlung
gefiel mir auch die Sprecherin Katja Bürkle ganz hervorragend (und ich bin bei Hörbuchsprechern sehr wählerisch).
Ich kann nicht behaupten, dass mir die Protagonistin Selma sympathisch war, aber sie ist eine definitiv interessante Person. Ich freue mich, dass „Ein Grab für zwei“ den Auftakt zu einer neuen Serie darstellt und werde mit Sicherheit Selmas weiteren Weg verfolgen. Von mir 5 Sterne und eine klare Lese- bzw. Hörempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Die findige Sekretärin

Die stumme Tänzerin
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Einmal im Leben will Paula Haydorn, Tochter aus gutem Haus, erleben, wie es auf dem Hamburger Kiez zugeht. Dummerweise gerät sie mitten in eine Razzia und landet auf dem Polizeirevier. Dort schafft sie ...

Einmal im Leben will Paula Haydorn, Tochter aus gutem Haus, erleben, wie es auf dem Hamburger Kiez zugeht. Dummerweise gerät sie mitten in eine Razzia und landet auf dem Polizeirevier. Dort schafft sie es, sich davonzumachen und landet in den Räumlichkeiten der weiblichen Kriminalpolizei. Die Geschichte spielt im Jahr 1928 und weibliche Kriminalbeamtinnen sind eine absolute Novität, kritisch beäugt von den männlichen Kollegen.
Paula, die als Sekretärin bei einer Hamburger Werft arbeitet, beschließt kurzerhand, sich bei der KriPo als Sekretärin zu bewerben, doch in Nullkommanichts landet sie stattdessen als Ermittlerin im Team um Josefine Erkens. Sie wird zu einem Tatort mitgenommen, es handelt sich um eine schrecklich zugerichtete Leiche in einer Kirche. Es stellt sich heraus, dass das Opfer eine Prostituierte war. Schnell gerät der Besitzer des Etablissements, in dem die junge Frau arbeitete, ins Visier der Kommissare. Der Tatort wird abgesucht, doch es ist Paula, die ein wichtiges Beweisstück findet.
Paulas Familie ist ganz und gar nicht begeistert davon, dass ihre Tochter ihren alten Job gekündigt hat und nun bei der Polizei arbeitet. Sie wollen mit allen Mitteln erreichen, dass sie den neuen Job verliert. Als ihr Vater in ihrem Namen kündigt, schaltet sich sogar der Polizeipräsident ein und sorgt dafür, dass Paula Teil des Ermittlerteams bleibt. Spätestens an dieser Stelle habe ich zum ersten Mal mit den Augen gerollt. Wie lange ist Paula zu diesem Zeitpunkt schon bei der Kriminalpolizei? Eine Woche? Und doch setzt sich der Polizeipräsident persönlilch für die junge Frau mit keinerlei Berufserfahrung ein, wirklich sehr realistisch!
Bald wird eine zweite Leiche gefunden, wieder eine Prostituierte. Paula ermittelt auf eigene Faust und löst die Fälle quasi allein. Was das Private anbelangt, so scheint Paula der Leiter der Ermittlungsgruppe, Martin Broder, gut zu gefallen und umgekehrt, doch sie geraten immer wieder aneinander. Dem Leser/Hörer ist jedoch klar, dass sich zwischen den beiden irgendwann etwas entwickeln wird. Ich gehe jedenfalls stark davon aus, dass dies nur der erste Band um „die findige Sekretärin“ (wie sie einmal genannt wird) ist.
Ich fand die Geschichte ziemlich an den Haaren herbeigezogen und die akribischen Beschreibungen der verstümmelten Leichen hätte ich nicht gebraucht. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und ich hatte auch Probleme mit der Art und Weise, wie die Sprecherin manche Personen darstellte. Das Ganze kam mir ein bisschen wie ein historischer Groschenroman vor. Ich werde jedenfalls Paulas Werdegang nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 30.01.2022

Äußerst unterhaltsam

Der Mann, der zweimal starb (Die Mordclub-Serie 2)
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Douglas, Ex-Ehemann von Elizabeth und ehemaliger Kollege beim britischen Geheimdienst, MI5 hat ein Problem: bei der Durchsuchung der Villa eines Kriminellen konnte er der Versuchung nicht widerstehen und ...

Douglas, Ex-Ehemann von Elizabeth und ehemaliger Kollege beim britischen Geheimdienst, MI5 hat ein Problem: bei der Durchsuchung der Villa eines Kriminellen konnte er der Versuchung nicht widerstehen und ließ Diamanten im Wert von 20 Millionen Pfund mitgehen. Nur dumm, dass sie eigentlich der Mafia gehören und diese sie gerne wiederhätte. Also versteckt er das Diebesgut und quartiert sich in der Seniorenresidenz ein, in der Elizabeth und die anderen Mitglieder des Donnerstagsmordclub wohnen, in der Hoffnung, dass er dort nicht aufgespürt wird. Außerdem: Wenn ihn jemand aus diesem Schlamassel befreien kann, dann Elizabeth!
Doch nicht nur dieser Fall beschäftigt die Mitglieder des Donnerstagsmordclubs: Ibrahim, einer der Ihren, ist bei einem Ausflug in die Stadt von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen und ausgeraubt worden. Er landet traumatisiert im Krankenhaus und seine Freunde sinnen auf Rache.
Es gibt also genug zu tun für Elizabeth, Joyce, Ron und ihren Helfer Bogdan. Richard Osman ist mit „Der Mann, der zweimal starb“ wieder ein ausgesprochen kurzweiliger und humorvoller Roman gelungen, ein Vergnügen für Freunde des britischen Humors. Ich habe mich sehr darüber amüsiert, wenn sich Joyce beispielsweise darauf freut, in ihrem kommenden Weihnachtsbrief an Freunde und Bekannte erwähnen zu können, dass ihr Name in MI5-Kreisen ein Begriff ist! Wie schon beim ersten Band sind es der Humor und der Schreibstil des Autors, die für mich den Reiz ausmachen, der Kriminalfall selbst wird eher mit einem Augenzwinkern präsentiert und würde sich so mit Sicherheit nicht abspielen. Aber das ist völlig zweitrangig bei diesem äußerst unterhaltsamen Roman, der mir vergnügliche Lesestunden beschert hat!

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