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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.05.2020

Unterirdisch

Unter der Erde
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Elias Haack, ein vierzigjähriger, einigermaßen erfolgreicher Autor von Zombiebüchern fährt zum 90. Geburtstag seines Großvaters, den er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat, in die ostdeutsche Provinz. Eigentlich ...

Elias Haack, ein vierzigjähriger, einigermaßen erfolgreicher Autor von Zombiebüchern fährt zum 90. Geburtstag seines Großvaters, den er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat, in die ostdeutsche Provinz. Eigentlich will er nach dem Kaffeetrinken sofort zurückfahren, doch dann hat er einen von Dritten provozierten Unfall und sitzt erst einmal fest.
Das Buch beginnt zunächst realistisch und spannend. Man fragt sich, wer hat ein Interesse daran, Elias an der Abreise zu hindern und wieso? Doch nach kurzer Zeit beginnen höchst seltsame Ereignisse. Ein Kirchturm stürzt ein, die Erde bebt und tut sich auf, aus der Tiefe ertönen Schreie und in Elias’ Haus erscheint eine Art Zombie. Die Einwohner des Orts Volkow scheinen ein düsteres Geheimnis zu haben und alle unter einer Decke zu stecken...
Als großer Fan der Zorn-Reihe habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, doch leider ist es genau das, was der Titel verspricht: unterirdisch. Die Geschichte ist total an den Haaren herbeigezogen und absurd. Man fragt sich, was die ganze Inszenierung, um die es sich letztendlich handelt, eigentlich sollte. Warum sollte Elias überhaupt dort auftauchen? Es ergibt absolut keinen Sinn.
Laut Klappentext wurde der Autor „nach einem missglückten Kurztrip in die Lausitz, der mit einer Autopanne im Tagebaugebiet endete“ zu diesem Machwerk inspiriert. Hoffentlich war dieses Buch ein einmaliger Ausrutscher. Ich empfand es als ein einziges großes Ärgernis und reine Zeitverschwendung.

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Veröffentlicht am 24.05.2020

Pandamonium

Pandatage
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Seit Danny vor über einem Jahr seine Frau Liz und sein Sohn Will seine Mutter verloren haben, ist nichts mehr wie zuvor. Will saß bei dem Unfall, bei dem Liz ums Leben kam, mit im Auto und spricht seitdem ...

Seit Danny vor über einem Jahr seine Frau Liz und sein Sohn Will seine Mutter verloren haben, ist nichts mehr wie zuvor. Will saß bei dem Unfall, bei dem Liz ums Leben kam, mit im Auto und spricht seitdem nicht mehr. Danny versucht mehr schlecht als recht seinen Alltag zu meistern, indem er auf einer Baustelle schuftet, um Geld zu verdienen. Als er dann auch noch seine Stelle verliert und er mit der Miete in Rückstand ist, muss er sich etwas einfallen lassen, denn sein rabiater Vermieter droht damit, ihn auf die Straße zu setzen, nicht ohne zuvor seine Kniescheiben zertrümmert zu haben...
Als Danny die Straßenkünstler im Londoner Hyde Park beobachtet, kommt ihm eine Idee. Er kauft ein ziemlich heruntergekommenes Pandakostüm und versucht damit sein Glück im Park. Zunächst läuft das Geschäft nicht gerade gut, statt Geld nimmt Danny Zitronenbonbons und Kronkorken ein, doch dann läuft ihm die eigenwillige Krystal über den Weg, die fantastisch tanzen kann. Danny schafft es, sie dazu zu überreden, ihm Nachhilfe im Tanzen zu geben.
Wills Leben ist ebenfalls alles andere als leicht. In der Schule wird er gemobbt, sein Vater scheint sich nicht für ihn zu interessieren – er glaubt immer noch, ein Elfjähriger liebt Tapeten mit kleinen Lokomotiven – und er vermisst seine Mutter, die zugleich seine beste Freundin war, unendlich. Das Schicksal wendet sich, als Will im Park einen Panda kennenlernt. Mit ihm spricht Will plötzlich wieder und der Panda stellt sich als guter Zuhörer heraus...
„Pandatage“ erzählt eine sehr emotionale, aber nie kitschige Geschichte. Trotz des tragischen Hintergrunds sind viele Situationen urkomisch, ich habe mehr als einmal laut gelacht. Dazu kommt die wunderbare Erzählweise des Sprechers Hendrik Duryn. Eine ganz und gar wundervolle Vater-Sohn-Geschichte, die ich mit viel Vergnügen gehört habe!

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Veröffentlicht am 20.05.2020

Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Margos Töchter
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In „Margos Töchter“ nimmt uns die Autorin Cora Stephan auf eine Zeitreise durch die jüngere Geschichte der BRD und der DDR. Wir erleben die Zeit der RAF, der Anti-Atomkraftbewegung, Tschernobyl und schließlich ...

In „Margos Töchter“ nimmt uns die Autorin Cora Stephan auf eine Zeitreise durch die jüngere Geschichte der BRD und der DDR. Wir erleben die Zeit der RAF, der Anti-Atomkraftbewegung, Tschernobyl und schließlich den Mauerfall und die Auswirkungen auf Ost und West. Vieles davon fand ich ausgesprochen interessant, weil ich es selbst miterlebt habe, beispielsweise die Jagd nach vermeintlichen Terroristen unter Studenten, aber auch Demonstrationen, bei denen der Verfassungsschutz von Gebäuden herunter die Demonstranten fotografiert hat. Insofern war es für mich auch teilweise eine Reise in die eigene Vergangenheit.
Anderes dagegen blieb mir völlig fremd. Ich kann nicht nachvollziehen, was eine junge Frau dazu bringt, ihr eigenes Leben und schließlich sogar ihr Kind aufzugeben, um einer politischen Idee zu dienen. Und sogar ins DDR Gefängnis zu gehen, damit die Möglichkeit besteht, vom Westen freigekauft und somit in die BRD eingeschleust zu werden!
Die geschichtlichen Hintergründe sind eingebettet in eine Familiengeschichte. Jana, Ehefrau und Mutter von Zwillingen, will nach dem Mauerfall mehr über ihre Familiengeschichte erfahren und nimmt Einblick in die Stasiakten. Ihre eigene Mutter Leonore kam bei einem Autounfall ums Leben, bei dem es sich möglicherweise um Selbstmord handelte. Jana erfährt, dass Leonore gar nicht ihre leibliche Mutter war, sondern Jana als Kleinkind adoptiert wurde, nachdem sie von einer jungen Frau bei Leonores Familie „zurückgelassen“ wurde. Doch die Geschichte beschränkt sich nicht auf Janas Perspektive, der Leser lernt in Rückblicken auch Leonore sowie Janas leibliche Mutter kennen. Leider hat mich nur Leonore emotional erreicht, in die anderen Personen konnte ich mich nicht hineinversetzen.
Die erste Hälfte des Buchs fand ich sehr interessant und kurzweilig, in der zweiten Hälfte gab es streckenweise Passagen, die mich gelangweilt und teilweise verwirrt haben. Möglicherweise ist die Lektüre schlüssiger, wenn man den ersten Band „Ab heute heiße ich Margo“ kennt, was bei mir nicht der Fall ist.

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Veröffentlicht am 12.05.2020

Verwirrend und langatmig

Der Funke des Lebens
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Ein bewaffneter Mann dringt in eine Abtreibungsklinik in Mississippi ein und nimmt Geiseln. Von Anfang an ist klar, dass die Tat etwas mit seiner eigenen Tochter zu tun hat.
In der Klinik befinden sich ...

Ein bewaffneter Mann dringt in eine Abtreibungsklinik in Mississippi ein und nimmt Geiseln. Von Anfang an ist klar, dass die Tat etwas mit seiner eigenen Tochter zu tun hat.
In der Klinik befinden sich Louie, der Arzt, den der Geiselnehmer schwer verletzt, die Besitzerin der Klinik, eine Krankenschwester, Gwen und Beck, Tochter und Schwester des Polizisten, der mit dem Geiselnehmer George verhandelt, eine Abtreibungsgegnerin, die sich in die Klinik eingeschlichen hat und eine Reihe weiterer Frauen.
Wir erfahren die Geschichte der einzelnen Personen, meist sehr ausführlich von Kindesbeinen an. Von Louie, dem Arzt, wird erzählt, dass er seine Patientinnen gern zur Auflockerung der Stimmung vor einem Eingriff fragt, ob sie ihre Hafergrütze lieber süß oder salzig essen. Wenn mich mein Frauenarzt fragen würde, ob ich mein Frühstücksbrötchen mit Honig oder Salami esse, hätte ich ernsthafte Zweifel an seiner geistigen Gesundheit! Von Bex hören wir, dass sie mit ihrer Nichte Wren ein Fragespiel spielt, in dem Fragen wie „Wenn du die Wahl hättest, ein Horn oder einen Schwanz zu haben, welches würdest du wählen?“ gefragt werden. Hallo?!
Überhaupt ist dieses Buch eine Ansammlung von Banalitäten und Überflüssigem. Hauptsache, es kommt ein dickes Buch dabei heraus. Ärgerlicherweise wird auch ständig die Zeitebene gewechselt. Eben noch lag eine Frau verletzt am Boden, im nächsten Absatz versteckt sie sich vollkommen unversehrt in einer Abstellkammer. Das ist nicht gut durchdacht und sehr verwirrend. Die Autorin liebt das Stilmittel der Wiederholung. „Sie weinte nicht, als... Sie weinte auch nicht, als... Sie weinte nicht einmal, als... Aber jetzt schluchzte sie!“ Wenn man erst einmal darauf aufmerksam wird, stellt man fest, dass solche Wiederholungen auf jeder zweiten Seite vorkommen.
Ein weiterer Schwachpunkt ist die Übersetzung, die teilweise sehr holprig oder sogar falsch ist. Beispiel: „Würden die Menschen nicht hin und wieder seiner Gnade verlustig gehen, würden sie nicht bemerken, wie glücklich sie sich schätzen konnten, dieser teilhaftig zu sein“. Noch geschraubter geht’s ja wohl nicht! Oder ein Vater warnt seine Tochter vor „Krabbenvätern“. Welch ein Glück, dass jemand anderes das Buch „Where the Crawdads sing“ übersetzt hat, sonst hieße der deutsche Titel heute anstatt „Der Gesang der Flusskrebse“ wahrscheinlich „Wo die Krabbenväter singen“! Hoffentlich wurde das ein oder andere noch verbessert, denn ich habe ein Leseexemplar gelesen.
Die Geschichte hörte sich interessant an, militante Abtreibungsgegner, die Tag für Tag vor einem Women’s Center campieren, das Personal bedrohen und Frauen, die in die Klinik kommen, belästigen, aber die Umsetzung ist wirklich suboptimal. Ich habe in der Vergangenheit schon Bücher der Autorin gelesen, die mich gut unterhalten haben, aber hier habe ich eigentlich nur zu Ende gelesen, weil ich eine Rezension schreiben musste. Erst ganz zum Schluss erfährt man, was es mit der Tochter des Attentäters auf sich hat. Eigentlich müsste man dann das Buch nochmal lesen, um manches zu verstehen, aber dazu konnte ich mich wahrhaftig nicht durchringen. Für mich war es eine große Enttäuschung und vergeudete Lesezeit.

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Warmherziger Rückblick auf ein langes Leben

Wie uns die Liebe fand
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In „Wie uns die Liebe fand“ erzählt die 92jährige Madame Nan, die ihr ganzes Leben im Dörfchen Bois-de-Val im Elsass verbracht hat, aus ihrem langen Leben. Dabei berichtet sie aus der grausamen Zeit des ...

In „Wie uns die Liebe fand“ erzählt die 92jährige Madame Nan, die ihr ganzes Leben im Dörfchen Bois-de-Val im Elsass verbracht hat, aus ihrem langen Leben. Dabei berichtet sie aus der grausamen Zeit des zweiten Weltkriegs, als Frauen, denen „horizontale Kollaboration“ vorgeworfen wurde, gedemütigt und anschließend aus dem Dorf vertrieben wurden. Ihr Mann Bernard wurde bei dem Versuch, die Grenze zur Schweiz zu überqueren, von deutschen Soldaten erschossen. So musste Madame Nan ihre vier Töchter allein großziehen. Aus allen ist etwas geworden, die beiden Ältesten leben inzwischen mit ihren Partnern bei Madame Nan.
Malou, Partner der ältesten Tochter Marie, rettet eines Tages den Besitzer der Dorfladens, Monsieur Boberschram, das Leben, zumindest sieht es Monsieur Boberschram so, woraufhin dieser beschließt, seinen Laden, der ihm ohnehin ein Klotz am Bein ist, der Familie von Madame Nan zu vermachen. Dies stellt einen Wendepunkt in ihrer aller Leben dar. Madame Nan und ihre Töchter und Schwiegersöhne stürzen sich mit Feuereifer auf die neue Aufgabe und verwandeln den heruntergekommenen, von Kakerlaken infizierten alten Laden in ein wahres Schmuckstück, das Besucher von nah und fern anzieht, nicht zuletzt aufgrund der Koch- und Backkünste Madame Nans . Dies ist erst recht der Fall, als Marie und Malou sogenannte „Liebesbomben“ herstellen, mit deren Hilfe man sich die Zuneigung der geliebten Person sichern kann. Obwohl zunächst Skepsis herrscht, zeigt der Erfolg der Bomben, dass sie wirken. Doch leider kann es dabei auch zu Pannen kommen, wie Madame Nan feststellen muss...
„Wie uns die Liebe fand“ ist ein ganz und gar wundervolles Buch, das mich hervorragend unterhalten hat. Ich habe des Öfteren während der Lektüre laut gelacht, zu komisch sind manche Beschreibungen. Doch geht das Buch, wie bereits erwähnt, auch auf dunklere Kapitel in der Geschichte des Elsass ein und verfügt über eine gehörige Portion an Spannung. Ein nettes Detail ist außerdem die Sammlung von Madame Nans elsässischen Rezepten am Ende des Buchs, das ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

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