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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2026

Selbstvertrauen für kleine Herzen

Wie gut, dass ich ICH bin
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Mit „Wie gut, dass ich ICH bin“ gelingt Britta Kiwit ein warmherziges und liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das Selbstvertrauen, Mut und Selbstakzeptanz stärkt. Bereits auf den ersten Seiten ...

Mit „Wie gut, dass ich ICH bin“ gelingt Britta Kiwit ein warmherziges und liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das Selbstvertrauen, Mut und Selbstakzeptanz stärkt. Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, dass dieses Buch mehr sein möchte als eine einfache Vorlesegeschichte: Es lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, gemeinsam innezuhalten und positive Gedanken über sich selbst zu entdecken.

Besonders gelungen sind die kurzen Reime, die kindgerecht formuliert sind und sich angenehm vorlesen lassen. Jede Doppelseite widmet sich einer stärkenden Affirmation wie „Ich bin stolz auf mich“, „Ich vertraue mir“ oder „Ich bin einzigartig“. Diese Botschaften wirken nie belehrend, sondern werden durch alltägliche Situationen lebendig und greifbar vermittelt.

Auch die Illustrationen überzeugen auf ganzer Linie: bunt, freundlich und vielfältig zeigen sie Kinder unterschiedlichster Herkunft, Fähigkeiten und Persönlichkeiten. Dadurch entsteht eine inklusive Atmosphäre, in der sich viele Kinder wiederfinden können. Besonders schön ist, dass das Buch Individualität feiert und Kindern vermittelt, dass genau ihre Einzigartigkeit wertvoll ist.

Die kleinen Impulsfragen am Ende jeder Seite regen zusätzlich zum Gespräch an und machen das Buch zu einem wunderbaren Ritual für Familien, Kitas oder Grundschulen. So entstehen nicht nur schöne Vorlesemomente, sondern auch echte Gespräche über Gefühle, Ängste, Wünsche und Stärken.

„Wie gut, dass ich ICH bin“ ist ein sensibles und stärkendes Kinderbuch, das Kinder ermutigt, an sich selbst zu glauben. Ein liebevoll gestaltetes Vorlesebuch mit wertvoller Botschaft – ideal für gemeinsame Kuschel- und Gesprächsmomente.

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Zwischen Sehnsucht und Freiheit

The Artist
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Als Journalist reist Joseph von London nach Südfrankreich, um über den gefeierten Maler Tata zu schreiben, der sich seit Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und abgeschieden in einem ...

Als Journalist reist Joseph von London nach Südfrankreich, um über den gefeierten Maler Tata zu schreiben, der sich seit Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und abgeschieden in einem alten Bauernhaus lebt. Dort begegnet er nicht nur einem faszinierenden Künstler, sondern auch dessen Nichte Ettie, die scheinbar ganz im Schatten ihres Onkels lebt. Doch je länger Joseph bleibt, desto mehr beginnt die Fassade dieses Hauses zu bröckeln und alte Geheimnisse kommen langsam ans Licht.

Dieses Buch hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Es ist allerdings keine Geschichte, die von Spannung oder großen Wendungen lebt, sondern vielmehr von Atmosphäre, Figuren und den Dingen, die oft zwischen den Zeilen passieren. Teilweise war mir die Handlung dadurch stellenweise etwas zu ruhig, gleichzeitig hat aber genau diese melancholische und fast traumartige Stimmung unglaublich gut zur Geschichte gepasst.

Am faszinierendsten fand ich die Dynamik zwischen Ettie, Tata und Joseph. Vor allem Tata ist eine unglaublich vielschichtige Figur. Einerseits wirkt er wie dieses geheimnisvolle Künstlergenie, andererseits aber auch wie ein Mensch, der verzweifelt versucht, alles und jeden festzuhalten, weil er mit Verlust und Veränderung nicht umgehen kann. Dadurch war er für mich gleichzeitig faszinierend, tragisch und stellenweise wirklich grausam.

Im Laufe der Geschichte versteht man immer besser, warum Ettie so zwischen Sehnsucht, Angst und dem Wunsch nach Freiheit schwankt. Gerade ihre Entwicklung fand ich sehr spannend. Besonders interessant fand ich dabei, dass es für mich im Kern weniger um eine klassische Liebesgeschichte ging, sondern vielmehr um das Bedürfnis, wirklich gesehen zu werden.

Auch die Kunstthematik mochte ich sehr gerne. Kunst ist hier nicht einfach nur Hintergrund, sondern eng mit Identität, Kontrolle, Erinnerung und Freiheit verbunden. Besonders spannend fand ich dabei die Frage, wem Kunst eigentlich „gehört“ und wie sehr andere Menschen Einfluss darauf haben, ob jemand seine eigene Stimme finden darf.

Der Schreibstil hat perfekt zur Geschichte gepasst. Sehr ruhig, atmosphärisch und teilweise fast schon poetisch. Manche Szenen hatten etwas unglaublich Bildhaftes, gleichzeitig zog sich aber stellenweise auch etwas Langes durch die Handlung, wodurch mich das Buch nicht immer komplett mitreißen konnte.

Trotzdem hat mir das Ende insgesamt gut gefallen. Vor allem mochte ich, dass die Geschichte eher leise und atmosphärisch ausklingt und dabei trotzdem hoffnungsvoll bleibt.

Für mich war das ein atmosphärisches und besonderes Buch über Kunst, Freiheit, Kontrolle und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Unsympathisch kann spannend sein – hier leider nicht

Ein unheimlich guter Mensch
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Lillian steht kurz vor ihrem 29. Geburtstag, fühlt sich in ihrem Job festgefahren und klammert sich an die Hoffnung, dass ihre Beziehung zu Henry endlich die große Liebe sein könnte. Doch als ...

Lillian steht kurz vor ihrem 29. Geburtstag, fühlt sich in ihrem Job festgefahren und klammert sich an die Hoffnung, dass ihre Beziehung zu Henry endlich die große Liebe sein könnte. Doch als ihr sorgfältig aufgebautes Leben ins Wanken gerät, wird sie gezwungen, sich mit sich selbst, ihren Entscheidungen und den Menschen in ihrem Umfeld auseinanderzusetzen.

Was mir durchweg gefallen hat, war der Schreibstil. Die Autorin schreibt modern, direkt und sehr flüssig. Die Kapitel lesen sich schnell weg, und obwohl mich die Geschichte zunehmend frustriert hat, bin ich förmlich durch die Seiten geflogen.

Leider konnte mich die Protagonistin überhaupt nicht überzeugen. Selten hat mich eine Hauptfigur so sehr genervt wie Lillian. Dabei habe ich grundsätzlich kein Problem mit unsympathischen Protagonisten – im Gegenteil, solche Figuren können sehr spannend sein. Für mich brauchen sie jedoch zumindest ein kleines Fünkchen Liebenswürdigkeit oder Eigenschaften, die dafür sorgen, dass man trotzdem mit ihnen mitfiebert. Genau das hat mir bei Lillian gefehlt.

Anfangs wirkte sie auf mich noch chaotisch und unsicher, doch mit jeder Seite wurde sie für mich unsympathischer. Sie urteilt ständig über andere Menschen, behandelt selbst ihre Freundinnen oft herablassend und erkennt ihre eigenen Fehler kaum. Besonders störend fand ich die enorme Doppelmoral: Während sie das Verhalten anderer kritisiert, rechtfertigt sie ihr eigenes Handeln immer wieder oder schiebt die Verantwortung von sich weg.

Der Roman wird als bissig, schwarzhumorig und urkomisch beschrieben. Den Ansatz dahinter habe ich durchaus erkannt, für mich war die Figur jedoch so überzeichnet, dass der Humor irgendwann nicht mehr funktioniert hat. Statt zu schmunzeln, habe ich häufig nur noch genervt den Kopf geschüttelt. Vieles wirkte auf mich eher anstrengend als witzig.

Hinzu kam, dass ich bis zum Schluss auf eine Entwicklung der Protagonistin gehofft habe. Leider blieb diese für mein Empfinden weitgehend aus. Dadurch fiel es mir schwer, eine emotionale Verbindung zur Geschichte aufzubauen oder mit Lillian mitzufühlen.

Trotzdem möchte ich der Autorin zugutehalten, dass es auch eine Leistung ist, bei Leserinnen und Lesern so starke Gefühle hervorzurufen. Lillian hat bei mir zwar überwiegend Frust, Ärger und Unverständnis ausgelöst, aber gleichgültig war sie mir nie. Eine Figur derart konsequent zu zeichnen, dass sie eine so starke Reaktion hervorruft, ist durchaus bemerkenswert.

Schade, denn der Schreibstil ist wirklich stark und sorgt dafür, dass sich das Buch sehr leicht lesen lässt. Mit einer anderen Hauptfigur oder etwas mehr Selbstreflexion hätte mir die Geschichte vermutlich deutlich besser gefallen.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Atmosphärisch, bewegend und voller Hoffnung

Der Club der Unbeugsamen
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Mississippi im Jahr 1933: Die Weltwirtschaftskrise bestimmt den Alltag der Menschen und viele Familien kämpfen ums Überleben. Auch Birdie reist deshalb nach Oxford, um ihre vermeintlich wohlhabende ...

Mississippi im Jahr 1933: Die Weltwirtschaftskrise bestimmt den Alltag der Menschen und viele Familien kämpfen ums Überleben. Auch Birdie reist deshalb nach Oxford, um ihre vermeintlich wohlhabende Schwester um Hilfe zu bitten. Doch vor Ort merkt sie schnell, dass hinter der Fassade der Familie längst nicht alles so geordnet ist, wie es scheint. Gleichzeitig lernt man die junge Meg kennen, die in einem strengen Waisenhaus lebt und dort täglich mit Ungerechtigkeiten und Schikanen zu kämpfen hat. Nach und nach kreuzen sich die Wege verschiedener Frauen, die alle versuchen, sich in einer von Männern und gesellschaftlichen Erwartungen dominierten Welt zu behaupten. Dabei geraten sie immer wieder in Situationen, die Mut, Zusammenhalt und ungewöhnliche Entscheidungen verlangen.

Kathryn Stockett hat einen unglaublich angenehmen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt und gleichzeitig sehr bildhaft und atmosphärisch ist. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, mitten im Mississippi der 1930er Jahre zu sein. Man spürt die Hitze, die Sorgen der Menschen und die gesellschaftlichen Spannungen, die über allem liegen.

Besonders gefallen haben mir die vielen unterschiedlichen Frauenfiguren. Sie wirken lebendig, authentisch und entwickeln im Verlauf der Geschichte immer mehr Tiefe. Selbst Figuren, die zunächst eher schwierig oder distanziert wirken, werden nach und nach greifbarer und nachvollziehbarer. Vor allem Birdies Entwicklung fand ich spannend, da sie immer wieder vor Entscheidungen gestellt wird, die sie an ihre persönlichen Grenzen bringen.

Trotz ernster Themen wie Armut, Ungerechtigkeit und gesellschaftlichem Druck verliert der Roman nie seine Wärme. Immer wieder gibt es humorvolle und hoffnungsvolle Momente, die die Geschichte auflockern und den Figuren noch mehr Leben verleihen. Gerade die Dynamik zwischen den Frauen und ihr Zusammenhalt machen das Buch besonders.

Auch die über 800 Seiten haben mich am Ende überhaupt nicht abgeschreckt, denn durch den lebendigen Schreibstil und die interessante Handlung fliegt man regelrecht durch die Geschichte. Trotzdem sollte man sich bewusst Zeit für dieses Buch nehmen, denn die Geschichte und die Entwicklung der Figuren kommen besonders gut zur Geltung, wenn man sich wirklich auf sie einlässt.

„Der Club der Unbeugsamen“ ist für mich ein bewegender und atmosphärischer Roman über starke Frauen, Freundschaft, Zusammenhalt und den Mut, sich gegen gesellschaftliche Grenzen zu stellen. Für mich definitiv eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Psychologisch interessant, aber nicht ganz packend

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Mit „Ungelöst – Die erste Zeugin“ erzählt Arno Strobel die Geschichte der jungen Medizinstudentin Luisa Menkhoff, die nach vielen Jahren plötzlich wieder mit einem traumatischen Ereignis aus ...

Mit „Ungelöst – Die erste Zeugin“ erzählt Arno Strobel die Geschichte der jungen Medizinstudentin Luisa Menkhoff, die nach vielen Jahren plötzlich wieder mit einem traumatischen Ereignis aus ihrer Kindheit konfrontiert wird. Damals wurde sie von dem Psychiater Joachim Lichner entführt, der sich an ihrem Vater rächen wollte. Als nun eine Frau verschwindet, die ebenfalls mit den damaligen Geschehnissen verbunden war, und kurz darauf weitere Mädchen verschwinden, beginnt für Luisa und die Ermittler ein gefährliches Spiel aus Manipulation, Erinnerungen und falschen Identitäten.

Der Einstieg in die Geschichte hat mir grundsätzlich gut gefallen. Arno Strobel schreibt wie gewohnt sehr flüssig und angenehm lesbar, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Besonders die psychologische Grundidee rund um Manipulation, verdrängte Erinnerungen und Luisas fotografisches Gedächtnis fand ich interessant. Auch die späteren Wendungen und Enthüllungen waren teilweise durchaus clever konstruiert.

Trotzdem konnte mich der Thriller leider emotional nie wirklich packen. Über weite Strecken fehlte mir die echte Spannung und vor allem die Nähe zu den Figuren. Die Charaktere waren zwar nicht unsympathisch, blieben für mich aber eher distanziert und funktional, sodass ich kaum mit ihnen mitgefiebert habe. Gerade zu Beginn zog sich die Handlung für meinen Geschmack etwas zu sehr über Ermittlungsarbeit, Gespräche und Andeutungen, ohne dabei den typischen „Ich-muss-unbedingt-weiterlesen“-Sog auszulösen.

Erst im späteren Verlauf nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und entwickelt einige interessante Wendungen, die das Ganze komplexer und psychologisch spannender machen. Obwohl die Geschichte gegen Ende noch einige interessante Wendungen bereithält, konnte sie mich nicht komplett überraschen, da ich viele Entwicklungen schon relativ früh vorhergesehen habe.

Insgesamt ist „Ungelöst – Die erste Zeugin“ für mich ein solider Ermittlerthriller mit interessanter Grundidee und einigen gelungenen Twists, dem jedoch die emotionale Intensität und die echte Sogwirkung gefehlt haben. Leserinnen und Leser, die ruhig aufgebaute Ermittlerthriller mögen, werden hier vermutlich besser abgeholt als Fans sehr temporeicher Psychothriller à la Fitzek oder Freida McFadden.

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