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Veröffentlicht am 06.02.2025

Hier passt einfach alles!

Die Kolonie
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Der Thriller handelt von Detective Barbara Atkins, eine der besten Forensikerinnen der Abteilung für Vampiranthropologie, die in die abgelegene alaskische Taiga reist, um den brutalen Mord an einem einheimischen ...

Der Thriller handelt von Detective Barbara Atkins, eine der besten Forensikerinnen der Abteilung für Vampiranthropologie, die in die abgelegene alaskische Taiga reist, um den brutalen Mord an einem einheimischen Jungen zu untersuchen. Er wurde mit durchgeschnittener Kehle und völlig blutleerem Körper gefunden. Die Brutalität, die hier zur Schau gestellt wird, erinnert die 672 (lebenden) Bewohner von Deadhart an eine ähnliche Tragödie, die die Gemeinde vor fast 25 Jahren heimgesucht hat. Sofort verdächtigen alle die Kolonie, eine Gruppe von Vampiren, die in der verlassenen Minensiedlung der Stadt leben. Während Barbara mit der örtlichen Polizei zusammenarbeitet, um die Wahrheit hinter dem Mord aufzudecken, findet sie bald heraus, dass es in der Stadt dunkle Geheimnisse gibt und dass möglicherweise mehr dahinter steckt, als die Menschen hier zugeben möchten.

Barbara Atkins war mir auf Anhieb sympathisch. Sie wirkt bodenständig, selbstbewusst, etwas zynisch, hat einen herrlich trockenen Humor und glaubt weder an Kruzifixe noch an Rosenkränze. Sie denkt und spricht einfach gerade(her)aus, ohne Umschweife und Verschönerungen. Bei ihr weiß man sofort, woran man ist. Solche Menschen wie sie hätte ich gern im richtigen Leben.

"Sie sah atemberaubende Landschaft und unberührte Natur mit Bergen, Wäldern und Schnee. Und hinter jeder Kurve: noch mehr Berge, noch mehr Wälder, noch mehr Schnee. Wer auf so etwas stand, bitte schön." (Zitat Seite 13)

Tudor ist eine Meisterin der Sprache. Sie kombiniert geschickt Spannung mit Sarkasmus und Wortwitz. So muss man einerseits lachen, andererseits gebannt die nächsten Zeilen lesen. Ich war völlig gefangen im Strudel der Ereignisse, war fasziniert vom Setting und den verschiedenen Figuren, habe die Bergluft gerochen und die Bedrohung gespürt, deren Ursprung ich lange nicht ausmachen konnte. Tudor verbringt viel Zeit damit, die Geschichte der Stadt und die Beziehung zwischen den Bewohnern und Mitgliedern der Kolonie zu gestalten, insbesondere die Folgen der Morde, die vor 25 Jahren stattfanden. Dabei vermischt die Autorin Elemente eines Polizeikrimis mit furchteinflößenden Horrorszenen und kreiert so eine Lektüre voller Überraschungen und Geheimnisse, die die Leser bis spät in die Nacht fesselt.

Fazit: Gruselig, atmosphärisch, unterhaltsam. Hier passt einfach alles. Besorgt euch schnellstmöglich das Buch und fangt an zu schmökern! Von vorne bis hinten ein cooles Ding. Beachtet aber unbedingt den Tipp von Atkins Boss: "Und packen Sie ausreichend Knoblauch ein, Sie werden ihn brauchen." (Zitat Seite 14)

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Eine sehr umfangreich konstruierte Story

Winternacht - Der Schnee begräbt alles. Nur die Lügen nicht
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Olive ist erst seit sechs Monaten mit dem Parlamentsabgeordneten Michael Anderson verheiratet und bereits sehr unglücklich. Eigentlich will sie nur schnell etwas essen und dann in ihr Hotelzimmer, den ...

Olive ist erst seit sechs Monaten mit dem Parlamentsabgeordneten Michael Anderson verheiratet und bereits sehr unglücklich. Eigentlich will sie nur schnell etwas essen und dann in ihr Hotelzimmer, den Tag hinter sich lassen, als diese fremde Frau an ihrem Tisch sitzt und behauptet, ihre Frau zu sein. Aus Neugierde - vielleicht auch Einsamkeit, wer weiß das schon - lässt sie sich auf ein Spiel ein, das gefährlich wird.

Zitat S. 238:
"Die Nation war davon in Kenntnis gesetzt worden, dass Olive Anderson, die Gattin des amtierenden Parlamentsabgeordneten von Middlesbrough South and East Cleveland, seit fast achtundvierzig Stunden vermisst wurde."

Ich muss zugeben, dass ich auf den ersten Seiten große Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, was der Quatsch soll. Eine völlig Fremde, die so tut, als wäre man ihre Frau. Die Konsequenzen aus diesem Abendessen sind mehr als vorhersehbar und ich wollte das Buch schon zur Seite legen. Doch Bolton weiß, wie man den Leser wieder einfängt und neugierig macht.

Die Perspektiven wechseln in die Vergangenheit und die Handlung wird immer vielschichtiger. Gekonnt endet jedes Kapitel so spannend, dass man nicht aufhören kann weiterzulesen. Meine Meinung zu Täter und Opfer änderte sich mehrfach, da die Autorin mit einigen Geheimnissen um die Ecke kam.

Die Charaktere und ihre Motive sind gut ausgearbeitet und ich war über bestimmte Verbindungen doch sehr überrascht. Einige Charaktere, wie z.B. das Polizistenteam, waren mir auch sehr sympathisch.

Das Ende und alle Zusammenhänge sind doch sehr aufwendig konstruiert und es hatte bis zum Schluss gedauert, wirklich alles zu verstehen. Mir hat es sehr gut gefallen.

Fazit: Eine sehr umfangreich konstruierte Story, die einen (mit kleinen Startschwierigkeiten) vor Spannung nicht mehr loslässt.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Erschütterndes Familiendrama, tiefenpsychologische Gespräche

Mutterlüge
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Ruth ist seit über zwanzig Jahren mit Leib und Seele Therapeutin in der Traumatherapie. Sie hat eine ganz besondere Art, auf ihre schwer traumatisierten Patienten einzugehen und diese im besten Fall vor ...

Ruth ist seit über zwanzig Jahren mit Leib und Seele Therapeutin in der Traumatherapie. Sie hat eine ganz besondere Art, auf ihre schwer traumatisierten Patienten einzugehen und diese im besten Fall vor einem Suizid zu bewahren. Leider gelingt es ihr nicht, ihr Privatleben genauso aufrecht zu erhalten. Ihre Zwillinge sind mittlerweile 17 Jahre alt. Ihre Tochter Carolyn ist eigenständig und will die Welt entdecken. Ihr Sohn Tom ist seit gut einem Jahr spurlos verschwunden, was letztendlich auch zum Ende ihrer Ehe mit David geführt hat. Als mit Dan ein neuer Patient auftaucht, der Tom zum Verwechseln ähnelt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Obwohl es gegen ihren Kodex verstößt, behandelt Ruth ihn anders als andere Patienten. Voller Verzweiflung und Trauer um ihren verschwundenen Sohn begeht sie Handlungen, die sie noch bitter bereuen wird…

Zu Beginn der Story erfahren wir zunächst sehr viel über Ruth und ihre Familie. Die Geburt der Zwillinge, ihre starke Mutterliebe, die auch mit einer Art Abhängigkeit verbunden ist. Speziell zu ihrem Sohn Tom hat Ruth eine derart innige Verbindung, dass sie ihre therapeutischen Ansätze gerne mal außer Acht lässt und genau das tut, wovon sie ihren Patienten fachmännisch abraten würde. Deshalb fühlt sie sich auch zu Dan besonders hingezogen. Dieser hat wenig Liebe von seiner Familie erfahren und trifft Ruth damit mitten ins Herz. Für mich war es absolut nachvollziehbar, dass sie ihren Beruf vergisst und die Mutterrolle übernimmt. Gerade in ihrer aktuellen Lebenssituation ist sie gebrochen, hilflos und sehnt sich nach Nähe und Zuneigung.

Der Schreibstil von Bev Thomas ist mitreißend und voller Emotionen. Dabei spannt die Autorin ihre Leser ganz schön lange auf die Folter, bevor sie endlich mit den Geschehnissen rund um das Verschwinden von Tom herausrückt. Aber das empfand ich gar nicht schlimm, denn allein die Gespräche zwischen Ruth und ihren Patienten haben mich in einen solchen Sog gezogen, dass Tom damit fast zur Nebensache für mich geworden ist.

Mit dem Schlussteil war ich leider nicht so ganz zufrieden. Vom Inhalt her passend, aber bei mir blieben noch ein paar Fragen offen, die ich mir einfach beantwortet gewünscht hätte. Trotz allem rundet das Ende die Story prima ab und ich gebe zu, dass ich das Buch mit etwas Wehmut beendet habe.

Fazit: Mit „Mutterlüge“ erleben wir ein erschütterndes Familiendrama, das für allerlei Emotionen sorgt. Das bedrückende Setting des Therapiezimmers und beeindruckende tiefenpsychologische Gespräche sorgen hier für jede Menge Unterhaltung. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Etwas langatmig, dennoch unterhaltsam

Die Tochter des Serienkillers
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Jenny ist die Tochter des "Schmetterling-Killers", wie ihn die Presse taufte. So mordete er nicht nur hauptsächlich in der Rotlichtszene, sondern heftete jedem seiner Opfer einen toten Schmetterling an. ...

Jenny ist die Tochter des "Schmetterling-Killers", wie ihn die Presse taufte. So mordete er nicht nur hauptsächlich in der Rotlichtszene, sondern heftete jedem seiner Opfer einen toten Schmetterling an. Nach seiner Verurteilung hat Jenny noch ein paar Jahre mit ihrer Mutter Claire verbracht, wollte dann jedoch ein neues Leben führen. Mit neuer Identität hat sie sich mit Ehemann Mark und ihren beiden Kindern ein neues Leben geschaffen. Doch ihr Ehemann weiß nichts von ihrer Vergangenheit. Als plötzlich Olivia verschwindet, die Frau, mit der Mark eine kurze Affäre hatte, kommt die Vergangenheit in Jenny wieder hoch. Außerdem hat sie mit unkontrollierbaren Blackouts zu kämpfen, die sie an den Rand des Wahnsinns treiben. Auch Mark wird immer skeptischer, zumal er seine eigenen Geheimnisse vor Jenny hat ...

Ich dachte ja eigentlich, dass dieses Buch an den Vorgänger anknüpfen würde, doch dies ist tatsächlich nicht der Fall. Wir haben es hier mit ganz anderen Charakteren und damit einer völlig anderen Story zu tun, was ich aber keinesfalls negativ bewerten würde. Denn Hunter erzählt auch diesmal die Geschichte aus diversen Perspektiven und hebt im Besonderen Jenny hervor, deren Vater als Serienmörder verurteilt wurde und eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzt. Immer wieder werden wir Zeuge der Vergangenheit und begleiten Jenny und ihren Vater, deren Beziehung zueinander sehr innig ist. Seine Prinzessin, wie er sie liebevoll nennt, begleitet ihn auf Schritt und Tritt und somit auch zu den Tatorten. Einige Kapitel bringen sogar einen Briefwechsel zwischen Jenny und ihrem Vater hervor, die deutlich machen, wie nahe sich die beiden standen.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und mitreißend, dennoch hätte Hunter für meinen Geschmack ruhig ein bisschen mehr Spannung einbauen dürfen. Diese habe ich im Gegensatz zu Teil eins stellenweise vermisst und war daher auch nicht so stark an die Handlung gefesselt. Die Storyline an sich fand ich zwar interessant, jedoch wirkte die Geschichte manchmal langatmig - und ich hätte mir mehr Interaktion von Jennys Ehemann Mark erhofft. Im Schlussteil legt die Autorin eine Schippe drauf und kommt mit einem Kracher ums Eck, der mich völlig unvorbereitet getroffen und damit mega überrascht hat! Dranbleiben lohnt sich also.
Den Epilog hätte es für mich gar nicht mehr gebraucht und ich fand diesen leider auch etwas übertrieben.

Fazit: Ein solider Thriller, der nicht mit dem Vorgänger mithalten kann, aber trotzdem zu unterhalten weiß. Hunter nimmt diesmal die Tochter eines Serienmörders ins Visier und lässt diese ihre Geschichte erzählen. Kann man gut zwischendurch lesen.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Thriller mit mystischen Elementen

LAKE – Das Haus am dunklen Ufer
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Nachdem die Schauspielerin Casey Fletcher stark alkoholisiert ihren letzten Theaterauftritt gecrasht hat, wird sie nun von ihrer Mutter im verlassenen Vermont am Lake Green vor den Paparazzi versteckt. ...

Nachdem die Schauspielerin Casey Fletcher stark alkoholisiert ihren letzten Theaterauftritt gecrasht hat, wird sie nun von ihrer Mutter im verlassenen Vermont am Lake Green vor den Paparazzi versteckt. Ausgerechnet an dem See, der Grund ihrer Alkoholeskapaden ist. In ihrer Lethargie versunken, betrinkt sie sich fast bis zur Besinnungslosigkeit. Bis ihr Interesse an den neuen Nachbarn - den Royces - hängenbleibt. Sie beobachtet einen Streit, und am nächsten Morgen ist Katherine Royce wie vom Erdboden verschwunden. Spielt der Alkohol mit ihren Sinnen, oder ist tatsächlich irgendetwas Schreckliches passiert?

Zitat S. 152:
"Mir wird bewusst, dass ich schon wieder mit einem Fernglas, mit dem man Mondkrater erkennen könnte, das Haus der Royces beobachte. Ein bisschen extrem ist das ja schon. Und obsessiv. Und einfach nur verrückt."

Sager schreibt in abwechselnden Kapiteln im DAVOR und im JETZT. Im JETZT scheint bereits alles aus den Fugen geraten zu sein und man kann die Zusammenhänge noch nicht verstehen. Diese klären sich erst nach und nach im DAVOR.

Der Autor hat eine spannende Erzählweise. Nachdem man den Grund für Caseys Exzesse erfährt, kann man das Verhalten dieser Protagonistin gut nachempfinden. Erst mit Katherines Verschwinden erwachen ihre Lebensgeister und sie fühlt sich verpflichtet, dieser Sache nachzugehen. Es liegt eigentlich auf der Hand, wie dieser Thriller weitergeht. Doch weit gefehlt. Mit einer absolut überraschenden Wendung reißt der Autor alle Erwartungen nieder und präsentiert einen ganz anderen Plot.

Dazu muss ich sagen, dass diese Wendung ins Mystische geht, was nicht jedermann mag. Mich hat es jedoch begeistert und rundete für mich diese Story gekonnt ab. Eine gelungene Abwechslung im Thrillergenre.

Fazit: Ein spannender Thriller mit mystischen Elementen, der mit einer überraschenden Wendung daherkommt und damit die ganze Story auf den Kopf stellt. Grandios.

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