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Veröffentlicht am 31.08.2022

Wow! Ganz großes (Kopf)Kino!

Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet
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Kennt ihr diese Filme, die sich nur an wenigen Plätzen und mit einer begrenzten Anzahl an Charakteren abspielen? Ein, zwei Orte, zwei, drei Hauptfiguren. Oftmals ganz großes Kino. Und genau dieses kleine ...

Kennt ihr diese Filme, die sich nur an wenigen Plätzen und mit einer begrenzten Anzahl an Charakteren abspielen? Ein, zwei Orte, zwei, drei Hauptfiguren. Oftmals ganz großes Kino. Und genau dieses kleine Universum inszeniert auch B.A. Paris in ihrem Psychothriller „Saving Grace“. Für mich liegt darin die wahre Brillanz.

Paris schafft es, eine perfide Story einzig und allein um die beiden Hauptfiguren Grace und Jack zu erzählen. Nach außen sind die beiden DAS perfekte Paar. Beinahe niemand zweifelt an ihrer heilen Welt. Doch was wie das pure Glück erscheint, entpuppt sich hinter verschlossenen Türen als absoluter Albtraum! So sehr ich mit Grace mitgefiebert habe, so sehr haben mich die vollkommen von einander gelösten Persönlichkeiten von Jack fasziniert. Mit seiner charmanten Art erobert er jeden im Sturm. Nur sehr wenige Personen erkennen sein wahres Ich. Graces Situation scheint jedoch aussichtslos zu bleiben, denn Jack ist immer an ihrer Seite. Wirklich immer!

Die ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart lassen Zusammenhänge nur langsam erkennen. Die Autorin behält dabei aber stets das richtige Maß, um nicht Gefahr zu laufen, in langatmige Szenen abzudriften oder zu viel vorweg zu nehmen, und steigert so die Spannung ins Unermessliche.

Was mich an dieser Story besonders mitnimmt, ist der Gedanke, dass wohl jedem von uns auf die eine oder andere Art ein Jack und eine Grace begegnen könnten. Ohne es zu wissen könnten wir jemanden wie diese beiden kennen.

Fazit: Ein abgründiger Psychothriller mit äußerst überzeugenden Charakteren. B.A. Paris webt ein derartig bedrohliches Netz, dass man am liebsten flüchten und jeden davor warnen möchte. Hier zeigt sich, dass die leisen Töne, ohne viel Drumherum, die beängstigendsten sind.

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Veröffentlicht am 24.08.2022

Intelligent konstruiert, spannend - typisch Slaughter

Die Vergessene
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Die Geschichte geht weiter...

Die Hauptprotagonistin Andrea Mitchel ist bereits bekannt aus Slaughters Titel "Ein Teil von ihr". Die Story hier beginnt einige Monate danach. Der erste Schock des Geschehens ...

Die Geschichte geht weiter...

Die Hauptprotagonistin Andrea Mitchel ist bereits bekannt aus Slaughters Titel "Ein Teil von ihr". Die Story hier beginnt einige Monate danach. Der erste Schock des Geschehens hat sich etwas gelegt. Andrea ist dabei, sich eine Zukunft aufzubauen, und darf sich nun frischgebackener US-Marshall schimpfen. Ihre Mutter Andrea Oliver ist über ihre Berufswahl allerdings wenig begeistert.

Zitat Pos. 479:
»Schätzchen, ist dieser ganze Marshal-Blödsinn etwa eine Art Vergeltung?«, fragte Laura. »Willst du mich dafür bestrafen, dass ich dich nicht eingeweiht habe?« Nicht eingeweiht war leicht untertrieben, denn immerhin hatte Laura einunddreißig Jahre lang vor Andrea verborgen, dass ihr leiblicher Vater ein zum Massenmord entschlossener psychopathischer Sektenführer war.

Andrea will endlich ihren eigenen Weg einschlagen und bekommt den Auftrag, eine bekannte Richterin zu beschützen, die Morddrohungen erhält. Der Fall spielt in zwei Zeitebenen und behandelt zum Einen das Gegenwärtige, zum Anderen bestimmte Vorfälle vor 40 Jahren, die auf einmal ebenfalls Bestandteil des Auftrages werden.

Zitat Pos. 854:
Wie sie einen vierzig Jahre alten Mordfall lösen sollte, war ihr ein Rätsel. Ihre ersten vierundzwanzig Stunden als United States Marshal waren nicht gerade ein verheißungsvoller Start gewesen.

Die Zusammenhänge sind recht komplex, sind aber gut erläutert und stets nachvollziehbar. Die Autorin beginnt eine spannende Puzzlesuche für den Leser, aber auch für Andrea und ihren Partner. Denn der eigentliche Fall, die Richterin zu beschützen, nimmt enorme Ausmaße an und enthüllt alte Geheimnisse. Und auch die Verbindung zu ihrem Vater verfolgt Andrea in ihrem ersten Fall, der in den frühen 80ern seinen Anfang nahm. Wie gesagt, alles ziemlich komplex, doch es fällt einem nicht schwer, dem roten Faden zu folgen. Hier punktet die Autorin mit einer guten Führung und strukturierten Erzählsträngen.

Insgesamt wirkt der Plot wie ein Kapitel, das noch nicht beendet scheint. Es würde mich daher nicht wundern, wenn Slaughter noch einen weiteren Teil dazu veröffentlicht - auch wenn die Bücher nicht als Reihe gekennzeichnet sind.

Fazit: Eine großartig gelungene Fortsetzung von "Ein Teil von ihr". Karin Slaughter versteht es einfach, komplexe Zusammenhänge spannend und authentisch zu erzählen, und lässt den Leser das wahre Böse kennenlernen. Wer gut konstruierte Geschichten mit dem richtigen Thrill sucht, ist mit den Werken der Autorin bestens beraten.

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Veröffentlicht am 13.08.2022

Aufrüttelnd, ergreifend, wichtig

Ich bin nicht da
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Leo und Simon sind in ihren Dreißigern, haben aber immer noch viele Altlasten bei sich. Um die Realität zu überleben, halten sie sich aneinander fest und versuchen, den Stürmen der Vergangenheit gemeinsam ...

Leo und Simon sind in ihren Dreißigern, haben aber immer noch viele Altlasten bei sich. Um die Realität zu überleben, halten sie sich aneinander fest und versuchen, den Stürmen der Vergangenheit gemeinsam zu trotzen.

Plötzlich kündigt Simon von jetzt auf gleich seinen sicheren Job, weil er eine unfassbar gute Geschäftsidee hat, die er vermarkten möchte. Doch kaum lässt er den geregelten Tagesablauf eines festen Arbeitsverhältnisses hinter sich, bricht nicht nur um ihn herum, sondern auch in ihm Chaos aus. Sein Start-Up bleibt auf der Strecke, weil er keine Finanzierung bekommt, er wird antriebslos und fühlt sich beobachtet. Leo erkennt ihn nicht wieder, möchte ihm beistehen, muss aber erkennen, dass sie gar nicht weiß, wie. Sie kann niemandem vertrauen, sich niemandem anvertrauen. Bisher gab es immer nur sie und Simon, in ihrem Leben hatte niemand weiteres Platz. Leo lernt, dass sie nicht nur ihre eigene Kindheit verarbeiten muss, sondern auch die Vergangenheit und Gegenwart mit Simon.

Die Geschichte liest sich als Protokoll, denn Leo schreibt Simons „Phasen“ nieder. Jedoch nicht ausschließlich, viele Dinge erfährt der Leser über Rückblenden, die Sequenzen des gemeinsamen Lebens darstellen. Oft ist dem Leser schon klar, worauf Leo hinaus möchte, bevor sie es selber eindeutig formuliert. Man merkt, dass sie alles dran setzt, ihre Beziehung zu retten. Selbst als man das Gefühl hat, dass es nichts mehr gibt, um das es sich zu kämpfen lohnt.

Man begleitet nicht nur Simon, sondern besonders auch Leo dabei, wie sie versucht, sich selbst zu ergründen und dabei für Simon da zu sein. Während sie sich ihren Kummer als Kolumnistin von der Seele schreibt, bekommt man als Leser den Eindruck, dass es früher oder später knallen wird.

Auch wenn es um die große Liebe geht, ums Verlieren und Wiederfinden, Lize Spits Story ist keine kitschige, sondern vielmehr eine eindringliche Bitte, nicht wegzusehen. In unserer Gesellschaft sind psychische Krankheiten immer noch mit einem Makel versehen, werden oft abgetan und verharmlost. Doch nicht nur für die Betroffenen ist das schlimm, sondern auch für Angehörige, die sich nicht trauen, mit jemandem darüber zu sprechen.

Ein ziemlich aufwühlendes, aufrüttelndes und ergreifendes Buch, das ich sicher nicht vergessen werde.

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Veröffentlicht am 10.08.2022

Krasses Kopfkino!

Game On - Der Einsatz ist dein Leben
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Als waschechtes Psychoferkel brauche ich es meistens blutig, schmutzig und abgründig. Schon lange habe ich keinen richtig guten Thriller mehr gelesen, irgendetwas hat mir einfach immer gefehlt. Doch dieses ...

Als waschechtes Psychoferkel brauche ich es meistens blutig, schmutzig und abgründig. Schon lange habe ich keinen richtig guten Thriller mehr gelesen, irgendetwas hat mir einfach immer gefehlt. Doch dieses Buch hat meine Durststrecke beendet!

Barkers neues Werk startet ruhig. Das dauert so circa drölfzig Sekunden, dann explodieren bereits die ersten Taxis mitten in der Rush Hour New Yorks und man sitzt kerzengerade. Hups, watt war dat denn?! Es wird also direkt blutig und brutal. Insbesondere die Gedankengänge des Täters fand ich unheimlich spannend. Wie kann ein Mensch überhaupt in der Lage sein, so etwas Furchtbares durchzuführen? Heftiger Tobak!

Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Detective Cole Hundley und von der Radiomoderatorin Jordan Briggs erzählt. Cole ist definitiv der Sympathieträger, obwohl er dazu neigt, häufiger Befehle zu missachten. Auch die taffe Jordan lässt sich ungern etwas vorschreiben; Beleidigungen ihrerseits sind völlig normal. Sie rüpelt herum und eckt an. So jemanden hätte man doch gerne als Freundin/Kollegin, oder?

Superschnell hat die Geschichte an Fahrt aufgenommen. Es passierte irre viel, sodass ich kaum Luft holen konnte. Auf solche intelligenten Plot-Ideen muss man erst einmal kommen.

Die Auflösung des Ganzen gab es erst zum Schluss und ließ meine Kinnlade runterklappen wie ein Garagentor. Ich habe beim Lesen selten so mitgefiebert wie hier. Ganz großes Kino!

Fazit: Braucht ihr eine Definition von "literary popcorn"? Here it is! Ein spannungsgeladener und actionreicher Thriller, der die Nerven völlig blanklegt - ach, was: zerfetzt! Man fühlt sich nach dem Zuklappen der Buchdeckel wie ein demolierter Crash Test Dummie! Sollte verfilmt werden!

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Veröffentlicht am 04.08.2022

Adrenalinkick!

Die Jagd
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Das Buch wird in zwei Handlungssträngen erzählt. In der Gegenwart lernen wir Frank kennen, der eine Raststätte führt. Sein Leben ist einfach und eintönig. Als sein Sohn ihn kontaktiert, um zu fragen, ob ...

Das Buch wird in zwei Handlungssträngen erzählt. In der Gegenwart lernen wir Frank kennen, der eine Raststätte führt. Sein Leben ist einfach und eintönig. Als sein Sohn ihn kontaktiert, um zu fragen, ob seine Tochter Allie ein paar Wochen bei ihm bleiben kann, ist Frank zunächst überrumpelt. Doch er genießt die Zeit mit seiner Enkelin. Plötzlich taucht eine schwer verletzte Frau an der Raststätte auf, die von ihren Verfolgern gejagt wird. Diese stehen schon bald auf dem Rasthof, und für Frank und Allie beginnt ein Spießrutenlauf...

Im weiteren Handlungsstrang werden wir Zeuge einer Geschichte, die die Zeit vor den eben genannten Geschehnissen behandelt. Dabei geht es um Simon, der mehr von seinem Heimatland Australien sehen will und sich auf einen Roadtrip begibt. Er lernt die Obdachlose Maggie kennen, die sich ihm anschließt. Die beiden kommen vom Weg ab und landen bei Jägern im Outback. Was zunächst nach netter Gastfreundschaft aussieht, entpuppt sich schnell zum Alptraum der beiden...

"Oder wir können es auf die spaßige Art machen. Wir nehmen dich mit in unsere Siedlung, bohren dir einen Fleischerhaken durch die Schulter, hängen dich im Schuppen auf und lassen dich bluten. Wir wissen genau wie wir das machen müssen, damit du am Leben bleibst, aber deine Sehnen am Arsch sind. Du kannst dich nicht losmachen, aber du lebst noch." (Zitat)

Die vom Autor geschaffene Atmosphäre ist nicht nur beklemmend, sondern auch absolut real dargestellt. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, selbst gleich fliehen zu müssen, so sehr hat mich die Handlung mitgerissen und oft auch gegruselt.

Die Charaktere sind authentisch gezeichnet. Frank ist ein liebevoller Opa, der vielleicht nicht der beste Vater war. In ihm steckt ein herzensguter Mensch, den er ruhig öfter Mal rauslassen darf. Allie war mir sofort sympathisch. Ich mochte ihre lockere Art und war überrascht, wie mutig sie im Laufe der Story wurde. Eine unglaubliche Entwicklung! Aber auch Maggie war ein starker Charakter, der mir imponiert hat. Ich Angsthase hätte an ihrer Stelle wohl schon direkt am Anfang ins Gras gebissen...

Die Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Egal in welchem Handlungsstrang: Ich konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich neugierig auf den Fortgang war. Als dann zum Ende hin beide Handlungsstränge ineinander übergingen, gab es für mich kein Halten mehr. Der Schussteil hat dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt und ich habe das Buch mit ordentlich Adrenalin im Blut beendet. Wow!

Fazit: Mit "Die Jagd" habe ich einen blutigen und spannenden Thriller gelesen, der mich extrem fesseln und unterhalten konnte. Ein Adrenalinkick, den ich jedem ans Herz lege, der temporeiche Roadtrips mag.

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