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Veröffentlicht am 26.08.2025

Glanzstück des modernen norwegischen Thrillers

Station 22. Wo bist du sicher?
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Es gibt wohl kaum etwas Schrecklicheres als ein Kind, das spurlos verschwindet. Ida ist ein solches Kind. Während ihre Familie mit der ständigen Ungewissheit leben muss, ob Ida noch lebt, erleidet das ...

Es gibt wohl kaum etwas Schrecklicheres als ein Kind, das spurlos verschwindet. Ida ist ein solches Kind. Während ihre Familie mit der ständigen Ungewissheit leben muss, ob Ida noch lebt, erleidet das fünfjährige Mädchen die absolute Hölle. Bis sie unverhofft nach zwei Jahren auf einmal wieder auftaucht. An das, was ihr widerfahren ist, kann sich Ida bis ins Erwachsenenalter nicht erinnern. Doch plötzlich verschwinden Frauen, und alte Wunden reißen auf. Ist Idas Leben erneut in Gefahr?

Als eine der bekanntesten Drehbuchautorinnen Norwegens und ausgebildete Krankenschwester weiß Anne Elvedal, ganz genau, worüber sie schreibt. Schlüssig und glaubhaft erzählt sie die Story um Ida, deren Klinikalltag und ihrer Suche nach den verschwundenen Patientinnen. Von der ersten Seite an habe ich mit Ida mitgelitten. Gleichzeitig fühlt man sich quasi genötigt, positiv gemeint, umzublättern und tiefer in die psychischen Abgründe einer Gesellschaft einzutauchen. Ein bisschen hat sich das Lesen wie Katastrophentourismus angefühlt.

In diesem Thriller ist jedenfalls nichts so, wie es scheint. Elvedal erzählt in einer klaren Sprache, knackig und wendungsreich. Bis zum Schluss war mir nicht klar, wie die Story ausgehen wird. Ein Twist im finalen Part schien meine Begeisterung kurz zu trüben, doch wer 20 Seiten vor Schluss denkt, die Geschichte durchschaut zu haben, irrt wahrscheinlich genauso wie ich.

Elvedal entwirft fantastisch realistische Figuren, die gezeichnet sind von Ecken und Kanten. Geheimnisse, Verdrängung und Manipulation bestimmen das Miteinander. Wem kann Ida trauen? Gekonnt spielt Anne Elvedal mit der Psyche ihrer Leser, lässt am eigenen Urteilsvermögen zweifeln und hält so die Spannung konstant auf einem extrem hohen Level.

Allerdings muss gesagt sein, dass „Station 22“ kein typischer skandinavischer Thriller ist. Düster? Definitiv! Spannungsladen? Auf jeden Fall! Wer jedoch einen brutalen Plot mit viel Blut oder Gewalt erwartet, der wird vermutlich doch eher enttäuscht werden. Nichtsdestotrotz ist „Station 22“ ein grandioser Pageturner, der eben nicht wie alle anderen daher kommt und vielmehr mit vielen Überraschungen und Twists überzeugen kann.

Fazit: Aus mir spricht die absolute Begeisterung. Mit „Station 22“ ist Anne Elvedal ein Glanzstück des modernen norwegischen Thrillers gelungen. Für mich bis jetzt DAS Highlight das Jahres! Also, hopp, hopp in den Buchladen und zugreifen!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Zusammenspiel aus Rache, Romantik, Todesangst und Verlangen

The Deathless One
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Angefixt vom Klappentext habe ich mich in die Seiten gestürzt und mich auf eine derart düstere Geschichte eingelassen, die definitiv nicht von dieser Welt war. Prinzessin Jessamine, unsere feurige Hauptprotagonistin, ...

Angefixt vom Klappentext habe ich mich in die Seiten gestürzt und mich auf eine derart düstere Geschichte eingelassen, die definitiv nicht von dieser Welt war. Prinzessin Jessamine, unsere feurige Hauptprotagonistin, wird am Traualtar von ihrem widerwärtigen Ehemann brutal ermordet. Doch der Tod soll nicht Jessamines Ende bedeuten. Sie schließt einen Pakt mit dem Unsterblichen, einem Gott namens Elric, der ihr ein neues Leben im Tausch gegen seine Wiederauferstehung anbietet. Für Jessamine ein verlockendes Angebot, das auch noch von einem Wesen kommt, das wie geschaffen für sie wirkt…

Ich habe Jessamine direkt in mein Herz geschlossen. Ihre Entwicklung von der betrogenen Königin zur rachsüchtigen Hexe hat mir imponiert. Ich habe mit ihr mitgefiebert, denn sie hatte es so verdient, endlich ihr Glück zu finden, nachdem ihr das Leben auf so bestialische Weise genommen wurde. Wer passt da besser zu ihr als der dunkle Gott Elric. Dieser Charakter hat nicht nur Jessamines, sondern auch mein Herz gestohlen. Ich habe ihn und seine dunkle Seele regelrecht vergöttert und Jessamine darum beneidet, in seiner Nähe sein zu dürfen. Die Lovestory der beiden ist elektrisierend und hat mich voll abgeholt.

Der wendige und mitreißende Schreibstil von Emma Hamm hat mich geradezu durch die Seiten (bzw. Minuten) gepeitscht. Es war ein echter Höllenritt, der mich restlos begeistert hat und bei manchen Szenen erröten ließ. Die Mischung aus Dark Romance, gepaart mit der richtigen Portion Sarkasmus und ganz großen Gefühlen, war die rundum perfekte Mischung. Ich bin tierisch gespannt auf die Fortsetzung!

Viola Müller ist schon länger eine meine Sprecher-Favoritinnen. Ich liebe ihre besonnene und ruhige Stimmfarbe, die verschiedenen Nuancen, die Art, wie sie Dramatik einfließen lässt und Pausen setzt. Auch Lennart Wolff macht einen hervorragenden Job.

Fazit: Diese Story hat mich völlig aus den Socken gehauen und von Beginn an in ihren Bann gezogen! Ich habe das Zusammenspiel aus Rache, Romantik, Todesangst und unersättlichem Verlangen geliebt. Emma Hamm erzählt eine wundervolle Geschichte und geht dabei an die Grenzen von Leben und Tod.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Hat mich überrascht, berührt und fasziniert

The Return of Ellie Black
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Die 17-jährige Ellie wird auf dem Heimweg von einer Highschool-Party heimtückisch von hinten attackiert, betäubt und entführt. Zwei Jahre später taucht Ellie wie aus dem Nichts in den Wäldern Washingtons ...

Die 17-jährige Ellie wird auf dem Heimweg von einer Highschool-Party heimtückisch von hinten attackiert, betäubt und entführt. Zwei Jahre später taucht Ellie wie aus dem Nichts in den Wäldern Washingtons auf. Wo war sie? Was ist in dieser Zeit passiert? Wie ist sie zurückgekommen? Detective Chelsey Calhoun macht sich auf die Suche nach Antworten auf all unsere drängenden Fragen, doch was sie entdeckt, ist viel komplizierter, als irgendjemand erwartet hätte…

Mit “The Return of Ellie Black” feiert Emiko Jean ihr Thrillerdebüt, das mich restlos begeistert hat.

Aus mehreren Perspektiven erzählt sie uns eine rasante und geheimnisvolle Geschichte, die ich mit Neugier verschlungen habe. Die Parts von Chelsey, der es unter anderem ein persönliches Anliegen war, Ellie zu finden, haben mich total abgeholt. Ich liebte ihren Enthusiasmus und konnte deutlich spüren, dass ihr die Suche nach Antworten ziemlich nahe gingen. Sie ist eine sympathische Protagonistin, die noch immer um ihre Schwester Lydia trauert, die ebenfalls im Teenageralter verschwand. Ganz klar, dass ihr Ellies Fall an die Nieren geht - und umso stärker ist ihr Wille, dieses Verschwinden und das ihrer Schwester endlich aufzuklären.

„Ich habe dir noch nicht viel von mir selbst erzählt. Was mich antreibt, was meinen Gerechtigkeitssinn ausmacht. Meine Schwester ist verschwunden und wurde ermordet, als ich auf der Highschool war. Ich denke, das ist der Grund, warum ich Polizistin geworden bin.“ (Zitat)

Wir haben es hier mit einem lockeren und angenehmen Schreibstil zu tun, dem Emiko Jean mit ihren mysteriösen Erzählungen genau die richtige Würze verliehen hat. Die Story hat mich direkt in den Bann gezogen und konnte mich spannungsmäßig immer wieder begeistern. Die Autorin behandelt zudem sensible Themen wie Missbrauch, Trauer und Gewalt. Mit Fingerspitzengefühl verwebt sie diese mit ihrer düsteren Story und erschafft eine Atmosphäre, die bis zum Ende anhält und auch im Nachhinein noch Gänsehaut erzeugt.

Fazit: Eine clever konstruierte und bewegende Story, die mich überrascht, fasziniert und tief berührt hat. Ich hoffe wir dürfen uns auf weitere Bücher von Emiko Jean freuen.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

McFadden liefert wieder voll ab!

Der Lehrer – Will er dir helfen oder will er deinen Tod?
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Die Bücher von McFadden lese ich mittlerweile blind, weil sie einfach immer abliefert! So auch wieder mit diesem Werk, das mich von Anfang bis Ende restlos begeistert hat. Denn die Story, die uns die Autorin ...

Die Bücher von McFadden lese ich mittlerweile blind, weil sie einfach immer abliefert! So auch wieder mit diesem Werk, das mich von Anfang bis Ende restlos begeistert hat. Denn die Story, die uns die Autorin hier in drei Teilen erzählt, könnte nervenaufreibender nicht sein. Die drei Erzählperspektiven wählt sie dabei geschickt und lässt ihre Leser wirklich aus allen denkbar möglichen Blickwinkeln auf die Story blicken. Und dennoch ist Mal wieder nichts, wie es scheint!

Eve ist eine strenge Lehrerin und attraktive Ehefrau. Dennoch ist ihre Ehe mit Nate eingeschlafen und die beiden leben nur noch nebeneinander her. Nate ist selbst Lehrer und äußerst gutaussehend. Er führt an seiner Schule das Ranking der hübschesten Lehrer an und genießt diesen Ruf in vollen Zügen. Doch vor einer Schülerin hat er großen Respekt: Addie. So hat sein Kollege Art erst kürzlich seinen Job gekündigt, weil er ein wenig zu hilfsbereit zu Addie war. Obwohl es tatsächlich nicht mehr als Hilfsbereitschaft eines Lehrers war, hat Addie es schwer, sich nach diesen Ereignissen wieder einzugliedern. Sie ist zurückhaltend geworden und dankbar über jede Person, die sich traut, mit ihr zu sprechen. Als sie Nate als Englischlehrer bekommt und dieser mehrfach Zeuge von fiesen Mobbingattacken gegen sie wird, steht er Addie zur Seite. Ein Fehler?

„Art ist kein Widerling. Als ich anfing, an der Schule zu arbeiten, war er der Erste, der mir geholfen hat. Und er hat nie etwas Unpassendes gesagt oder getan. Er war einfach ein guter Freund. Ich wusste, dass er Addie Nachhilfe gab. Ich habe sogar mal gesehen, wie sie nach der Schule in sein Auto gestiegen sind, habe mir aber wirklich nichts dabei gedacht. Niemand hat das.“ (Zitat)

McFadden hat mich mit ihrem mitreißenden Schreibstil wieder voll abgeholt. Ich war gefangen in ihrem Netz voller Intrigen und Geheimnissen und habe mich wortwörtlich in meinen Kokon zurückgezogen und die Welt um mich herum ausgeblendet, bis ich das Buch zu Ende gelesen hatte. Dabei konnte ich mal wieder gar nicht so schnell lesen, wie ich erfahren wollte, wie diese krasse Dreiecks-Geschichte wohl ausgehen wird. Und mal ehrlich: Wir kennen McFadden ja bereits so gut, dass wir wissen, dass ihre Geschichten am Ende nochmal für eine ordentliche Überraschung sorgen. Aber diese habe ich nicht kommen sehen! Uff! Genial, ausgeklügelt, einfach krass!

Fazit: Wahnsinn, wie diese Autorin Buch für Buch einfach nur abliefert! Als ob sie mich mit „Die Kollegin“ nicht schon aus den Socken gehauen hat, legt McFadden hier nochmal eine Schippe drauf und lässt mich verblüfft und begeistert zurück. Diese Frau hat ihre Berufung gefunden und wird mich als Fan garantiert nicht mehr los.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

I'm totally hooked!

Frag nach Andrea
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Donnerlittchen! Hat euch ein Buch schon mal eiskalt erwischt? Dann könnt ihr nachempfinden, wie es mir gerade geht. Im Vorfeld habe ich bereits mitbekommen, wie begeistert manche Leser waren. Sie sprachen ...

Donnerlittchen! Hat euch ein Buch schon mal eiskalt erwischt? Dann könnt ihr nachempfinden, wie es mir gerade geht. Im Vorfeld habe ich bereits mitbekommen, wie begeistert manche Leser waren. Sie sprachen davon, wie emotional, schockierend und beängstigend diese Story sei. Meine Messlatte war entsprechend hoch. Und jetzt, nach dem Zuklappen der Buchdeckel, hocke ich hier und weiß nicht wohin mit meinen Gefühlen.

"Ist Luisa da?" ist ein Codewort für Notsituationen, das in Bars, Clubs und anderen Örtlichkeiten verwendet wird, um möglichst unauffällig nach Hilfe zu fragen, wenn sich jemand bedroht oder belästigt fühlt. "Frag nach Andrea" greift diese Thematik auf und packt somit wichtige gesellschaftliche Aspekte in die Geschichte rund um Meghan, Brecia und Skye, die eines gemeinsam haben: Sie starben durch denselben Mann.

Wenn ich an diese drei jungen Frauen denke, bekomme ich direkt Pipi in den Augen. Als Leser verfolgt man gewisse Handlungen und Ereignisse manchmal oberflächlich, aber wenn man sich IN die jeweilige Situation hineindenkt, richtig hineinfühlt, begreift man erst das ganze Ausmaß ebenjener. Und deswegen war ich so entsetzlich traurig und wütend darüber, was man den Frauen angetan hat. Was ER mit ihnen gemacht hat. Doch das Grauen endet nicht einfach mit dem Tod, denn Meghan, Brecia und Skye bleiben als Geister zurück. Sie erleben (unabhängig voneinander und jeweils aus der Ich-Perspektive) die Momente danach, schauen auf ihre Leichen herab, flüstern verzweifelt: "Komm zurück." und können nicht verstehen, was gerade passiert ist. An der Stelle mit dem Koyoten hatte ich eine krasse Gänsehaut!

Irgendwann wird aus Hoffnung Erkenntnis, aus Verzweiflung Wut, und es lodert der Wunsch auf nach Vergeltung. Also verfolgen sie ihren Mörder und den unzähliger weiterer Opfer, erleben im Stillen seinen Alltag mit, lernen seine ahnungslose Familie kennen und verstehen schließlich, dass ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Was dann folgt, ist an Spannung, Drama und Nervenkitzel kaum zu übertreffen.

Zitat: "Falls es jemand wissen will, es dauert sehr lange, jemanden zu erwürgen. [...] Und nun kann ich berichten, dass es noch länger dauert, wenn man selbst diejenige ist, die erwürgt wird."

Schonungslos, ergreifend, schmerzlich - so würde ich den Schreibstil der Autorin beschreiben. Von Anfang an erschafft sie eine Atmosphäre, die einerseits fasziniert, andererseits bedrohlich wirkt. Man liest und blättert und vergisst dabei völlig die Zeit. Auch das Hörbuch kann ich euch empfehlen, mit Marylu Poolman als Sprecherin, die einen großartigen Job gemacht hat.

Fazit: Wooow, was für eine Achterbahnfahrt der Emotionen, was für ein geniales Katz-und-Maus-Spiel! I'm totally hooked! Mit so einem Kracher habe ich nicht gerechnet und bin überglücklich, ihn entdeckt zu haben. Tut euch selbst einen Gefallen und lest/hört diese rundum gelungene Thriller-Mystery-Story!

PS: Something wicked this way comes. (Zitat aus Macbeth)

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