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Veröffentlicht am 15.11.2024

Der Igel als Zeichen der Hoffnung

Das Igel-Tagebuch
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Es gibt Bücher, die lassen einen so nachdenklich zurück, dass man nicht einmal genau sagen kann, was man denn von dem Buch hält, ob es einem gefallen hat oder nicht. Das Igel-Tagebuch ist für mich eines ...

Es gibt Bücher, die lassen einen so nachdenklich zurück, dass man nicht einmal genau sagen kann, was man denn von dem Buch hält, ob es einem gefallen hat oder nicht. Das Igel-Tagebuch ist für mich eines dieser Bücher. Meine Gedanken reichen von Faszination und Begeisterung bis hin zu Enttäuschung.
Enttäuscht bin ich ein klein wenig, denn auf Basis des Klappentextes hatte ich mir das Buch anders vorgestellt. Es kommen zwar alle Elemente vor, welche erwähnt werden, aber der Text ist viel nüchterner und sachlicher. Dies gilt auch für die Passagen über Sarahs kranken Vater. Dies hat mich zu Beginn ein wenig irritiert, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und fand es eigentlich auch äußerst spannend. Denn trotz der nüchternen Erzählweise schafft es Autorin Sarah Sands eine Fülle von Emotionen zu transportieren. Und obwohl das Buch verhältnismäßig dünn ist, habe ich doch länger zum Lesen gebraucht. Die einzelnen Kapitel haben mir so viel Stoff zu Nachdenken gegeben, dass ich manchmal auf für ein paar Tage das Buch aus der Hand legen musste.
Die Erzählung ist gespickt mit wissenschaftlichen Fakten über Igel. Sarah Sands hat sich einerseits zu dem Thema belesen, aber andererseits auch viele Interviews mit Igel-Experten und Fans geführt. Ich traue mich zu behaupten, dass hier die meisten noch einiges lernen können. Der Igel wird in dieser Erzählung aber nicht nur wissenschaftlich betrachtet, sondern natürlich kommt auch die literarische Figur nicht zu kurz. Komplett neu für mich war, in wie vielen Liedern oder politischen Reden Igel eine Rolle spielen.
Der Titel des Buches bringt seinen Inhalt perfekt auf den Punkt; Igel Tagebuch. Denn einerseits ist diese Erzählung eine wissenschaftliche Abhandlung und andererseits Sarahs Tagebuch, in dem sie ihre Gedanken und Ängste aufschreibt. Eine unglaublich faszinierende Mischung, die sowohl den Kopf als auch das Herz beschäftigt.

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Veröffentlicht am 14.11.2024

Ein Missverständnis kommt selten allein

Jingle Bells Kiss
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Der Klappentext versprach einen leichten Roman mit großen Gefühlen und einigem Chaos. Und er hat nicht zu viel versprochen.
Daisy, die Protagonistin des Buches scheint vom Pech verfolgt zu sein. Denn was ...

Der Klappentext versprach einen leichten Roman mit großen Gefühlen und einigem Chaos. Und er hat nicht zu viel versprochen.
Daisy, die Protagonistin des Buches scheint vom Pech verfolgt zu sein. Denn was in ihrem Leben auch nur schief gehen kann, geht auch schief. Klingt schon nach einer Menge Probleme, die durch Daisys leicht naive Art und ihre eher pessimistische Einstellung noch verschlimmert werden.
Das Buch ähnelt im Aufbau den vielen romantischen Komödien, die in der Weihnachtszeit sehr beliebt sind. Von Anfang an ist klar, dass die beiden Hauptpersonen füreinander bestimmt sind und perfekt zueinander passen. Das Leben wird ihnen aber durch einen Haufen Missverständnisse erschwert und so dauert es doch länger als geplant, bis das erhoffte Happy End eintritt. So weit, so bekannt. Wer sich öfter so eine Komödie anschaut oder ein entsprechendes Buch liest, weiß einfach worauf er sich einlässt, und erwartet keine hohe Literatur.
Jingle Bells Kiss ist ebenso ein leichter, romantischer Weihnachtsroman und dies meine ich in keinem Fall abwertend. Autorin Lilac Mills hat vielleicht ein wenig zu oft in die Klischeekiste gegriffen, aber dafür hat sie auch herrlich skurrile Charaktere erschaffen. Gerade Daisys Familie und vor allem die Familiendynamik habe ich sehr amüsant gefunden, wenn auch natürlich alle Personen ein wenig überspitzt dargestellt wurden.
Die Chemie zwischen den beiden Hauptpersonen Noah und Daisy war für mich auch spürbar. Manche Missverständnisse und Probleme, mit denen die beiden kämpfen mussten, empfand ich als sehr amüsant. In anderen Stellen waren die Missverständnisse aber dann schon ein wenig zu viel, zu erzwungen und zu übertrieben.
Der Schreibstil war angenehm zu lesen und ich konnte schnell in die Geschichte hineinfinden. Auch die Kapitellänge war meiner Meinung nach gut gewählt.
Wer auf der Suche ist nach einer romantisch-kitschigen Lektüre für die Vorweihnachtszeit wird hier definitiv fündig.

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Veröffentlicht am 13.11.2024

Der Funke sprang nicht so richtig über

Burning Crown
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Ich bin mir noch immer nicht sicher, was ich so genau von Burning Crown halten soll. Die Geschichte an sich klang interessant und die Mischung aus verbotener Liebe und Drachen versprach so einiges an Spannung. ...

Ich bin mir noch immer nicht sicher, was ich so genau von Burning Crown halten soll. Die Geschichte an sich klang interessant und die Mischung aus verbotener Liebe und Drachen versprach so einiges an Spannung. Leider sprang der Funke bei mir aber nicht so richtig über. Woran das genau lag, kann ich aber nur schwer in Worte fassen.
Bereits der Einstieg in das Buch fiel mir nicht besonders leicht und ich brauchte einige Zeit, bis ich mich zu recht gefunden habe. Die Charaktere waren zwar gut beschrieben, aber mir fehlte ein wenig die Tiefe, um mich wirklich in sie hineinversetzen zu können. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist für mich noch immer ein Rätsel. Zwar gibt Autorin Marie Niehoff einige Anhaltspunkte auch, was die Politik betrifft, aber für meinen Geschmack fehlen die Details. Gerade weil es sich nicht um einen Einzelband, sondern um den Auftakt einer Trilogie handelt, hätte ich mir hier mehr erwartet.
Ein zentrales Element und auch der Hauptpunkt, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe, waren die Drachen bzw. die Drachenwandler. Leider haben die Drachen für meinen Geschmack nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Natürlich ist Cassim einer der beiden Hauptpersonen, aber den Großteil der Zeit nimmt er diese Rolle in seiner menschlichen Gestalt ein und man vergisst dadurch öfters mal, dass er eigentlich auch ein Drache ist. Auch in seiner Drachengestalt war Cassim für meinen Geschmack zu menschlich.
Das Beziehungen zwischen Drachen und Menschen verboten ist, wird bereits am Anfang des Buches deutlich. Warum dies allerdings der Fall ist, ist mir bis jetzt noch nicht klar. Auch hier fehlen mir wieder einige Details, die die Geschichte für mich lebendiger und auch verständlicher gemacht hätten.
Ich persönlich lese gerne romantische Szenen, aber bin kein großer Fan von allzu expliziten Beschreibungen oder Spice/Smut wie man das neumodern sagt. Leider bestand gerade der letzte Teil des Buches gefühlt nur mehr aus spicy Szenen. Wer es mag, wird seine Freude haben, für mich zog sich das ganze leider ein wenig und ich war froh, als es denn endlich vorbei war.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Yessa und Cassim erzählt. Daher befürworte ich die Entscheidung des Verlages, auch das Hörbuch abwechseln von einer weiblichen und einer männlichen Stimme lesen zu lassen. An sich gefallen mir die Stimmen von Leonie Landa und Sven Macht sehr gut. Die Stimmmelodien sind schön und Betonung und Geschwindigkeit haben auch gepasst. Allerdings fehlte mir auch hier die Emotion.
Burning Crown ist keine komplette Enttäuschung, aber auch absolut kein Highlight für mich. Ich denke nicht, dass ich die weiteren Bände der Trilogie lesen werde.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Cosy Crime am Campingplatz

Mord im Himmelreich
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Obwohl Autor Andreas Winkelmann zu den bekanntesten deutschen Thriller Autoren gehört, muss ich ehrlich gestehen, dass er mir völlig unbekannt war. Trotz vieler schlechter Erfahrungen mit gehypten Büchern ...

Obwohl Autor Andreas Winkelmann zu den bekanntesten deutschen Thriller Autoren gehört, muss ich ehrlich gestehen, dass er mir völlig unbekannt war. Trotz vieler schlechter Erfahrungen mit gehypten Büchern konnte ich hier nicht widerstehen und musste das Buch lesen.
Das Setting des Buches finde ich äußerst interessant, einen Campingplatz in der Nähe von Potsdam. Durch das Nachwort habe ich dann auch erfahren, dass der Campingplatz Himmelreich, der hauptschauplatz des Buches, keine Erfindung des Autors, sondern ein real existierender Platz ist. Dies gibt der Geschichte noch eine besondere Würze
Den Schreib- und Erzählstil des Autors habe ich als sehr angenehm empfunden und das Buch lies sich leicht lesen. Die Beschreibungen der Personen und Orte sind ausreichend detailliert, um sich alles gut vorstellen zu können, aber ohne langatmig zu werden. Schon nach wenigen Seiten hat man einen guten Überblick über die handelnden Personen und den Schauplatz.
Mit dem ehemaligem Schauspieler Björn Kupernikus und der Künstlerin/Lehrerin Annabelle Schäfer hat Andreas Winkelmann ein herzallerliebstes Ermittler-Duo geschaffen. In Anlehnung an einen Ausspruch von Kupernikus möchte ich die beiden mit wenigen Worten beschreiben: Skurril. Äußerst skurril. Die beiden ergänzen sich perfekt und ich freue mich schon darauf, weitere Krimifälle mit ihnen zu lösen.
Wie es sich meiner Meinung nach für einen cosy Krimi gehört, ist das Buch recht unblutig und der Kriminalfall eher einfach gehalten. Das Buch lebt von den Charakteren und ihren Gesprächen. Trotzdem machte das Miträtseln, wer denn der Mörder sei Spaß, aber noch mehr gefallen hat mir, zu sehen mit welchen Methoden sich Kupernikus an das Lösen des Falles macht. Wie so oft bei Hobbyermittlern kommt die Polizei nicht gut weg, dies ist auch hier keine Ausnahme. Wobei ich auch Kommissar Fass interessant fand und man vielleicht ein wenig mehr aus seinem Charakter machen hätte können. Der Wortwitz mit dem Namen war ein wenig plump, aber hat sich gut in das große Ganze eingefügt.
Alles in allem ist Mord im Himmelreich für mich ein solider, aber einfacher Krimi, der vor allem durch seine Protagonisten besticht, als durch eine komplexe Handlung. Für mich das ideale Buch für einen faulen Tag auf der Couch, wenn man zwar etwas Lesen, aber sich nicht wirklich anstrengen möchte.

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Veröffentlicht am 07.11.2024

Ein Kaffee der dein Leben verändern kann

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Mit großer Begeisterung habe ich mich auf dieses Buch gestürzt. In den letzten Jahren nimmt, zu meiner großen Freude die Anzahl der japanischen Romane, die auch ins Deutsche übersetzt werden, stetig zu. ...

Mit großer Begeisterung habe ich mich auf dieses Buch gestürzt. In den letzten Jahren nimmt, zu meiner großen Freude die Anzahl der japanischen Romane, die auch ins Deutsche übersetzt werden, stetig zu. Der Klappentext klang für mich wie eine Mischung aus der kanadischen Fernsehserie „Being Erica“ und dem Roman „Das Café am Ende der Welt“. Ein Selbstfindungstrip mit Wohlfühlatmosphäre.
Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, wenn doch der Fokus der Geschichte anders als erwartet ist. Denn im Mittelpunkt steht nicht wie gedacht die sagenumwobene Barista Hayari-san, wenn doch sie eine wichtige und tragende Rolle einnimmt, sondern die, im Klappentext fälschlicherweise als Studentin bezeichnete, Mittelschülerin Himari-chan. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt, um den sich die Geschichte dreht.
Shiori Ota hat mich mit ihrer Geschichte sofort in den Bann gezogen und ich konnte alles lebhaft vor meinem inneren Auge sehen. Der Schreibstil ist recht nüchtern und klar, trotzdem hat es mir nicht an emotionaler Tiefe gefehlt. Die Autorin hat ein gutes Auge für Details und schafft es wunderbar den Fokus auch auf kleine, teilweise unscheinbare Dinge zu lenken. Die Geschichte ist klar strukturiert und angenehm leicht zu lesen. Langeweile kam bei mir nicht auf und es gab auch keine unnötig in die Länge gezogenen Passagen.
Die Charaktere sind gut herausgearbeitet und gerade Himari-chans inneren Kampf mit sich selbst, ihrer Mutter und ihrer ganzen Situation wurde nachvollziehbar behandelt. Das Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und immer wieder stelle ich mir die Frage wie es wäre, wenn ich für 4’33“ in die Vergangenheit reisen könnte. Würde ich die Chance ergreifen und das, was ich am meisten bereue, ändern?
Autorin Shiro Ota hat es geschafft Themen wie Schuldgefühle, Reue, aber auch Angst und Trauer auf eine Art und Weise in die Geschichte einzuflechten ohne erhobenen Zeigefinger und ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Für viele mag das Buch zu nüchtern erzählt sein. Ich persönlich liebe gerade diese nüchterne Klarheit, die man oft bei japanischen Autoren und Autorinnen findet, die wie bereits erwähnt trotzdem eine Fülle von Emotionen transportiert.
Das Ende des Buches lässt vermuten, dass es eine Fortsetzung der Geschichte geben wird. Mit Sicherheit weiß ich das aber leider nicht. Ich würde mich aber auf jeden Fall darüber freuen, denn die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Meine Augen und Ohren werde ich auf jeden Fall offenhalten, denn ich möchte unbedingt noch mehr von Shiori Ota lesen.

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