Profilbild von ReiShimura

ReiShimura

Lesejury Star
offline

ReiShimura ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit ReiShimura über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2025

Mit Sauerteig auf Du und Du – dank Christina Bauer

Einfach backen mit Sauerteig
0

Ich bin schon seit vielen Jahren ein großer Fan von Christina Bauer und ihren Rezepten. Daher bin bereits sehr voreingenommen an dieses Buch herangegangen. Denn ich war mir eigentlich sicher, dass mir ...

Ich bin schon seit vielen Jahren ein großer Fan von Christina Bauer und ihren Rezepten. Daher bin bereits sehr voreingenommen an dieses Buch herangegangen. Denn ich war mir eigentlich sicher, dass mir dieses Buch gefallen wird. Glücklicherweise hat mich mein Gefühl auch nicht getäuscht.
Ich backe leidenschaftliche gerne, wenn ich auch leider in der letzten Zeit nicht mehr so oft dazu komme, wie ich es gerne möchte. Meistens sind es immer wieder die gleichen Rezepte, bei denen ich weiß, dass sie gelingen und allen gut schmecken. Trotzdem bleibt der Wunsch wieder mal etwas Neues auszuprobieren und vor allem sich mal in unbekannte Gebiete vorzuwagen.
Natürlich habe ich es schon einmal mit einem Sauerteig probiert und gebe ganz ehrlich zu, dass das Ergebnis mich nicht wirklich überzeugen konnte. Nach der Lektüre von Christinas Buch weiß ich zumindest, was ich falsch gemacht habe. Sauerteig ist für mich noch immer der Endgegner, denn auch mit Christinas Buch ist es mir noch nicht gelungen ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Dies liegt aber weder an Christina Bauer noch an ihren Rezepten, sondern ist einzig und allein meine Schuld.
Dieses Buch ist mehr als nur eine weitere Rezeptsammlung. Denn bevor es überhaupt ans Backen geht, gibt es eine sehr umfangreiche und informative Einführung in die Welt des Sauerteigs. Diese richtet sich natürlich eher an Anfänger wie mich, doch ich bin mir relativ sicher, dass auch bereits erfahrene Sauerteig-Bäcker noch das eine oder andere lernen können. Dieser Informationsteil besticht durch klarverständliche und einfache Erklärungen und setzt meiner Meinung nach kein Vorwissen vorraus. Christina Bauer nimmt einen hier wirklich an der Hand und führt Schritt für Schritt durch.
Das gleiche gilt auch für den Rezeptteil. Hierbei hat mir besonders gut gefallen, dass es neben einer großen Fülle an klassischen Sauerteigrezepten, wie Brot und Kleingebäck auch eine weitere Vielzahl an Dingen gibt, die man mit Hilfe von Sauerteig herstellen kann. Ich habe mich sehr gefreut, dass auch Pizza und Focaccia Rezepte enthalten sind, denn beides habe ich auswärts bereits mit großem Genuss verspeist. Sehr überraschend war für mich aber der zwar sehr kleine, aber doch vorhandene Teil mit dem Süßgebäck. Dies war mir bis zu dem Zeitpunkt nämlich völlig unbekannt, dass man auch Süßspeisen mit Sauerteig herstellen kann. Sobald ich ein wenig sicherer im Umgang mit Sauerteig bin, werde ich mich sicher an den Strietzel und die Zimtknoten heranwagen.
Die Rezepte sind ebenfalls sehr übersichtlich dargestellt und man sieht auf den ersten Blick, welche Zutaten für das jeweilige Gebäckstück benötigt werden. Garniert ist das Ganze dann noch mit appetitanregenden und sehr schönen Fotos. Eine Neuheit war für mich, dass Uhrzeiten bei den einzelnen Arbeitsschritten angegeben sind. Dies finde ich sehr hilfreich und erleichtert das Planen der Arbeit. Denn eines darf man nicht vergessen, mit Sauerteig zu arbeiten verlangt deutlich mehr Planung und Zeitmanagement als das Arbeiten mit Germ (Hefe). Wie Christina Bauer selbst in ihrem Buch schreibt: Sauerteig braucht Zeit – wie die besten Dinge im Leben eben auch.
Mich hat Christina Bauer auch mit diesem Backbuch wieder absolut überzeugen können. Auch wenn meine Ergebnisse noch nicht perfekt sind, hat sie es geschafft, mir die Angst vor dem Endgegner Sauerteig zu nehmen und ich bin mir sicher, dass ich es früher oder später schaffen werde, ein Ergebnis zu erzielen, dass auch meinen kritischen Gaumen überzeugen wird.
Dieses Buch verdient auf jeden Fall eine Leseempfehlung und ich möchte es allen Bäckerinnen und Bäckern ans Herz legen, die so wie ich, gerne in die Welt des Sauerteiges eintauchen möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 19.09.2025

Wenig Mord, viel Masche – Cozy Crime mit Fokus auf Gemütlichkeit

Mörderisch verstrickt – Ein Strickclub ermittelt
0

Das Genre „Cozy Crime“ ist für mich noch immer etwas relativ neues und ich habe bis dato noch nicht viel Bücher dieses Genres gelesen. Ich habe aber relativ schnell festgestellt, dass mir dieses Genre ...

Das Genre „Cozy Crime“ ist für mich noch immer etwas relativ neues und ich habe bis dato noch nicht viel Bücher dieses Genres gelesen. Ich habe aber relativ schnell festgestellt, dass mir dieses Genre liegt. Da ich zwar gerne Krimis lese, aber nur wenn sie nicht zu blutrünstig sind. Stricken zählt leider nicht zu meinen Fähigkeiten, wobei ich gerne nähe und sticke. Trotzdem dachte ich mir, dass dieses Buch genau in mein Buch-Beuteschema passen würde. Leider musste ich relativ schnell feststellen, dass ich mich da getäuscht habe.
Wobei es nicht darum geht, dass das Buch per se schlecht ist. Die Atmosphäre des Buches hat mir gut gefallen und auch das, wie erwartete sehr dominante, Strickthema hat mich nicht gestört. Die Charaktere sind im Großen und Ganzen gut ausgearbeitet und interessant. Eigentlich alles gute Voraussetzungen für ein angenehmes Leseerlebnis. Mein Problem mit dem Buch liegt einzig und allein daran, dass der Krimianteil des Buchs äußerst überschaubar ist.
Die erste Hälfte des Buches besteht aus der Einführung der Charaktere, viel Gestricke und Gerede. Erst danach kommt der eigentliche Kriminalfall und dieser ist auch nicht besonders ausgeklügelt und die Anzahl der Verdächtigen ist von Beginn an relativ gering. Jedenfalls wenn man während des Lesens ein bisschen mitdenkt und eins und eins zusammenzählt. Überraschungen gab es in diesem Buch kaum welche für mich.
Für mich war es das erste Buch von Susanne Oswald und ich bin mir nicht sicher, ob ich noch einmal zu einem Buch von ihr greifen werde. Natürlich passiert so etwas immer wieder und in den meisten Fällen hätte ich damit auch kein Problem. In diesem Fall tut es mir aber wirklich leid, denn ich mag die Art und Weise wie Susanne Oswald schreibt. Sie hat ein Gespür für Worte und ihre Charakterbeschreibungen haben mir gut gefallen. Auch die Einbindung ihres Lieblingsthemas Stricken hat mir gut gefallen.
Dennoch muss ich sagen, dass dieses Buch für mich einfach zu viel Cosy und zu wenig Crime war. Und dies ist ein Mischungsverhältnis, dass mich persönlich einfach nicht glücklich macht.
Krimifans würde ich wirklich von diesem Buch abraten, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich eingefleischte Krimifans sowieso von Cosy Crime Büchern fernhalten. Schweren Herzens muss ich aber sagen, dass ich dieses Buch prinzipiell nur bedingt weiterempfehlen kann, da leider nicht besonders viel passiert, außer Gespräche unter Freunden und ganz viel Gestricke.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Garten voller Worte – Doch die Botschaft blieb mir verborgen

Der Garten der kleinen Wunder
0

Vor vielen Jahren hat mir ein Bekannter einmal das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky empfohlen, da er der Meinung war, dass dieses Buch sehr gut zu meiner Lebenssituation passen würde ...

Vor vielen Jahren hat mir ein Bekannter einmal das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky empfohlen, da er der Meinung war, dass dieses Buch sehr gut zu meiner Lebenssituation passen würde und ich daher sehr davon profitieren würde. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass das Buch zwar ganz nett, aber für mich ein wenig zu viel des Guten war. Seitdem halte ich mich eher fern von Büchern, die meiner Meinung nach in eine ähnliche Richtung gehen und zu sehr in esoterisches Geschwafel abgleiten.
Daher war ich mir auch äußerst unsicher, ob dieses Buch oder genauer formuliert dieses Hörbuch das Richtige für mich sein würde. Immerhin wird es recht großspurig mit dem Satz „Ein inspirierender Roman, der uns hilft, uns selbst zu finden“. Eines gleich vorweg, bei mir hat dies leider nicht funktioniert und ich bin noch immer auf der Suche.
Dennoch muss ich sagen, dass mich der Roman positiv überrascht hat. Vor allem dadurch, dass eigentlich nicht wirklich viel passiert, aber trotzdem ganz viel vermittelt wird. Denn hierbei handelt es sich nicht um einen spannenden und aufregenden Roman, bei dem sich die Ereignisse überschlagen. Sondern um eine gemächliche und ruhige Erzählung, die sich auf die stillen Töne fokussiert und einen zur Ruhe kommen lässt. Die Autorin Patricia Koelle-Wolken hat wirklich ein Auge für Details und lässt den Leser und die Leserin daran teilhaben. Der Garten von Toja wird so eindrucksvoll und stimmgewaltig beschrieben, dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, dass ich die Blumen riechen kann. Der Fokus liegt hier auf den leisen und kleinen Dingen. Diese Verliebtheit zum Detail muss man mögen und manchmal wurde es sogar mir zu viel, vor allem wenn ich das Gefühl hatte, dass Nebensächlichkeiten aus mir unerfindlichen Gründen künstlich aufgeblasen werden.
Aber dies war leider nicht das einzige, das mich gestört hat. Es geht lange Zeit im Buch darum, dass Toja und auch Vica anders sind und nicht gut mit großen Menschenansammlungen, Small Talk und dem Sprechen vor vielen Menschen klarkommen. Gerade Vica als Teenager hat damit schwer zu kämpfen. So weit so gut und so verständlich. Toja überbringt Vica und auch ihrem Vater Florian dann die frohe Kunde, dass Vica, gleich wie Toja einfach nur introvertiert ist. Und hier starten meine Schwierigkeiten, denn mich verwundert es sehr, dass die beiden den introvertiert vorher noch nie gehört haben. Über diese Tatsache hätte ich aber noch hinwegsehen können, viel schlimmer war für mich, dass Introvertiertheit lange Zeit wie eine Krankheit oder sogar schlimmer, wie eine Behinderung dargestellt wurde. Den Vergleich mit einer Behinderung zieht Vica im Buch sogar selbst und wird dann von Toja aufgeklärt, dass dies nicht so ist. Ich gebe Toja dabei Recht, allerdings vermittelt das Buch über lange Strecken genau diese Botschaft.
Gelesen wird das Hörbuch von Ulrike Kapfer und dies war für mich ein kleines Highlight in einem ansonsten doch eher mittelmäßigem Bucherlebnis. Ulrike Kapfer und ihre Stimme kannte ich bis dato noch nicht, darf aber zugeben, dass ich hoffe, wieder einmal ein von ihr gelesenes Hörbuch in die Hände zu bekommen. Wobei ich mir sie bzw. ihre Stimme nur schwer in Kombination mit einem aufregenden Krimi vorstellen kann. Denn ihre Stimmmelodie und Art und Weise die Wörter zu betonen haben etwas unglaublich beruhigendes und haben daher perfekt zu dieser langatmigen Geschichte gepasst.
Alles in allem muss ich leider sagen, dass mich das Buch von Patricia Koelle-Wolken nicht wirklich überzeugen konnte. Wobei ich wirklich betonen möchte, dass es kein schlechtes Buch per se ist. Ich denke aber, dass ich einfach nicht das richtige Publikum war, um die wertvollen Botschaften der Autorin zu empfangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Jahr voller Geschichten – Ein Wimmelbuch, das mitwächst

Das Jahr
0

Zu meiner großen Freude hat mein kleiner Leser meine Liebe zu Büchern übernommen und kann gar nicht genug davon bekommen. Daher bin ich einerseits ständig am Vorlesen, da er es selbst noch nicht kann, ...

Zu meiner großen Freude hat mein kleiner Leser meine Liebe zu Büchern übernommen und kann gar nicht genug davon bekommen. Daher bin ich einerseits ständig am Vorlesen, da er es selbst noch nicht kann, andererseits aber auch immer auf der Suche nach neuen Büchern. Die gemeinsame Vorlesezeit wird aber leider manchmal durch so Dinge wie Haushalt machen und Kochen gestört. Da bieten sich dann meiner Meinung nach Wimmelbücher perfekt an. Da kann der kleine Leser sich selbst beschäftigen und in aller Ruhe die Bilder betrachten.
Bei diesem Buch hat mich vor allem die Idee angesprochen, dass hier am Beispiel einer kleinen Stadt dargestellt wird, wie sich die Jahreszeiten verändern und was in einem Jahr so passieren kann.
Gezeigt werden drei verschiedene Ansichten aus der Stadt und diese Ansichten wiederholen sich dann wiederrum vier Mal, so dass alle zwölf Monate des Jahres abgedeckt sind. Zusätzlich zu den Bildern gibt es auch einen kleinen Text pro Monat. Dieser ist in Reimform verfasst, was mir, gerade beim Vorlesen besonders gut gefällt. Die Reime sind im Großen und Ganzen sehr gut gemacht und sauber gereimt. Den einen oder anderen holprigen Reim habe ich aber doch entdeckt. Wobei ich vermute, dass dies der Übersetzung geschuldet ist, da es sich hierbei um ein schwedisches Buch handelt. Ich gebe ehrlich zu, dass ich zu Beginn ein wenig gebraucht habe, um in den Flow beim Vorlesen zu kommen, aber wenn man den Dreh einmal raushat, lässt sich das Buch wunderbar vorlesen.
Im Text wird auf die Besonderheiten der jeweiligen Monate und vor allem auf die Feste, die in diesem Monat gefeiert werden, eingegangen. Da es sich wie bereits erwähnt um ein schwedisches Buch handelt, werden auch Feierlichkeiten erwähnt, die in Österreich oder Deutschland nicht so gängig sind. Doch gerade diese Vielfalt macht für mich das Buch zu etwas ganz Besonderem.
Die Bilder sind ausdrucksstark und wie bei einem Wimmelbuch äußerste detailreich. Obwohl der kleine Leser und ich uns das Buch bereits mehrmals angesehen haben, glaube ich nicht, dass wir bereits alle Details entdecken konnten. Aus dem Grund nehmen wir das Buch auch immer wieder gerne zur Hand und schauen, was wir dieses Mal Neues entdecken. Besonders gut gefällt mir, dass man nicht nur mitverfolgen kann, wie sich die Jahreszeiten und daher die Natur verändert, sondern auch die Personen. So sieht man zum Beispiel im Jänner eine schwangere Frau und kann ein paar Monate später sehen, wie das Baby krabbelt.
Die Illustrationen heben sich vom Stil deutlich von anderen Büchern ab. Manche Dinge sind äußerst realistisch dargestellt andere eher weniger detailreich und fast comichaft. Es ist eine bunte Mischung, die auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Geht man aber möglichst unvoreingenommen an die Sache heran, erkennt man, dass das ganze doch eine runde Sache ist. Wenn auch vielleicht nicht den Geschmack von jedem treffen wird. Sehr spannend finde ich, dass gerade die Personen in diesem Buch wenig detailreich dargestellt sind.
Am Beginn und am Ende werden noch einmal die verschiedenen Figuren, die in diesem Buch vorkommen gezeigt. Zusätzlich gibt es auch Fragen und Aufgaben auf diesen Seiten. So erzählt ein Kind zum Beispiel, dass es Torten liebt und fragt wie viele Torten man in diesem Buch finden kann.
Das Buch hat ein empfohlenes Lesealter von 4 Jahren, aber auch der knapp 2,5 jährige kleine Leser hat schon viel Freude mit dem Buch und ich denke, dass es uns auch noch viele Jahre begleiten wird. Von unserer Seite gibt es für dieses Buch auf jeden Fall eine klare Kauf- und Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Buch über Familienvielfalt mit Stolpersteinen

Muckdiwupp – Auf nach Pifo
0

Mir ist wichtig, dass Kinderbücher nicht nur schön aussehen und eine spannende und interessante Geschichte beinhalten, sondern, dass die Kinder auch einen Mehrwert von der Geschichte haben. Da der kleine ...

Mir ist wichtig, dass Kinderbücher nicht nur schön aussehen und eine spannende und interessante Geschichte beinhalten, sondern, dass die Kinder auch einen Mehrwert von der Geschichte haben. Da der kleine Leser in einem sehr homogenen Umfeld aufwächst und ich ihm gerne zeigen wollte, dass es auch noch andere Familienkonzepte gibt, haben wir uns für dieses Buch entschieden. Denn, obwohl es natürlich auch eine andere Handlung gibt, nämlich den Bau der größten Sandburg, liegt der Schwerpunkt des Buches auf der Vorstellung von verschiedenen Familienkonzepten.
Muckdiwupp macht mit seiner Familie, die aus zwei Müttern und einem Vater besteht Urlaub auf Pifo und möchte dort eine riesige Sandburg bauen. Da man dies aber nicht allein machen kann, macht er sich auf die Suche nach neuen Freunden und findet diese natürlich auch. Die Gemeinsamkeit der Kinder ist, dass sie alle in unterschiedlichen Familienkonstellationen leben. Da gibt es ein Kind mit zwei Vätern, Zwillinge mit zwei Müttern, den alleinerziehenden Vater und die klassische Vater-Mutter-Kind Konstellation. Auch wenn ich es großartig finde, dass hier auch mal ein alleinerziehender Vater dargestellt wird, vermisse ich den häufiger vorkommenden Fall, der alleinerziehenden Mutter. Mir ist bewusst, dass es selbstverständlich auch noch andere Konstellationen geben kann und man in so einem Buch nicht alles abdecken kann, auch wenn das im Umkehrschluss bedeutet, dass sich nicht jedes Kind in diesem Buch wiederfinden wird.
So gut gemeint das Buch auch ist, muss ich doch leider sagen, dass es sich nicht wirklich flüssig vorlesen lässt. Dies liegt einerseits daran, dass man nicht besonders kreativ war bezüglich der Benennung der Erwachsenen. Somit gibt es eine ständige Wiederholung der Worte Mama, Mami, Papa und Papi. Ich kann verstehen, dass man es für die Kinder nicht zu kompliziert machen möchte, aber die Worte gefühlt in jedem zweiten Satz vorkommen, wird es ein wenig mühsam beim Lesen. Andererseits wurde aber auch entschieden, dass Muckelino kein eindeutiges Geschlecht hat, und die Person, die das Buch vorliest, entscheiden darf, welches Pronom für Muckelino verwendet werden soll. Ich lehne diese Idee nicht prinzipiell ab, finde aber, dass dieses Buch durch das zusätzliche Thema ein wenig zu komplex und überladen wird.
Ein wenig seltsam finde ich auch, wie in diesem Buch mit dem Thema anders sein umgegangen wird. Denn auf der einen Seite wird gezeigt, dass es neben dem klassischen Vater-Mutter-Kind Konzept eben auch noch andere Familienkonstellationen gibt und dass dies nichts Schlimmes ist. Auf der anderen Seite wird aber immer wieder betont, wie anders doch die Familie von Muckelino ist. Dieses ständige Betonen finde ich irritierend, denn dies zerstört ein wenig die gute Botschaft des Buches, nämlich, dass wir alle anders sind, dies aber gut ist. Gerade in diesem Buch hätte ich mir gewünscht, dass die verschiedenen Lebensformen neutral betrachtet werden, aber durch dieses wiederkehrende darauf beharren, dass Muckelinos Familie anders ist, kommt für mich einer Wertung gleich.
Dieses Buch war eine interessante Erfahrung und ist sicherlich eine gute Möglichkeit, wenn man Kindern zeigen möchte, dass es unterschiedliche Familienkonstellationen gibt. Ich persönlich bevorzuge aber Bücher, in denen dies zwar auch gezeigt wird, es aber nicht das Hauptthema ist. Pina Gertenbach stellt in ihrem Buch „Schokotorte für alle!“ auch verschiedene Lebenskonzepte vor. Dort passiert dies aber auf eine stille und weniger aufdringliche Art und Weise und nimmt nicht den Hauptteil der Geschichte ein.
Der kleine Leser und ich werden das Buch zwar sicher noch mehrmals Lesen, aber ich denke nicht, dass es eines unserer Lieblingsbücher werden wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere