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Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Garten voller Worte – Doch die Botschaft blieb mir verborgen

Der Garten der kleinen Wunder
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Vor vielen Jahren hat mir ein Bekannter einmal das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky empfohlen, da er der Meinung war, dass dieses Buch sehr gut zu meiner Lebenssituation passen würde ...

Vor vielen Jahren hat mir ein Bekannter einmal das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky empfohlen, da er der Meinung war, dass dieses Buch sehr gut zu meiner Lebenssituation passen würde und ich daher sehr davon profitieren würde. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass das Buch zwar ganz nett, aber für mich ein wenig zu viel des Guten war. Seitdem halte ich mich eher fern von Büchern, die meiner Meinung nach in eine ähnliche Richtung gehen und zu sehr in esoterisches Geschwafel abgleiten.
Daher war ich mir auch äußerst unsicher, ob dieses Buch oder genauer formuliert dieses Hörbuch das Richtige für mich sein würde. Immerhin wird es recht großspurig mit dem Satz „Ein inspirierender Roman, der uns hilft, uns selbst zu finden“. Eines gleich vorweg, bei mir hat dies leider nicht funktioniert und ich bin noch immer auf der Suche.
Dennoch muss ich sagen, dass mich der Roman positiv überrascht hat. Vor allem dadurch, dass eigentlich nicht wirklich viel passiert, aber trotzdem ganz viel vermittelt wird. Denn hierbei handelt es sich nicht um einen spannenden und aufregenden Roman, bei dem sich die Ereignisse überschlagen. Sondern um eine gemächliche und ruhige Erzählung, die sich auf die stillen Töne fokussiert und einen zur Ruhe kommen lässt. Die Autorin Patricia Koelle-Wolken hat wirklich ein Auge für Details und lässt den Leser und die Leserin daran teilhaben. Der Garten von Toja wird so eindrucksvoll und stimmgewaltig beschrieben, dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, dass ich die Blumen riechen kann. Der Fokus liegt hier auf den leisen und kleinen Dingen. Diese Verliebtheit zum Detail muss man mögen und manchmal wurde es sogar mir zu viel, vor allem wenn ich das Gefühl hatte, dass Nebensächlichkeiten aus mir unerfindlichen Gründen künstlich aufgeblasen werden.
Aber dies war leider nicht das einzige, das mich gestört hat. Es geht lange Zeit im Buch darum, dass Toja und auch Vica anders sind und nicht gut mit großen Menschenansammlungen, Small Talk und dem Sprechen vor vielen Menschen klarkommen. Gerade Vica als Teenager hat damit schwer zu kämpfen. So weit so gut und so verständlich. Toja überbringt Vica und auch ihrem Vater Florian dann die frohe Kunde, dass Vica, gleich wie Toja einfach nur introvertiert ist. Und hier starten meine Schwierigkeiten, denn mich verwundert es sehr, dass die beiden den introvertiert vorher noch nie gehört haben. Über diese Tatsache hätte ich aber noch hinwegsehen können, viel schlimmer war für mich, dass Introvertiertheit lange Zeit wie eine Krankheit oder sogar schlimmer, wie eine Behinderung dargestellt wurde. Den Vergleich mit einer Behinderung zieht Vica im Buch sogar selbst und wird dann von Toja aufgeklärt, dass dies nicht so ist. Ich gebe Toja dabei Recht, allerdings vermittelt das Buch über lange Strecken genau diese Botschaft.
Gelesen wird das Hörbuch von Ulrike Kapfer und dies war für mich ein kleines Highlight in einem ansonsten doch eher mittelmäßigem Bucherlebnis. Ulrike Kapfer und ihre Stimme kannte ich bis dato noch nicht, darf aber zugeben, dass ich hoffe, wieder einmal ein von ihr gelesenes Hörbuch in die Hände zu bekommen. Wobei ich mir sie bzw. ihre Stimme nur schwer in Kombination mit einem aufregenden Krimi vorstellen kann. Denn ihre Stimmmelodie und Art und Weise die Wörter zu betonen haben etwas unglaublich beruhigendes und haben daher perfekt zu dieser langatmigen Geschichte gepasst.
Alles in allem muss ich leider sagen, dass mich das Buch von Patricia Koelle-Wolken nicht wirklich überzeugen konnte. Wobei ich wirklich betonen möchte, dass es kein schlechtes Buch per se ist. Ich denke aber, dass ich einfach nicht das richtige Publikum war, um die wertvollen Botschaften der Autorin zu empfangen.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Jahr voller Geschichten – Ein Wimmelbuch, das mitwächst

Das Jahr
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Zu meiner großen Freude hat mein kleiner Leser meine Liebe zu Büchern übernommen und kann gar nicht genug davon bekommen. Daher bin ich einerseits ständig am Vorlesen, da er es selbst noch nicht kann, ...

Zu meiner großen Freude hat mein kleiner Leser meine Liebe zu Büchern übernommen und kann gar nicht genug davon bekommen. Daher bin ich einerseits ständig am Vorlesen, da er es selbst noch nicht kann, andererseits aber auch immer auf der Suche nach neuen Büchern. Die gemeinsame Vorlesezeit wird aber leider manchmal durch so Dinge wie Haushalt machen und Kochen gestört. Da bieten sich dann meiner Meinung nach Wimmelbücher perfekt an. Da kann der kleine Leser sich selbst beschäftigen und in aller Ruhe die Bilder betrachten.
Bei diesem Buch hat mich vor allem die Idee angesprochen, dass hier am Beispiel einer kleinen Stadt dargestellt wird, wie sich die Jahreszeiten verändern und was in einem Jahr so passieren kann.
Gezeigt werden drei verschiedene Ansichten aus der Stadt und diese Ansichten wiederholen sich dann wiederrum vier Mal, so dass alle zwölf Monate des Jahres abgedeckt sind. Zusätzlich zu den Bildern gibt es auch einen kleinen Text pro Monat. Dieser ist in Reimform verfasst, was mir, gerade beim Vorlesen besonders gut gefällt. Die Reime sind im Großen und Ganzen sehr gut gemacht und sauber gereimt. Den einen oder anderen holprigen Reim habe ich aber doch entdeckt. Wobei ich vermute, dass dies der Übersetzung geschuldet ist, da es sich hierbei um ein schwedisches Buch handelt. Ich gebe ehrlich zu, dass ich zu Beginn ein wenig gebraucht habe, um in den Flow beim Vorlesen zu kommen, aber wenn man den Dreh einmal raushat, lässt sich das Buch wunderbar vorlesen.
Im Text wird auf die Besonderheiten der jeweiligen Monate und vor allem auf die Feste, die in diesem Monat gefeiert werden, eingegangen. Da es sich wie bereits erwähnt um ein schwedisches Buch handelt, werden auch Feierlichkeiten erwähnt, die in Österreich oder Deutschland nicht so gängig sind. Doch gerade diese Vielfalt macht für mich das Buch zu etwas ganz Besonderem.
Die Bilder sind ausdrucksstark und wie bei einem Wimmelbuch äußerste detailreich. Obwohl der kleine Leser und ich uns das Buch bereits mehrmals angesehen haben, glaube ich nicht, dass wir bereits alle Details entdecken konnten. Aus dem Grund nehmen wir das Buch auch immer wieder gerne zur Hand und schauen, was wir dieses Mal Neues entdecken. Besonders gut gefällt mir, dass man nicht nur mitverfolgen kann, wie sich die Jahreszeiten und daher die Natur verändert, sondern auch die Personen. So sieht man zum Beispiel im Jänner eine schwangere Frau und kann ein paar Monate später sehen, wie das Baby krabbelt.
Die Illustrationen heben sich vom Stil deutlich von anderen Büchern ab. Manche Dinge sind äußerst realistisch dargestellt andere eher weniger detailreich und fast comichaft. Es ist eine bunte Mischung, die auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Geht man aber möglichst unvoreingenommen an die Sache heran, erkennt man, dass das ganze doch eine runde Sache ist. Wenn auch vielleicht nicht den Geschmack von jedem treffen wird. Sehr spannend finde ich, dass gerade die Personen in diesem Buch wenig detailreich dargestellt sind.
Am Beginn und am Ende werden noch einmal die verschiedenen Figuren, die in diesem Buch vorkommen gezeigt. Zusätzlich gibt es auch Fragen und Aufgaben auf diesen Seiten. So erzählt ein Kind zum Beispiel, dass es Torten liebt und fragt wie viele Torten man in diesem Buch finden kann.
Das Buch hat ein empfohlenes Lesealter von 4 Jahren, aber auch der knapp 2,5 jährige kleine Leser hat schon viel Freude mit dem Buch und ich denke, dass es uns auch noch viele Jahre begleiten wird. Von unserer Seite gibt es für dieses Buch auf jeden Fall eine klare Kauf- und Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein Buch über Familienvielfalt mit Stolpersteinen

Muckdiwupp – Auf nach Pifo
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Mir ist wichtig, dass Kinderbücher nicht nur schön aussehen und eine spannende und interessante Geschichte beinhalten, sondern, dass die Kinder auch einen Mehrwert von der Geschichte haben. Da der kleine ...

Mir ist wichtig, dass Kinderbücher nicht nur schön aussehen und eine spannende und interessante Geschichte beinhalten, sondern, dass die Kinder auch einen Mehrwert von der Geschichte haben. Da der kleine Leser in einem sehr homogenen Umfeld aufwächst und ich ihm gerne zeigen wollte, dass es auch noch andere Familienkonzepte gibt, haben wir uns für dieses Buch entschieden. Denn, obwohl es natürlich auch eine andere Handlung gibt, nämlich den Bau der größten Sandburg, liegt der Schwerpunkt des Buches auf der Vorstellung von verschiedenen Familienkonzepten.
Muckdiwupp macht mit seiner Familie, die aus zwei Müttern und einem Vater besteht Urlaub auf Pifo und möchte dort eine riesige Sandburg bauen. Da man dies aber nicht allein machen kann, macht er sich auf die Suche nach neuen Freunden und findet diese natürlich auch. Die Gemeinsamkeit der Kinder ist, dass sie alle in unterschiedlichen Familienkonstellationen leben. Da gibt es ein Kind mit zwei Vätern, Zwillinge mit zwei Müttern, den alleinerziehenden Vater und die klassische Vater-Mutter-Kind Konstellation. Auch wenn ich es großartig finde, dass hier auch mal ein alleinerziehender Vater dargestellt wird, vermisse ich den häufiger vorkommenden Fall, der alleinerziehenden Mutter. Mir ist bewusst, dass es selbstverständlich auch noch andere Konstellationen geben kann und man in so einem Buch nicht alles abdecken kann, auch wenn das im Umkehrschluss bedeutet, dass sich nicht jedes Kind in diesem Buch wiederfinden wird.
So gut gemeint das Buch auch ist, muss ich doch leider sagen, dass es sich nicht wirklich flüssig vorlesen lässt. Dies liegt einerseits daran, dass man nicht besonders kreativ war bezüglich der Benennung der Erwachsenen. Somit gibt es eine ständige Wiederholung der Worte Mama, Mami, Papa und Papi. Ich kann verstehen, dass man es für die Kinder nicht zu kompliziert machen möchte, aber die Worte gefühlt in jedem zweiten Satz vorkommen, wird es ein wenig mühsam beim Lesen. Andererseits wurde aber auch entschieden, dass Muckelino kein eindeutiges Geschlecht hat, und die Person, die das Buch vorliest, entscheiden darf, welches Pronom für Muckelino verwendet werden soll. Ich lehne diese Idee nicht prinzipiell ab, finde aber, dass dieses Buch durch das zusätzliche Thema ein wenig zu komplex und überladen wird.
Ein wenig seltsam finde ich auch, wie in diesem Buch mit dem Thema anders sein umgegangen wird. Denn auf der einen Seite wird gezeigt, dass es neben dem klassischen Vater-Mutter-Kind Konzept eben auch noch andere Familienkonstellationen gibt und dass dies nichts Schlimmes ist. Auf der anderen Seite wird aber immer wieder betont, wie anders doch die Familie von Muckelino ist. Dieses ständige Betonen finde ich irritierend, denn dies zerstört ein wenig die gute Botschaft des Buches, nämlich, dass wir alle anders sind, dies aber gut ist. Gerade in diesem Buch hätte ich mir gewünscht, dass die verschiedenen Lebensformen neutral betrachtet werden, aber durch dieses wiederkehrende darauf beharren, dass Muckelinos Familie anders ist, kommt für mich einer Wertung gleich.
Dieses Buch war eine interessante Erfahrung und ist sicherlich eine gute Möglichkeit, wenn man Kindern zeigen möchte, dass es unterschiedliche Familienkonstellationen gibt. Ich persönlich bevorzuge aber Bücher, in denen dies zwar auch gezeigt wird, es aber nicht das Hauptthema ist. Pina Gertenbach stellt in ihrem Buch „Schokotorte für alle!“ auch verschiedene Lebenskonzepte vor. Dort passiert dies aber auf eine stille und weniger aufdringliche Art und Weise und nimmt nicht den Hauptteil der Geschichte ein.
Der kleine Leser und ich werden das Buch zwar sicher noch mehrmals Lesen, aber ich denke nicht, dass es eines unserer Lieblingsbücher werden wird.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Ein Roman der einen miträtseln, mitfühlen und mitfiebern lässt

Die Bibliothek meines Großvaters
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Dieses Buch hat mich auf ganz vielen Ebenen überrascht und um das gleich vorwegzunehmen, es hat mich auf eine positive Art und Weise überrascht. Romane von asiatischen Autorinnen und Autoren sind zu meiner ...

Dieses Buch hat mich auf ganz vielen Ebenen überrascht und um das gleich vorwegzunehmen, es hat mich auf eine positive Art und Weise überrascht. Romane von asiatischen Autorinnen und Autoren sind zu meiner großen Freude schon lange keine Seltenheit mehr auf dem deutschsprachigen Markt. Doch die meisten sind entweder Wohlfühlromane oder Bücher, die einen mit einem eher bedrückenden Gefühl zurücklassen. Dieser Roman kann ich weder in die eine noch in die andere Kategorie einordnen.
Eine weitere Überraschung für mich war, als ich die Informationen über den Autor in dem Buch las, dass es sich bei diesem Buch um einen Teil einer Trilogie handelt. Glücklicherweise habe ich dies erst erfahren, als ich das Buch bereits in Händen hatte. Denn ich vermute, dass ich von dem Buch Abstand genommen hätte, wenn ich dies vorher gewusst hätte, da ich bereits zu viele angefangene Reihen habe, bei denen ich auf die Nachfolgebände warte. Mir ist nun allerdings bewusst, dass ich sehr viel verpasst hätte, denke mir aber andererseits, dass diese Information für andere Leserinnen und Leser eventuell wichtig sein könnte.
Bereits aus dem Klappentext des Buches war ersichtlich, dass der Großvater von Kaede, der Protagonistin dieses Buches, an Demenz erkrankt ist. Hier hatte ich ein wenig die Befürchtung, dass dieses Thema das Buch dominieren wird und zu einer bedrückenden Stimmung führen könnte. Alle meine Befürchtungen waren allerdings unbegründet. Natürlich wird die Krankheit thematisiert und beeinflusst die Handlung maßgeblich. Dennoch dreht sich nicht alles um die Demenzerkrankung, aber einige Verhaltensweisen und Handlungsstränge lassen sich nur durch die Krankheit plausibel erklären.
Obwohl ich in meinem Umfeld Personen mit einer Demenzerkrankung habe, muss ich zugeben, dass sich mein Wissenstand über die Krankheit eher in Grenzen hält. Daher fand ich die Beschreibungen und Erklärungen zum Thema Demenz äußerst interessant und aufschlussreich. Mir war bis dato zum Beispiel nicht bewusst, dass es mehrere Arten von Demenz gibt.
Der Schreibstil des Autors hat mir sehr gut gefallen und ich wollte das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen. Trotzdem habe ich immer wieder kleine Pausen eingelegt und über die verschiedenen Kriminalfälle und Rätsel nachgedacht. Denn das Tolle an der Art wie das Buch aufgebaut ist, ist, dass man wirklich die Möglichkeit hat mitzuraten, zu knobeln und zu kombinieren. Man kann versuchen das Rätsel als erster zu knacken. In vielen Fällen habe ich mich, gleich wie Kaede-san ablenken lassen, wichtige Details übersehen und das große Ganze aus den Augen verloren. An anderer Stelle war die Lösung des Rätsels für mich sonnenklar.
Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass es sich hierbei um eine Familiengeschichte handelt. Wagt man einen zweiten Blick, kommt die Vermutung auf, dass es sicher vielleicht doch eher um einen Krimi handelt. Hat man das Buch gelesen ist man sich nicht mehr sicher, ob man den Roman eindeutig dem einen oder anderen Genre zuordnen kann. Denn beides trifft zu, Familiengeschichte und Kriminalroman und dennoch ist dieses Buch noch ein wenig mehr. Es ist eine Hommage an die traditionellen Kriminalromane, es ist eine Ode auf die Literatur, ein Gesellschaftsroman und eine Aufarbeitung von persönlichen Erfahrungen.
Obwohl das Buch ein Teil einer Trilogie ist, finde ich, dass man es auch als eigenständigen Roman lesen kann. Dennoch möchte ich die Warnung aussprechen, dass man es nicht dabei belassen möchte. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich kann es kaum erwarten, dass die anderen Bücher von Masateru Konishi endlich fertig geschrieben und übersetzt sind, denn ich will mehr davon und am liebsten jetzt sofort.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Wenige Worte, große Wirkung

GRRRIZZLY
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„Grrrizzly“ und ich hatten einen eher schwierigen Start. Denn beim ersten Lesen oder viel mehr Anschauen war ich ein wenig enttäuscht, denn dieses Buch kommt mit wenigen Worten daher. Doch die Reaktionen ...

„Grrrizzly“ und ich hatten einen eher schwierigen Start. Denn beim ersten Lesen oder viel mehr Anschauen war ich ein wenig enttäuscht, denn dieses Buch kommt mit wenigen Worten daher. Doch die Reaktionen meines kleinen Lesers haben mir vor Augen geführt, dass weniger manchmal mehr ist.
Besonders spannend fand ich die Reaktion, weil der kleine Leser mittlerweile darauf besteht, dass Bücher nicht mehr nur angesehen, sondern gelesen werden. Bilderbücher sind für Babys und er ist ja schon ein großer Bub. Bei diesem Buch war dies aber anders.
Ich denke, dass liegt an der sehr gelungenen Kombination aus unglaublich ausdrucksstarken und großartigen Illustrationen und den kleinen Texthappen dazwischen. Denn in diesem Buch gibt es nur auf jeder zweiten Doppelseite Text. Somit bleibt hier viel der Fantasy des (Vor-)lesenden überlassen. Man kann sich die Bilder einfach nur anschauen und wirken lassen oder selbst Worte finden, um die Szenen zu beschreiben. In unserem Fall ist es eine Mischung aus beidem. Zu Beginn habe ich noch erklärt was passiert, aber ab einem gewissen Punkt haben wir uns einfach nur gemeinsam über die schönen Zeichnungen gefreut.
Gerade bei einem Buch, das mit so wenigen Worten auskommt und trotzdem so viele Emotionen vermittelt sind die Bilder ausschlaggebend. Deswegen werde ich auch nicht müde zu betonen, wie gelungen diese sind. Die Zusammenstellung der Farben ist harmonisch und stimmungsvoll; detailreich und trotzdem minimalistisch. Letzteres klingt nach einem Widerspruch und ist es wahrscheinlich auch. Dennoch trifft für mich beides zu. Die Bilder beschränken sich auf das Wesentliche, so dass die Kinder nicht von zu vielen „unnötigen“ Details abgelenkt werden. Trotzdem gibt es in den Illustrationen viel zu entdecken und es wird nicht langweilig sie zu betrachten. Das eine oder andere Bild könnte ich mir auch gut als Poster im Kinderzimmer vorstellen.
Bei all der Lobhudelei auf die Zeichenkünste darf man aber nicht vergessen, dass dieses Buch auch noch Text besitzt und eine Botschaft vermitteln möchte. Wie bereits erwähnt hält sich die Menge an Text sehr in Grenzen. Dies sollte man unbedingt vor dem Kauf berücksichtigen, denn aufgrund dieser Tatsache ist dieses Buch sicher nicht für jedes Kind geeignet.
Der Text ist einfach gehalten, aber auf jeden Fall kindgerecht und bringt den Kern der Geschichte auf den Punkt. Das Zusammenspiel des grummeligen Grizzlybären und des kleinen, quirligen Waschbären ist einfach zuckersüß. Sowohl durch den Text, viel mehr aber noch durch die Illustrationen werden die Unterschiede der beiden Tiere herausgearbeitet. Doch trotz oder vielleicht auch wegen der Unterschiedlichkeit der beiden spürt man in jedem Wort die Liebe, Freundschaft und die tiefe Verbundenheit der beiden.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es sich hierbei um ein wirklich gelungenes kleines Kinderbuchkunstwerk handelt, welches zum Nachdenken anregt, aber auch zum Träumen, Schmunzeln und Lachen. Es ist definitiv nicht für jedes Kind geeignet, aber das sind meiner Meinung nach die wenigsten Bücher. Für uns ist es aber eine sehr gute Wahl gewesen und ich empfehle das Buch wirklich gerne von Herzen weiter.

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