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Veröffentlicht am 30.04.2021

Eine Nacht mit Heleen

Die Beichte einer Nacht
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Das Original dieser Geschichte stammt aus dem Jahr 1930 und doch hat man das Gefühl sie spielt im hier und jetzt. Die Problematik von Liebe, Verzeweiflung, Eifersucht und Angst gibt es heute ebenso wie ...

Das Original dieser Geschichte stammt aus dem Jahr 1930 und doch hat man das Gefühl sie spielt im hier und jetzt. Die Problematik von Liebe, Verzeweiflung, Eifersucht und Angst gibt es heute ebenso wie damals. Noch immer geraten manche Frauen und Männer in einen Strudel aus Liebe und Eifersucht, der sie nicht mehr klar denken lässt.

Marianne Philips lässt Heleen erzählen, die ganze Nacht. Ihre einzige Zuhörerin ist die Nachtschwester, die nicht weg kann. Bei ihr redet sie sich die Seele frei und der Lesende sitzt dabei und lauscht einer Geschichte, die von Armut, zähen Willen, Liebe und Eifersucht erählt. Heleen hat sich hochgekämpft, raus aus der Armut, weg vom tyrannischen Vater und der kranken Mutter und der Gottesfurcht.

Heleen ist schön (und das weiß sie) und sie hat ein Gespür für Schönes, Edles und Teures. Damit kann sie ihren Unterhalt verdienen und darüber lernt sie auch ihren ersten Ehemann kennen. Doch dann verliebt sie sich und damit beginnt sich die Spirale zu drehen. Heleen erzählt alles aus ihrer Sicht und recht lang wußte ich nicht, wohin es gehen soll. Ich empfand es dadurch auch etwas langatmig und weniger spannend. Es war durchaus interessant zu erfahren, wie sie sich durchkämpft, aber gerade das letzte Drittel war für mich immer schwerer nachvollziehbar. Das Ende hat mich aber tatsächlich dann noch einmal überrascht.

Eine gute Übersetzung einer doch schon 91 Jahre alten Geschichte, die so kein bisschen altbacken und staubig wirkte. Jedoch konnte mich die teilweie emotionslos wirkende Heleen nicht so ganz mitreißen.

Veröffentlicht am 25.04.2021

Ein Hoch auf die Bienen

Bienen retten
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Wenn man mehr Natur in den Garten gebracht hat, kann man sich gleich auch noch um die Rettung der Bienen kümmern. Man muss kein Imker werden, nur etwas achtsamer seinen Garten bepflanzen und vielleicht ...

Wenn man mehr Natur in den Garten gebracht hat, kann man sich gleich auch noch um die Rettung der Bienen kümmern. Man muss kein Imker werden, nur etwas achtsamer seinen Garten bepflanzen und vielleicht nicht alles sofort niedermähen.

In diesem Buch bekommt man eine kurze Erklärung, wer die Wildbienen sind und wie sie leben. Natürlich wird die fleißige Honigbiene erwähnt und die vielen Arten der Gartenbiene. Kennt ihr die Gewöhnliche Goldfurchenbiene? Nein? Ich bis dahin auch nicht. Nach der Vorstellung der summenden Gartenmitbewohner:innen geht es los. Was kann, darf und sollte man machen, damit es brummt und summt im Garten? In erster Linie: VIELFALT. Es wird gut beschrieben, wie man eine Blumenwiese anlegt, einen Steingarten pflegt und mit welchen kleinen Hilfen die Bienen beim Nestbau unterstützt werden können. Interessant fand ich die Aufzählung der Stauden, Sträucher und Bäume, die für reichlich Futter sorgen z.B. der Blasenstrauch, Strauchiger Hufeisenklee, Zaun-Wicke, Rotfrüchtige Zaunrübe oder die Sal-Weide lassen die Herzen höher schlagen. Manche habe ich im Garten, andere kannte ich gar nicht.

Am Ende des Buches werden die Familien der Bienen vorgestellt. Ich war wirklich überrascht, wie viele Familien es gibt. Sägehornbienen, Furchbienen, Seidenbienen, Blattschneiderbienen und natürlich die Honigbienen sind Beispiele für die verschiedenen Familien. Diese unterteilen sich dann noch einmal in verschiedene Arten. Die nächste Biene, die in meinem Garten landet, wird genauer betrachtet. Schließlich möchte man wissen, wer der Besucher ist.

Tolles Buch mit sehr vielen interessanten Fakten und schönen Bildern, die alles noch anschaulicher machen.

Veröffentlicht am 23.04.2021

Los gehts...

Mehr Natur im Garten
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Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass im Garten Natur ist. Jedoch sind einige Gärten sehr weit weg von Natur und Vielfalt. Dort herrscht der millimeterkurze Rasen, die Steinplatten und die ...

Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass im Garten Natur ist. Jedoch sind einige Gärten sehr weit weg von Natur und Vielfalt. Dort herrscht der millimeterkurze Rasen, die Steinplatten und die kleinen runden Rondelle mit Blumen, die kein Insekt ernähren.

Markus Gastl veranschaulicht in seinem Buch wie leicht es ist, wieder Leben in den Garten zu bringen. Statt Rasen, der aufwendig gepflegt und umsorgt werden muss, lieber eine schöne Wiese, die nur zweimal im Jahr gemäht wird. In der restlichen Zeit blüht sie einfach. Bunt, wild und mit Schmetterlingen und Insekten verziert.

Einfach mal das Holz in einer Ecke liegen lassen und den kleinen Tieren ganz einfach ein Zuhause bieten. Das geht auch ohne Baumarkthütte zu 49,99€. Oder einheimische Leckereien, also Pflanzen, anbauen, statt Exoten, die die einheimische Biene nicht kennt und von der sie keinen Nutzen hat. Was spricht gegen eine wilde Ecke im Garten, wo die Natur mal zeigen kann, was sie drauf hat? Muss alles steril, klar geordnet und schön sauber sein? Draußen in der Natur? Wirklich?

Das Buch gibt viele Informationen und Ideen für ein gutes Miteinander im Garten und auf dem Balkon. Auch Pflanztöpfe auf Kopfsteinpflaster und öden Straßenzügen können für die Insekten ein Rettungsanker darstellen. Es kostet wenig, bringt aber jede Menge Farbe, Freude und Futter.

Traut euch!

Veröffentlicht am 18.04.2021

Das Bergsalz schmolz mit jeder Seite ein bisschen mehr. Leider.

Bergsalz
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Das erste Drittel dieses Romans fand ich sehr gut. Die Charaktere waren einzigartig und wunderbar beschrieben. Man spürte die Einsamkeit, die festgefahrenen Strukturen im Dorfleben und die unsichtbaren ...

Das erste Drittel dieses Romans fand ich sehr gut. Die Charaktere waren einzigartig und wunderbar beschrieben. Man spürte die Einsamkeit, die festgefahrenen Strukturen im Dorfleben und die unsichtbaren Dorfregeln. Das Hadern und der innere Kampf der Frauen, ob man sich nun zusammentun sollte oder nicht. Das Aufdecken der doch recht identischen Lebensweisen der verschiedenen Frauen fand ich spannend und interessant. Auch das gemeinsame Projekt im zweiten Drittel der Geschichte war noch so geschrieben, dass man mit Begeisterung dabei war. Doch dann kippte die Geschichte. Auf einmal ging alles ganz schnell und ohne Probleme. Es gab fast nur noch friedliche und begeisterte Dorfmenschen, die den Veränderungen positiv gegenüber standen. Sehr unwahrscheinlich, dass man die Alteingesessenen so schnell begeistern kann. Auch die eingeschobene Geschichte von Sabina fand ich etwas fad, obwohl ich bei ihr sehr viel Potential gesehen habe.

Auch die Geschichte über Esma hätte spannend und gut eingebunden werden können, aber sie blieb oberflächlich und zu klischeehaft. Nur von wenigen Charakteren hat man mehr erfahren. Jedoch waren diese Einblicke am interessantesten. Hier hätte sich die Autorin die Zeit nehmen können, mehr darüber zu schreiben, tiefer zu gehen, um eine größere Bindung zum Lesenden aufzubauen. Das letzte Drittel war für mich leider enttäuschend, da zu schnell die Themen abgearbeitet worden und sie zu wenig realistisch waren.

Schade, denn die Idee zum Buch war sehr gut und auch die kleinen Verweise auf die Flüchtlingspolitik, die Ansätze zur Integration und die Darstellung des Dorfsterbens waren gut, aber eben nicht ausreichend ausgebaut.

Veröffentlicht am 16.04.2021

DDR in den 50iger Jahre

Roter Rabe. Ein Fall für Max Heller
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Wie viel weiß man über die DDR der 50er Jahre? Ich muss gestehen: wenig. Das Wenige, was ich weiß, habe ich mir angelesen oder in Dokumentationen gesehen. Selbst im Geschichtsunterricht wurde das Kapitel ...

Wie viel weiß man über die DDR der 50er Jahre? Ich muss gestehen: wenig. Das Wenige, was ich weiß, habe ich mir angelesen oder in Dokumentationen gesehen. Selbst im Geschichtsunterricht wurde das Kapitel der deutschen Geschichte übersprungen. Deshalb war ich neugierig auf diesen Max Heller Krimi. Frank Goldammer ist bekannt dafür, dass er sehr gut recheriert und stets versucht nah an der Realität zu schreiben. Dieses Gefühl "nah an der Realität" hatte ich beim Hören des Buches die ganze Zeit.

Natürlich steht der Krimi im Mittelpunkt, aber der Autor beschreibt sehr genau die Stadt Dresden, die Umstände und die Unruhe der Menschen. Er lässt Heller immer wieder ins Zweifeln kommen und er bringt ihn an seine Grenzen. Seine Frau Karin ist in den Westen gereist, um den Sohn zu besuchen. Er ist mit der Ziehtochter und der verwirrten alten Nachbarin zurückgeblieben. Keine leichte Situation, da immer die Angst aufkommt, dass Karin nicht wiederkommen wird.

Der Fall ist diesmal sehr ausschweifend und mit vielen kleinen Nebenspielplätzen. Es kommen recht zügig ein paar Tote zusammen und man muss aufpassen, dass man den roten Faden nicht verliert. Für mich war der vierte Fall nicht ganz so stark wie die Vorgängerkrimis. Zu viele Personen und zu viele Verwicklungen machten es mir schwer der Geschichte zu folgen. Obwohl das Hörbuch wieder sehr gut von Heikko Deutschmann vorgelesen wurde, konnte mich der Fall nicht ganz so sehr mitreißen. Dafür fand ich die Beschreibungen der Menschen und der Gesamtsituation sowie der privaten Gedanken und Sorgen von Max Heller sehr gut.

Wer die Reihe nicht kennt und sie hören möchte, sollte mit dem ersten Fall starten, da man sonst die Beziehungen der Charaketere nicht so gut nachvollziehen kann.