Cover-Bild Die Beichte einer Nacht
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 28.04.2021
  • ISBN: 9783257071429
Marianne Philips

Die Beichte einer Nacht

Eva Schweikart (Übersetzer)

In einer Nervenklinik vertraut Heleen einer Nachtschwester ihre Lebensgeschichte an. Sie erzählt vom Aufwachsen in einer kinderreichen protestantischen Familie, ihrem gesellschaftlichen Aufstieg, den sie sowohl ihrer eigenen Schönheit als auch ihrem Sinn für Schönes zu verdanken hat. Und sie berichtet von ihrer großen Liebe Hannes und der jüngeren Schwester Lientje, um die sie sich seit dem Tod der Eltern kümmert. Mit ungeahnten Folgen, denn ihrer eigenen Eifersucht kann sie sich nicht entziehen.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.07.2021

vergängliche Schönheit

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Die Beichte einer Nacht ist die Lebensgeschichte von Heleen, die sie der Nachtschwester in einer Nervenheilanstalt erzählt. Der Monolog handelt von ihrer schweren Kindheit, einem hilfsbedürftigen Vater ...

Die Beichte einer Nacht ist die Lebensgeschichte von Heleen, die sie der Nachtschwester in einer Nervenheilanstalt erzählt. Der Monolog handelt von ihrer schweren Kindheit, einem hilfsbedürftigen Vater und einer Mutter, die sich von der Geburt des jüngsten Kindes von zehn nicht mehr erholte. Mit 13 Jahren fing Heleen in einer Näherei an um für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Tagsüber nähte sie und nachts kümmerte sie sich um Lientje, dem Nesthäkchen. Völlig überfordert suchte sie nach Wegen aus ihrem Elternhaus. Als ihr eine gute Stelle als Verkäuferin in einem gehobenen Bekleidungsgeschäft angeboten wurde, sagte sie zu. Ab diesem Zeitpunkt war ihr ihre eigene Schönheit bewusst, sie kleidete und pflegte sich und war sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst. Die Männer brachten ihr jedoch kein Glück, ihre Ehe mit Charles war ein Fiasko und ihre Liebe zu Hannes….. Immer wieder spricht sie von ihrer großen Liebe, doch genaueres erfährt man erst zum Schluss ihrer Beichte. Heleen möchte mit sich selbst ins Reine kommen, sich selbst für ihre Taten verzeihen können.
Ihr Sinn nach Schönheit wurde ihr zum Verhängnis, denn auch sie alterte, fand sich nicht mehr so begehrenswert und wurde zunehmend eifersüchtig.
Der gesamte Roman aus den 30er Jahren ist ein Monolog und dennoch nicht monoton. In kleinen Einsprengseln hören wir etwas über das Leben in der Klinik, der große Krankensaal und das Leid der anderen Frauen. Vom Schreibstil und Thema ein hoch interessanter Roman.

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Veröffentlicht am 13.06.2021

Ein Buch, welches man nur selten so lesen darf!

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Meine Meinung:
Dieses Cover ist zwar auf den ersten Moment eher unscheinbar, doch bei genauerer Betrachtung entdeckt man dahinter ein sehr stilvolles und aussagekräftiges sowie zartes Cover. Und genau ...

Meine Meinung:
Dieses Cover ist zwar auf den ersten Moment eher unscheinbar, doch bei genauerer Betrachtung entdeckt man dahinter ein sehr stilvolles und aussagekräftiges sowie zartes Cover. Und genau dies verbirgt sich auch innerhalb des Geschichte, denn diese ist unglaublich toll geschrieben, mit einem hohen literarischen Wert, dieser so gehaltvolle und dennoch sehr flüssig lesbare Schreibstil konnte mich wirklich sehr überraschen und in seinen Bann ziehen. Hinzu kommt eine sehr dramatische, vielschichtige Geschichte, die sehr detailreich, mit feinen Szenen versehen ist und dabei eine Protagonistin an den Tag legt, wie ich sie nur selten lesen durfte. Denn diese ist an Tiefsinnigkeit und Eigenart kaum zu überbieten und bleibt einem noch sehr lange in Erinnerung.
In meinen Augen einer der besten Romane dieses Lesejahres, eine Autorin, die ein unglaubliches Gespür für Szenen und die kleinen Momente ihrer Charaktere besitz, wie es von einem unglaublichen Wert ist !

Veröffentlicht am 09.06.2021

Die eigene Hölle

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Die eigene Hölle

"Ich setze mich zu Ihnen, Schwester. Das ist nicht erlaubt, ich weiß es. Aber ich mache es trotzdem – ich habe so lange nicht mehr auf einem Stuhl gesessen, an einem Tisch mit einer Lampe ...

Die eigene Hölle

"Ich setze mich zu Ihnen, Schwester. Das ist nicht erlaubt, ich weiß es. Aber ich mache es trotzdem – ich habe so lange nicht mehr auf einem Stuhl gesessen, an einem Tisch mit einer Lampe drauf." (S. 7)

Mit diesen Worten beginnt die Ich-Erzählerin Heleen eine ungeschönte Lebensbeichte und bricht nach sieben Monaten in einer Nervenheilanstalt ihr Schweigen. Anders als der deutsche Romantitel "Die Beichte einer Nacht" es nahelegt, sind es zwei Nächte, in denen Heleen einer Nachtschwester ungeschönt ihr Leben erzählt, hauptsächlich, um sich selbst Klarheit zu verschaffen:

"Ich liege da und will begreifen – ich suche und finde immer wieder andere Gründe, warum das Unglück geschehen musste. Aber den ursächlichen Grund finde ich nicht." (S. 164)

Die handarbeitende Schwester bleibt völlig stumm, nur Randbemerkungen lassen ihre Reaktionen erahnen. Dass der Tag zwischen den beiden Nächten eine Veränderung für Heleen bringt, legt nahe, dass die Zuhörerin wider Willen aufmerksam lauscht - bis Heleen nach zwei Nächten mit den Worten endet:

"Schwester! Was machen Sie jetzt? Beten Sie? Für mich?" (S. 263)

Aufstieg und Fall einer schönen Frau
Als ältestes von zehn Kindern einer durch einen Unfall des Vaters verarmten niederländischen Bürgersfamilie muss Heleen früh Verantwortung übernehmen, besonders für die jüngste Schwester Lientje. Ein Ausweg scheint nach nur sechs Schuljahren die Arbeit im Schneideratelier einer Französin. Dort lernt sie einen Handelsvertreter kennen, der ihr den Weg in die Stadt ebnet:

"Meine Wahl war nicht falsch. Ich bereue sie nicht." (S. 78)

Mit Ehrgeiz, Fleiß und dank ihrer Schönheit schafft sie den beruflichen, später auch den gesellschaftlichen Aufstieg, immer bemüht, „nicht billig zu sein“, bleibt aber trotz ihrer Männerbekanntschaften zutiefst einsam. Mitte 20 beginnt ihre Angst vor dem Alter und sie geht eine kurze, traumatische Ehe mit einem reichen Kunstkritiker ein:

"Bis heute ist mir unklar, warum ich ihn geheiratet habe. Ich muss taub und blind gewesen sein - oder so müde, dass mir alles egal war außer meiner eigenen Bequemlichkeit". (S. 121)

Als das Glück dann in Person des Sportlehrers Hannes doch noch vor ihrer Tür steht, kann ihm nicht trauen. Die Liebe macht sie verletzlich, ihr Selbstvertrauen leidet unter ihrer vergehenden Schönheit und das Drama nimmt seinen Lauf.

Ein Roman mit Sog
"Die Beichte einer Nacht" konnte ich, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen. Die faszinierende Erzählform in Kombination mit der von Beginn an heraufziehenden Katastrophe, die genaue Innenperspektive einer tragischen Frauenfigur, die detaillierte Beschreibung des sozialen Umfelds und aller Figuren sowie die Anklage gegen die zeitgenössische Psychiatrie machen für mich diesen unbekannten Klassiker zu einer unbedingt lesenswerten Entdeckung.

Kein bisschen verstaubt
Als der Roman der niederländischen Jüdin Marianne Philips (1886 – 1951) im Jahr 1930 unter dem Titel "De Biecht" erschien, war er Teil einer Therapie im Rahmen einer Psychoanalyse. 1913 hatte die Autorin wegen einer Wochenbett-Depression bereits sechs Monate in einer Nervenklinik verbracht. Auch sonst finden sich zahlreiche Parallelen zur Biografie der politisch bei den Sozialdemokraten engagierten dreifachen Mutter, wie ihre Enkelin, die Historikerin Judith Belinfante, in ihrem sehr lesenswerten Nachwort erklärt. Welch ein Glück, dass der Diogenes Verlag diesen so modern anmutenden Klassiker nun auf Deutsch zugänglich macht. Die wegen seiner Außergewöhnlichkeit zwiegespaltenen Kritiken der Zeitgenossen werden sich heute bestimmt nicht wiederholen.

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Veröffentlicht am 23.05.2021

Eine unheimlich talentierte Schriftstellerin

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Meinung:
Dieses Buch, und das obwohl seine Schriftstellerin bereits seit 1951 verstorben ist, ist so hochaktuell, wie brilliant und voller wichtiger Themen, wie es kaum ein aktuelles Buch schaffen kann, ...

Meinung:
Dieses Buch, und das obwohl seine Schriftstellerin bereits seit 1951 verstorben ist, ist so hochaktuell, wie brilliant und voller wichtiger Themen, wie es kaum ein aktuelles Buch schaffen kann, selten hat mich ein so kleines, und dünnes Buch, so fesseln und nach dem Lesen noch so hinreichend prägen können.
Die Schriftstellerin, hat mit ihrer Protagonistin Heleen, eine Charakterin geschaffen, dei das hoch bewegte Leben einer Frau erzählt und dies auf eine so einmalige und von tiefen einprägsamen Szenen geprägt, wie ich es zuvor nur in Stephen Kings Dolores lesen durfte. Dabei spricht sie von Themen, der Problematik über die Benachrichtigung einer Frau, bis hin zu so fesselenden Erzählweisen. Dies liegt vor allem auch an dem unglaublichen Talent welches der bereits verstorbenen Autorin inne gewohnt haben musste, denn hier entwickelt wirklich jeder Moment eine prägnante, gerade zu filmische Dynamik, die einen als Leser einfach fasziniert !

Für mich ein grandioses Buch, welches mein Leseleben definitiv geprägt hat !!!

Veröffentlicht am 23.05.2021

Ein kleiner Klassiker

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Meine Meinung:
Dieses Buch gleicht durchaus einem Klassiker und ist auch in seiner stilistischen Ausfertigung auf diesen höchsten Niveau einzustufen und hat mich wirklich umgehauen. Die Autorin hat einen ...

Meine Meinung:
Dieses Buch gleicht durchaus einem Klassiker und ist auch in seiner stilistischen Ausfertigung auf diesen höchsten Niveau einzustufen und hat mich wirklich umgehauen. Die Autorin hat einen sehr besonderen, ganz zarten und dennoch sehr schnörkellosen Schreibstil, der den Leser ohne Umschweife packt und dabei in eine Geschichte hineinzieht, die gelungener kaum sein könnte und mich restlos begeistert hat.
Die Protagonistin des Romans ist einmalig in ihrer Ausarbeitung, von einer Stärke und Diversität, wie ich es selten in einen Buch lesen dürfte und die mich wirklich ausgesprochen sehr faszinieren konnte. Hinzu kommt eine Tiefgründigkeit, eine so noch bei erzählten Geschichte, die manchmal skurril, manchmal emotional und stets wunderbar geschriebene ist!

Mein Fazit:
Einfach nur eine grandiose und wunderbare Lektüre !