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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2021

Leider bekam die Buchhandlung keine Hauptrolle

Die Buchhandlung zum Glück
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Ich bin wieder Opfer der Buchhandlungsbücher geworden. Jedes Mal, wenn ich ein Buch sehe, was von einer Buchhandlung handeln soll, werde ich schwach. Und fast jedes Mal muss ich mir eingestehen, dass ...



Ich bin wieder Opfer der Buchhandlungsbücher geworden. Jedes Mal, wenn ich ein Buch sehe, was von einer Buchhandlung handeln soll, werde ich schwach. Und fast jedes Mal muss ich mir eingestehen, dass es eben nicht die große Geschichte über eine Buchhandlung war. Auch hier trifft das Cover meinen Nerv, aber der Inhalt lässt mich nicht so ganz überzeugt zurück.

Fast jede Geschichte (dieser Bücher) fängt mit einem schweren Schicksal an. Diesmal erwischt es Natalie, die ihren Freund und ihre Mutter durch einen Unfall verliert. Sie muss sich nun um den demenzkranken Großvater kümmern und dazu eine völlig verschuldete Buchhandlung retten. Und so kommt es, wie es immer kommt...alle halten zusammen und werkeln und trommeln, um das Erbe der Mutter und das Haus des Großvaters zu erhalten. Dazu gibt es noch eine gute Portion Liebe, natürlich mit charakterlich recht unterschiedlichen Männern, die um die Protagonistin werben. Und Opa hat auch noch ein paar Überraschungen parat oder besser, im Haus stecken noch ein paar Überraschungen.

Der Tod und das schwierige Verhältnis von Mutter und Tochter wurde sehr ausschweifend behandelt. Die Rückblicke waren an sich ganz gut, aber viel zu langatmig und teilweise wiederholend. Die eigentliche Geschichte kam nicht voran und wurde immer vorhersehbarer. Leider schwankte auch Natalie immer wieder. Sie wußte nicht, was sie so wirklich wollte und strapazierte damit die Nerven der Leserin.

Ich fühlte mich außen vor und nicht mitgenommen. Eigentlich wollte ich am Ende nur noch, dass das Haus fertig renoviert und der Großvater versorgt wird. Die Liebesgeschichte wurde leider am Ende immer rosaroter und unrealistischer. Warum gibt es bei solchen Büchern keine realistischeren Enden?

Was ich wirklich schade fand, war die vergessene Buchhandlung. Jedes Mal hoffe ich, dass es in Buchhandlungsgeschichten auch um Bücher geht. Das ich unbekannte Bücher und Autor:innen kennenlerne und die Buchhandlung mit ihren Büchern (und nein nicht mit dem Kaffee und Kuchen) im Mittelpunkt steht.

So, war es nun wieder eine Familiengeschichte mit zu vielen oberflächlichen Themen und zu viel Liebeskitsch und zu wenig Buchhandlung.

Veröffentlicht am 04.03.2021

Kluges Buch zum Thema Gehirn

Iss dich klug!
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Sich klug essen? Wirklich? Ich war gespannt, was Dr. Manuela Macedonia herausgefunden hat und was sie empfehlen wird.

Vorweg muss man sagen, dass das Buch sich sehr stark auf die Schwangerschaft und ...

Sich klug essen? Wirklich? Ich war gespannt, was Dr. Manuela Macedonia herausgefunden hat und was sie empfehlen wird.

Vorweg muss man sagen, dass das Buch sich sehr stark auf die Schwangerschaft und die Entwicklung der Kinder konzentriert. Wer also mit der Schwangerschaft schon durch ist, wird in diesen Kapiteln (ca. die Hälfte des Buches) nur wenig Mehrwert finden. Für Frauen, die gerade schwanger sind oder werden wollen, ist es dagegen empfehlenswert, da die Autorin sehr stark auf die Ernährung der Mutter und den Auswirkungen auf das Baby/Kind eingeht.

Ich fand die letzten beiden Kapiel "Genuss: Freude und Verdammung" sowie "Essen, meine Medizin im Alter" ziemlich interessant und gut. Es gab immer wieder (für mich) neue Erkenntnisse, die mir einen kleinen Aha-Moment beschert haben. Interessant fand ich die Kapitel, was Fasten für unser Gehirn tun kann und was bei Demenz im Gehirn geschieht. Man schwankte da immer wieder zwischen Erschrecken und Beruhigung. Für mich war es gut, nun zu wissen, was man tun kann und was man lassen sollte (#Zucker).

Die Autorin ist Neurowissenschaftlerin und das merkt man dem Buch auch an. Es gibt jede Menge Fachbegriffe und medizinische Verknüpfungen. Damit man nicht schon nach den ersten Seiten aussteigt, wurden kleine wunderbar unterhaltsame und informative Zeichungen eingefügt, die das Gelesene bildlich darstellten. Für mich war die Mischung aus Wissenschaft, Familiengeschichte der Autorin und Alltagsempfehlungen ideal. Ich konnte mir ein paar Anregungen herausziehen. Jetzt muss ich nur noch dranbleiben.

Das Beste kommt auch hier Schluss. Das Quellenverzeichnis. Zu jedem Kapitel gibt es unheimlich viele Quellen, die alle noch durchforstet werden können. Für mich eine Freude und ein echter Mehrwert.

Veröffentlicht am 04.03.2021

Spannende Verbindung zwischen Mensch und Wolf

Homo Lupus
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Lena Bondroit, eine Biologin, die sich auf Verhaltensforschung spezialisiert hat, wird vom Verfassungsschutz als Beraterin eingespannt. Anfangs fragt man sich schon, was haben der Verfassungsschutz, der ...

Lena Bondroit, eine Biologin, die sich auf Verhaltensforschung spezialisiert hat, wird vom Verfassungsschutz als Beraterin eingespannt. Anfangs fragt man sich schon, was haben der Verfassungsschutz, der berüchtigte Aziz-Clan, die Politiker der neuen Partei und die Biologin miteinander zu tun. Zuerst laufen die Handlungsstränge noch parallel und so richtig will sich der Kreis auch nicht schließen. Doch so nach und nach werden die Stränge miteinander verflochten. Je mehr sich der Kreis zusammenzieht, desto spannender wird diese Geschichte. Das Tempo der Geschichte ist gut und durch den leicht zu lesenden Schreibstil wird man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen.

Der Autor bezieht aktuelle (leicht abgewandelte) Geschehnisse aus der Politik und der Wirtschaft mit ein und schafft es dadurch, dass der Lesende sich mittendrin fühlt und ahnt, was passieren könnte. Die eigenen Ideen, wer mit wem zu tun hat und vorallem die Motivationen zu erkennen, werden ab und an von dem Autoren wieder zerschlagen. Die kleinen Haken und Wendungen sorgen für die Spannung bis zum Schluss.

Was mir ebenfalls ganz gut gefallen hatte, waren die Einschübe zu der Wolfsforschung und die Parallelen, die man zu den Menschen gezogen hat. Es war interessant zu lesen, wie nah sich der Mensch und der Wolf in ihrem Verhalten, in ihrem Wesen manchmal sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2021

Derbe Sprache, schwieriger Hauptcharakter und keine Spannung

Tote Vögel singen nicht
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Ein Thriller soll Thrills erzeugen, die den Lesenden den Atem stocken lassen und eine Spannung bis zum Schluss liefern. Das Buch von Christian Klinger schaffte weder das eine noch das andere. Es ist mit ...

Ein Thriller soll Thrills erzeugen, die den Lesenden den Atem stocken lassen und eine Spannung bis zum Schluss liefern. Das Buch von Christian Klinger schaffte weder das eine noch das andere. Es ist mit viel Wohlwollen ein Krimi.

Die ersten Seiten konnten mich noch gut unterhalten und ich hatte mich auf einen satirischen Krimi, der den (realen) Personen aus der Politik und Wirtschaft den Spiegel vor hält, gefreut. Doch leider waren es nur die ersten Seiten. Die Spannung war anfangs hoch, aber dann brach sie abrupt ab und schaffte es leider nicht sich wieder aufzubauen.

Der Anwalt Cosinus Gauß wird innerhalb der Geschichte immer unerträglicher. Seine Witze werden schlechter, seine sexistischen Gedanken gegenüber Frauen fand ich schwierig und nur schwer ertragbar. Die ganze Handlung litt unter diesem Hauptcharakter. Ich war selten von einer Figur so genervt. Man muss die Charaktere nicht zwingend mögen, damit es ein gutes Buch wird (siehe Sebastian Bergmann von Hjorth/Rosenfeldt), aber der Charakter muss dann wenigstens klug, raffiniert und überzeugend sein. Das ist hier leider nicht eingetreten.

Die derbe Sprache, die vielen Abschweifungen von dem Hauptgeschehen und die fehlende Spannung sorgten bei mir für eine Enttäuschtung. Das Cover und der Klappentext hatten einiges versprochen, was leider nicht eintrat.

Veröffentlicht am 26.02.2021

Eine schöne und teilweise traurige Familiengeschichte mit starken Frauen, die sich auf einer Insel durchgesetzt haben

Die vier Gezeiten
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Anne Prettin hat eine große Familiengeschichte geschrieben. Sie spannt den Bogen über mehrere Jahrzehnte und geht dabei auf das Leben mehrerer Personen (besonders auf das Leben der Frauen in der Familie) ...

Anne Prettin hat eine große Familiengeschichte geschrieben. Sie spannt den Bogen über mehrere Jahrzehnte und geht dabei auf das Leben mehrerer Personen (besonders auf das Leben der Frauen in der Familie) ein. Um den Faden nicht zu verlieren oder mit den Personen durcheinander zu geraten, wird die Geschichte in kurze Kapitel mit Vermerk von Jahr und Person eingeteilt. Ich fand dies recht hilfreich, da die Geschichte schon sehr verzweigt und teilweise verworren war.

Die Autorin hat einen schönen und gut zu lesenden Schreibstil. Die Idee der Familiengeschichte mit vielen kleinen Geheimnissen, die während dieser Geschichte gelüftet werden und somit noch mehr Steine ins Rollen bringen, hat mir gut gefallen. Es gab viele traurige und schwermütige Passagen, die dem Lesenden, die teilweise verfahrene Situation der Charaktere noch viel näher brachten.

Jedoch muss ich gestehen, ging mir ab und an die Puste aus. Es gab ein paar kleinere Durststrecken, zu lange Beschreibungen und teilweise dann doch Wiederholungen, die mich ermüdeten. Aber trotzdem wollte ich wissen, wie es ausgeht, was für die Geschichte spricht, denn Anne Prettin schaffte es immer eine kleine Richtungsänderung einzubauen, so dass man das Familienkonstrukt im Kopf wieder neu anordnen musste.

Eine schöne und teilweise traurige Familiengeschichte mit starken Frauen, die sich auf einer Insel durchgesetzt haben. Nur war manchmal der Preis dafür recht hoch.