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Veröffentlicht am 20.04.2025

Das Streben nach Glück

Cinema Love
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Ein heruntergekommenes Kino in China ist für viele Männer ihr geheimes Paradies: Hier können sie in der Dunkelheit ihre Homosexualität ausleben, nur um danach zu ihren ahnungslosen Frauen zurückzukehren.
Als ...

Ein heruntergekommenes Kino in China ist für viele Männer ihr geheimes Paradies: Hier können sie in der Dunkelheit ihre Homosexualität ausleben, nur um danach zu ihren ahnungslosen Frauen zurückzukehren.
Als Leser begleitet man mehrere Charaktere, deren Schicksale durch dieses Kino verbunden sind, über Jahrzehnte hinweg. Hierbei springt die Geschichte öfters in der Zeit herum und wechselt auch schnell die Perspektive, was eventuell kurz verwirren kann, für mich war es jedoch noch im angenehmen Bereich und interessant zu lesen.

Auch die Themen waren spannend, während man zunächst einen Einblick in die chinesische Kultur bekommt, weitet es sich später noch auf die Probleme (chinesischer) Migranten in den USA aus. Die Darstellung der verbotenen Liebe wird zu einem Porträt der Liebe in all ihren Formen: Was zeichnet eine Ehe aus? Wie gehen die Charaktere mit Eifersucht, Enttäuschung, Sehnsucht und Verrat um?
Ich fand die Charaktere hierbei durchweg authentisch, auch oder gerade weil sie das Gegenteil von perfekt waren und teilweise zweifelhafte Entscheidungen getroffen haben. Dabei weiß ich nicht mal, ob ich überhaupt einen von ihnen wirklich mochte, aber ich habe irgendwie trotzdem gespannt ihre Geschichte verfolgt.
Hierbei muss ich jedoch kritisieren, dass so im letzten Drittel zwischenzeitlich für mich kurz die Luft raus war: Dies ist kein Roman, in dem wahnsinnig viel passiert, stattdessen erhält man einfach einen Einblick auf Ausschnitte des Lebens mehrerer Personen über die Jahre hinweg. Kurz vor Ende hat sich dies für mich dann aber doch ein wenig gezogen.

Absolut positiv hervorheben muss man jedoch auf jeden Fall den Schreibstil! Der Autor schafft schnell eine ganz besondere Atmosphäre, die einen direkt in ihren Bann zieht. Die Erzählung ist immer wieder schon fast poetisch geschrieben und überzeugt mit Wortgewalt und einer starken Symbolkraft. Immer wieder finden sich kleine Satzjuwelen, die man gerne nochmals liest.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein Gedicht in emotionalen Bildern

OKEN
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Dieser Comic schafft, was zunächst unheimlich schwierig erscheint: Er wandelt die Worte und die Geschichte des Dichters Yang Mu in wunderschöne Bilder um, die auch ohne viele Worte eindrucksvoll Emotionen ...

Dieser Comic schafft, was zunächst unheimlich schwierig erscheint: Er wandelt die Worte und die Geschichte des Dichters Yang Mu in wunderschöne Bilder um, die auch ohne viele Worte eindrucksvoll Emotionen vermitteln.
Dabei werden eine Vielzahl von Themen aufgegriffen, ohne den Leser jedoch zu überfordern. Man wächst zusammen mit dem jungen Yang Mu, genannt Oken, in der Zeit des 2. Weltkriegs in Taiwan auf und erlebt die anschließenden politischen Geschehnisse aus seinen kindlichen Augen.

Zunächst zu den Bildern: Der Comic ist durchgängig in Farbe und wirkt qualitativ hochwertig. An die Darstellung der Menschen musste ich mich kurz gewöhnen, jedoch fand ich es mit jeder Seite passender. Manche Seiten sind künstlerisch sehr beeindruckend, andere entwickeln ohne große Effekte im Kontext extreme Symbolkraft. Man fühlt die Bilder und wird schnell in ihren Bann gezogen, manchmal hatte ich richtig Gänsehaut. Tragische Erlebnisse werden gleichzeitig bedrückend, aber auch unheimlich poetisch dargestellt, man merkt die poetischen Züge des zugrunde liegenden Werkes.

Auch die erzählte Geschichte fand ich sehr interessant, vor allem, da mir die Geschichte Taiwans vorher noch komplett unbekannt war. Man bekommt wichtige Sachen kurz erklärt zur besseren Einordnung, was ich sehr hilfreich fand, auch weil sich die Anmerkungen auf die Kerninformationen beschränkt haben.
Es werden oft berührende Kontraste verwendet, man erlebt ein Land im Krieg und späteren kulturellen Wandel mit den dazugehörigen Schrecken, sieht dies alles aber auch aus der kindlichen Sicht von Oken. Die Flucht vor Bombenangriffen wird zur abenteuerlichen Reise, fremde Kulturen und Soldaten üben eine besondere Faszination aus, erste romantische Gefühle führen zu Verwirrung.
Auch gibt es ein ausführliches Nachwort des Autors und an der Entstehung beteiligter Personen, das ich ebenfalls sehr interessant fand, man bekommt noch mehr Kontext geliefert und einen Blick hinter die Kulissen.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Inselausflug mit Schwächen

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Die Grundidee des Romans fand ich super: Auf 2 Zeitebenen wird die Familiengeschichte der 85-jährigen Bücherfrau Fenja erzählt. Wir begleiten ihre Mutter Lene im Jahre 1937, aber auch die Journalistin ...

Die Grundidee des Romans fand ich super: Auf 2 Zeitebenen wird die Familiengeschichte der 85-jährigen Bücherfrau Fenja erzählt. Wir begleiten ihre Mutter Lene im Jahre 1937, aber auch die Journalistin Anna in der Gegenwart, die ein Buch über Fenja schreiben will.
Hierbei hat mir gut gefallen, dass wir die Insel Sylt und Nordfriesland im Wandel der Zeiten erleben und auch die Auswirkungen des Antisemitismus und Krieges dort miterleben können. Auch interessante Details zur Verlagsarbeit oder bekannten Schriftstellern finden sich immer wieder mal in der Geschichte.

Generell ist dies als Wohlfühlroman angelegt, was teilweise gut gelingt, teilweise jedoch auch etwas zu wünschen übrig lässt.
So sind die Beschreibungen der Landschaften, Tiere und generell des Insellebens wirklich schön und lassen Urlaubsstimmung aufkommen, manchmal fand ich die Menge jedoch etwas übertrieben. Es kam zwischendurch der Eindruck auf, als sollte der Text gestreckt werden mit zusätzlichen Beschreibungen, hier wäre weniger mehr gewesen.
Dafür ging es mir bei den Liebesgeschichten wiederum etwas zu schnell, ich konnte die plötzlichen starken Gefühle nicht so ganz nachvollziehen oder in dieser Sache mitfühlen.
Gut gelungen waren dagegen die familiären Gefühle und das Verhältnis von Eltern und Kindern, auch wenn ich manche Reaktionen nicht ganz einordnen konnte.

Ich hätte es besser gefunden, wenn man keine Dilogie aus der Geschichte gemacht hätte, so zieht sich die Erzählgeschwindigkeit doch immer wieder etwas. Auf interessante Abschnitte folgen Wiederholungen, vieles ist vorhersehbar und wirklich überrascht wird man dann auch nicht mehr. Auch gab es für meinen Geschmack zu viele Zufälle, die mit "Schicksal" erklärt wurden.
Die relevanten Teile fand ich grundsätzlich nicht schlecht, besonders die Erzählungen der Vergangenheit habe ich gerne gelesen, nur der Rest war mir dann doch etwas zu sehr in die Länge gezogen.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Über die Magie der Freundschaft

Monoloco
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Monoloco beinhaltet so viele verschiedene Elemente, dass ich gar nicht weiß, wie ich es beschreiben soll: Eine Art Chat-Flirt, eine Geschichte der Selbstfindung und charakterlichen Weiterentwicklung, tiefe ...

Monoloco beinhaltet so viele verschiedene Elemente, dass ich gar nicht weiß, wie ich es beschreiben soll: Eine Art Chat-Flirt, eine Geschichte der Selbstfindung und charakterlichen Weiterentwicklung, tiefe und neue Freundschaften, Krimi-Passagen und ein bisschen Übernatürliches.
Insgesamt ergibt dies durchaus eine spannende Geschichte, die auch zum eigenen Nachdenken anregt und berührend ist, jedoch offenbaren sich auch einige Mängel. Zwar hängen die Themen alle inhaltlich zusammen und vermischen sich auch, jedoch fühlt es sich erzähltechnisch nicht immer fließend an - in einem Kapitel geht es mehr um Krimi, im nächsten wieder ruhigere Freundschaftspassagen, dann plötzlich wieder Krimi etc.
Weiterhin ist das Buch recht kurz, sodass manche Erzählabschnitte als zu kurz erscheinen und andere dafür als zu lang.

Die Charaktere sind sympathisch, jedoch ist es schwierig, auf 200 Seiten ~10 Personen ausführlich vorzustellen und zu charakterisieren. So werden die Charaktereigenschaften kurz erklärt und manches sieht man auch in Aktion, aber halt teils mehr, teils weniger.
Da ich im gleichen Alter wie die Gruppe bin, empfand ich auch einige Gespräche ein wenig unnatürlich, wie lange Monologe in der Gruppe oder auch die Verwendung ungewöhnlicher Wörter. Besonders aufgefallen ist mir hier "Phone", was sehr sehr häufig vorkam - ich habe im deutschsprachigen Raum dieses Wort noch nie gehört, alle sagen hier Handy.

Zuletzt zur Botschaft des Buches: Die richtigen Freunde helfen uns dabei, über uns selbst hinauszuwachsen und uns charakterlich weiterzuentwickeln, was man hier schön gesehen hat und auch auf verschiedene Arten gut umgesetzt wurde. Lediglich bei der Hauptfigur hätte ich mir gewünscht, dass der Ehemann nicht ein ganz so großes Schwein gewesen wäre. Das Buch kann dem Leser Mut geben, aus einer toxischen Beziehung auszubrechen, jedoch besteht so die Gefahr, dass man vielleicht denkt "immerhin ist mein Partner nicht so schlimm wie der Mann im Buch". Im Buch bleibt Mailyn ja quasi gar keine andere Wahl mehr, was ihre eigene Leistung und Weiterentwicklung ein wenig schmälert.
Insgesamt aber ein unterhaltsames Buch mit wichtigen Botschaften und halt ein paar kleinen Mängeln.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Wohlfühlbuch mit tierischen Helden

Frühstück mit Elvis
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Startet das Buch auch eher traurig (Kater Elvis wird von seiner Dosenöffnerin getrennt), so entsteht sehr schnell eine absolute Wohlfühlgeschichte vor allem für Katzenfreunde.
Auf tierischen Pfoten erkundet ...

Startet das Buch auch eher traurig (Kater Elvis wird von seiner Dosenöffnerin getrennt), so entsteht sehr schnell eine absolute Wohlfühlgeschichte vor allem für Katzenfreunde.
Auf tierischen Pfoten erkundet man Koblenz und wird dadurch zugleich inspiriert, selber der Stadt einen Besuch abzustatten. Man lernt sowohl die menschlichen Bewohner als auch die lokale Katzencommunity kennen. Hier fand ich die Charakterisierung der Personen sehr gelungen, alle wirken authentisch, sind aber dabei grundverschieden. Auf sanfte Art wird dem Leser vermittelt, dass jeder Mensch seine Fehler und Probleme hat, dabei wirkt die "Moral" aber keinesfalls erzwungen. Schnell wachsen die verschiedenen Charaktere einem auch ans Herz und man fiebert mit ihnen mit.

Der Schreibstil ist wunderbar leicht und flüssig, perfekt zum Entspannen. Kurze Kapitel erlauben sowohl kurze Leseeinheiten als auch das ganze Buch am Stück zu lesen. Ebenfalls als positiv empfand ich die wechselnden Perspektiven, dies war zu Beginn etwas verwirrend, aber man lernt rasch alle Personen kennen.

Mein Highlight war die Darstellung der Katzen: Anstatt diesen menschliche Eigenschaften oder Fähigkeiten zu geben, bleiben sie im Grunde weiterhin Katzen. Sie lassen sich von Fliegen ablenken, genießen Leckerlis oder einen warmen Schlafplatz und beweisen, dass sie großartige Zuhörer sind, die einen besonderen Sinn für Emotionen haben. Gerade wenn man selber Katzen hat, erkennt man vieles wieder, sodass die Katzen hier sehr echt wirken.
Absolut zu empfehlen für ein paar gemütliche Lesestunden!

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