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Veröffentlicht am 24.04.2022

Literarisches Puzzle

Der Tote aus Zimmer 12
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"Jeder Autor ist anders... Sie absorbieren ihre Umgebung. Es ist ein eigenartiger Beruf. Sie leben in einer Art Zwielicht zwischen der realen Welt und dem, was sie selbst schaffen."

In diesem zweiten ...

"Jeder Autor ist anders... Sie absorbieren ihre Umgebung. Es ist ein eigenartiger Beruf. Sie leben in einer Art Zwielicht zwischen der realen Welt und dem, was sie selbst schaffen."

In diesem zweiten Buch um die ehemalige Lektorin Susan Ryeland schafft Anthony Horowitz wirklich ein wunderbar verwirrendes Zwielicht. Wieder gibt es ein Buch im Buch, verfasst vom fiktiven verstorbenen Autor Alan Conway, um den es schon in den Morden von Pye Hall ging.

Susan lebt mittlerweile mit ihrem Verlobten Andreas auf Kreta (nicht in Kreta, wie es in der an dieser Stelle hartnäckig schwächelnden Übersetzung leider stets heißt) und führt dort ein Hotel. So ganz erfüllend ist das für sie nicht und sie vermisst die literarische Welt. Als ihr das Ehepaar Treherne 10 000 Pfund bittet, wenn sie deren in Sussex verschwundene Tochter Cecily findet, ergreift Susan die Gelegenheit. Denn kurz vor ihrem Verschwinden glaubte Cecily, in einem der Krimnalromane des Autors Conway, die Susan einst herausgab, den wahren Täter in einem Mordfall entdeckt zu haben, der sich im Landhotel der Trehernes abgespielt hatte.

Der Krimi ist nicht nur durch seine Verknüpfung zur Buchwelt, sondern auch als Hommage an die Romane Agatha Christies, an denen zum Schluss stets alle Verdächtigen versammelt und mit ihrer möglichen jeweiligen Schuld konfrontiert werden, ein Lesevergnügen. Sowohl die ausführlich eingestreute Handlung von "Atticus unterwegs" (Conways Roman) als auch die detaillierte Rahmenhandlung und Susans Privatleben haben mich gleichermaßen gefesselt, was wirklich von Schreibkunst zeugt. Die jeweiligen Auflösungen konnte ich als sehr aufmerksame Leserin nur zu einem ganz kleinen Teil vorausahnen. Eine gelungene Mischung, denn dadurch hatte ich ein Erfolgserlebnis, während die Spannung voll erhalten blieb. Über weitere Romane um Susan Ryeland würde ich mich sehr freuen.

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Veröffentlicht am 21.04.2022

Uns bleibt immer noch Casablanca

So reich wie der König
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"Es musste ein heilloser Lärm in ihm herrschen, dachte Sarah - vielleicht mochte er deshalb die Stille so besonders."

Casablanca in den Neunzigern: Die 16jährige Französin Sarah und ihre haltlose Mutter ...

"Es musste ein heilloser Lärm in ihm herrschen, dachte Sarah - vielleicht mochte er deshalb die Stille so besonders."

Casablanca in den Neunzigern: Die 16jährige Französin Sarah und ihre haltlose Mutter besitzen beinahe nichts, wobei Sarah über große Schönheit und Jugend verfügt. Und die möchte sie nutzen. Raffinert lässt sie sich in die Clique um den reichen, aber eigentlich äußerst unattraktiven Driss enschleusen. Driss' Familie ist nicht nur einfach wohlhabend, vielmehr ist Driss nach Sarahs Meinung reich wie der titelgebende König von Marokko. Und nur der Reichste kommt für sie in Frage.

Sarah und Driss sind beide auf ihre Art äußerst sperrige Protagonisten, die es einem nicht leicht machen sie zu mögen. Aber sie wissen zu faszinieren und das macht für mich eine gute Lektüre aus. Obwohl sie einige Facetten zeigen, lässt die Autoren bei ihnen und in ihrer Erzählung bewusst Leerstellen und beleuchtet nur die Aspekte, auf die es ihr ankommt. Die Geschichte fliegt daher nur so dahin, schockiert mit harten Kontraste zwischen Arm und Reich, Männern und Frauen in einer muslimisch geprägten Welt, die sich mir durch die Autoren ein wenig erschlossen hat.

Kann Sarah Driss erobern oder wird sie sich in ihrer eigenen Falle fangen?

Der Roman hat mich beeindruckt und nachdenklich zurückgelassen. Auch sein Ende wurde von der Autorin gelungen durchkomponiert, konnte mich allerdings nicht völlig zufriedenstellen.

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Veröffentlicht am 18.04.2022

Stadt der Dschinn

Die Stadt aus Messing
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"Es hatte sie als Kind Jahre...gekostet, um überhaupt zu begreifen, wie sehr sie sich von den Menschen um sich herum unterschied;" heißt es zu Beginn über die junge Nahri, die sich auf den Straßen Kairos ...

"Es hatte sie als Kind Jahre...gekostet, um überhaupt zu begreifen, wie sehr sie sich von den Menschen um sich herum unterschied;" heißt es zu Beginn über die junge Nahri, die sich auf den Straßen Kairos mit Diebereien und seltsamen Beschwörungen über Wasser hält. Doch woher stammt sie und warum beherrscht sie eine Sprache, die nur sie kennt? Als sich während eines ihrer Rituale ein Wesen, das sie für einen kriegerischen Feuergeist hält, manifestiert, ist das noch lange nicht die größte Überraschung, die Nahri im Laufe dieses Buches zu verkraften hat. Denn bald findet sie sich mit Dara, so der Name des Beschworenen, auf der Flucht vor Ifriten und anderen Elementarwesen auf dem Weg nach Davabad, einer Stadt der Dschinn.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Nahris Sicht erzählt und der des Prinzen Ali, der im intriganten Devabad zu den Quatani, der herrschenden Dschinn-Klasse gehört. Erst nach und nach habe ich mich in dieser von der Autorin überwältigend farbenprächtig, vielfältig und fantasievoll gestalteten Welt zurechtgefunden. Dann war ich aber hemmungslos verliebt und so froh, dass bereits der zweite Teil erschienen ist. Vor allem mit Dara hat Charkraborty einen Protagonisten geschaffen, der so wunderbar zwiespältig, anziehend und rätselhaft ist, wie ich es bisher nur selten erleben durfte. Aber auch mit Nahri und Ali muss man einfach mitfiebern. Wie sehr sich die Ereignisse am Ende überschlagen, konnte ich unmöglich voraussehen. Sowohl für Nahri als auch für mich sind noch so viele Geheimnisse zu lüften, dass ich mich auf den nächsten Teil unbändig freue.

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Veröffentlicht am 17.04.2022

Märchen ohne Zauber

Future Fairy Tales – Geschichten aus einer anderen Welt
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Grundsätzlich gefällt mir die Idee, Märchen der Gebrüder Grimm verfremdet in die Zukunft zu versetzen. Auch dass dabei unterschiedliche Erzählformen zum Einsatz kommen, erschien mir lesenswert.

Diesen ...

Grundsätzlich gefällt mir die Idee, Märchen der Gebrüder Grimm verfremdet in die Zukunft zu versetzen. Auch dass dabei unterschiedliche Erzählformen zum Einsatz kommen, erschien mir lesenswert.

Diesen Ansatz hat die Autorin allerdings wirklich sehr konsequent weiterverfolgt. Geboten wurde ein Märchen als Lied, in Drehbuchform, als Blog usw. Leider hat sich daher das auf dem Buchrücken angeführte Zitat "Wie man richtig schreibt? Holly-Jane Rahlens weiß es." nicht recht unter Beweis stellen können. Richtiger Lesefluss kam nur selten auf. Die wirklich nur sehr lose auf den bekannten Märchen basierenden Texten verloren dadurch und durch die Transformation in die Zukunft irgendwie all ihren gewohnten Charme. Nur wenige Idee haben sich mir für längere Zeit eingeprägt. Die eingestreuten pseudowissenschaftlichen Analysen der Geschichten, die einen Blick in eine sehr gewandelte Welt zeigten, fand ich dagegen durchaus raffiniert.

Eigentlich hat das großformatige Design das Zeug zum Märchenbuch. Aber auch die Illustrationen im Innenteil, ebenso wie das Cover, die wohl von Studierenden verschiedenen Hochschulen stammen, wirkten uneinheitlich und eher unschön. Hinzu kam die extrem gegenderte Sprache. Anstelle männlich geprägter Begriffe trat hier immer wieder ausschließlich die weibliche Form (z.B. Sponsorinnen), was ich dann auch nicht besser finde. Wirklich störend aber waren Stilblüten wie "vorbeigehende Zufußgehende". Wirklich alles andere als märchenhaft!

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Veröffentlicht am 12.04.2022

Auf zu neuen Ufern

Das Lied des Himmels und der Meere
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Im Jahr 1872 macht sich die junge Emma Callsen per Schiff auf nach Amerika. Die "gute Partie", die ihre Mutter für sie im Sinn hätte, kann sie nicht begeistern. Lieber sucht sie ihr Glück als Gesellschafterin ...

Im Jahr 1872 macht sich die junge Emma Callsen per Schiff auf nach Amerika. Die "gute Partie", die ihre Mutter für sie im Sinn hätte, kann sie nicht begeistern. Lieber sucht sie ihr Glück als Gesellschafterin in Kalifornien. Doch auf einem dortigen Tanztee lernt sie sehr schnell den Dänen Lars kennen und mögen....

Die Geschichte fliegt nur so dahin, wie ein Schiff über die Wellen. Zu Beginn hat mir Emma sehr gefallen und ich habe mit ihr mit gefiebert. Leider hat sich dies zum Ende hin etwas gegeben. Scheint Emma zunächst noch ihrer Zeit voraus, verliert sie sich im Laufe des Buches immer mehr in der Rolle der patenten, nähenden, backenden und kochenden Hausfrau. Liebesgefühlsverwirrungen, die viel Potential geboten hätten, sind für Emma anscheinend eher oberflächlicher Natur, wodurch sie als Protagonistin für mich deutlich verloren hat. Einige Handlungsstränge hätten besser beleuchtet werden können, wenn Emmas Briefe an die Schwester in der Heimat Neues geboten hätten und nicht überwiegend Ereignisse, die die Leser schon miterlebt haben. Selbst Todesfälle können Emma kaum erschüttern; das war mir dann doch zu stoisch.

Dennoch hat mich das Buch gut unterhalten und interessante Einblicke in Auswanderungen im 19. Jahrhundert geboten.

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