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Veröffentlicht am 03.11.2021

Visionär

Die andere Hälfte der Welt
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Die Autorin verrät im Nachwort, dass sie mit dem Schreiben des Buches bereits 2018 begann. Es ist also ein bemerkenswerter Zufall, dass das Erscheinen nun in die Corona-Pandemie fiel. Doch das von Christina ...

Die Autorin verrät im Nachwort, dass sie mit dem Schreiben des Buches bereits 2018 begann. Es ist also ein bemerkenswerter Zufall, dass das Erscheinen nun in die Corona-Pandemie fiel. Doch das von Christina Sweeney-Baird entworfene Szenario ist noch um so vieles düsterer. Vernichtet doch hier ein hochansteckendes Virus in sehr kurzer Zeit 90 % der männlichen Weltbevölkerung. Plötzlich wird die Erde ein Planet der Frauen. In dieser neuen Welt haben nicht nur sie, sondern auch die verbliebenen Männern Mühe, sich zurechtzufinden.

Die Autorin arbeitet mit einer Fülle an Protagonisten und Szenarien an verschiedensten Orten. Da ist die schottische Medizinerin Amanda, die Patient Null behandelt. Die Soziologin Catherine, die Geschichten über die Pandemie zu sammeln beginnt. Wir begleiten Behördenvertreter und Forscher auf der verzweifelten Suche nach einem Impfstoff und männliche Zwillinge, die auf einem Schiff vor Island festsitzen, das sich aus Angst vor der Seuche nicht in den Hafen wagt. Nach und nach verliert ein Großteil der Frauen Väter, Ehemänner, Brüder, Söhne, Freunde und Liebhaber. Diese verstörenden Entwicklungen sind in Buchform auszuhalten, da sich durch die Vielzahl an handelnden Personen auch eine gewisse Episodenhaftigkeit und ein damit einhergehender Abstand einstellt. So bleiben die Entwicklungen zwar packend bis zum Schluss, doch das Mitfiebern mit einzelnen Personen wird gleichzeitig begrenzt. Ich persönlich hätte mir noch ein paar erdachte wissenschaftliche Details übrer das Virus, das den Namen Männerpest bekommt gewünscht. Obwohl viele Leute früher nichts über Coronaviren wussten, hat sich ja auch dieser Begriff ultraschnell in den allgemeinen Sprachgebrauch integriert. Hier hätte die Autorin für mich noch ein wenig fiktive Authentizität schaffen können.
Fazit: ein brandaktuelles, spannendes Lesevergnügen!

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Veröffentlicht am 31.10.2021

Heimliches Crossover

Flame & Arrow, Band 1 - Drachenprinz
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Drachen und Elfen - man sollte meinen, man könne damit bei mir nicht allzuviel falsch machen. Mit seinen Drachenschuppen ist das Buch auch einfach wunderschön gestaltet. Eine ähnlich glückliche Hand hätte ...

Drachen und Elfen - man sollte meinen, man könne damit bei mir nicht allzuviel falsch machen. Mit seinen Drachenschuppen ist das Buch auch einfach wunderschön gestaltet. Eine ähnlich glückliche Hand hätte ich der Autorin Sandra Grauer gewünscht, von deren "Clans von London"-Reihe ich den ersten Teil bereits kenne. Leider wurde ich nicht gewarnt, dass die Clans-Figuren auch in diesem Buch auftauchen würden. Daher wurde ich nicht nur für den zweiten Clans-Teil unfreiwillig gespoilert, sondern traf zudem auf Handlungsstränge, die irgendwie unfertig wirkten. Das war nicht nur der Fall, als Drachen und Elfen auf die Hexenclans trafen. Wie ich dem Nachwort entnommen habe, stammt auch ein Hexen-/Drachen-Liebespaar aus einem der früheren, mir unbekannten Buch der Autorin. Daher lief die Geschichte immer wieder unrund.

Ähnliches muss ich leider bezüglich der Haupt-Protagonisten sagen. Die Story wird abwechselnd in der Ich-Perspektive von der Drachen-Prinzessin Sharni und der Elfenkriegerin Kailey berichtet. Dann gibt es noch Sharnis Bruder, den Drachenprinzen Aiden. Seine Kapitel werden in der dritten Person abgefasst. Dennoch konnte ich zu ihm noch am ehesten eine Verbindung aufbauen, wenn er auch erschreckend blass geschildert wurde. Man hätte nicht nur aus seiner Figur viel mehr machen können, ist doch die Drachenform seine wahre Gestalt. Als Mensch mutierte Aiden leider ins äußert Beliebige. Vage Formulierungen wie "der innere Drache in ihm" machten es nicht besser.

Sharni und Kailey waren trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft für mich irgendwie austauschbar und ihre Kapitel nur inhaltlich auseinander zu halten. Denn Drachen und Elfen sind verfeindet, die Elfen spinnen Intrigen gegen die Drachen und Kailey wird auf Aiden angesetzt, um ihn auszuspionieren und ihm zu schaden. Sowohl Sharni als auch Kailey sind unbeherrscht und sprunghaft, wobei Sharni immerhin noch als Sympathieträgerin durchgeht.

Es werden wohl zahlreiche Leserinnen vergebens versuchen, mit Kailey warmzuwerden. Ihre Handlungen und Gefühle sind wenig nachvollziehbar und der schockierende Cliffhanger, in dem sicherlich ein tieferer Sinn liegt, am Ende des ersten Bandes macht es nicht besser. Auch die Liebesgeschichte konnte mich leider nicht einfangen. Warum Kailey und Aiden Gefühle füreinander entwickeln, blieb ebenso rätselhaft wie die Strategie von Aidens Vater, um seinen Sohn zu beschützen. Es entstand das Gefühl, dass er ganz sinnlos in Gefahr gebracht wird. Dem Trinity College als tollem Setting fehlte jegliche atmosphärische Dichte. Seine Studentenschaft schien aus einer Handvoll Personen zu bestehen und Vorlesungen spielten keinerlei Rolle.

So schade!


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Veröffentlicht am 29.10.2021

Rettet Ruby die Ranch?

Pferdeflüsterer-Mädchen, Band 3: Das verbotene Turnier
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Von Gina Mayer kenne ich bisher bereits die Pferdeakademie-Reihe, aber ich konnte problemlos auch hier einsteigen, obwohl es sich um Band 3 handelt, und war genauso angetan.

Wenn man die Geschichte liest, ...

Von Gina Mayer kenne ich bisher bereits die Pferdeakademie-Reihe, aber ich konnte problemlos auch hier einsteigen, obwohl es sich um Band 3 handelt, und war genauso angetan.

Wenn man die Geschichte liest, kann man immer kaum glauben, dass Gina Mayer selbst nicht reitet, wie es hinten im Buch angegeben ist. Die Story ist auch diesmal wieder kenntnisreich durchdacht und besticht mit Pferdeflüsterer-Wissen, also von der Lehre, mit Pferden als Mitgeschöpfe und nicht als Sportgeräte umzugehen. Am Schluss finden sich sogar ein paar Basis-Übungen, die man mit einem Pferd nachmachen kann.

Auf der Ocean Ranch in Cornwall herrscht Aufregung. Obwohl den Betreibern zugesagt wurde, das Nachbargelände pachten zu können, um dort eine größere Reithalle zu bauen, soll dort plötzlich ein Flughafen entstehen! Damit würden die traumatisierten Pferde, an deren Heilung dort gearbeitet wird, nicht klarkommen. Der Eigentümer des Geländes geht mit der jungen Ruby eine heikle Wette ein: Nur wenn sie ein Turnier in ihrer Altersklasse gewinnt, wird er seine ursprüngliche Zusage einhalten. Doch Turnierteilnahmen sind eigentlich für Reiter der Ocean Ranch verboten, gelten diese doch als wenig pferdefreundlich. Muss Ruby all ihre Pferdeflüsterer-Grundsätze über Bord werfen?

Die Geschichte macht wieder bis hin zur Ausarbeitung der Neben-Charaktere durchweg Spaß und das Buch ist zudem sehr ansprechend gestaltet. Als schon lange erwachsenes "Pferdemädel" für die es kaum derartige Bücher zugeschnitten auf die eigene Altersgruppe gibt, würde ich mir nur wünschen, dass den Jugendbuch-Autorinnen mehr Raum gegeben werden würde, denn die Geschichten gehen immer viel zu schnell zu Ende!

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Bilderbuch

Der Junge, der Kaiser werden sollte
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Mir war ehrlich gesagt nicht klar, dass es sich hier um eine Art Bilderbuch handelt würde, dass in wenigen Minuten gelesen war und bei einem komplexen, interessanten Thema wie der Stoa natürlich so extrem ...

Mir war ehrlich gesagt nicht klar, dass es sich hier um eine Art Bilderbuch handelt würde, dass in wenigen Minuten gelesen war und bei einem komplexen, interessanten Thema wie der Stoa natürlich so extrem an der Oberfläche bleibt.

Erzählt wird sehr kurz und detailarm die Geschichte von Marcus Aurelius, der vom römischen Kaiser Hadrian im zweiten Jahrhundert nach Christus mangels eigener Nachkommen als dessen Nachfolger ausgewählt wird. Marcus wird weise unterrichtet, vor allem in den Tugenden der Mäßigkeit, Gerechtigkeit und Weisheit und des Mutes. So wächst er zu einem edlen Herrscher heran, der die Macht selbstlos mit seinem Bruder teilt und viel für die armen tut.

Und das war es leider auch schon. Leider konnte ich daher aus dem Buch nichts Neues mitnehmen. Ich frage mich auch, wer die Zielgruppe des Buches ist.

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Veröffentlicht am 24.10.2021

"Genug Boshaftigkeit, um den Himmel zu vergiften"

Der Tod und das dunkle Meer
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"Der Meister des Plott-Twists ist zurück", bewirbt der Buchrücken die Geschichte. Und tatsächlich hat sich Stuart Turton hier im Vergleich zu "Evelyn Hardcastle" selbst übertroffen. Noch einmal präsentiert ...

"Der Meister des Plott-Twists ist zurück", bewirbt der Buchrücken die Geschichte. Und tatsächlich hat sich Stuart Turton hier im Vergleich zu "Evelyn Hardcastle" selbst übertroffen. Noch einmal präsentiert er eine Story, die sich sturen Genre-Klassifizierungen entzieht. Diesmal haben mich seine Protagonisten, allen voran das Ermittler-Duo Arent Hayes und Sammy Phipps, sogar noch mehr in ihren Bann gezogen.

Mit einer düsteren Prophezeiung, ausgestoßen aus dem Mund eines Aussätzigen, der dann in Flammen aufgeht, beginnt das Abenteuer. Tatsächlich hat es schon bald den Anschein, als gehe ein gefährlicher Dämon um auf der Saardam, einem Frachtschiff auf der Reise vom exotischen Batavia nach Amsterdam. Ist es nur Zufall, dass sich ausgerechnet die beiden berühmten Ermittler an Bord befinden? Arent scheint auf seltsame Weise selbst in das Geschehen verwickelt, dabei ist der Zweck seiner Reise doch eigentlich seinen Freund und Auftraggeber Sammy Phipps zu beschützen. Kein leichtes Unterfangen, denn Sammy wurde für ein unbekanntes Kapitalverbrechen verhaftet und verbringt den Großteil des Tages in einer winzigen Zelle. Kann es unter diesen Bedingungen gelingen, die grusligen Vorgänge aufzuklären?

Neben atmosphärischer Dichte und wunderbar düsteren Metaphern wartet Turton auch mit starken Frauenfiguren auf. Wieder ein ungewöhnliches Lesevergnügen, das zu überraschen weiß und auch mit über 600 Seiten ruhig noch hätte weitergehen können. Mir wurde es nicht langweilig.

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