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Veröffentlicht am 21.12.2024

Geschaffen um zu vernichten

Die 13 Tode der Lulabelle Rock
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Die Porträts sind leicht zu erkennen, nicht nur wegen ihrer Schönheit. Sie haben etwas Gekünsteltes an sich, eine seltsame Stille umgibt sie, selbst wenn sie umherlaufen und reden. Sie wirken, als seien ...

Die Porträts sind leicht zu erkennen, nicht nur wegen ihrer Schönheit. Sie haben etwas Gekünsteltes an sich, eine seltsame Stille umgibt sie, selbst wenn sie umherlaufen und reden. Sie wirken, als seien alle ihre Bewegungen aus einer endlos langen Fotoserie zusammengestellt."



Die Schauspielerin Lulabelle Rock hat von sich 13 Porträts erschaffen lassen. Porträts sind eine Art Klone, die ihren Originalen unangenehme Aufgaben abnehmen. Doch nun soll Schluss damit sein, denn Nr. 13 wurde einzig erschaffen, um ihre zwölf Vorgängerinnen zu "entsorgen"....



Wir folgen der bewaffneten 13, die durch die Stadt Bubble City irrt. Für 13 ist diese Welt genauso neu wie für die Lesenden, wodurch ein ganz eigener Reiz entsteht. Schade nur, dass kaum Zeit für ein Worldbuilding aufgewendet wird, was Bubble City etwas kulissenhaft Skizzenartiges gibt. Während 13 allmählich Bewusstsein und Identität ausbildet, spielt die Story mit existentiellen Fragen, ohne ihnen wirklich Tiefe zu verleihen, was angesichts des rasenden Tempos, mit dem sich 13 durch die Porträts arbeitet, auch kaum möglich wäre. Trotzdem bleibt die Story bis zum Schluss fesselnd, auch wenn viele Fragen offen bleiben. Mit Blade Runner bzw. der berühmten Klassiker-Buchvorlage "Träumen Roboter von elektrischen Schafen" kann das Buch leider nicht mithalten und wirkt im.Vergleich dann eher selbst wie ein Porträt.



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Veröffentlicht am 15.12.2024

Herrschaft der Farben

Dynasty of Hunters, Band 1 - Von dir verraten
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Das Wort Pageturner habe ich lange nicht verwendet und verbinde es sonst eher mit Thrillern. Dieses Buch hat sich für mich aber tatsächlich als Pageturner entpuppt. Die Autorin hat hier einfach alles richtig ...

Das Wort Pageturner habe ich lange nicht verwendet und verbinde es sonst eher mit Thrillern. Dieses Buch hat sich für mich aber tatsächlich als Pageturner entpuppt. Die Autorin hat hier einfach alles richtig gemacht und hat mich durchweg begeistert.

Die junge Adlige Laelia gehört einer Dynastie an, in der die Herrschenden die Bürgerlichen mit ihrer Familienfarbe auf magische Weise zeichnen. Es gehört quasi zum Ritual des Erwachsenwerdens, einen Bürgerlichen so in einer Jagd zu unterwerfen und zum Diener zu machen. Doch als Laelia das Los ihres Gejagten ziehen will, geschieht das noch nie Dagewesene: Sie zieht selbst das Los einer Gejagten. Und ihr Jäger ist ausgerechnet ihr Freund Laurent.

Mit der Ankunft auf der Insel Arc-en-Ciel, auf der die Jagd traditionell stattfindet, nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf. Die Schilderung, wie Laelia sich in ihrer neuen Rolle zurechtfinden und erkennen muss, dass kaum etwas ist, wie es schien, ist rundum gelungen. Und auch das Worldbuilding, das nun um die farbenprächtige Insel erweitert wird, punktet auf ganzer Linie.

Laelia ist eine ebenso sympathische wie starke Protagonistin. Auch die Nebencharaktere sind plastisch ausgearbeitet, so dass man je nach ihrer Rolle schnell entsprechende Gefühle entwickelt.

Bis zum packenden Ende habe ich mitgefiebert und natürlich gibt es einen Cliffhanger, der noch ungeduldiger auf den zweiten Teil warten lässt. Wie ich gesehen habe, wird dieser vom Verlag erneut wunderschön gestaltet.

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Die Flamme der Magie

We hunt the Flame
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"Die Stimme des Herrschers von Arawiya war für ihn wie eine Schlange, die sich leise in seine Adern schlich, um sein Herz mit ihrem Gift zu durchsetzen."

Nasir ist nicht nur der Kronprinz von ...

"Die Stimme des Herrschers von Arawiya war für ihn wie eine Schlange, die sich leise in seine Adern schlich, um sein Herz mit ihrem Gift zu durchsetzen."

Nasir ist nicht nur der Kronprinz von Arawiya, sondern auch Mörder im Auftrag seines Vaters, der ihn zu diesen Taten erpresst.
Zafira lebt in einem Kalifat, in dem Frauen sehr wenig gelten. Insgeheim versorgt sie, als Jäger in Männerkleidung, ihre Landsleute mit Wild aus dem tückischen Wald Arz, aus dem niemand sonst je den Rückweg findet und der allmählich alles zu verschlingen droht. Von einer mächtigen Zauberin erhält sie den Auftrag, auf der geheimnisvollen Insel Sharr ein Buch zu finden. Dieses Buch soll die Kraft besitzen, Magie in die unter Schnee und den Bäumen des Arz versinkende Welt zurückzubringen. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Deen macht sich Zafira auf die Reise, ohne zu ahnen, dass Nasir beauftragt ist, ihr das mächtige Buch abzujagen....

Ich hoffe so sehr, dass es noch lange Bücher wie dieses geben wird. Die sich Zeit nehmen, ihre Protagonisten einzuführen und ihnen Leben einzuhauchen. In denen sich Nebenfiguren tummeln, die man so lieb gewinnt, dass man sich wünscht, sie mögen zur Hauptfigur werden. In denen man auf ein wunderbar komplexes Worlbuilding trifft, dass wohl die kurze Aufmerksamkeitsspanne mancher Lesenden überfordern könnte. Ich habe den äußerst geschliffenen, bildreichen Stil mit seiner atmosphärischen Dichte sehr genossen. Die Idee einer Welt, die unter einer Magiedürre leidet, fand ich faszinierend. Wie wunderbar, dass man der Geschichte nach den überraschenden Wendungen im letzten Teil des Buches in "We free the Stars" weiter folgen kann.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Wunder und Schrecken

The Hollow Places
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Nach ihrer Scheidung sucht Kara Zuflucht im Museum der Wunder ihres Onkels. Das Museum ist voller kurioser Sammlungsstücke und vermutlich eher gefälschter Artefakte, war für Kara aber immer eine Heimat. ...

Nach ihrer Scheidung sucht Kara Zuflucht im Museum der Wunder ihres Onkels. Das Museum ist voller kurioser Sammlungsstücke und vermutlich eher gefälschter Artefakte, war für Kara aber immer eine Heimat. Als sich plötzlich ein Loch in der Wand auftut, hätte sie niemals damit gerechnet, dass es in eine fremde Welt führen könnte. Gemeinsam mit dem Barista Simon von nebenan kann sie nicht widerstehen, hindurchzugehen. Woher stammt das Loch? Was verbirgt sich darin? Und wird es einen Weg zurück geben?

T. Kingfishers Geschichten zeichnen sich nicht nur durch Einzigartigkeit aus. Es ist auch sehr wohltuend, dass man es nicht mit blutjungen Protagonisten zu tun bekommt, sondern mit Menschen, die bereits mitten im Leben stehen und alles andere als stromlinienförmig sind. Karas Gedanken und ihre Dialoge mit Simon sind zudem voller Wortwitz und trockenem Humor, was die Story immer wieder auflockert.

Die Beschreibung der fremden Welt ist ein kleines atmosphärisches Meisterstück. Das Grauen sichert fast unmerklich in die Handlung und weist Anklänge an klassische Horrorstories auf, die Fans des Genres erkennen werden.

Wieder einmal freue ich mich auf die Übersetzung weiter ungewöhnlicher Romane von T. Kingfisher.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Eulen am Karmesinhof

Die Sonnenfeuer-Ballade 2: A Storm to Kill a Kiss
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Das Buch hat mich ziemlich zwiegespalten zurückgelassen. Schreibstil und Worldbuilding haben mir so gut gefallen wie schon beim ersten Teil der Sonnenfeuer-Ballade-Trilogie. Mit der Reise an ...

Das Buch hat mich ziemlich zwiegespalten zurückgelassen. Schreibstil und Worldbuilding haben mir so gut gefallen wie schon beim ersten Teil der Sonnenfeuer-Ballade-Trilogie. Mit der Reise an den Karmesinhof der Monarchin gab es auch mehr zu beschreiben und zu sehen als im durch Schneemassen abgeschlossenen Herbergen-Setting des ersten Bandes. Stand dort noch ein Mordfall im Mittelpunkt, gilt es für Sintha und Arez nun das Rätsel zu lösen, wer sich hinter der Stimne in den Schatten verbirgt, die Arez' Bruder in den Tod getrieben hat. Im Zentrum des Verdachts stehen schnell die sogenannten Eulen, vier mächtige Angehörige des Hofs.

Die Geschichte hatte immer dann ihre Stärken, wenn die Handlung weiter auf der Spur der Rätsel voranschritt. Auch Sinthas Herkuft als letzte Onyde rückte erneut ins Zentrum und sorgte fürs spannende Momente.

Gar nicht gefallen hat mir aber über weite Strecke die Beziehung zwischen Sintha und Arez, die dafür sorgte, dass mir Arez regelrecht unsympathisch wurde. Lange Zeit steigert er sich in Vorwürfe an Sintha wegen des Todes seines Bruders starrköpfig hinein, um dann plötzlich umzuschwenken, Sintha aber weiter zu bevormunden und alle paar Seiten über seine Schulter zu werfen oder einzusperren. Ich hätte mir echt gewünscht, dass Sintha mit dem Minnesänger oder dem süßen Irrlicht durchbrennt.

Dennoch gab es einige interessante Wendungen, die mich neugierig auf den Fortgang der insgesamt guten Geschichten gemacht haben.

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