Viel Potenzial, wenig Wirkung
I Am FuryIch habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut, vor allem wegen des pakistanisch inspirierten Settings, da ich so etwas bisher noch nicht gelesen habe. Umso enttäuschter bin ich leider, dass mich die ...
Ich habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut, vor allem wegen des pakistanisch inspirierten Settings, da ich so etwas bisher noch nicht gelesen habe. Umso enttäuschter bin ich leider, dass mich die Geschichte am Ende überhaupt nicht emotional erreichen konnte.
Mein erstes Problem hatte ich tatsächlich schon mit dem Einstieg, weil manche Dinge direkt zu Beginn sehr unlogisch auf mich wirkten. Dadurch wurde meine Vorfreude leider direkt etwas geschmälert, obwohl ich wirklich versucht habe, darüber hinwegzusehen.
Dabei hat die Geschichte mit ihrem zentralen Thema eigentlich unglaublich viel Potenzial. Rache bietet so viel Raum für Tragik, starke Emotionen und moralische Konflikte, doch genau das wurde für mich nie wirklich ausgeschöpft. Gerade im Mittelteil hatte ich oft das Gefühl, dass die Handlung eher vor sich hinplätschert, obwohl die Geschichte eigentlich so intensiv hätte sein können.
Das Setting und auch das Magiesystem werden nicht besonders ausführlich erklärt, was mich hier überraschenderweise aber gar nicht gestört hat. Obwohl ich normalerweise sehr ausgearbeitete Magiesysteme liebe, kam ich mit den Beschreibungen gut zurecht. Die Magie blieb eher einfach, wirkte dabei aber trotzdem kreativ und atmosphärisch passend.
Mit der Lovestory konnte ich leider überhaupt nichts anfangen. Die Rückblicke in Danias früheres Leben waren zwar interessant, aber emotional hat mich die Beziehung zu Mazin einfach nicht erreicht. Vor allem weil die Romance sehr vorhersehbar war, ging für mich viel Spannung verloren. Dazu kommt, dass der angeblich so tiefe Hass teilweise fast komplett vergessen wirkte. Ehrlich gesagt hätte mir die Geschichte ohne Lovestory deutlich besser gefallen. Zwischen Dania und Noor habe ich stellenweise sogar mehr Spannung gespürt als zwischen Dania und Mazin.
Noor war gleichzeitig einer meiner liebsten und frustrierendsten Aspekte des Buches. Ihre Freundschaft mit Dania mochte ich wirklich sehr gerne und ich fand ihre Entwicklung miteinander schön umgesetzt. Gleichzeitig hatte ich aber oft das Gefühl, dass Noor eher als Mittel benutzt wurde, damit die Handlung funktioniert, statt wie eine vollständig ausgearbeitete Person zu wirken.
Allgemein blieben die Charaktere für mich leider zu blass. Genau deshalb konnte mich die Geschichte emotional überhaupt nicht erreichen und weder beim Lesen noch beim Hören habe ich wirklich etwas gefühlt. Gerade bei einem Buch, das sich so stark mit einem großen Thema wie Rache beschäftigt, hätte ich mir mehr emotionale Wucht gewünscht.
Deshalb hat mich auch das Ende enttäuscht. Ich hätte mir ein Ende gewünscht, das nachhallt, vielleicht etwas vermittelt oder einen länger beschäftigt. Stattdessen wirkte vieles auf mich viel zu einfach gelöst und am Ende sehr zugunsten der Protagonistin geschrieben, wodurch für mich ein großer Teil der emotionalen Wirkung verloren gegangen ist. Gerade bei einer Geschichte über Rache hätte ich mir mehr Konsequenzen, mehr Tragik oder zumindest mehr emotionale Tiefe gewünscht.
Was mich zusätzlich wirklich etwas sauer macht, ist die Vermarktung als „female rage“. Denn genau das habe ich hier absolut nicht bekommen. Für mich hat diese Geschichte mit echter female rage ehrlich gesagt nichts zu tun und diese Bezeichnung weckt einfach komplett andere Erwartungen.
Trotzdem glaube ich, dass viele andere Leser*innen Spaß mit dem Buch haben könnten, besonders wenn man lieber Romantasy als klassische Fantasy liest, Lust auf ein eher seltenes Setting hat, Geschichten über Rache spannend findet und Happy Ends mag.
Außerdem basiert die Geschichte wohl auf einer Nacherzählung von „Der Graf von Monte Christo“. Das Original habe ich selbst allerdings nicht gelesen, weshalb ich dazu nichts sagen kann.
Der Schreibstil war angenehm zu lesen und das Setting definitiv etwas Besonderes. Leider konnten diese Aspekte die emotionalen Schwächen der Geschichte für mich aber nicht ausgleichen.