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Samira0112

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Viel Potenzial, wenig Wirkung

I Am Fury
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Ich habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut, vor allem wegen des pakistanisch inspirierten Settings, da ich so etwas bisher noch nicht gelesen habe. Umso enttäuschter bin ich leider, dass mich die ...

Ich habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut, vor allem wegen des pakistanisch inspirierten Settings, da ich so etwas bisher noch nicht gelesen habe. Umso enttäuschter bin ich leider, dass mich die Geschichte am Ende überhaupt nicht emotional erreichen konnte.

Mein erstes Problem hatte ich tatsächlich schon mit dem Einstieg, weil manche Dinge direkt zu Beginn sehr unlogisch auf mich wirkten. Dadurch wurde meine Vorfreude leider direkt etwas geschmälert, obwohl ich wirklich versucht habe, darüber hinwegzusehen.

Dabei hat die Geschichte mit ihrem zentralen Thema eigentlich unglaublich viel Potenzial. Rache bietet so viel Raum für Tragik, starke Emotionen und moralische Konflikte, doch genau das wurde für mich nie wirklich ausgeschöpft. Gerade im Mittelteil hatte ich oft das Gefühl, dass die Handlung eher vor sich hinplätschert, obwohl die Geschichte eigentlich so intensiv hätte sein können.

Das Setting und auch das Magiesystem werden nicht besonders ausführlich erklärt, was mich hier überraschenderweise aber gar nicht gestört hat. Obwohl ich normalerweise sehr ausgearbeitete Magiesysteme liebe, kam ich mit den Beschreibungen gut zurecht. Die Magie blieb eher einfach, wirkte dabei aber trotzdem kreativ und atmosphärisch passend.

Mit der Lovestory konnte ich leider überhaupt nichts anfangen. Die Rückblicke in Danias früheres Leben waren zwar interessant, aber emotional hat mich die Beziehung zu Mazin einfach nicht erreicht. Vor allem weil die Romance sehr vorhersehbar war, ging für mich viel Spannung verloren. Dazu kommt, dass der angeblich so tiefe Hass teilweise fast komplett vergessen wirkte. Ehrlich gesagt hätte mir die Geschichte ohne Lovestory deutlich besser gefallen. Zwischen Dania und Noor habe ich stellenweise sogar mehr Spannung gespürt als zwischen Dania und Mazin.

Noor war gleichzeitig einer meiner liebsten und frustrierendsten Aspekte des Buches. Ihre Freundschaft mit Dania mochte ich wirklich sehr gerne und ich fand ihre Entwicklung miteinander schön umgesetzt. Gleichzeitig hatte ich aber oft das Gefühl, dass Noor eher als Mittel benutzt wurde, damit die Handlung funktioniert, statt wie eine vollständig ausgearbeitete Person zu wirken.

Allgemein blieben die Charaktere für mich leider zu blass. Genau deshalb konnte mich die Geschichte emotional überhaupt nicht erreichen und weder beim Lesen noch beim Hören habe ich wirklich etwas gefühlt. Gerade bei einem Buch, das sich so stark mit einem großen Thema wie Rache beschäftigt, hätte ich mir mehr emotionale Wucht gewünscht.

Deshalb hat mich auch das Ende enttäuscht. Ich hätte mir ein Ende gewünscht, das nachhallt, vielleicht etwas vermittelt oder einen länger beschäftigt. Stattdessen wirkte vieles auf mich viel zu einfach gelöst und am Ende sehr zugunsten der Protagonistin geschrieben, wodurch für mich ein großer Teil der emotionalen Wirkung verloren gegangen ist. Gerade bei einer Geschichte über Rache hätte ich mir mehr Konsequenzen, mehr Tragik oder zumindest mehr emotionale Tiefe gewünscht.

Was mich zusätzlich wirklich etwas sauer macht, ist die Vermarktung als „female rage“. Denn genau das habe ich hier absolut nicht bekommen. Für mich hat diese Geschichte mit echter female rage ehrlich gesagt nichts zu tun und diese Bezeichnung weckt einfach komplett andere Erwartungen.

Trotzdem glaube ich, dass viele andere Leser*innen Spaß mit dem Buch haben könnten, besonders wenn man lieber Romantasy als klassische Fantasy liest, Lust auf ein eher seltenes Setting hat, Geschichten über Rache spannend findet und Happy Ends mag.

Außerdem basiert die Geschichte wohl auf einer Nacherzählung von „Der Graf von Monte Christo“. Das Original habe ich selbst allerdings nicht gelesen, weshalb ich dazu nichts sagen kann.

Der Schreibstil war angenehm zu lesen und das Setting definitiv etwas Besonderes. Leider konnten diese Aspekte die emotionalen Schwächen der Geschichte für mich aber nicht ausgleichen.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Atmosphärisch bis zur letzten Seite

Was die Toten bewegt (Eine packende und atmosphärische Nacherzählung von Edgar Allan Poes Klassiker "Der Untergang des Hauses Usher")
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Das war mein drittes Buch von T. Kingfisher und ich wurde wieder nicht enttäuscht. Mal wieder schafft sie es mit ihrem wirklich besonderen Schreibstil, den Charme der Geschichte auf eine ruhige und zugleich ...

Das war mein drittes Buch von T. Kingfisher und ich wurde wieder nicht enttäuscht. Mal wieder schafft sie es mit ihrem wirklich besonderen Schreibstil, den Charme der Geschichte auf eine ruhige und zugleich eindringliche Weise einzufangen, sodass sich die Atmosphäre fast unbemerkt unter die Haut schiebt. Obwohl ich die Originalgeschichte von Edgar Allan Poe nicht gelesen habe, konnte ich vollkommen in diese Welt eintauchen.

Besonders spannend fand ich die nicht binäre Hauptfigur. Dieser Aspekt war für mich sehr interessant und stimmig umgesetzt. Durch den Austausch habe ich außerdem mitbekommen, dass es in der deutschen Übersetzung eine Ungenauigkeiten bei den Pronomen gibt, was ich etwas schade finde, da es die Darstellung unnötig verwässert.

Auch das Worldbuilding hat mir gut gefallen, vor allem die Einblicke in die Kultur der Hauptfigur, die sich sehr durchdacht anfühlen und der Geschichte eine zusätzliche Ebene geben, ohne je erklärend zu wirken.

Ich fand es beeindruckend, wie schleichend sich die Atmosphäre und der Grusel aufbauen. Es ist kein durchgehend intensiver Horror, aber genau diese leisen, stetig wachsenden Momente haben bei mir Wirkung gezeigt und mir immer wieder Schauer beschert.

Insgesamt war das Zusammenspiel aus Schreibstil, Atmosphäre und Figuren für mich wirklich wunderbar und hat sich sehr stimmig angefühlt. Nur am Ende hat mir persönlich noch etwas gefehlt, da es für meinen Geschmack zu geradlinig ausfällt und ich mir noch eine Wendung gewünscht hätte. Trotzdem freue ich mich schon sehr auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Solide Story mit überraschendem Ende

That's Not My Name
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Die Geschichte hat mich direkt mit einem eindringlichen und spannenden Einstieg abgeholt, auch wenn ich trotzdem kurz gebraucht habe, um richtig reinzukommen, weil die Spannung schnell etwas abgeflacht ...

Die Geschichte hat mich direkt mit einem eindringlichen und spannenden Einstieg abgeholt, auch wenn ich trotzdem kurz gebraucht habe, um richtig reinzukommen, weil die Spannung schnell etwas abgeflacht ist.

Besonders mochte ich, dass Rassismus im Justizsystem thematisiert wird und der Geschichte trotz seines eher kleinen Anteils eine zusätzliche Ebene gibt. Die wechselnden Perspektiven haben mir sehr gut gefallen, weil sie so unterschiedlich und gleichzeitig beide unglaublich erschütternd sind. Dieses Hin und Her zwischen den Teenagern hat bei mir ein dauerhaft beklemmendes Gefühl hinterlassen. Gerade Marys Sicht wurde für mich mit der Zeit immer gruseliger.

Im Mittelteil hat sich die Geschichte stellenweise etwas gezogen und einige Gedanken haben sich wiederholt. Auch die Entwicklung der Story war für mich recht vorhersehbar. Trotzdem bleibt es ein klassischer Jugendthriller, in dem Jugendliche selbst ermitteln, auch wenn das nicht immer ganz realistisch wirkt.

Der Plot Twist am Ende hat dann aber nochmal einiges rausgeholt, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe und komplett schockiert war. Auch das Ende selbst ist im Vergleich zum Rest deutlich actionreicher und bringt nochmal richtig Tempo rein.

Die Charaktere sind eher flach, was mich hier aber gar nicht gestört hat, da der Fokus klar auf der Handlung und der Spannung liegt. Insgesamt fand ich das Buch sehr unterhaltend und perfekt, um es an einem Nachmittag wegzusnacken.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Skurril, roh und unfassbar fesselnd

The Devils
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Am Anfang war es ein wenig schwierig reinzukommen. Acht Charaktere, ständig wechselnde Perspektiven und dieses epische Setting machen es einem nicht leicht. Ich brauchte etwas Zeit, um mich zurechtzufinden, ...

Am Anfang war es ein wenig schwierig reinzukommen. Acht Charaktere, ständig wechselnde Perspektiven und dieses epische Setting machen es einem nicht leicht. Ich brauchte etwas Zeit, um mich zurechtzufinden, aber genau das hat sich am Ende auch gelohnt, weil sich alles nach und nach entfaltet.

Der Schreibstil ist unfassbar fesselnd und schafft etwas, das ich so selten erlebe. Trotz der brutalen und düsteren Atmosphäre liegt eine gewisse Leichtigkeit über allem. Es ist blutig, rau und oft erschreckend, aber gleichzeitig so unterhaltsam, dass es sich nie erdrückend anfühlt.

Besonders hängen geblieben ist für mich der Humor. Er ist vulgär, düster, stellenweise obszön und genau dadurch so skurril, dass ich immer wieder schmunzeln musste. Dieses Zusammenspiel aus Gewalt und Humor gibt der Geschichte eine ganz eigene Dynamik.

Die Charaktere wirken unglaublich ausgearbeitet und entwickeln sich auf eine Weise, die sich echt anfühlt. Vor allem das langsame Zusammenwachsen hat mir richtig gut gefallen. Dieser Found Family Aspekt ist so wunderbar umgesetzt und macht viele Momente noch intensiver. Auch zwischenmenschlich gibt es einige Überraschungen. Es entwickelt sich sogar mehr als eine Lovestory, darunter auch eine sapphic, womit ich zu Beginn nicht gerechnet hätte.

Das Worldbuilding hat mich ebenfalls überzeugt. Es fühlt sich vertraut an, weil es ein mittelalterliches Europa widerspiegelt, aber gerade die Veränderungen innerhalb der Kirche bringen spannende neue Strukturen rein und eröffnen Raum für Gesellschaftskritik, ohne dass es zu komplex wird.

Die Handlung selbst ist im Kern eine Mission, die immer wieder aus dem Ruder läuft. Genau das macht sie so spannend, weil nichts wirklich glatt läuft und man ständig neue, durch ihre Skurrilität interessante Wendungen bekommt.

Ich habe das Hörbuch gehört und durch die Länge ist es ein fester Teil meines Alltags geworden. Umso schwerer fiel es mir, es loszulassen. Das Ende passt unglaublich gut zur Geschichte und hat meine Vorfreude auf die nächsten Bände nur noch verstärkt. Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder in diese Welt zurückzukehren.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine leise aber starke Reise

The Empress of Salt and Fortune: (Die Chroniken von Chih)
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Ich wusste wirklich nicht, was mich bei dieser Geschichte erwartet und genau dieses Gefühl hat mich durch das ganze Buch begleitet. Es ist leise und gleichzeitig so eindringlich, fast alles passiert zwischen ...

Ich wusste wirklich nicht, was mich bei dieser Geschichte erwartet und genau dieses Gefühl hat mich durch das ganze Buch begleitet. Es ist leise und gleichzeitig so eindringlich, fast alles passiert zwischen den Zeilen und genau da hat es mich am meisten berührt. Ich hatte oft das Gefühl, etwas nicht ganz greifen zu können und trotzdem hat es eine starke Wirkung hinterlassen.

Der Schreibstil ist besonders, aber nicht kompliziert. Man muss aufmerksam lesen und sich darauf einlassen, dass nicht alles direkt erklärt wird. Einige Stellen wollte ich direkt noch einmal lesen, weil sie so viel Tiefe hatten. Die Erzählweise gibt der Geschichte etwas sehr Intimes, fast so, als würde man selbst zuhören, wie Erinnerungen weitergegeben werden.

Besonders schön fand ich die Darstellung von Chih mit neutralen Pronomen und wie selbstverständlich das eingebunden wurde. Auch die Namen und Orte fühlen sich unglaublich lebendig an und tragen so viel Atmosphäre in sich. Alles wirkt durchdacht und gleichzeitig ein wenig geheimnisvoll.

Das Ende hat mich dann komplett überrascht. Ich habe es nicht kommen sehen und war trotzdem sofort überzeugt davon. Es ist kraftvoll, berührend und irgendwie auch tröstlich. Ich hatte wirklich Tränen in den Augen und musste danach erst einmal kurz innehalten.

Dieses Buch fühlt sich an wie eine Geschichte, die man nicht nur liest, sondern die direkt nachhallt. Es ist besonders, still und voller Bedeutung und ich bin jetzt schon so gespannt, wie es weitergeht. Es ist wirklich beeindruckend, was Nghi Vo in der Kürze des Buches geschaffen hat. 🥹

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