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Veröffentlicht am 21.03.2021

Ein antifeministisches Buch, das sich unter dem Deckmantel des Feminismu verbirgt

Sie hat Bock
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Inhalt:
Katja Lewina schreibt in erster Linie über sich und ihre Erfahrungen und bettet immer wieder sehr informative Kapitel ein. So zum Beispiel zu gleichberechtigten Beziehungen, zur Menstruation, der ...

Inhalt:
Katja Lewina schreibt in erster Linie über sich und ihre Erfahrungen und bettet immer wieder sehr informative Kapitel ein. So zum Beispiel zu gleichberechtigten Beziehungen, zur Menstruation, der richtigen Intimhygiene, der Pornoindustrie und dem Aufbau der Klitoris. Eine Triggewarnung vorweg (die fehlt nämlich im Buch): sexueller Missbrauch und die zum Glück kurz gefasste Schilderung einer Vergewaltigung sind ebenfalls Teil dieses Buches.

Meine Meinung:
Ich bin froh, bereits einige feministische Bücher gelesen zu haben und somit kann ich von mir behaupten, in diesem Buch nicht wirklich etwas Neues gelernt, aber dennoch ein paar andere Meinungen zu gewissen Themen erfahren zu haben. Und genau da liegt der Hund auch schon begraben. Katja Lewina schreibt ausschliesslich aus ihrer persönlichen Erfahrung und obwohl sie wissenschaftliche Informationen einbaut, bleibt sie in der Art, wie sie über Menschen schreibt, sehr stereotyp und oberflächlich. Sie teilt aus. Gegen Männer vor allem und dies in der Regel sehr schubladisierend und teilweise abwertend. Aber auch gegen Frauen. Ja, dieses Buch ist kein feministisches Buch, sondern ein antifeministisches Buch. Es spielt unterschiedliche Lebensformen und Frauen gegeneinander aus. Beispiele gefällig?

1. Katja Lewina lebt mit ihrem Mann in einer offenen Beziehung (die auch nur entstanden ist, weil ihr Mann sie damals betrogen hatte und sie beide dann erfahren haben, dass sie doch gerne noch weitere Menschen in ihre Betten lassen wollen, der Schmerz und die Enttäuschung über den Betrug und die Hörigkeit gegenüber ihres Mannes sind aber immer noch sehr spürbar. Ehrlich und mutig, wie ich finde, aber auch nicht unbedingt selbstbestimmt). So weit aber eigentlich nichts Neues, alle, wie sie wollen. Dass Lewina es nötig hat, monogam lebende Menschen als langweilige, prüde Menschen, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen und ihre wahre Natur nicht ausleben, darzustellen, finde ich ein wenig unpassend.

2. Als sehr freiheitsliebende und offene Person, akzeptiert die Autorin selbstverständlich alle Lebensformen (Achtung: Ironie), aber: es gibt doch noch Ausnahmen, wer andere Präferenzen hat - auch hier wieder - wird als "merkwürdig" bezeichnet (man beachte, geschrieben wird in dieser Szene über eine - hypothetische - Frau).
"Oder weil sie das "merkwürdige" Bedürfnis danach, gefesselt und geknebelt von drei Unbekannten gleichzeitig gevögelt zu werden (...).
(Seite 59/60)

3. Obwohl sie sonst sehr schnell mit Stereotypen bei der Hand ist, hat Katja Lewina Mühe, ihre eigene Sexualität in eine Schublade zu packen. Muss sie ja auch gar nicht. Pansexuelle aber als "selbstgerecht" zu betiteln, geht dennoch nicht.
"Darum werde ich mir zwar noch lange nicht in selbstgerechter Manier ein "pansexuell"-Krönchen aufsetzen."
(Seite 69)

4. Wunschkaiserschnitte übrigens, werden auf Seite 201 im Buch als "hirnverballert" bezeichnet. So weit also zur Selbstbestimmung von Gebärenden...

5. Nach Lewinas "erstem Mal", einer Vergewaltigung, hat sie sehr schnell ihre Freude an der Sexualität gefunden. Sie tut diese Gewalttat und den Übergang zum alltäglichen Vögeln salopp ab. Ich kann das verstehen, schliesslich möchte man ein Trauma nicht mehrmals durchleben oder detailliert schildern. In einem solchen Buch aber könnte man die Plattform nutzen und wenigstens zwei bis drei Sätze dazu verlieren, wie man mit seinem Trauma umgeht, wie man sich selber hilft und wie man rechtlich gegen einen Täter vorgeht. Schliesslich muss man davon ausgehen, dass betroffene Personen dieses Buch lesen und erstens durch die fehlende Triggerwarnung und zweitens durch den unsensiblen Umgang mit dem Thema getriggert werden können.

Ach, dieses Buch... Es hat es mir so schwer gemacht. Und es hat mich sehr stark mit meinem eigenen Feminismus konfrontiert, was super ist und wichtig. Denn eigentlich mag ich Frauen, die Dinge beim Namen nennen, die derb und offen sind, die Raum einnehmen und diesen selbstverständlich einfordern. Aber ich mag es nicht, wenn diese Frauen ihre durch diesen Raum entstehende Macht nutzen, um andere klein zu machen. Frauen oder Männer. Missstände aufzuzeigen muss sein, Dinge beim Namen nennen auch, abwerten und in Schubladen denken geht aber nicht. Kein einziges Wort dazu, dass Lewina als weisse cis Frau in Deutschland gegenüber Frauen in anderen Kulturen privilegiert ist. Keine Sensibilität für die Befindlichkeiten anderer Personen.... Feminismus geht anders.

Mein Fazit:
Feministische Bücher lesen: ja, sehr, sehr gerne. Aber wenn ihr nicht bloss oberflächliche und provokative Parolen, sondern ein richtig gutes, wissenschaftlich fundiertes, bewegendes und tiefgründiges feministisches Buch lesen wollt, dann greift doch zu "Untenrum frei" von Margarete Stokowski oder zu "Periode ist politisch" von Franka Frei.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Teilweise berührend, aber einige Emotionen fehlten trotzdem

Die Buchhandlung zum Glück
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Inhalt:
Natalie verliert den Boden unter den Füssen, als ihr Leben sich von einem Tag auf den anderen um hundertachtzig Grad dreht. Schweren Herzens entscheidet sie sich dazu, ihren lukrativen Job zu künden ...

Inhalt:
Natalie verliert den Boden unter den Füssen, als ihr Leben sich von einem Tag auf den anderen um hundertachtzig Grad dreht. Schweren Herzens entscheidet sie sich dazu, ihren lukrativen Job zu künden und zurück nach San Francisco zu ziehen. Dort übernimmt sie zumindest vorübergehend die in schwere finanzielle Nöte geratene Buchhandlung ihres dementen Grossvaters und bemerkt bald, dass nur noch ein Wunder das Geschäft und Zuhause ihres Grossvaters retten kann.

Meine Meinung:
Es ist kein Geheimnis, dass ich Bücher über Buchhandlungen sehr, sehr gerne mag. Oft wird mit wenigen Worten ein gemütliches Ambiente gezaubert und es fühlt sich beim Lesen fast so an, als würde man selber in einer Buchhandlung stehen. Genau so erging es mir auch mit "Die Buchhandlung zum Glück". Was mir aber leider gefehlt hat, waren ganz viele andere Emotionen. Obwohl ich Natalie als Protagonistin sehr gemocht habe, so nehme ich ihr zum Beispiel ihre Trauer und ihren Schmerz über einen plötzlichen und schweren Verlust nicht ab. Auch wirkte die Handlung zuweilen ein wenig stockend. Gerade, was die romantischen Verstrickungen anbelangt wird ein typisches Liebesdreieck (bei dem zwei Beteiligte auch nicht von den Gefühlen der jeweils anderen Person wissen) wie man es aus Teenagerromanen kennt, bemüht. Das war mir dann doch ein wenig zu konstruiert. Abgesehen davon habe ich die Geschichte sehr, sehr gerne gelesen und mich dabei vor allem in die rührenden Beschreibungen der Beziehung zwischen Natalie und ihrem "Grandy" verliebt.

Schreibstil:
Was Natalies Verlust anbelangt, ist es Susan Wiggs nicht gelungen, grosse Gefühle bei mir zu wecken. Die Stimmung in der Buchhandlung, die liebevolle Beziehung, die Natalie zu ihren Mitarbeitern und Stammkunden pflegt, sowie Natalies einfühlsame Art, waren hingegen wundervoll beschrieben. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass die Handlung immer wieder ein wenig ins Stocken gerät und obwohl einzelne Fügungen ein wenig gar positiv waren (was man in Hinblick auf Natalies Verlust aber auch einfach als Karma verstehen kann), lässt sich dieses Buch ganz leicht lesen und dabei kann man sich problemlos in eine mit viel Liebe gepflegte Buchhandlung entführen lassen.

Meine Empfehlung:
Einigen kleinen Kritikpunkten zum Trotz empfehle ich euch diese leichte und unterhaltsame Lektüre sehr gerne für Zwischendurch. Wer aber sehr viel Tiefgang und eine einzigartige Story sucht, wird mit diesem Buch nicht fündig.

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Veröffentlicht am 28.02.2021

SPOILER: 4. BAND DER REIHE

Glas
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Inhalt:
Roland und sein Gefährten haben sich um Kopf und Kragen gerätselt und dabei in letzter Sekunde gegen Blaine den Mono gewonnen und somit ihr Leben gerettet. Sie landen in einer verlassenen Gegend ...

Inhalt:
Roland und sein Gefährten haben sich um Kopf und Kragen gerätselt und dabei in letzter Sekunde gegen Blaine den Mono gewonnen und somit ihr Leben gerettet. Sie landen in einer verlassenen Gegend in der wohl eine Krankheit alles Leben vernichtet hat. Ihre Reise durch die staubige Landschaft führt sie zu einem Gebäude aus Glas. Bevor sie erkunden, was es damit auf sich hat, erzählt Roland ihnen von seiner ersten grossen Liebe Susan Delgado und der tragischen Geschichte, welche diese jugendliche Erfahrung getrübt hat. Es wird magisch, es wird düster, es wird gefährlich und romantisch.

Meine Meinung:
"Glas" ist der erste Band der Reihe, den ich als Hardcover gelesen habe und die riesigen Seiten und das schwere Buch haben mich wirklich lange beschäftigt. "Glas" ist nämlich auch der erste Teil der Reihe, der vor allem in den Rückblenden in Rolands Jugendjahre - die etwas mehr als zwei Drittel des Buches ausmachen - ein paar Längen aufweist. Zumindest hat es sich für mich so angefühlt und die Geschichte um Susan hat sich immer mal wieder ein wenig gezogen. Insgesamt aber hat mich auch dieser Band wieder begeistern können. Vor allem die ersten 150 Seiten sind unendlich spannend, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe wirklich mitgefiebert und um die Sicherheit des Ka-tets gebangt. Auch die letzten 120 Seiten haben mir noch einmal aufgezeigt, weshalb ich diese Geschichte so sehr liebe und das Nachwort des Autors hat mir gleich Lust auf den nächsten Band gemacht. Schliesslich soll nicht wieder mehr als ein Jahr vergehen, bis ich weiterlese.
Aber natürlich bin ich auch im Mittelteil auf meine Kosten gekommen, habe mich gegruselt, mitgefiebert und so richtig magische und gefährliche Stunden mit Susan und Roland verbringen dürfen. Auch muss ich einmal mehr die wundervollen Landschaften loben, die Stephen King für seine Welten geschaffen hat und ausserdem finden sich auch in "Glas" äusserst humorvolle Situationen, gepfefferte Dialoge und ziemlich viel Wildwest-Feeling und machen das Buch zu einer sehr unterhaltsamen Lektüre.

Meine Empfehlung:
Ich kann gar nicht anders, als diese Reihe zu empfehlen. Über die Längen im Mittelteil kann man problemlos hinweglesen - und ich sage das wirklich selten, weil mich Längen in der Regel extremst stören - und die Geschichten sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, die tief in Rolands Gefühlswelt blicken lassen, haben mich wieder komplett für sich eingenommen.

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Veröffentlicht am 27.02.2021

Eine überladene Geschichte mit einer überzeugenden Grundidee

Die vier Gezeiten
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Inhalt:
Es wird hektisch auf der sonst eher ruhigen Insel Juist. Euard Kießling, der Patriarch der Familie, soll das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Zu diesem Anlass kommt die ganze Familie zusammen ...

Inhalt:
Es wird hektisch auf der sonst eher ruhigen Insel Juist. Euard Kießling, der Patriarch der Familie, soll das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Zu diesem Anlass kommt die ganze Familie zusammen und alle bringen ihr emotionales Päckchen mit. Was wie eine harmonische Zusammenkunft beginnt, wird mit dem plötzlichen Auftauchen von Helen auf einen Schlag zunichtegemacht. Helen behauptet, mit der Familie Kießling verwandt zu sein und ist auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern. Sie gleicht nicht nur Adda, Eduards Frau, aufs Haar, sondern lässt mit ihren Nachforschungen auch die brodelnden Emotionen der einzelnen Familienmitglieder ans Tageslicht kommen...

Meine Meinung:
Mir hat es grosse Freude bereitet, dieses Buch in einer Leserunde zu lesen und mich mit meinen Mitleserinnen über den Inhalt auszutauschen. Die Geschichte hat es nämlich wirklich in sich, aber was die grösste Stärke der Autorin ist, ist gleichzeitig auch die grösste Schwäche des Buches. Anne Prettin hat eine blühende Fantasie, ein grosses Interesse an historischen Ereignissen und kann - vor allem Landschaften, die Figuren bleiben nämlich (mit Ausnahme von Adda, Helen und Onno) eher blass - traumhaft schön beschreiben. In ihrem Erstling hat sie es aber vor allem mit ihrer Fantasie ein wenig übertrieben und eine eigentlich spannende Familiengeschichte erstens überladen und zweitens ein wenig gar an den Haaren herbeigezogen konstruiert. Das ist total schade, da sich in ihrem Schreibstil eigentlich grosses Potenzial finden lässt. Mit dieser Geschichte hätte man nämlich genug Stoff für eine ganze Reihe gehabt.

Aufbau und Handlung:
Die Grundidee von "Die vier Gezeiten" ist aber sehr überzeugend und besonders gut gefallen hat mir, wie das Buch beginnt und daraufhin ein spannendes Handlungsgeflecht aufgebaut ist. Ein kraftvoller Tagebuchtext beschreibt die geplante Selbsttötung einer anfangs noch unbekannten Frau im Detail. Nach diesem Prolog springt die Erzählung mitten in die Hauptprobe der Rede von Eduard Kießling. Dabei werden alle Figuren kurz vorgestellt und auch das Inselflair kommt nicht zu kurz. Nach Helens plötzlichem Auftauchen beginnt die Stimmung zu kippen. Abgründe tun sich auf und aus verschiedenen Perspektiven erzählte Erinnerungen und Erlebnisse setzen nach und nach eine Geschichte zusammen, die von Freundschaft, Liebe, von Intrigen, Verrat, Verletzungen und Verantwortungslosigkeit erzählt.
Diese Stimmungswechsel haben mir persönlich sehr gut gefallen und ich hatte auch keinerlei Probleme mit den unterschiedlichen Erzählstimmen. Schliesslich steht immer, wer gerade erzählt und in welchem Jahr wir uns beim Lesen befinden. Mir reicht das, um den Überblick zu behalten. Einzelne Teilnehmerinnen der Leserunde haben sich damit aber schwergetan. Solltet ihr ebenfalls Mühe mit solchen Sprüngen haben, ist dieses Buch vielleicht nichts für euch.

Schreibstil:
Wie bereits erwähnt, hat mir die Erzählsprache der Autorin sehr gefallen. Leider gelingt es ihr zwar nicht, dass alle Figuren zum Leben erwachen, aber dafür sind die Schilderungen der Landschaft der Insel und der Stimmungen und Emotionen um so realistischer und überzeugender beschrieben. Auch werden zahlreiche nicht ganz einfache Themen wie Suizid, ungewollte Schwangerschaft, Verlust und die eigene nationalsozialistische Vergangenheit einzelner Figuren und generell der Region mit dem nötigen Feingefühl und historischen Bewusstsein in die Geschichte eingearbeitet, wenn auch einzelne Themen unschön oft vorkommen und dabei - wie anfangs geschildert - ein wenig zu konstruiert wirken.

Fazit:
"Die vier Gezeiten" von Anne Prettin lässt mich ein wenig ratlos zurück, da ich einerseits den Schreibstil und die Idee, sowie das ganze Grundsetting dieser Geschichte sehr gemocht habe, aber andererseits einzelne Elemente der Handlung als stark übertrieben empfinde. Wer aber Inselflair und verstrickte Familiengeschichten mit vielen Rückblenden und ein wenig Spannung mag, sich aber am Hang zur Übertreibung nicht stört, wird mit diesem Buch schöne und unterhaltsame Lesestunden verbringen, da bin ich überzeugt.

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Veröffentlicht am 25.02.2021

Einfühlsam und mit viel Leichtigkeit und Liebe erzählt

Der Blumenladen der guten Wünsche
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Inhalt:
Charlotte hat sich ihr Leben eigentlich anders vorgestellt und von Vernissagen an der Seite ihres Partners und einem Leben in der Grossstadt geträumt. Nun ist sie zurück in ihrer Heimat und steht ...

Inhalt:
Charlotte hat sich ihr Leben eigentlich anders vorgestellt und von Vernissagen an der Seite ihres Partners und einem Leben in der Grossstadt geträumt. Nun ist sie zurück in ihrer Heimat und steht vor dem Scherbenhaufen, den ihre Oma ihr hinterlassen hat. Der Blumenladen, den Charlotte bunt, duftend und einladend in Erinnerung hatte, ist komplett heruntergekommen, der Gärtner Knut wirkt abweisend und die Verkäuferin Sheela taucht gar nicht erst auf. Soll sich Charlotte wirklich in dieses Abenteuer stürzen und das Geschäft übernehmen oder doch lieber verkaufen? Zum Glück kann sie auf die Hilfe ihrer besten Freundin Sarah, auf alte Kontakte und die Bücher ihrer Grossmutter zählen. Darin finden sich wertvolle Hinweise zur Deutung der Sprache der Blumen, mit deren Hilfe Charlotte lernt, an sich selber zu glauben und spannende und romantische Verkaufskonzepte entwickelt.

Meine Meinung:
Gerade bin ich wieder sehr viel unterwegs und lese ziemlich anspruchsvolle Literatur, habe aber nicht immer den Kopf und die Energie dafür und wollte deshalb ein paar Frühlingsgefühle hier einziehen lassen. Auf das Buch "Der Blumenladen der guten Wünsche" bin ich bei Martina vom Blog Martinas Buchwelten entdeckt. Martina stellt für jeden Monat einen tollen und ausführlichen Neuerscheinungs-Post zusammen und ich stöbere so gerne bei ihr, lasse mich inspirieren und merke mir das eine oder andere Buch vor. "Der Blumenladen der guten Wünsche" hat mich von der ersten Seite an für sich eingenommen. Ich liebe Blumenläden und Bücher darüber (und Buchhandlungen und Bücher darüber) und tauche so gerne in die Welt einer Ladenbesitzerin ein, die sich ihr eigenes Geschäft/Geschäftsmodell aufgebaut hat. Charlotte war mir von Anfang an total sympathisch und es hat mich sehr gefreut, dass auch ihre Zweifel und Ängste stimmig eingebunden werden und dass ihre Freundin Sarah ihr so wundervoll zur Seite steht und dass das Auftauchen eines alten Bekannten für Schmetterlinge im Bauch sorgt...

Schreibstil:
Dieses Buch hat richtig Lust darauf gemacht, durch Frühlingswiesen zu streifen, zu gärtnern, in Blumenläden zu stöbern und mit lieben Freunden ein gutes Glas Wein zu geniessen. Es hat für Wärme, Sonne und ein wenig Romantik gesorgt und ich habe es innerhalb eines einzigen Tages verschlungen und mich anschliessend einen ganzen Vormittag lang meinen Balkongarten auf- und umräumen und putzen, meine Pflanzenplanung machen und ein paar Schützlinge umtopfen und vorziehen lassen. Der Frühling kann kommen und dieses Buch hat auch in mir für ein wenig Frühling gesorgt.
Für diese Gefühle ist der liebevoll erzählende, einfühlsame und auch sehr detaillierte Schreibstil verantwortlich. Es gelingt der Autorin Lena Hofmeister wissenswerte und spannende Details zu den beschriebenen Pflanzen und herzerwärmende, skurrile Begegnungen im Blumenladen mit Kundinnen und Kunden, sowie mit Sheela und Knut zu einer unterhaltsamen und leichten Geschichte zu verknüpfen und ich hätte gerne noch lange weitergelesen. Trotzdem schimmert auch durch, wie schwer Charlotte dieser Neuanfang fällt und wie sehr ihr ihre Oma fehlt.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle "Der Blumenladen der guten Wünsche" sehr gerne an alle weiter, die auch ein wenig Leichtigkeit, Sonne und Frühling im Kopf und Herzen gebrauchen können und auf der Suche nach einer liebenswert und einfühlsam erzählten Geschichte mit Tiefgang sind.

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