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Veröffentlicht am 11.11.2020

Eine Ode an das Erinnern und Bewahren

Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind
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Inhalt:
Bei der Lektüre dieses Buches wird bewusst, wie wichtig Erinnerungen, Fotos, Erzählungen und gemeinsame Erlebnisse für eine Familie sind und dass Menschen und ihre Leben tatsächlich nicht nur in ...

Inhalt:
Bei der Lektüre dieses Buches wird bewusst, wie wichtig Erinnerungen, Fotos, Erzählungen und gemeinsame Erlebnisse für eine Familie sind und dass Menschen und ihre Leben tatsächlich nicht nur in Vergessenheit geraten, sondern komplett ausgelöscht werden, wenn man ihre Namen nicht mehr kennt und wenn es niemanden mehr gibt, der ihre Geschichte erzählen kann. Gerade für viele Überlebendes des Holocaust - unter anderem für die Autorin Esther Safran Foer - ist es von zentraler Bedeutung, die Namen ihrer teilweise unbekannten Angehörigen zu erfahren, die Geschichte ihrer Vorfahren kennenzulernen und weiterzuerzählen, egal, welches Grauen ihr innewohnt. Esther Safran Foer unternimmt mit ihrem Sohn Frank eine Reise in die heutige Ukraine und zugleich in das Leben ihres Vaters und dessen ersten Frau. Sie lernt die Menschen kennen, die gemeinsam mit ihren Angehörigen geflüchtet sind oder die geholfen haben, ihre Familie zu verstecken und indem sie Licht in diese sehr persönliche Dunkelheit bringt, gelingt es ihr auch, sich zu verabschieden und die Andenken ihrer verstorbenen Familie in Würde zu wahren.

Meine Meinung:
Ich kann schwer in Worte fassen, was dieses Buch in mir ausgelöst hat und eigentlich wollte ich es auch schon pünktlich zum Erscheinungstermin beenden. Dies war mir allerdings nicht möglich, weil die Geschichten, welche Esther Safran Foer erzählt, definitiv keine leichte Kost sind. Ich stelle es mir unendlich schmerzvoll vor, nicht annähernd alle Mitglieder der engen Familie zu kennen und zu wissen, dass einige von ihnen ein so schreckliches Schicksal erlitten haben. Obwohl die Autorin es schafft, die schlimmsten Gräuel eher nüchtern zu schildern, musste ich beim Lesen doch einige Male pausieren. Auch gelang mir vor allem der Einstieg in "Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind", nicht so leicht. Sehr viele Namen und Jahreszahlen, sowie Verwandtschaftsbeziehungen werden oft einige Male wiederholt und wild durcheinandergewirbelt. Der Stammbaum im Anhang hilft nur bedingt, da im Laufe der Erzählung noch zahlreiche weitere Personen, unter anderem Menschen, welche der Familie Foer an irgendeinem Punkt ihres Weges geholfen haben, erwähnt werden.
Erst im letzten Drittel des Buches, der den entscheidenen Durchbruch bei der Suche nach Verwandten und guten Geistern thematisiert, beginnt die Erzählung zu fliessen und dies passt eigentlich hervorragend zur erzählten Geschichte, weil man spürt, dass die Autorin an diesem Punkt der Erzählung zum ersten Mal ein wenig zur Ruhe kommt, aufatmet, die Luft ausströmen lässt und beginnt, die einzelnen losen Enden ihrer Familiengeschichte, die am Anfang des Buches noch für Verwirrung gesorgt haben, in Gedanken zu verknüpfen. Ist dieser Aufbau Zufall oder ein absoluter Geniestreich der Autorin? Letztendlich spielt das gar keine Rolle mehr, denn mit jeder weiteren Seite spürt man beim Lesen förmlich, wie Erleichterung, Dankbarkeit aber auch tiefe Trauer sie durchströmen und wie eine Art Frieden mit dem Schicksal geschlossen wird. Gerade diese letzten paar Seiten haben mich tief berührt und lassen mich voller Achtung für Esther Safran Foer und ihre mutige Reise, ihre positive Lebenshaltung und ihr tiefes Vertrauen in ihre Familie zurück.

Meine Empfehlung:
In "Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind", schreibt Esther Safran Foer nicht gegen das Vergessen an, wie ich jetzt schon einige Male gelesen haben, sondern rettet vielmehr das Erinnern, Erzählen und Bewahren. Obwohl sich vor allem der Anfang des Buches nicht ganz einfach liest, weil die zahlreichen Namen und Daten, die losen Ende in der Familiengeschichte, für Verwirrung sorgen und obwohl die Autorin keine leichte, sondern eine äusserst tragische, bewegende Geschichte erzählt, hat dieses Buch etwas enorm Versöhnliches an sich und strahlt eine grosse Ruhe und Kraft aus. Von mir gibt es eine herzliche Leseempfehlung für dieses wichtige Werk.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Bewegend und nachdenklich stimmend

No & ich
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Inhalt:
Ein grosser Bahnhof in Paris, ein- und ausfahrende Züge, Lou und No. Lou ist hochintelligent, jung, weitdenkend und kämpferisch. Sie verbringt ihre Freizeit häufig damit, irgendwelche Versuche ...

Inhalt:
Ein grosser Bahnhof in Paris, ein- und ausfahrende Züge, Lou und No. Lou ist hochintelligent, jung, weitdenkend und kämpferisch. Sie verbringt ihre Freizeit häufig damit, irgendwelche Versuche anzustellen, sich lesend Wissen anzueignen oder damit, Menschen am Bahnhof zu beobachten, ihre Geschichten, Gedanken und Ziele zu erraten. No ist älter als Lou, auch häufig am Bahnhof unterwegs, weil sie da ab und zu ein wenig Geld oder etwas zu Essen bekommt oder wenigstens ein wenig an der Wärme ist. No hat keine grossen Ziele, sie plant ihre Zukunft von der einen Minute zur anderen und sie ist genau so einsam wie Lou. Die beiden jungen Frauen treffen aufeinander und obwohl sie aus zwei Welten zu kommen scheinen, verbindet sie doch ihre grosse Einsamkeit. Lou interessiert sich für No und beginnt, sie immer wieder zu einem Getränk in ein warmes Restaurant einzuladen. Ihr ganzes Geld gibt sie dafür aus. Um No zuzusehen, ihre Geschichten zu hören, ihr ein wenig Gesellschaft zu leisten. Da muss Lou in der Schule einen Vortrag machen und sie wählt das Leben von No als Thema. Schon bald ensteht so etwas wie eine zerbrechliche Freundschaft zwischen den beiden Welten, doch No kann sehr unberechenbar sein und ausserdem benötigt sie schon ganz bald wieder eine neue Bleibe.

Meine Meinung:
No und ich ist ein sehr berührendes Buch, welches davon handelt, die Welt verändern zu wollen. Jede und jeder von uns kennt diesen Wunsch, diesen Traum und wir alle haben schon das Eine oder Andere unternommen, um wirklich etwas zu ändern. Doch für Lou entwickelt sich No von einem "Projekt" zu einer Freundin, einer wichtigen Vertrauten in ihrem sonst eher einsamen Dasein.
Die beiden jungen Frauen werden als intelligente Persönlichkeiten dargestellt und von der Autorin sehr liebevoll beschrieben. Lous Leben ist kein leichtes Leben. Und leider geht es wohl vielen Jugendlichen so, dass sie eine Familie und ein Zuhause haben, sich aber trotzdem einsam oder unverstanden fühlen. Dies finde ich von der Autorin absolut glaubwürdig und tiefsinnig dargestellt. Auch Nos Leben ist zwar typisch für eine junge Frau, welche auf der Strasse lebt, es wird aber nicht überspitzt oder gar einer Schublade entsprechend dargestellt. Genau deswegen berührt Nos Geschichte, die wir nach und nach erfahren auch so sehr. Sie kann eigentlich nicht anders, möchte aber trotzdem nicht so weiter leben.
Die beiden Protagonistinnen sind junge und mutige Frauen, welche uns täglich genau so oder ähnlich begegnen können. Und trotzdem sind sie besonders, sie fallen auf und sie gehen einen gemeinsamen Weg, der sicher nicht der leichteste ist, aber ein sehr ehrlicher.
Lou ahnt wahrscheinlich gar nicht, wie viel sie mit ihrer ausweglos scheinenden Arbeit für No macht. Ausserdem setzt sie ein Zeichen für ihre Mitmenschen. Auch wenn manchmal etwas so aussieht, als wäre etwas nicht zu erreichen, so kann man es doch wenigstens immer und immer wieder versuchen. Genau so, wie Lou es immer wieder versucht und man wird etwas dabei lernen, bewirken können, einsehen oder sich zumindest besser fühlen. Genau so, wie Lou dies tut.

Fazit:
Ein lesenswertes und berührendes Buch welches zum Nachdenken und zum Hinterfragen des eigenen Handelns anregt.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Eine liebenswerte französische Komödie

Julie weiß, wo die Liebe wohnt
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Inhalt:
Julie hat bis jetzt nicht viel Erfolg in der Liebe gehabt und möchte deshalb ihr Glück nicht überstrapazieren. Als sie jedoch einen neuen Namen auf den Briefkästen in ihrem Haus bemerkt und als ...

Inhalt:
Julie hat bis jetzt nicht viel Erfolg in der Liebe gehabt und möchte deshalb ihr Glück nicht überstrapazieren. Als sie jedoch einen neuen Namen auf den Briefkästen in ihrem Haus bemerkt und als dieser dann auch noch so lustig klingt, dass sie ihn ganz sicher nicht wieder vergisst, weiss sie noch nicht, dass der Besitzer dieses Namens ihr Leben so richtig auf den Kopf stellen wird. Die Bäckersfrau des Dorfes macht Julie nämlich darauf aufmerksam, dass dieser neue Nachbar ein sehr gutaussehender junger Mann ist. Dies will Julie persönlich überprüfen und von da an verbringt sie jede freie Minute hinter ihrer Tür, um durch den Türspion einen Blick auf "den Neuen" zu erhaschen. Dies gelingt ihr aber sehr lange Zeit nicht. Also muss sie wohl oder übel seinen Briefkasten überprüfen und schauen, ob er die Post schon abgeholt und somit das Haus verlassen oder betreten hat, oder nicht. Dabei passiert ihr aber eines schönen Tages ein kleines Missgeschick, aus dem sie dann der neue Nachbar Ricardo persönlich und mit Hilfe eines guten Freundes befreit. Julie realisiert, dass er wirklich so absolut gutaussehend ist, wie die Bäckersfrau ihr gegenüber bereits erwähnt hat. Nun muss sie aber versuchen, diesen schönen Mann näher kennen zu lernen. Julies Einfälle sind dabei sehr fantasievoll, überraschend und schon fast ein bisschen kriminell. Zum Glück hat sie aber noch gute Freundinnen und einen tollen besten Freund. Von diesen lieben Mitmenschen wird sie mit Rat und Tat unterstützt und da kann ja eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

Meine Meinung:
Ich habe bemerkt, dass ich in der letzten Woche gleich drei in Frankreich spielende Bücher gelesen habe und diese Frankreich-Stimmung hat mich total erfasst. Am liebsten würde ich gerade wieder durch Paris schlendern und mich verzaubern lassen.
Julie ist eine absolut sympathische und chaotische Protagonistin und sie erinnert mich mit ihrer schusseligen Art sehr stark an mich selbst. Ausserdem hat sie ein grosses Herz, sie verfügt über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sie ist immer für ihre Freunde da. Ihre Lebens- und Liebesgeschichte ist sehr abenteuerlich und liest sich in einem Atemzug. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es weiter gehen wird und wurde fast jedes Mal überrascht. Eigentlich mag ich es nicht so sehr, wenn zwei, die offensichtlich etwas füreinander empfinden, ihre Gefühle nicht einfach thematisieren und ihre Situation klären können. In der Geschichte um Julie hat es mich aber überhaupt nicht gestört. Es passt einfach so sehr zu ihr, dass sie irgendwie anders und kompliziert ist, dass sie sich alles tausenmal überlegt, bevor sie eine Entscheidung trifft und dass sie sich immer wieder in die unmöglichsten Situationen manövriert. Darum passt das alles sehr gut zusammen, ist in sich stimmig und garantiert auf jeden Fall viel Lesespass.
Absolut fantasievoll und unglaublich einfallsreich geht der Autor mit seinen Figuren um. Jedes Detail passt und von Julie bis hin zur Bäckersfrau sind alle Figuren so wunderschön beschrieben und gestaltet, dass man sie sich sofort vorstellen und sie gern haben kann, zumindest fast alle davon.
Dieses Buch hat mich in die Welt von Julie entführt und verzaubert. Ausserdem passt dieses Buch einfach zu jeder Frau und sicher auch zu vielen Männern, weil es überhaupt nicht kitschig, zu verklärt oder in irgend einer Form aufgesetzt wirkt. Auch wenn Julies Erlebnisse ein wenig aus der Luft gegriffen zu sein scheinen, so überspielt dies der Autor mit seinem Charmanten Schreibstil. Man muss ihm einfach glauben, dass diese Geschichte genau so oder ähnlich hätte passiert sein können weil seine grosse Lust am Erzählen absolut überwältigend ist.

Fazit:
Dieses Buch habe ich an zwei Abenden gelesen und war dann fast ein wenig traurig, als ich es durch hatte.

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Veröffentlicht am 02.11.2020

Spannend und trotz sprachlichen Schwächen sehr lesenswert

Der Glanz der neuen Zeit
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Inhalt:
Im zweiten Band der Speicherstadt-Sage ist gerade der erste Weltkrieg vorbei und Mina ist mittlerweile mit Frederik verheiratet und Mutter einer kleine Tochter. Obwohl es gerade nichts zu handeln ...

Inhalt:
Im zweiten Band der Speicherstadt-Sage ist gerade der erste Weltkrieg vorbei und Mina ist mittlerweile mit Frederik verheiratet und Mutter einer kleine Tochter. Obwohl es gerade nichts zu handeln gibt, fährt sie täglich ins Kontor, um dort nach dem Rechten zu sehen und wird dort von ihrer kleinen Schwester Agnes, die sie fortan öfter ins Kontor begleitet, auf die Idee gebracht, mit ihrem Schwiegervater Handel zu betreiben. Dieser hat schliesslich eine Kaffeeplantage und wäre somit die perfekte Quelle. Nur schade, dass Frederik, der immer noch als Soldat tätig ist, und sein Vater sich vor Jahren zerstritten haben.
Mina und ihr Schwiegervater werden sich aber handelseinig und die junge Frau beginnt, das Geschäft neu aufzubauen, was ihrem kontrollsüchtigen und verschwenderisch lebenden Ehemann gar nicht gefällt.

Meine Meinung:
Auch der zweite Teil der Speicherstadt-Saga liest sich nur so weg, was sicher an der Sprache liegt (dazu unten mehr), aber auch am Aufbau. Immer wieder kommt Spannung auf, zahlreiche Konflikte innerhalb der Familie entstehen und weitere Figuren kommen hinzu, die zuerst ihren eigenen Platz in der Geschichte finden müssen. Die Geschichte wirkt trotzdem nicht überladen, was mir sehr gut gefallen hat. In Hinblick auf den dritten Teil ist schon einiges angedeutet und einzelne offene Fragen warten noch darauf, beantwortet zu werden. Trotzdem endet der zweite Band nicht komplett verzettelt, sondern mit einem passenden Meilenstein für alle Figuren. Nur leider sind die letzten paar Seiten einen grossen Zeitsprung von der restlichen Handlung entfernt und einige Dinge sind mir und vielen anderen Teilnehmer:innen der Leserunde ein wenig zu schnell aufgelöst worden. Der Weg dahin wäre spannend gewesen und dem Buch hätten einige Seiten mehr gar nicht geschadet.
Ansonsten aber hat mir der zweite Band dieser Reihe wirklich gut gefallen und die Figuren haben es mir angetan. Sie alle sind äusserst liebevoll und einfallsreich beschrieben und haben ihren ganz eigenen Charakter. Allen voran natürlich Mina. Sie steht für sich ein, führt die Geschäfte, ist immer für ihre Freunde und ihre Familie da und muss sich zudem noch gegen ihren unnützen Ehemann behaupten. Aber auch ihre Grossmutter Hiltrud, die in diesem Band eine grosse Entwicklung durchmacht und ihre ein wenig angestaubten Prinzipien auch einmal hintenanstellt oder Minas Pensionatsfreundin Irma, die einen noch wichtigeren Part in Irmas Leben einnimmt, sind äusserst gelungen dargestellt. Minas Schwiegervater Paul, der sich als enorm herzlicher und vernünftiger Mann und somit als komplettes Gegenteil von Frederik herausstellt, sowie zwei alte Bekannte, die ebenfalls mehr und weniger erwartet auftauchen, sorgen für ordentlich Wirbel und einige spannende und herzerwärmende Momente und Minas Schwester Agnes ist zu einer jungen Frau herangewachsen, die ebenfalls beginnt, ihren eigenen Weg zu suchen, was mich sehr gefreut hat.

Sprache:
Auch schon im ersten Band habe ich den Fluss der Sprache gelobt. Das hat mir auch in "Der Glanz der neuen Zeit" sehr gefallen und ausserdem wird auch wieder Spannung erzeugt und die Szenen zwischen Mina und Frederik haben nicht nur mir Bauchschmerzen und grösstes Unwohlsein verursacht. So werden die verschiedensten Stimmungen eingefangen, die bei einzelnen Szenen gekonnt aufflackern gelassen werden. Nur gelingt dies nicht so konstant und andere Ereignisse, Formulierungen und Beschreibungen plätschern ein wenig gar unaufgeregt dahin. Die Sprache wirkt manchmal wie in einem typischen Wohlfühlroman, obwohl so viele nicht ganz einfache Themen behandelt werden.
Einzelne Wiederholungen, wie das omnipräsente Wort "patent" oder auch die oft wiederholte Phrase "ich traue ihm nicht weiter, als ich spucken kann", von Heiko, waren mir ein wenig zu viel des Guten. Ich denke, dass ein paar ausgewähltere Worte und passgenauere Formulierungen nicht nur dem Lesefluss sondern auch der Handlung gut getan hätten.
Ausserdem finden sich im Buch einige Aussagen, die ein wenig ins Nichts führen. Beispielsweise verspricht Mina ihrer Tochter, einen Schneemann zu bauen. Dieser wird dann gar nicht gebaut und die Geschichte geht einfach weiter. Auch geht es um Dinge, die Mina unbedingt hätte erfahren wollen, dazu hätte sie lediglich einige Briefe öffnen müssen, was sie aber nie getan hat. Es sind so kleine Details, die nicht immer etwas mit dem Fortgang der Handlung zu tun haben, aber nicht ganz schlüssig und stimmig wirken und deshalb den Eindruck vermitteln, da wäre nicht immer alles zu Ende gedacht oder ausformuliert worden.

Meine Empfehlung:
Einzelnen Abzügen in der Sprache und dem Aufbau zum Trotz ist dieser zweite Band der Reihe eine gelungene, spannende Fortsetzung, die ich gerne weiterempfehle. Vor allem deshalb, weil eine starke Protagonistin geschildert wird, die für sich einsteht und zahlreiche Hürden überwinden muss. Dies lässt tief in eine ganz andere, spannende Zeit blicken, in denen Frauen vieles vergönnt war, in der aber auch einige Umbrüche stattgefunden haben, die um so neugieriger auf den dritten Band der Reihe blicken lassen.

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Veröffentlicht am 28.10.2020

Perfekte Unterhaltung fürs Herz

Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe
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Inhalt:
Er ist Arzt und arbeitet seit vielen Jahren in der Nähe von Kriegsschauplätzen und mitten in Krisengebieten auf der ganzen Welt. Seit einiger Zeit hat er in einem kleinen Tal in Kaschmir eine zweite ...

Inhalt:
Er ist Arzt und arbeitet seit vielen Jahren in der Nähe von Kriegsschauplätzen und mitten in Krisengebieten auf der ganzen Welt. Seit einiger Zeit hat er in einem kleinen Tal in Kaschmir eine zweite Heimat gefunden, arbeitet dort als Dorfarzt und Vermittler und beteiligt sich aktiv am Dorfleben. Eher überraschend wird er von seinem besten Freund mit den Fotos einer jungen Frau konfrontiert, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheint und seine Tochter sein soll. Hals über Kopf reist er zurück in seine alte Heimat Paris und macht sich auf die Suche nach dieser jungen Frau und seiner damaligen grossen Liebe Céline, die er für seine Arbeit verlassen hat. Komplett überfordert mit den technologischen Neuerungen der letzten Jahre bewirbt er sich um eine Stelle als Altenheimdirektors und die gar nicht senilen Bewohner:innen des Heims stellen ihn nicht nur vor neue Herausforderungen, sondern erweisen sich auch als Lebensschule und Lebenshilfe der anderen Art.

Meine Meinung:
Schon länger ist es her, dass ich die drei anderen bei Goldmann erschienenen Bücher von Gilles Legardinier ("Julie weiss, wo die Liebe wohnt","Mademoiselle Marie hat von der Liebe genug" und "Monsier Blake und der Zauber der Liebe") verschlungen habe. Der Autor, der zuerst in der Filmbranche gearbeitet hat, hat einfach ein Händchen für charmant-schrullige Settings, die mit viel Humor, Lebensweisheit und wundervoll beschriebenen Figuren für feinfühlige und sehr romantische Unterhaltung sorgen. Man fühlt sich mitten in eine romantische Komödie aus Frankreich versetzt und kann abtauchen in eine Welt, in der die Menschen zueinander finden und sich gegenseitig Steine aus dem Weg räumen.
Dieses Buch ist nicht anders und obwohl sich alles einigermassen vorsehbar entwickelt (aber wann nicht in diesem Genre), hat mich vor allem der Humor sehr gut unterhalten. Die Szenen, wie die Bewohner:innen des Altersheim versuchen, ihre Bleibe zu retten und der Inspektorin vorgaukeln, zu krank zu sein, um umgesiedelt zu werden, sind auch einfach zu herrlich. Aber immer mal wieder erklingen auch leise und poetische Töne und gerade die Szenen, in denen Thomas sich um seine Tochter Emma sorgt oder ihrem Freund hilft, sie erneut zu erobern, sind herzerwärmend und sehr berührend gestaltet.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man ein wenig in der Stimmung für diese Art von Literatur sein muss, aber für mich war das gerade eine perfekte, unterhaltsame, tiefsinnige und intelligente Lektüre fürs Herz.


Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist wie spezielle Praline. Zartbitter, sehr süss und vielleicht hat es sogar eine salzige Note. Es unterhält bestens, portraitiert liebevoll sehr schrullige, aber liebenswerte Menschen und erwärmt von innen heraus den Körper und die Seele. Von mir gibt es für diese romantische Komödie eine sehr herzliche Leseempfehlung.

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