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Veröffentlicht am 20.05.2025

Beeindruckend und berührend

Ich, Eleanor Oliphant
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Inhalt:
Eleanor Oliphant geht einer geregelten Arbeit in einem Grossraumbüro nach. Abends isst sie jeden Tag Pasta mit Pesto, kauft einmal in der Woche ein und verbringt das Wochenende mit zwei Flaschen ...

Inhalt:
Eleanor Oliphant geht einer geregelten Arbeit in einem Grossraumbüro nach. Abends isst sie jeden Tag Pasta mit Pesto, kauft einmal in der Woche ein und verbringt das Wochenende mit zwei Flaschen Wodka auf dem Sofa. Sie ist einsam, weiss aber gar nicht, was es bedeutet, gerne unter Menschen zu sein. Eines Tages aber weckt ein Mann ihr Interesse und sie nimmt sich vor, ihr Leben umzukrempeln, nichtsahnend, was schon kleinste Veränderungen für riesige Auswirkungen haben können...

Meine Meinung:
Von der ersten Seite an habe ich Eleanor Oliphant in mein Herz geschlossen. Sie hat mich von der Art her ein wenig an die Protagonistin aus "Seltsame Sally Diamond" von Liz Nugent erinnert, sind doch beide Frauen so aufgewachsen, dass sie viele soziale Gepflogenheiten nicht verstehen können, dafür aber besondere Interessen haben. Eleanor Oliphant beispielsweise spricht Latein und löst gerne komplexe Kreuzworträtsel. Bei ihrer Arbeit wird sie ignoriert oder belächelt und aller Ablehnung zum Trotz geht sie immer ihren eigenen Weg. Eine grosse Hilfe ist ihr Arbeitskollege Raymond, der ihr dabei hilft, immer mehr Menschen in ihr Leben zu lassen.

Schreibstil und Aufbau:
Das Buch ist in die drei Abschnitte "Gute Tage", "Schlechte Tage" und "Bessere Tage" aufgebaut und wie diese Titel bereits suggerieren, erleben wir mit unserer Protagonistin eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Viele Missverständnisse, die aufgrund von Oliphants sehr wortwörtlicher Auslegung von Redewendungen oder anderen Aussagen entstehen, sind zum Schreien komisch. Die Geschichten aus ihrer Kindheit aber haben mich sehr bewebt und die Hindernisse, die sie dadurch in ihrem Alltag zu überwinden hat, haben mich daran erinnert, dass wir oft nicht wissen, welche Päckchen unsere Mitmenschen zu tragen haben.
Allem Schweren zum Trotz konzentriert sich dieses grossartig geschriebene Buch auf die schönen Kleinigkeiten, an denen Eleanor Oliphant sich erfreut und auf die Entwicklung, welche unsere Protagonistin zurücklegt.

Meine Empfehlung:
Dieses einzigartige Buch hat mich tief berührt und wird noch lange nachhallen. Es beinhaltet nicht ganz einfache Themen, geht aber sehr einfühlsam und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit damit um. Von mir gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Pathetisch und ohne viele neue Ideen

Ungezähmt
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"Vielleicht war Eva uns niemals zur Warnung gedacht. Vielleicht war sie uns zum Vorbild gedacht.
Gesteh dir dein Verlangen ein.
Iss den Apfel.
Lass es brennen."
(S. 136)

Meine Meinung:
Die Tatsache, dass ...

"Vielleicht war Eva uns niemals zur Warnung gedacht. Vielleicht war sie uns zum Vorbild gedacht.
Gesteh dir dein Verlangen ein.
Iss den Apfel.
Lass es brennen."
(S. 136)

Meine Meinung:
Die Tatsache, dass dies meine erste Rezension im Mai ist, weil ich so lange gebraucht habe, um dieses Buch zu lesen und dass ich mich auch so lange vor dem Schreiben der Rezension gedrückt habe, sagt eigentlich schon alles...
Das Buch wollte ich unbedingt lesen, weil Maria Christina Piwowarski in der Corona-Zeit oft empfohlen hat und weil ich es mir deshalb vor bald fünf Jahren auf die Wunschliste gepackt habe. Ein feministisches Buch einer Autorin, die selber hart mit sich ins Gericht geht, kritisch mit eigenen Glaubenssätzen umgeht und auch klar benennt, welche strukturellen Probleme oft zu Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten führen? Klingt super. Und der Anfang hat mich auch ehrlich begeistert. Leider folgt nun ein Aber (oder zwei): erstens hat mich gestört, wie repetitiv und abgedroschen viele Überlegungen und Phrasen sind. Vielleicht habe ich auch einfach schon so viele gute, differenzierte, kluge und ehrliche feministische Literatur gelesen, dass mich die "Erkenntnisse", welche Doyle hier präsentiert, nicht vom Hocker gehauen haben. Zweitens stört mich auch, wie sich Doyle oft hinter ihrer Spiritualität versteckt. Nicht, weil mich solche Themen in Büchern stören, sondern weil diese Stellen im Buch so aufgesetzt und pathetisch wirken, dass ich mich beim Lesen unwohl gefühlt habe. Doyle ist sich ihrer Massenwirksamkeit sehr bewusst, sie weiss, dass sie vor allem von (sehr, sehr vielen) weissen, christlichen, mit Männern verheirateten und kinderreichen Amerikanerinnen gelesen wird und diese Zielgruppe spricht sie auch sehr gezielt an. Besonders irritiert haben mich ihre ach so neuen Selbsterkenntnisse in Bezug auf ihre eigenen Privilegien. Ich muss leider zugeben, dass es echt nicht immer einfach war, Empathie für diese Frau zu empfinden, die in der Mitte ihres Lebens plötzlich bemerkt hat, dass beispielsweise Schwarzen Menschen, respektive natürlich allen BiPoC (und auch hier vor allem Frauen) andere Steine in den Weg gelegt werden, als einer weissen Frau...
Ich ziehe aber ehrlich meinen Hut vor der Offenheit, mit der Doyle über ihre Fehler und ihr eigenes Lernen berichtet und mir ist bewusst, dass die Bubble, in der sie aufgewachsen ist, dazu geführt hat, dass sie sich ihrer eigenen Position nicht bewusst war. Auch finde ich es beeindruckend, dass sie ihre Wut und ihre aus ihrem neuen Lebensentwurf gewonnene Kraft dazu genutzt hat, ein grosses gemeinnütziges Netzwerk ins Leben zu rufen, das jährlich unzähligen Menschen, mir Rat, Tat und grossen finanziellen Beträgen unter die Arme greift.

Meine Empfehlung/Fazit:
Ich denke, dass dieses Buch ein sehr guter Einstieg ins Thema sein und vielen Menschen Gedankenanstösse, Hilfestellungen und Hoffnung schenken kann. Mir persönlich ging das Buch zu wenig weit und vor allem habe ich mich mit dem aufgesetzten Pathos sehr schwer getan. Das Buch kommt in einen Bücherschrank und wird hoffentlich in die richtigen Hände fallen, damit es noch viel Gutes bewirken kann.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Beste Unterhaltung!!!

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Der verratene Ganove (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 7)
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Inhalt:
In der schönen Region Auental verschwindet ein Mann spurlos und Polizeiwachtmeister Schnitzel benötigt definitiv Unterstützung bei den Ermittlungen, die alles andere als ungefährlich sind. Ausserdem ...

Inhalt:
In der schönen Region Auental verschwindet ein Mann spurlos und Polizeiwachtmeister Schnitzel benötigt definitiv Unterstützung bei den Ermittlungen, die alles andere als ungefährlich sind. Ausserdem werden ihnen einige Steine in den Weg gelegt und vor allem Rory wird bei den Ermittlungen nicht wenige Male so richtig auf die Probe gestellt. Stromschnellen, starker Kaffee mit überraschenden Folgen, ein Seminar und ganz viele Lügen halten ihn so gut beschäftigt, dass er vor lauter Verdächtigen den Wald kaum noch sieht. Zum Glück bringt ihn Matilda ihn aber immer wieder auf Kurs.

Meine Meinung:
Was für ein würdiger Abschluss für diesen schönen Lesemonat: ein weiterer Band der Rory Shy-Reihe, mit einem Ermittlerduo, das zwar eigentlich einen Fall aufklären soll, aber gleich so vielen Geheimnissen und Geheimniskrämereien auf die Schliche kommt (oder zu kommen glaubt...). Es wird geschossen, geraubt und betrogen, dass man sich in einem Actionfilm wähnen könnte, aber Matilda und Rory Shy können noch viel mehr, als tief ins Gaunermilieu abtauchen und sich rechtzeitig aus der Schusslinie zu bringen (in diesem Band wortwörtlich). Sie verfügen nämlich über eine geheime Ermittlungsmethode sowie einen (hasenfüssigen) Spürhund und überzeugen mit ihrem Grips und Humor.

Schreibstil und Aufbau:
Was habe ich mich mit diesem wunderbaren Buch amüsiert und nach zwei Dritteln wusste ich immer noch nicht, worauf alles hinauslaufen würde, so wunderbar verstrickt und spannend aufgebaut war dieser Jugendkrimi. Sind Matildas und Rorys Methoden sowie sehr viele Vorkommnisse in dieser Reihe bei Lichte betrachtet unrealistisch? Auf jeden Fall. Wäre es absolut verantwortungslos, eine Dreizehnjährige in einer so gefährlichen Mission ermitteln zu lassen? Natürlich. Schreibt aber Oliver Schlick so klug, mit (schüchternem) Charme und viel Witz, dass die immer skurrileren Fälle und Entwicklungen einfach nur Spass machen? Ja, ja, ja.

Meine Empfehlung:
Ganz ehrlich, ich bin begeistert und muss einmal mehr die Beschreibungen der Figuren und Orte und den Einfallsreichtum dieser Serie loben. Ich hoffe auf ganz viele weitere Fälle mit Matilda und Rory Shy und empfehle euch auch diesen Band der Reihe unbedingt weiter.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Schwerfällig, aber berührend

Wie schwer wiegt ein Schatten
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Inhalt:
In der geschichtsträchtigen und bedrohten Stadt Tel Aviv entflammt eine verbotene Liebe zwischen der aus Deutschland angereisten Journalistin Mia und dem einheimischen David. Denn David ist verheiratet ...

Inhalt:
In der geschichtsträchtigen und bedrohten Stadt Tel Aviv entflammt eine verbotene Liebe zwischen der aus Deutschland angereisten Journalistin Mia und dem einheimischen David. Denn David ist verheiratet und Vater einer Adoptivtochter. Als Mia Ruth ausfindig macht, eine damalige Freundin ihrer verstorbenen Mutter, wird sie mit Wahrheiten und Schicksalen aus ihrer Familiengeschichte konfrontiert, denen sie bisher ausgewichen ist.

Meine Meinung:
Zum ersten Mal seit vielen Jahren habe ich mich mit einem Buch aus einem meiner liebsten Verlage schwer getan. Die ersten paar Kapitel wirken durch den überladenen Schreibstil, der innerhalb von kürzester Zeit enorm viele Personen, Schicksale, Orte, Beschreibungen und historische Hintergründe kombiniert, sehr, sehr zäh. Ich weiss nicht, ob ich weitergelesen hätte, wenn dieses Buch kein Rezensionsexemplar gewesen wäre.
Doch dann trifft die Protagonistin Mia auf Ruth, welche sie sofort herzlich bei sich aufnimmt und bereit ist, mit ihr gemeinsam in viele schöne aber auch sehr schmerzliche Kapitel ihrer Vergangenheit zu reisen. In Ruth findet sie eine mütterliche Freundin und beginnt, viele Erinnerungen und Geschichten aus ihrer Kindheit zu verstehen.
Gleichzeitig wird die ausweglos wirkende Liebesgeschichte zwischen Mia und David sehr realistisch beschrieben und es hat mir sehr gut gefallen, wie zwiegespalten Mia sich gegenüber dieser komplizierten Affäre verhält.
Auch habe ich nach einigen Kapiteln begonnen, mich vor allem auf Mias Familiengeschichte und ihre Liebe zu konzentrieren und habe dabei eine immer grössere Sogwirkung erlebt. Denn auch wenn dieses Buch vor allem am Anfang so wirkt, als würde es dabei helfen wollen, den Nahost-Konflikt besser zu verstehen, so bietet es vielmehr einen einfühlsamen Einblick in das Leben israelischer Juden. In ihre Ängste und Sorgen, ihr Freud und Leid. Und nicht zuletzt deshalb ist das Buch einfach ein ehrlicher Bericht über diese gebeutelte Region. Es weiss nämlich, dass es nicht mit Hetze oder Parolen lösen kann, was seit so vielen Jahrzehnten im Argen liegt, es zeigt einfach auf, wie ein Alltag in einem bedrohten Land aussehen kann.

Fazit:
"Wie schwer wiegt ein Schatten" hat es mir vor allem am Anfang nicht einfach gemacht. Wer aber über ein wenig Sitzfleisch und vor allem Offenheit für menschliche Schicksale verfügt, findet in diesem Buch eine berührende Familiengeschichte und eine abenteuerliche Romanze.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Ein von hinten aufgezäumtes Leben

Lichtungen
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Inhalt:
In diesem für den Deutschen Buchpreis 2024 nominierten Roman zäumt Iris Wolff ein Leben von hinten auf. Sie beginnt in der Gegenwart mit Kapitel neun und der gemeinsamen Heimreise von Kato und ...

Inhalt:
In diesem für den Deutschen Buchpreis 2024 nominierten Roman zäumt Iris Wolff ein Leben von hinten auf. Sie beginnt in der Gegenwart mit Kapitel neun und der gemeinsamen Heimreise von Kato und Lev, welche aus dem rumänischen Siebenbürgen stammen und seit ihrer Kindheit befreundet sind. Dann reist sie Kapitel für Kapitel der Geschichte Rumäniens entlang zurück in die Vergangenheit und in verschiedene Episoden aus Levs Leben und seiner Freundschaft mit Kato.

Meine Meinung:
Schon "Die Unschärfe der Welt" hat mich begeistert, was vor allem an Wolffs einzigartigem Schreibstil liegt, auf den man sich aber einlassen muss. Auch bei "Lichtungen" habe ich ein wenig Zeit gebraucht, um im Roman und bei den Figuren anzukommen, habe mich dann aber in einer beeindruckenden und spannenden Geschichte wiedergefunden. Dennoch hat mir "Die Unschärfe der Welt" fast noch ein wenig besser gefallen, weil es mich emotional einfach besser abholen konnte, während "Lichtungen" - vielleicht gewollt, vielleicht auch nicht - diesbezüglich eher ein wenig kühl bleibt.

Schreibstil und Aufbau:
Eine von hinten nach vorne erzählte Geschichte ist definitiv eine aussergewöhnliche Idee und von Wolff sehr geschickt umgesetzt. Sie springt zwar - auch wenn sie grundsätzlich chronologisch erzählt - trotzdem immer wieder umher, flicht Rückblenden ein und hinterlässt kleine Hinweise auf Ereignisse, die noch kommen könnten oder bereits geschehen sind, dies geschieht aber alles mit einer enormen Leichtigkeit und Finesse. Dadurch wirkt die Geschichte, als würde sie an einem grossen Tisch bei einem Familientreffen erzählt. Alle steuern noch ihre Erinnerungen und Anekdoten bei und unterbrechen sich gegenseitig mit ihren Einwürfen.

Meine Empfehlung:
Wolffs Schreibstil, die geschickte und kluge Verknüpfung ihrer Figuren mit der Geschichte Rumäniens und ganz Europa sowie ihre schriftstellerischen Kniffe und Ideen haben es in sich. Ich freue mich auf weitere Bücher dieser beeindruckenden Autorin.

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