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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2025

Tolle Grundidee, nicht ganz überzeugende Umsetzung

The Book Eaters
6

Inhalt:
In dieser Welt gibt es neben Menschen auch noch diverse Clans von Buchessern und Gedankenessern. Devon ist eine Buchesserin und ernährt sich von Büchern. Ihr Sohn Cai allerdings ist ein Gedankenesser ...

Inhalt:
In dieser Welt gibt es neben Menschen auch noch diverse Clans von Buchessern und Gedankenessern. Devon ist eine Buchesserin und ernährt sich von Büchern. Ihr Sohn Cai allerdings ist ein Gedankenesser und ernährt sich von den Seelen und Erinnerungen von Menschen, denen er ihre Gehirne mit seiner röhrenförmigen Zunge durchs Ohr aussaugt. Devon macht alles, um ihren Sohn in Sicherheit zu bringen und zu ernähren, Gedankenesser sind nämlich bedroht. Ein künstlich hergestelltes Medikament verspricht Hoffnung, doch um an diese sogenannte "Erlösung" zu gelangen, muss Devon enorme Risiken eingehen.

Meine Meinung:
Die ersten 150 Seiten dieses Buches habe ich verschlungen, so fasziniert war ich von der düsteren Welt, die darin beschrieben wird. Dann hat sich die Geschichte ein wenig in die Länge gezogen und gegen Ende hatte ich ein wenig damit zu kämpfen, wie übertrieben und hastig das Ende der Geschichte erzählt wurde. Auch hat mich eine unglaubwürdig religiöse Szene/Rahmenhandlung nicht überzeugen können.

Schreibstil und Aufbau:
Die Welt, die Dean schildert, ist äusserst brutal und sehr, sehr düster. Einige Teilnehmende der Leserunde haben sich Triggerwarnungen gewünscht. Aber ganz ehrlich, der Untertitel sagt doch schon alles. Ausserdem bleiben die Figuren leider eher distanziert, was aber dazu führt, dass mich die intensiveren Elemente gar nicht berührt haben. Und auch wenn einige Grausamkeiten geschehen, so werden die Szenen lediglich angedeutet und nicht im Detail "ausgeschlachtet" (im wahrsten Sinne des Wortes), ich habe schon einige Thriller gelesen, die um Längen brutaler waren. Auch werden Frauen unterdrückt und wie Sklavinnen gehalten. Devon begehrt aber dagegen auf und emanzipiert sich von ihrer Familie und es ist erstaunlich, wie modern dieses Buch daherkommt. Kritik an Rassismus, Ableismus und Sexismus sind deutlich zu spüren, ausserdem kommt ein Hauch Queerness vor, was mit gut gefallen hat. Weniger gut gefallen haben mir die oft sehr holprigen Sätze, was eventuell der Übersetzung geschuldet ist. Leider fehlen auch einzelne Buchstaben und ganze Wörter, das Lektorat war alles andere als gründlich, was den Lesefluss deutlich stört.

Fazit:
Diese Welt und diese Geschichte hat richtiges Potenzial, das aber leider durch die Längen, nicht ganz glaubwürdige Entwicklungen und die unnahbaren Figuren ein wenig zunichte gemacht wird. Auch die Übersetzung und das Lektorat überzeugen nicht. Allerdings haben mich die Protagonistin, die feministische Grundhaltung und einige sehr moderne Elemente neugierig gemacht und ich werde mir die anderen Bücher der Autorin auch noch ansehen.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 28.07.2025

Ein wichtiges, spannendes Nachschlagewerk

Unlearn Patriarchy
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Inhalt:
Diese Sammlung beinhaltet 15 Texte von 17 Autor*innen und in allen Texten setzen sich die Schreibenden mit ihrem Verhältnis zum Patriarchat, ihren Erfahrungen, Erkenntnissen und Wünschen auseinander. ...

Inhalt:
Diese Sammlung beinhaltet 15 Texte von 17 Autor*innen und in allen Texten setzen sich die Schreibenden mit ihrem Verhältnis zum Patriarchat, ihren Erfahrungen, Erkenntnissen und Wünschen auseinander. Sie zeigen persönliche und gesellschaftliche Schwachstellen aber auch Verbesserungsvorschläge auf, laden zum Nachdenken und Überdenken ein und setzen Schwerpunkte in ihrem Fachbereich. Dadurch lesen wir Erfahrungen aus der Politik und der Bildung, lesen von Rassismuserfahrungen und kapitalistischen Zusammenhängen, von Rollenbildern und von Beziehungen.

Meine Meinung:
Das Buch ist mir schon einige Male begegnet. Vor allem Ronja von oceanloveR hat das Buch (und auch die "Fortsetzung") schon oft empfohlen und ich bin froh, dass ich es mir nun endlich gekauft habe. Obwohl ich schon sehr viele feministische (Sach-)Bücher gelesen habe, lerne ich nie aus und während einige der Texte und Themen mir so oder ähnlich schon einige Male begegnet sind, so haben andere Perspektiven mich komplett überrascht und zum Nachdenken angeregt. Auch war ich nicht immer einverstanden mit allen Überlegungen und habe mir selber noch einmal ganz neu eine Meinung bilden können. Das einzige, was mich gestört hat, waren die vielen Repetitionen. Es werden sehr oft ähnliche Floskeln verwendet, es wird fast in jedem Text geschrieben, dass wir uns nun einmal in einem patriarchalen System befinden (was irgendwie nicht in jedem Text erwähnt werden muss, da dies wohl allen klar ist, die dieses Buch lesen) und einige Kernaussagen sind mir persönlich auch zu ähnlich gestaltet. Da hätte ich mir von den Herausgeberinnen gewünscht, dass sie darauf achten, dass sich die Texte mehr unterscheiden und dass gewisse Formulierungen nicht in jedem Text vorkommen, auch wenn sie natürlich in jedem Text stimmen.

Meine Empfehlung:
Meiner kleinen Kritik zum Trotz empfinde ich diese Sammlung als grosse Bereicherung. Sie zeigt ganz verschiedene Perspektiven auf und lässt diverse Stimmen zu Wort kommen, die sich intensiv und gründlich mit ihrem jeweiligen Fachgebiet auseinandergesetzt haben. Ein langer Anhang mit allen Kurzbiografien und einem ausführlichen, zahlreiche Literaturtipps enthaltenden Quellenverzeichnis, machen das Buch zu einem ansprechenden Nachschlagewerk.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 11.07.2025

Berührend und sehr unterhaltsam

Goldene Zeiten im Gepäck
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Inhalt:
Die rüstige Rentnerin und ehemalige Olympiaschwimmerin Elli erpresst Karla, die in einem Altenheim als Pflegehelferin arbeitet, mit einem Geheimnis. Karla, die so oder so gerade auf einer Sinnsuche ...

Inhalt:
Die rüstige Rentnerin und ehemalige Olympiaschwimmerin Elli erpresst Karla, die in einem Altenheim als Pflegehelferin arbeitet, mit einem Geheimnis. Karla, die so oder so gerade auf einer Sinnsuche ist, bleibt nichts anderes übrig, als Elli bei einer Nacht- und Nebelaktion zu unterstützen und diese auf den Spuren ihrer Vergangenheit quer durch Europa und mitten in die Geschichte einer verbotenen Liebe und einer starken Freundschaft zu begleiten.

Meine Meinung:
Mit grosser Begeisterung habe ich die Geschichte dieses gewagten Roadtrips gelesen und mich dabei immer wieder von Karlas Pragmatismus und Ellis Lebensmut anstecken und unterhalten lassen. Überraschende Wendungen, bereichernde Begegnungen, wahnwitzige Rettungsaktionen und ganz viel Herz und Zusammenhalt haben dieses Buch zu einem wahren Lesevergnügen gemacht.

Schreibstil und Aufbau:
Auf zwei Zeitebenen wird die Geschichte der 1956 in Melbourne stattfindenden Olympiade und einer verbotenen Liebesgeschichte sowie die in der Gegenwart stattfindenden Suche nach einer Versöhnung, Antworten und einen Abschluss erzählt, wobei ich Seite um Seite mit viel Spannung, und einem Lächeln auf den Lippen umgeblättert habe. Der Schluss hat mich enorm berührt und einige Tränen weinen lassen. Popescu schafft es mit diesem Roman, ihre rumänischen Wurzeln einzubringen und gleichzeitig mit liebevollen Beschreibungen und klugen Dialogen diese herzerwärmende Geschichte von verpassten Chancen, einer unsterblichen Liebe und unglücklichlichem Timing zu erzählen. Dass dieses Buch als "Frauenroman" bezeichnet wird, ist sicher nicht auf Popescus Mist gewachsen, aber ich finde es wichtig zu erwähnen, dass dieser unnötige und in der Regel abwertend gemeinte Zusatz (weil Frauen im Auge vieler konservativer Betrachter ja keine richtigen Bücher schreiben können und "Frauenromane" dadurch so oder so als oberflächlich, minderwertig und halt einfach ein wenig gefühlsdusselig empfunden und dadurch nicht ernst genommen werden) in der heutigen Zeit nichts mehr auf einem Einband zu suchen hat.

Meine Empfehlung:
Ein berührender Roman, der sich wunderbar in Urlaub lesen lässt, mit Witz und Charme eine ausgeklügelte und spannende Geschichte erzählt und grosse Emotionen weckt.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Ein wichtiger Roman

Klartext
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Die gehörlose Protagonistin Charlie muss sich in eine Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche integrieren, obwohl sie kaum Gebärdensprache spricht, die Schulleiterin February kämpft für das Überleben ...

Die gehörlose Protagonistin Charlie muss sich in eine Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche integrieren, obwohl sie kaum Gebärdensprache spricht, die Schulleiterin February kämpft für das Überleben der Schule, für Gelder, für die Gehörlosenkultur und für ihre Schützlinge und stellt Charlie den Musterschüler Austin zur Seite, damit ihr die Eingliederung besser gelingt. Zwischen den beiden entwickeln sich Gefühle, aber Charlie muss sich vor allem auf ihren Kampf für körperliche Selbstbestimmung konzentrieren, der bald zu einem Kampf ums Überleben wird.

Meine Meinung:
Aufgrund einer begeisterten Rezension habe ich das Buch beim Verlag angefragt und mich sofort in die Geschichte gestürzt, die mit dem Verschwinden dreier Teenager beginnt. Durch die vielen zusätzlichen Infos, die von der selbst gehörlosen Autorin sehr fundiert zusammengestellt worden sind, erhält das Buch eine zusätzliche Tiefe. Allerdings versucht die Autorin so viele Stimmen, Perspektiven und Überzeugen zu Wort kommen zu lassen, dass das Buch zuweilen überladen wirkt und dass dabei der eigentliche Inhalt, nämlich die Gründe, die zum Verschwinden der Teenager geführt haben, abgelenkt wird.

Schreibstil und Aufbau:
Aus verschiedenen Perspektiven werden Meinungen und Erlebnisse aus der Welt von gehörlosen und hörenden Menschen dargestellt und Spannungen innerhalb von Familien und Beziehungen einfühlsam beleuchtet. Nach vielen Kapiteln gibt es einen kurzen Crash-Kurs in Gebärdensprache (allerdings in der Amerikanischen Gebärdensprache, die in meinen Augen hätte in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt werden müssen) und wissenswerte Infos rund um die Gehörlosenkultur. Dabei geht es unter anderem um Rassismus innerhalb der verschiedenen Gebärdensprache, um wichtige politische Figuren und medizinische Errungenschaften, die oft zugleich Fluch und Segen darstellen.

Meine Empfehlung:
Sara Nović macht mit diesem Roman auf die permanente Bedrohung der Gehörlosenkultur aufmerksam und verpackt ihre Botschaft in einen spannenden aber manchmal ein wenig verzettelten Roman. Dennoch finde ich dieses Buch sehr wichtig und habe die Geschichte um die facettenreiche Charlie gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Sehr berührend und voller Überraschungen

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
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Inhalt:
Harold bestreitet mit seiner Frau Maureen einen einsamen und auch ein wenig traurigen Alltag. Schon seit Jahrzehnten sprechen die beiden nur noch das Nötigste miteinander und existieren still nebeneinander ...

Inhalt:
Harold bestreitet mit seiner Frau Maureen einen einsamen und auch ein wenig traurigen Alltag. Schon seit Jahrzehnten sprechen die beiden nur noch das Nötigste miteinander und existieren still nebeneinander her. War es das schon mit dem Leben? Als Harold einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin erhält, dessen Inhalt ihn tief erschüttert, will er eine Antwort verfassen und diese zum Briefkasten bringen. Aber er geht einfach weiter. Ohne Gepäck, ohne Handy, mit unpassendem Schuhwerk aber einem Herz voller Hoffnung.

Meine Meinung:
Die Geschichte hatte ich schon länger auf meiner Wunschliste und als ich sie in einem offenen Bücherschrank entdeckte, musste das Buch einfach mit. Ich wusste überhaupt nicht, worauf ich mich einlassen würde und wurde immer wieder überrascht von der Tiefe und Traurigkeit des Inhalts, aber auch von der Hoffnung und Liebe zum Leben, die sie immer wieder vermittelt.
Mir hat gefallen, wie Harold einen Fuss vor den anderen setzt, sich auf das Gehen und die Begegnungen unterwegs einlässt, wie er die Menschen nimmt, wie sie sind und wie er dabei auch im wahrsten Sinne des Wortes Schritt für Schritt lernt, seine eigene Vergangenheit zu akzeptieren.

Schreibstil und Aufbau:

"Die Menschen, denen er begegnete, die Orte, die er durchquerte, waren Schritte auf seiner Reise, und jedem einzelnen von ihnen räumte er einen Platz in seinem Herzen ein."

Mir hat sehr gut gefallen, wie ich durch Harolds innere Monologe immer besser verstanden habe, was Queenie ihm bedeutet hat und in welch tragischer Situation Maureen und Harold gefangen waren. Zwischen ihnen hat sich die Verbitterung breit gemacht und es ihnen verunmöglicht, liebevoll miteinander umzugehen. Dies war sehr realistisch und einfühlsam erzählt. Und ausserdem hat mir die Gesellschaftskritik gefallen, die im Buch versteckt ist. Es geht nämlich auch um Menschen, die sich den Ruhm und die Ideen anderer Menschen krallen, um Menschen, die vorschnell urteilen und um Menschen, die anderen nur Böses wollen.

Meine Empfehlung:
Diese langsam erzählte Geschichte überzeugt mit seinem sehr berührenden Inhalt und den liebevollen Beschreibungen der Figuren und der Landschaften, denen Harold begegnet. Zufällig habe ich gerade gesehen, dass es noch zwei Fortsetzungen gibt, die ich mir einmal vormerken werde. Auf jeden Fall empfehle ich euch das Buch sehr gerne weiter und die Autorin werde ich mir merken.

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