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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2025

Leider nicht ganz überzeugend

Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt
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Inhalt:
Kommissar Jennerwein empfängt das ganze Ermittlungsteam in seiner Berghütte. Gespräche über die Arbeit sind streng verboten und der Glühwein fliesst in Strömen. Aber das immer wieder am Fenster ...

Inhalt:
Kommissar Jennerwein empfängt das ganze Ermittlungsteam in seiner Berghütte. Gespräche über die Arbeit sind streng verboten und der Glühwein fliesst in Strömen. Aber das immer wieder am Fenster auftauchende Gesicht, die im Schnee gefundene Drohne und ein seltsamer Besucher lassen aus Spass sehr schnell Ernst werden. Gerade, als Jennerwein nämlich eine Geschichte aus seiner Schulzeit erzählen will, kippt die Stimmung und plötzlich befinden sich alle mitten in einem gefährlichen Kriminalfall.

Meine Meinung:
Voller Vorfreude habe ich mich in dieses Buch gestürzt und der Aufbau, die von Jennerwein erzählten Geschichten aus der Schulzeit sowie die vielen Verstrickungen haben mir anfangs sehr gut gefallen und mich miträtseln lassen. Besonders gut gefallen haben mir die unterschiedlichen Personen im Ermittlerteam, welche alle ihren sehr eigenen Charakter haben und auf ihre Weise zur Lösung des Falles beizutragen versuchen. Nur Jennerwein wirkt immer arroganter und verzettelt sich mehr und mehr in einer Geschichte aus der Vergangenheit, die eigentlich gar nicht so unterhaltsam ist, wie er denkt. Je länger das Buch dauert, desto schleppender entwickelt sich leider auch die gesamte Handlung, die Rückblicke werden repetitiv, die Spannung schwindet und gegen Ende bleiben viele Fragen offen. Die nächsten Bände würden diese wahrscheinlich beantworten, sie interessieren mich aber nicht wirklich.

Fazit:
Viele gute Ideen und ein sehr interessant zusammengesetztes Ermittlungsteam sprechen für dieses Buch. Die ständigen Repetitionen und der leider immer unsympathischere Jennerwein haben mich aber leider nicht überzeugen können, zumal am Ende viele Fragen offen bleiben, deren Antwort wohl in den weiteren Bänden zu finden wäre. Diese werde ich aber nicht lesen und das Buch darf weiterziehen.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Düsteres, abenteuerliches Gedankenexperiment

Das andere Tal
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Inhalt:
In dieser ganz eigenartigen Welt liegen - nur durch steile Gebirgsketten und Zäunen voneinander getrennt - unzählige identische aber um jeweils zwanzig Jahre zeitversetzte Täler nebeneinander. ...

Inhalt:
In dieser ganz eigenartigen Welt liegen - nur durch steile Gebirgsketten und Zäunen voneinander getrennt - unzählige identische aber um jeweils zwanzig Jahre zeitversetzte Täler nebeneinander. Die Grenzen dürfen nicht ohne Erlaubnis des sogenannten Conseils und nur bei einem Trauerfall übertreten werden. Die junge Odile schafft es ins begehrte Aufnahmeverfahren für eine Ausbildung im Conseil zu kommen und beginnt, Gefühle für einen Mitschüler zu entwickeln, von dem sie aber weiss, dass er bald sterben wird, was sie aber eigentlich nicht wissen und verraten darf.
Jahre später ist sie ganz an einem anderen Punkt in ihrem Leben und wird erneut auf die Probe gestellt. Das Konstrukt der Täler suggeriert die Unausweichlichkeit der eigenen Zukunft. Gelingt es Odile trotzdem, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen? Und zu welchem Preis?

Meine Meinung:
Das Buch ist mir einige Male bei Instagram begegnet, ich wusste aber nicht, ob es mir zusagen würde. Dann habe ich es ganz überraschend von Esther erhalten und mich in den letzten Tagen auf diese abenteuerliche, philosophische und tragische Geschichte eingelassen. Die Idee für diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen, auch wenn sich daraus auch einige Ungereimtheiten ergeben. Howard wirft aber ganz wichtige und spannende Fragen auf: wie kann man sich einem scheinbar vorbestimmten Schicksal stellen? Welche Rolle spielen Freundschaft und Loyalität in unserem Leben? Wie geht man mit der Verantwortung um, wenn man plötzlich Macht über andere hat und welcher Preis hat die eigene Freiheit?

Schreibstil und Aufbau:
Durch die ganze Geschichte zieht sich eine düstere Grundstimmung und und die Macht des Conseils, der Grenzer und Gendarmen erinnern sehr stark an verschiedene Dystopien wie "The Hunger Games" oder auch "Brave New World". Eine nicht näher definierte Obrigkeit herrscht fast diktatorisch über eine stark eingeschränkte Gesellschaft, die auf das Entgegenkommen und Wohlwollen einzelner angewiesen ist, wenn sie sich letzte Wünsche erfüllen oder geliebte Verstorbene noch einmal sehen will.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert und viele Beschreibungen lassen ganz tief eintauchen, die Handlung geht aber eher langsam voran. Wir begleiten unsere Protagonistin Odile eng auf ihrem steinigen Weg und sehen zu, wie sie harte Entscheide fällen, schnell reagieren und viele Gefühlte unterdrücken muss. Dies geht nahe und regt zum Nachdenken an.

Meine Empfehlung:
Ich habe mich sehr gerne auf dieses gekonnt erzählte Gedankenexperiment eingelassen, auch wenn sich nicht alles ganz rund gefügt hat. Auusserdem kann ich nun verstehen, warum der Schluss Diskussionspotenzial birgt. Das ist aber auch das Schöne an einer solch abenteuerlichen Geschichte und ich habe mich gerne zum Nachdenken anregen lassen.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Liebevoll erzählt mit Meerfeeling

Über dem Meer tanzt das Licht
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Inhalt:
Maria, Morlen, Hannah und Simon. Eine kleine, unperfekte Familie auf Norderney, ein Patchworkonstrukt auf Augenhöhe mit Jan, Morlens Vater. Das gemeinsame Vermissen von Iris, Marias Mutter und ...

Inhalt:
Maria, Morlen, Hannah und Simon. Eine kleine, unperfekte Familie auf Norderney, ein Patchworkonstrukt auf Augenhöhe mit Jan, Morlens Vater. Das gemeinsame Vermissen von Iris, Marias Mutter und ein gemütliches Inselcafé namens "Die Strandmuschel". Das Leben auf der Nordseeinsel könnte so einfach sein, aber unerfüllte Träume aus der Vergangenheit wiegen plötzlich schwer. Das Abenteuer ruft, das Geld ist knapp und die harte Realität sieht nicht ganz so idyllisch aus, wie es auf den ersten Blick scheint.

Meine Meinung:
Im Dezember 2023 habe ich "Sterne glitzern auch im Schnee" gelesen und beschlossen, alle Bücher von Meike Werkmeister in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Und nach drei Büchern kann ich ganz ehrlich sagen: alle diese Bücher hängen enger zusammen, als ich anfangs dachte. Immer wieder tauchen bekannte Figuren auf, entwickeln sich weiter und irgendwann kennen wir wohl alle Bewohnenden von Norderney. Marias Geschichte hat mir übrigens noch viel besser gefallen, als Annis Geschichte. Obwohl sie auf den ersten Blick flatterhaft und unentschieden wirkt, hat sie doch einen starken Willen, grosse Träume und ist voller Liebe und Fürsorge für ihre Familie und andere Herzensmenschen.

Schreibstil:
Auch durch dieses Buch von Meike Werkmeister bin ich in kürzester Zeit durchgerast. Sie schreibt so leicht und unbeschwert und schafft es dennoch, ganz unterschiedliche, realistische und auch schwierige Themen einzubinden, ihre Figuren in einem Alltag zu zeigen, der Hochs und Tiefs, Ecken und Kanten hat und einfach genau so ist, wie das Leben spielt. Auch in diesem Buch der Autorin geht es nicht - wie leider so oft in diesem Genre - um eine an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte, sondern um eine Familie, die bereits besteht, die sich aber einfach neu finden muss.
Mit Simons Verhalten war ich zwar definitiv nicht immer einverstanden und ich hätte ihn wohl nicht so leicht davonkommen lassen, aber alles in allem hat mich die Geschichte überzeugt.

Meine Empfehlung:
Marias Geschichte hat mir wunderschöne, gemütliche Lesestunden mit einer kühlen Meerbrise, Sand zwischen den Zehen und frischem Kaffee beschert. Auch in diesem Band setzt der liebevoll gestaltete Anhang der realistischen, berührenden Handlung noch das Krönchen auf. Ich bin ein Fan.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Dramatisch und hochaktuell

Die Geschichte des Wassers
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Inhalt:
"Mein ganze Welt war Wasser. Die Hügel, Berge, Steine, Wiesen waren nur winzige Inseln in dem, was die eigentliche Welt darstellte, und ich nannte meine Welt Erde, aber ich dachte, eigentlich müsste ...

Inhalt:
"Mein ganze Welt war Wasser. Die Hügel, Berge, Steine, Wiesen waren nur winzige Inseln in dem, was die eigentliche Welt darstellte, und ich nannte meine Welt Erde, aber ich dachte, eigentlich müsste sie Wasser heissen."
Im Jahr 2017 kämpft die norwegische Umweltaktivistin Signe für die Natur ihrer Heimat und letztendlich der ganzen Erde, ihr Kampf dauert schon lange an und wird immer härter. Ein wenig mehr als zwanzig Jahre später sucht David mit seiner Tochter Lou nach überlebenden Verwandten, nach Schutz vor den Bränden und der Hitze und nach Wasser. Immer wieder nach Wasser...

Meine Meinung:
Dieses Buch zu lesen, während in anderen Teilen der Welt Wälder brennen und Menschen vor Bränden, Dürren, Hungersnöten und Krieg flüchten, geht nahe und hat mich immer wieder tief erschüttert und berührt. Im zweiten Band ihres dystopischen Klimaquartetts nimmt sich Lunde dem Element an, das uns alle am Leben hält, das aber - wenn es ganz fehlt oder im Überfluss auftritt - schnell auch zur Todesfalle werden kann. Ihr in der Zukunft liegender Erzählstrang ist nur knapp sechzehn Jahre von meiner heutigen Welt entfernt. Jahre, in denen ich nicht weiss, welche Katastrophen noch vor uns liegen. Und wie in "Die Geschichte der Bienen" schafft es die Autorin zugleich gnadenlos ernst in eine sehr düstere Zukunft zu blicken, aber auch die Hoffnung auf Menschlichkeit zu wecken.

Schreibstil und Aufbau:
Die beiden auf den ersten Blick nicht zusammenhängenden Handlungsstränge wechseln sich in eher kurzen und immer kürzeren Kapiteln ab. Während sich der Durst von David und Lou zuspitzt und ihre Lage immer dramatischer wird, wird auch die Erzählweise hektischer. Wie bei einem rasant geschnittenen Film wechseln sich die Szenen und Rückblenden ab und haben mich die letzten Seiten des Buches innerhalb von kürzester Zeit verschlingen lassen.

Meine Empfehlung:
Was Lunde zeigt, ist unangenehm, es macht Angst und liegt doch nicht so weit weg von der Realität, der sich heute schon viele Menschen auf dieser Welt stellen müssen. Hochaktuell, dramatisch und dennoch sehr zugänglich erzählt nähert sich Lunde den intensiven Themen und zeigt dabei ihr ganzes schriftstellerisches Können.

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Veröffentlicht am 07.01.2025

Beeindruckendes Portrait einer in Vergessenheit geratenen Frau

Die Entflammten
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Inhalt:

Simone Meier war mir bis Mitte Oktober 2024 gar kein Begriff. Dann aber ging ich mit Angie zu einer wunderbaren Lesung von "Die Entflammten" und realisierte erst da, wovon das Buch überhaupt handelt. ...

Inhalt:

Simone Meier war mir bis Mitte Oktober 2024 gar kein Begriff. Dann aber ging ich mit Angie zu einer wunderbaren Lesung von "Die Entflammten" und realisierte erst da, wovon das Buch überhaupt handelt. Meier nimmt sich nämlich der Lebensgeschichte von Jo van Gogh-Bonger an. Der Frau, die hauptverantwortlich war für den weltweiten Ruhm ihres Schwagers Vincent van Gogh und die immer wieder aus so vielen Geschichtsbüchern ausradiert worden war.

Meine Meinung:
Um so besser, dass ich anfangs Oktober auch gleich ein paar Bilder von Vincent van Gogh im MoMa in New York bestaunt hatte. Und so fügte sich alles zu einem schönen Gesamtbild und ich startete mit diesem Buch ins Jahr 2025. Es dauerte ein paar Kapitel, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen war, aber dann fand ich mich immer besser zurecht und war begeistert von Meiers Sprache, von der Leichtigkeit, mit der sie gekonnt historische Fakten rund um die bewegte Lebensgeschichte von Jo van Gogh-Bonger mit fiktiven Elementen verwebt.

Schreibstil und Aufbau:
Die Geschichte wird in zwei immer enger ineinander verschmelzenden Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart begleiten wir die Kunsthistorikerin Gina nach Italien ans Meer ins Haus ihres Vaters, einem Schriftsteller, der nur ein einziges Buch geschrieben hat und an weiteren Versuchen gescheitert ist. Dort will Gina eine Arbeit über Jo van Gogh-Bonger schreiben, welche sich bald als grösser und mächtiger erweist, als erwartet. Ihre inneren Dialoge mit Jo werden immer intensiver, die Biografien der beiden Frauen beginnen sich einander anzunähern und in fiktiven Treffen zu vereinen, Gina beginnt, ihre Arbeit als ganzen Roman zu schreiben. Im Vergangenheitsstrang begleiten wir Jo durch ihren Alltag in Paris und Amsterdam, lernen sie als junge Frau und Partnerin von Theo van Gogh, als Schwägerin und Bewundererin von Vincent van Gogh und später als dessen wichtigste und einflussreichste Galeristin und Managerin kennen und erhalten tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt.

Meine Empfehlung:
Simone Meier ist mit diesem gekonnt erzählten und auf fundierten Recherchen basierenden Roman ein kleines Meisterwerk gelungen. Sie hat nicht nur eine packende und berührende Geschichte geschrieben, sondern damit Jo van Gogh-Bonger auch ein würdiges Andenken geschaffen.

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