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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2018

Ein Kartell in Südkorea - die Plotter

Die Plotter
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Die Plotter“ - kein Titel, der Aufmerksamkeit erregt. Was oder wer sind Plotter? Das Cover ist ansprechender, deutet auf einen Thriller hin.
Der Inhalt aber ist anrührend. Man begleitet Raeseng, die Hauptfigur ...

Die Plotter“ - kein Titel, der Aufmerksamkeit erregt. Was oder wer sind Plotter? Das Cover ist ansprechender, deutet auf einen Thriller hin.
Der Inhalt aber ist anrührend. Man begleitet Raeseng, die Hauptfigur vom Auffinden in einer Mülltonne über eine ganze Strecke seines Lebens. Ungeliebt, isoliert, ohne jeglichen Schulbesuch, wächst er in einer Bibliothek auf. Jedoch ist dieser Ort seines Namens nicht würdig, ist er jedoch Planungs- und Schaltzentrale für Auftragsmorde und spurlose Leichenbeseitigung. Die Morde werden durch Tracker und Plotter durchgeführt. „Die Welt der Plotter war ein einziges, großes Kartell.“ Zwangsläufig wird Raeseng einer von ihnen.
Er beobachtet seine Opfer, spricht mit ihnen, erfüllt ihnen Wünsche und tötet sie trotzdem unbeirrt. Er erfährt Lebensgeschichten, findet Freunde, sogar eine Frau und wirft alles weg, um weiter ein Plotter zu sein. Kann Mito das ändern?
Un-Su Kim zeigt eine abstruse Welt, zeichnet seine Charaktere so anschaulich, als ob sie vor einem stünden und bedient sich manchmal einer sehr poetischen und blumigen Sprache. Es gelingt ihm, Mörder gleichzeitig als eiskalt zu beschreiben und trotzdem ein wenig Verständnis für sie zu erwecken. Für die Umwelt sind „normale“ Friseure, Anwälte, Ärzte, Verkäufer oder Bibliothekare unauffällig, in Wirklichkeit sind sie jedoch erbarmungslose Plotter, die für ein Geringes ihre Auftragsmorde begehen. Verloren für eine humane Gesellschaft.
Die Handlung spielt in Südkorea, vielleicht wirkt dadurch für mich Vieles sehr fremd, aber interessant.
Dieser Thriller aus dem Europa Verlag, übersetzt aus dem Englischen von Rainer Schmidt, ist sehr lesenswert. Meine Empfehlung!

Veröffentlicht am 28.11.2018

Galgenmännchen

Deine letzte Stunde
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Raquel bekommt eine befristete Stelle als Vertretungslehrerin, ausgerechnet im galicischen Heimatort ihres arbeitslosen Ehemannes. Was sie zunächst nicht weiß: ihre allseits beliebte Vorgängerin hat Selbstmord ...

Raquel bekommt eine befristete Stelle als Vertretungslehrerin, ausgerechnet im galicischen Heimatort ihres arbeitslosen Ehemannes. Was sie zunächst nicht weiß: ihre allseits beliebte Vorgängerin hat Selbstmord begangen. Wirklich? Waren ihre Schüler schuld und droht ihr dasselbe Schicksal? Schon in ihrer ersten Stunde wird ihr ein Blatt mit einem unvollständigen Galgenmännchen mit ihrem Namen zugespielt. Erpressungsversuche folgen. Wer weiß von ihrer Affäre und besitzt die entlarvenden Fotos? Raquel stellt auf eigene Faust Ermittlungen an. Das gefällt nicht jedem.
Carlos Montero hat viele immer aktuelle Themen angeschnitten: Mobbing, Erpressung, Drogen, Internetkriminalität, Sex und Beziehungen, die schlechte Arbeitsmarktsituation in vielen Regionen Spaniens. Alles spielt eine Rolle, alles betrifft Raquel. Diese ist permanent überfordert, handelt naiv und unlogisch. Ihr Ehemann ist ihr keine Stütze, der Polizei vertraut sie nicht, Schüler bedrohen sie. Trotzdem forscht sie weiter.
Ein interessanter und flüssig zu lesender Schreibstil. Aber: Bis auf die widersprüchliche Hauptfigur bleiben die Charaktere blass und undurchsichtig. Hintergründe werden nur angerissen, wirkliche Spannung kommt selten auf. Schade, hier gäbe es so viel mehr Potenzial.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Thema
Veröffentlicht am 20.11.2018

Mia verbessert die Welt

Fuck the Reiswaffel
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Mia ist schon fast ein Jahr alt und fühlt sich als Mittelpunkt ihrer Familie, die da aus Papa Chris, dem Musiker, und Mama Heike, der Kunstdozentin besteht. Und aus Fritz, der gemütlich in Mamas Bauch ...

Mia ist schon fast ein Jahr alt und fühlt sich als Mittelpunkt ihrer Familie, die da aus Papa Chris, dem Musiker, und Mama Heike, der Kunstdozentin besteht. Und aus Fritz, der gemütlich in Mamas Bauch hockt. Von Mia sehr unerwünscht. Guter Freund ist Teddy, welterfahren, zynisch und Ratgeber. Sönke-Wotan, gleich alt und rotgelockt, ist favorisierter Spielkamerad. Den braucht Mia dringend als Verbündeten gegen überkorrekte Öko-, Bio-, Fairtrade- usw. Eltern. Oma lässt auch mal Schokolade durchgehen, dafür ist sie hoffnungslos altmodisch. Bei Mama gibt es nur Dinkel- oder Quinoagesundes. Aber Mama spielt mit ihr, sorgt für sie, möchte jedoch gern auch arbeiten und Geld verdienen. Also soll Papa in Elternzeit. Das gefällt weder ihm noch den Großeltern. Doch so geschieht es.
Herrlich, wie Mia den Alltag schildert, Begebenheiten in der Waldkita zum Besten gibt, spießige Doppelnamengeber bloßstellt und mit gutgemeinten Eherettungsaktionen den Haushalt auf den Kopf stellt, teure Naturseidenkleider ruiniert und Heucheleien entlarvt.
Barbara Ruscher offenbart, dass die angebliche Gleichberechtigung oft nur ein Lippenbekenntnis ist und zeigt, dass hier noch viel Handlungsbedarf besteht. Das Ganze so humorvoll und überspitzt dargestellt, dass das Lesen dieses Buches aus dem Aufbau Verlag ein großer Spaß ist.

Veröffentlicht am 18.10.2018

So romantisch

Cinder & Ella
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Ella liebt Bücher, besonders ein ganz spezielles. Sie führt einen Blog, rezensiert Bücher und Filme und freundet sich mit einem ebenso großen Fan ihres Lieblingsbuches, Nickname Cinder ( wie die Hauptfigur) ...

Ella liebt Bücher, besonders ein ganz spezielles. Sie führt einen Blog, rezensiert Bücher und Filme und freundet sich mit einem ebenso großen Fan ihres Lieblingsbuches, Nickname Cinder ( wie die Hauptfigur) an.
Ein Autounfall ändert alles. Ihre Mutter stirbt. Mit schwersten Verletzungen und Verbrennungen verbringt sie acht Monate in Kliniken. Danach muss sie zu ihrem geschiedenen Vater ziehen. Der hat eine neue Familie, Frau und zwei Töchter. Ihre Halbschwestern sind so gar nicht begeistert. Nicht nur sie, auch Mitschüler in der neuen Schule schikanieren Ella nach Kräften. Einzig Cinder, ihr Onlinefreund, ermutigt sie und gibt ihr Halt in dieser Zeit. Was sie nicht weiß: Cinder ist ein bekannter Schauspieler und Teenieschwarm.
Eine Romanze, eine gefühlvolle Geschichte über eine Liebe, die allen widrigen Umständen zum Trotz eine Chance hat. Werden Cinder und Ella sie nutzen?
Kelly Oram trifft den genau richtigen Ton für diese Story. Gut zu lesen, gute Lektüre, nicht nur für young adults, auch für alle, die romantische Geschichten lieben.
Ein Pageturner aus dem Bastei Entertainment Verlag, übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Fabienne Pfeiffer.

Veröffentlicht am 18.10.2018

Berühmte Weihnachtsbriefe

Habt alle ein schönes Fest und einen warmen Ofen!
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Petra Müller und Rainer Wieland haben schönste Briefe berühmter Männer und Frauen zusammengetragen. Egal, ob diese an Verwandte, Geliebte, Freunde oder Bekannte geschrieben wurden: sie sind wunderbarer ...

Petra Müller und Rainer Wieland haben schönste Briefe berühmter Männer und Frauen zusammengetragen. Egal, ob diese an Verwandte, Geliebte, Freunde oder Bekannte geschrieben wurden: sie sind wunderbarer Lesestoff, für den man sich Zeit nehmen sollte. Zu Wort kommen u.a. Thomas Mann, Mark Twain, Hans Christian Andersen, Oscar Maria Remarque, Rosa Luxemburg und viele andere.
Eingeleitet wird das Buch mit Zitaten aus den darauffolgenden Briefen, eine gute Einstimmung auf das Thema Weihnachten. Die Briefe selbst sind liebevoll, ironisch, heiter, melancholisch, erwartungsvoll und spiegeln das Leben der Verfasser wieder, sind ein Stück Zeitgeschichte.
Vervollständigt wird jedes Schriftstück durch die Anmerkungen der Autoren zur Biographie der Briefverfasser, dadurch kommt man den Personen viel näher und sieht Hintergründe zum Geschriebenen.
Dieses Buch aus dem Propyläen Verlag eignet sich besonders in der Adventszeit als besinnliche Lektüre.