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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2025

Baustelle, Glamour und Handwerk

Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt!
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Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! von Sandra Hunke ist ein Buch, das auf den ersten Blick vielversprechend wirkt: Eine junge Frau, die als Model arbeitet und zugleich als Anlagenmechanikerin für Sanitär-, ...

Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! von Sandra Hunke ist ein Buch, das auf den ersten Blick vielversprechend wirkt: Eine junge Frau, die als Model arbeitet und zugleich als Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bekannt wurde, erzählt aus ihrem Leben zwischen Baustelle und Glamourwelt. Gerade dieser Kontrast weckt Neugier, denn Hunke bricht mit Klischees und zeigt, dass Handwerk und Weiblichkeit keineswegs Gegensätze sein müssen.

Beim Lesen merkt man jedoch schnell, dass die Inhalte eher anekdotisch als tiefgehend sind. Zwar bietet Hunke spannende Einblicke in ihren Alltag, die Hürden in einer männerdominierten Branche und den Spagat zwischen öffentlichem Auftritt und Arbeitsalltag. Doch oft bleiben die Geschichten an der Oberfläche, wirken mehr wie locker erzählte Episoden als wie ein reflektierter Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Wer sich eine fundierte Auseinandersetzung mit Themen wie Gleichberechtigung im Handwerk, Ausbildungsbedingungen oder die Zukunft des Berufs wünscht, wird vermutlich etwas enttäuscht sein.

Stilistisch liest sich das Buch flüssig und nahbar, fast so, als säße man mit Hunke im Gespräch. Das macht es leicht zugänglich, aber manchmal auch etwas zu simpel – manche Passagen hätten mehr Tiefe und sprachliche Präzision vertragen. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass Hunke mit ihrem Enthusiasmus und ihrem Engagement für das Handwerk ansteckend wirkt. Man spürt, wie sehr sie ihren Beruf liebt und wie sehr sie andere dafür begeistern möchte.

Insgesamt ist Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! eine sympathische Mischung aus Autobiografie und Motivationstext, die vor allem junge Leser:innen oder Menschen am Anfang ihrer beruflichen Orientierung inspirieren kann. Wer aber nach einer wirklich kritischen oder differenzierten Auseinandersetzung mit dem Handwerk und seinen Herausforderungen sucht, bekommt hier eher leichte Kost mit persönlichem Charme, aber wenig analytischer Tiefe.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Zwischen Reis und Erinnerung – Yuko Kuhns leiser Roman Onigiri

Onigiri
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Yuko Kuhns Debütroman Onigiri erzählt die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von Krankheit, Erinnerung und kultureller Herkunft geprägt ist. Im Mittelpunkt steht Aki, deren Mutter Keiko an ...

Yuko Kuhns Debütroman Onigiri erzählt die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von Krankheit, Erinnerung und kultureller Herkunft geprägt ist. Im Mittelpunkt steht Aki, deren Mutter Keiko an Demenz erkrankt ist. Nach dem Tod der Großmutter beschließt Aki, mit ihrer Mutter nach Kobe in Japan zu reisen – zurück an den Ort, den Keiko einst verlassen hat und der tief in ihrem Gedächtnis verwurzelt ist. Diese Reise wird zu einer leisen, aber intensiven Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Identität und familiären Bindungen.

Die titelgebenden Onigiri, kleine japanische Reisbällchen, sind dabei mehr als nur ein Symbol für Heimat. Sie stehen für Trost, Nähe und die unsichtbaren Fäden, die Familienmitglieder auch in Zeiten der Sprachlosigkeit miteinander verbinden. Immer wieder schafft Kuhn in kleinen Szenen Momente der Nähe zwischen Mutter und Tochter – sei es beim gemeinsamen Essen oder in kurzen Augenblicken, in denen Keikos Erinnerung wieder aufflackert. Gerade diese stillen, alltäglichen Beobachtungen sind es, die dem Roman seine besondere poetische Kraft verleihen.

Sprachlich überzeugt Onigiri durch seine ruhige, klare und oft zärtliche Erzählweise. Kuhn schildert die Begegnungen, Rückblenden und inneren Monologe mit einer Zurückhaltung, die dem Thema Demenz gerecht wird, ohne ins Sentimentale abzurutschen. Die Sprache ist schlicht, aber atmosphärisch dicht, sodass schon kleine Details eine große emotionale Wirkung entfalten können.

Gleichzeitig ist der Roman nicht frei von Schwächen. Mehrere Rückblenden und Zeitsprünge sorgen dafür, dass die Handlung stellenweise fragmentarisch wirkt. Manchmal fällt es schwer, die Zeitebenen klar auseinanderzuhalten. Auch der Ton bleibt bewusst distanziert – was einerseits zur Ruhe und Sanftheit des Textes passt, andererseits aber dazu führen kann, dass manche Leserinnen und Leser eine stärkere emotionale Nähe zu den Figuren vermissen.

Insgesamt ist Onigiri ein stiller, feinfühliger Roman, der weniger durch äußere Spannung als durch innere Atmosphäre überzeugt. Yuko Kuhn gelingt es, die Themen Erinnerung, Herkunft und Mutter-Tochter-Liebe auf unaufdringliche Weise zu verknüpfen. Wer eine laute, dramatische Geschichte erwartet, könnte enttäuscht werden. Wer sich jedoch auf die ruhige Erzählweise einlässt, wird mit einem berührenden, poetischen Leseerlebnis belohnt, das lange nachklingt.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Schmerz und Selbstbestimmung

Girls
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Das Cover von Girls hat mich sofort angesprochen. Es wirkt gleichzeitig zart und kraftvoll und gibt subtil die Stimmung des Romans wieder – verletzlich, aber nicht ohne Hoffnung. Es passt hervorragend ...

Das Cover von Girls hat mich sofort angesprochen. Es wirkt gleichzeitig zart und kraftvoll und gibt subtil die Stimmung des Romans wieder – verletzlich, aber nicht ohne Hoffnung. Es passt hervorragend zum Inhalt, ohne zu viel vorwegzunehmen, und spiegelt die emotionale Tiefe der Geschichte wider.

In Girls geht es um komplexe Familienbeziehungen, Identitätsfragen und die Auswirkungen emotionaler Vernachlässigung. Kirsty Capes greift Themen wie psychische Gesundheit, Selbstbestimmung, soziale Herkunft und weibliche Selbstermächtigung auf – alles eingebettet in eine feinfühlige, aber direkte Erzählweise. Besonders gelungen finde ich, wie Capes gesellschaftliche Tabus anspricht, ohne belehrend zu sein.

Der Schreibstil ist klar, eindringlich und oft von einer scharfen Selbstironie geprägt. Capes gelingt es, mit wenigen Worten eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Ihre Sprache ist modern, aber nicht überstilisiert – sie lässt Raum für Emotionen und gibt den Figuren genug Tiefe, um sie lebendig wirken zu lassen.

Die Hauptfigur, Clara, ist keine einfache Protagonistin – und genau das macht sie so glaubwürdig. Ihre Widersprüche, ihr innerer Kampf und ihre Suche nach einem Platz in der Welt sind nachvollziehbar und berührend. Auch die Nebenfiguren – von Pflegeeltern über Freundinnen bis zu Lehrerinnen – sind nicht bloß Statisten, sondern tragen zur emotionalen Wucht der Geschichte bei.

Was das Buch für mich besonders macht, ist die Verbindung von persönlichem Schicksal und gesellschaftlicher Relevanz. Kirsty Capes, selbst in Pflegefamilien aufgewachsen, schreibt mit spürbarer Authentizität. Das verleiht der Geschichte eine besondere Intensität und Ehrlichkeit.

Fazit: Girls ist kein Wohlfühlroman – aber ein wichtiges, berührendes Buch über das Erwachsenwerden unter schwierigen Umständen. Ich empfehle es allen, die literarisch tiefgründige, mutige Geschichten über Familie, Verletzlichkeit und Hoffnung suchen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Subtiles Machtspiel mit Gänsehaut-Effekt

Gesellschaftsspiel
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Schon das Cover von Gesellschaftsspiel hat mich neugierig gemacht: Es ist schlicht, fast kühl, mit subtilen Details, die beim genaueren Hinsehen viel über die Atmosphäre verraten. Diese Zurückhaltung passt ...

Schon das Cover von Gesellschaftsspiel hat mich neugierig gemacht: Es ist schlicht, fast kühl, mit subtilen Details, die beim genaueren Hinsehen viel über die Atmosphäre verraten. Diese Zurückhaltung passt perfekt zum Inhalt, denn Dora Zwickau erzählt hier keine laute Geschichte, sondern eine, die sich leise, fast schleichend entfaltet.

Die Handlung dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die in einem scheinbar harmlosen Spiel soziale Rollen und Machtgefüge ausloten. Viel mehr möchte ich nicht verraten, denn gerade das Ungewisse macht den Reiz aus. Zwickau schafft es, das Thema Gruppendynamik und subtile Manipulation spannend umzusetzen, ohne ins Klischee abzurutschen. Die Geschichte wirkt realistisch und gleichzeitig leicht surreal – ein Balanceakt, der ihr gut gelingt.

Der Schreibstil ist präzise und dicht. Zwickau hat eine klare Sprache, die aber immer wieder poetische Momente zulässt. Besonders gefallen hat mir, wie sie Stimmungen zeichnet: Mit wenigen Worten schafft sie es, ein Unbehagen zu erzeugen, das lange nachhallt.

Die Figuren sind meiner Meinung nach die größte Stärke des Romans. Sie wirken alle greifbar, haben Widersprüche und Abgründe, die nicht plakativ erklärt werden. Ich konnte mich in viele ihrer Gedanken hineinversetzen, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer gutheißen mochte. Genau das macht sie so authentisch.

Für mich war das Buch vor allem deshalb interessant, weil es unsere alltäglichen „Spiele“ in sozialen Gefügen so treffend beschreibt. Dora Zwickau kannte ich vorher nicht, werde mir aber sicher auch ihre anderen Werke anschauen, wenn sie stilistisch ähnlich sind.

Fazit: Gesellschaftsspiel ist ein kluges, atmosphärisches Buch für alle, die psychologische Spannung mögen, ohne blutige Effekte zu brauchen. Wer feine Beobachtungen und vielschichtige Figuren schätzt, sollte Dora Zwickau unbedingt eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Sterne und Sehnsucht - eine Liebesgeschichte im Raumanzug

Atmosphere
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Schon das Cover von Atmosphere weckt Neugier: Eine Frau mit wildem Haar blickt entschlossen in den Himmel – in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich eine startende Rakete. Dieses Bild fasst das Thema des Romans ...

Schon das Cover von Atmosphere weckt Neugier: Eine Frau mit wildem Haar blickt entschlossen in den Himmel – in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich eine startende Rakete. Dieses Bild fasst das Thema des Romans treffend zusammen: Es geht um Aufbruch, um Träume, die scheinbar unerreichbar sind, und um die Frage, wie man gleichzeitig fliegen und geerdet bleiben kann.

Taylor Jenkins Reid erzählt die Geschichte einer Frau, die in einer männerdominierten Welt ihren Platz sucht – und findet. Die Protagonistin beginnt ihre Karriere als Anwärterin bei der NASA, kämpft sich durch ein anspruchsvolles Auswahlverfahren und erlebt schließlich die Realität des Astronautinnen-Daseins. Die Autorin schafft es, dabei einen authentischen Blick hinter die Kulissen der US-Raumfahrt zu werfen: Die technischen Abläufe, die Hierarchien, die körperlichen und psychischen Anforderungen werden glaubhaft und detailreich geschildert – ohne die Leser*innen zu überfordern.

Doch Atmosphere ist weit mehr als ein Roman über Raumfahrt. Im Kern ist es eine berührende Geschichte über Liebe, Zugehörigkeit und den Wunsch nach einem Zuhause – sei es auf der Erde oder jenseits davon. Es ist ein feministisches Buch, das von weiblicher Stärke und der Überwindung gesellschaftlicher Konventionen erzählt. Besonders gelungen ist dabei die Balance zwischen technischer Sachlichkeit und emotionaler Tiefe. Reid schreibt eindringlich und zugleich leicht zugänglich – auch wenn der Einstieg aufgrund der vielen Figuren und NASA-Begriffe etwas Konzentration verlangt.

Die Figuren sind lebendig und glaubwürdig gezeichnet, allen voran die Hauptfigur, die durch ihre Widersprüche und ihr inneres Ringen sehr menschlich wirkt. Ihre Reise – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn – hat mich tief bewegt.

Atmosphere ist ein Roman über das Fliegen und das Ankommen. Ein kluges, warmherziges Buch, das technisches Wissen mit emotionaler Tiefe verbindet und dabei feministische Themen nicht plakativ, sondern ganz selbstverständlich erzählt. Wer starke Frauenfiguren, ungewöhnliche Liebesgeschichten und atmosphärisches Erzählen mag, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Absolut empfehlenswert – nicht nur für Fans der Raumfahrt.

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