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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2025

Subtiles Machtspiel mit Gänsehaut-Effekt

Gesellschaftsspiel
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Schon das Cover von Gesellschaftsspiel hat mich neugierig gemacht: Es ist schlicht, fast kühl, mit subtilen Details, die beim genaueren Hinsehen viel über die Atmosphäre verraten. Diese Zurückhaltung passt ...

Schon das Cover von Gesellschaftsspiel hat mich neugierig gemacht: Es ist schlicht, fast kühl, mit subtilen Details, die beim genaueren Hinsehen viel über die Atmosphäre verraten. Diese Zurückhaltung passt perfekt zum Inhalt, denn Dora Zwickau erzählt hier keine laute Geschichte, sondern eine, die sich leise, fast schleichend entfaltet.

Die Handlung dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die in einem scheinbar harmlosen Spiel soziale Rollen und Machtgefüge ausloten. Viel mehr möchte ich nicht verraten, denn gerade das Ungewisse macht den Reiz aus. Zwickau schafft es, das Thema Gruppendynamik und subtile Manipulation spannend umzusetzen, ohne ins Klischee abzurutschen. Die Geschichte wirkt realistisch und gleichzeitig leicht surreal – ein Balanceakt, der ihr gut gelingt.

Der Schreibstil ist präzise und dicht. Zwickau hat eine klare Sprache, die aber immer wieder poetische Momente zulässt. Besonders gefallen hat mir, wie sie Stimmungen zeichnet: Mit wenigen Worten schafft sie es, ein Unbehagen zu erzeugen, das lange nachhallt.

Die Figuren sind meiner Meinung nach die größte Stärke des Romans. Sie wirken alle greifbar, haben Widersprüche und Abgründe, die nicht plakativ erklärt werden. Ich konnte mich in viele ihrer Gedanken hineinversetzen, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer gutheißen mochte. Genau das macht sie so authentisch.

Für mich war das Buch vor allem deshalb interessant, weil es unsere alltäglichen „Spiele“ in sozialen Gefügen so treffend beschreibt. Dora Zwickau kannte ich vorher nicht, werde mir aber sicher auch ihre anderen Werke anschauen, wenn sie stilistisch ähnlich sind.

Fazit: Gesellschaftsspiel ist ein kluges, atmosphärisches Buch für alle, die psychologische Spannung mögen, ohne blutige Effekte zu brauchen. Wer feine Beobachtungen und vielschichtige Figuren schätzt, sollte Dora Zwickau unbedingt eine Chance geben.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2025

Sterne und Sehnsucht - eine Liebesgeschichte im Raumanzug

Atmosphere
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Schon das Cover von Atmosphere weckt Neugier: Eine Frau mit wildem Haar blickt entschlossen in den Himmel – in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich eine startende Rakete. Dieses Bild fasst das Thema des Romans ...

Schon das Cover von Atmosphere weckt Neugier: Eine Frau mit wildem Haar blickt entschlossen in den Himmel – in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich eine startende Rakete. Dieses Bild fasst das Thema des Romans treffend zusammen: Es geht um Aufbruch, um Träume, die scheinbar unerreichbar sind, und um die Frage, wie man gleichzeitig fliegen und geerdet bleiben kann.

Taylor Jenkins Reid erzählt die Geschichte einer Frau, die in einer männerdominierten Welt ihren Platz sucht – und findet. Die Protagonistin beginnt ihre Karriere als Anwärterin bei der NASA, kämpft sich durch ein anspruchsvolles Auswahlverfahren und erlebt schließlich die Realität des Astronautinnen-Daseins. Die Autorin schafft es, dabei einen authentischen Blick hinter die Kulissen der US-Raumfahrt zu werfen: Die technischen Abläufe, die Hierarchien, die körperlichen und psychischen Anforderungen werden glaubhaft und detailreich geschildert – ohne die Leser*innen zu überfordern.

Doch Atmosphere ist weit mehr als ein Roman über Raumfahrt. Im Kern ist es eine berührende Geschichte über Liebe, Zugehörigkeit und den Wunsch nach einem Zuhause – sei es auf der Erde oder jenseits davon. Es ist ein feministisches Buch, das von weiblicher Stärke und der Überwindung gesellschaftlicher Konventionen erzählt. Besonders gelungen ist dabei die Balance zwischen technischer Sachlichkeit und emotionaler Tiefe. Reid schreibt eindringlich und zugleich leicht zugänglich – auch wenn der Einstieg aufgrund der vielen Figuren und NASA-Begriffe etwas Konzentration verlangt.

Die Figuren sind lebendig und glaubwürdig gezeichnet, allen voran die Hauptfigur, die durch ihre Widersprüche und ihr inneres Ringen sehr menschlich wirkt. Ihre Reise – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn – hat mich tief bewegt.

Atmosphere ist ein Roman über das Fliegen und das Ankommen. Ein kluges, warmherziges Buch, das technisches Wissen mit emotionaler Tiefe verbindet und dabei feministische Themen nicht plakativ, sondern ganz selbstverständlich erzählt. Wer starke Frauenfiguren, ungewöhnliche Liebesgeschichten und atmosphärisches Erzählen mag, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Absolut empfehlenswert – nicht nur für Fans der Raumfahrt.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Ein Leben, zwei Wege

Im Leben nebenan
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Was wäre, wenn man eines Morgens in einem völlig anderen Leben aufwacht – in einem, das man sich irgendwann vielleicht einmal ausgemalt hat, aber nie gewählt hat? Genau mit dieser Frage spielt Anne Sauer ...

Was wäre, wenn man eines Morgens in einem völlig anderen Leben aufwacht – in einem, das man sich irgendwann vielleicht einmal ausgemalt hat, aber nie gewählt hat? Genau mit dieser Frage spielt Anne Sauer in ihrem Debütroman, und sie tut das auf eine überraschend zugängliche und ehrliche Weise.

Im Mittelpunkt steht Toni, die eigentlich ein unabhängiges Leben in der Stadt führt. Doch plötzlich findet sie sich in einem Leben wieder, in dem sie in ihrem Heimatdorf wohnt – verheiratet, Mutter, mit Garten und einem ganz anderen Alltag. Es ist, als hätte sie an einer entscheidenden Kreuzung im Leben anders abgebogen. Was zunächst wie ein leicht fantastisches Gedankenexperiment klingt, entwickelt sich schnell zu einer sehr realen Auseinandersetzung mit Fragen, die viele Menschen kennen: Was macht ein erfülltes Leben aus? Welche Entscheidungen formen uns? Und gibt es den einen richtigen Weg überhaupt?

Der Ton des Buches ist angenehm leicht, ohne oberflächlich zu wirken. Anne Sauer schreibt nahbar, mit trockenem Humor und einem guten Gespür für leise Zwischentöne. Die Dialoge wirken authentisch, die Figuren glaubwürdig, und obwohl man recht schnell die Grundidee durchschaut, bleibt die Geschichte durch ihre Emotionen und Beobachtungen spannend.

Besonders gut gelungen ist die Darstellung der inneren Zerrissenheit: zwischen Unabhängigkeit und Zugehörigkeit, zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Bedürfnis nach Nähe und Familie. Dabei verzichtet das Buch erfreulicherweise auf große moralische Urteile – es geht eher darum, verschiedene Lebensentwürfe nebeneinander zu denken und auszuhalten.

Fazit:
Im Leben nebenan ist ein stilles, kluges Buch über Entscheidungen, verpasste Chancen und den Mut, das eigene Leben mit allen Widersprüchen anzunehmen. Es liest sich leicht, bleibt aber lange nach dem letzten Kapitel im Kopf. Besonders für Leserinnen und Leser, die sich gerade selbst mit Lebenswegen, Umbrüchen oder Identitätsfragen beschäftigen, ist dieses Buch ein echter Gewinn.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Echt. Lustig. Überfordert.

Peace, Moms
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"Peace, Moms" ist ein ehrliches, unterhaltsames und gleichzeitig berührendes Buch über das Muttersein, Selbstfindung und den alltäglichen Wahnsinn dazwischen. Das Cover ist freundlich, modern und passt ...

"Peace, Moms" ist ein ehrliches, unterhaltsames und gleichzeitig berührendes Buch über das Muttersein, Selbstfindung und den alltäglichen Wahnsinn dazwischen. Das Cover ist freundlich, modern und passt gut zum Inhalt: persönlich, bunt und mit einem spirituellen Touch, ohne es zu übertreiben.

Evelyn Weigert schreibt so, wie man sie kennt – direkt, witzig und mit viel Herz. Sie erzählt von ihren eigenen Erfahrungen als Mutter, aber auch von Zweifeln, Erwartungen und dem Wunsch, bei sich selbst anzukommen. Dabei bleibt sie immer nahbar. Vieles fühlt sich vertraut an, man lacht, denkt nach – und fühlt sich verstanden.

Der Schreibstil ist locker, aber nicht belanglos. Besonders gut gelingt ihr die Balance zwischen Humor und Tiefe. Es geht weniger um große Erkenntnisse als um ehrliche Einblicke und kleine, aber wichtige Denkanstöße. Die Anekdoten aus ihrem Alltag machen das Buch lebendig, ohne sich aufzudrängen.

Spannend ist "Peace, Moms" vor allem für Mütter oder Menschen, die sich mit Persönlichkeitsentwicklung und Mental Load beschäftigen. Evelyn Weigert schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit echtem Interesse am Menschsein – und genau das macht das Buch sympathisch.

Fazit: Ein ehrliches und sehr persönliches Buch, das Mut macht, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen – und dabei auch mal über sich selbst zu lachen. Lesenswert für alle, die sich zwischen Alltag und Selbstfindung wiedererkennen.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Der mutige Weg zu sich selbst

Merci Agneta
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In dem Buch "Merci Agneta / Sommer auf Französisch" erzählt die Autorin von einer Frau um die 50 Jahre, die aus ihrem monotonen Alltag in einer Kleinstadt Schwedens ausbricht, um in Südfrankreich sich ...

In dem Buch "Merci Agneta / Sommer auf Französisch" erzählt die Autorin von einer Frau um die 50 Jahre, die aus ihrem monotonen Alltag in einer Kleinstadt Schwedens ausbricht, um in Südfrankreich sich selbst neu zu finden.
   Begegnungen mit einem alten, charismatischen aber demenzkrankem Mann , der in einem Kloster lebt und einem Barbesitzer stellen ihre Sicht auf das Leben, die Liebe und die Sexualität auf den Kopf.
Doch der Weg zur Selbstfindung ist steinig!
Zurück in Schweden wird sie mit Scheidung, familiären Konflikten und finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert.

Der Einstieg in das Buch gestaltete sich für mich schwierig, da die Vielzahl der Charaktere und die Handlungsstränge unübersichtlich wirken. Doch mit Fortschreiten der Geschichte gelang es mir immer besser, mich in die Hauptfigur Agneta hineinzuversetzen.
Besonders berührt hat mich die Idee des " inneren Tresors ", der persönliche  Erfahrungen und wertvolle Momente für immer bewahrt - ein Gedanke, der Hoffnung und Stärke vermittelt.
Das Buch erinnert daran, dass das Leben sowohl Höhen als auch Tiefen bereithält und es unheimlich wichtig ist auf die eigene innere Stimme zu hören, um den individuellen Lebensweg zu gestalten.
Ein Buch über Neuanfänge, Selbstakzeptanz und die Herausforderung, die Freiheit mit sich bringt.

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