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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2026

Gut recherchiert und fesselnd geschrieben

Zurück unter Mördern
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"Sie haben Menschen wie uns bespuckt, getreten, geschlagen. Sie haben unsere Geschäfte zerstört, Karrieren zunichtegemacht. Und sie haben unser Vermögen an sich gerissen. Was denken Sie? Was kommt jetzt? ...

"Sie haben Menschen wie uns bespuckt, getreten, geschlagen. Sie haben unsere Geschäfte zerstört, Karrieren zunichtegemacht. Und sie haben unser Vermögen an sich gerissen. Was denken Sie? Was kommt jetzt? Was uns bleibt, ist nur das Leben! Und ich fürchte, dass sie davor nicht haltmachen werden."

Im Jahr 1950 wird der ehemalige Jura-Student Henry Mahler beauftragt, zum einen Beweise zu finden, dass beim Verkauf der Firma der Familie Lassally während der Nazizeit nicht alles koscher war, zum anderen herauszufinden, ob der angebliche Selbstmord des Familienoberhaupts Eduard Lassally nicht doch ein Mord war.

Michael Jensens "Zurück unter Mördern" ist ein historischer Kriminalroman, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt, um sowohl den Kriminalfall des Jahres 1950 als auch die Geschichte der Familie Lassally (und vor allem Oswald Lassallys) zu beleuchten. Herausgekommen ist eine tolle Mischung aus Gesellschafts- und Kriminalroman.

Michael Jensen gelingt es, anhand des "Einzelschicksals" der Familie Lassally/Oswald Lassallys, die Schrecken der Nazizeit aufleben zu lassen. Abseits der monströsen Zahlen wird so für uns LeserInnen erlebbar, was es bedeutete, den Nazis ausgeliefert zu sein. Jensen arbeitet gut heraus, wie tiefgreifend vernetzt und menschenverachtend das System war. Durch diese Fokussierung auf eine Familie wird die Monstrosität fassbar, fühlbar - und umso schrecklicher.

Jensen nimmt sich Zeit. seine Hauptfiguren zum Leben zu erwecken. So nimmt im ersten Drittel die Charaktereinführung viel Raum ein, was für mich die richtige Vorgehensweise war. Erst in der zweiten Hälfte des Romans wird dann richtig ermittelt - anfangs spielt zwar der Zufall eine wichtige Rolle, aber da dieser Zufall die Ermittlungen erst so richtig in die Spur bringt, war das für mich okay, zumal sich die Zufälle dann in Grenzen hielten. Im letzten Drittel wurde es dann richtig spannend - nicht im Sinne eines Thrillers, aber doch spannend genug, dass ich das Buch nicht mehr beiseite legen wollte.

"Zurück unter Mördern" hat mir als historischer Kriminalroman sehr gut gefallen. Michael Jensen ist ein Erzähler, der historische Fakten und Fiktion so gut vermengt hat, dass der Roman bis zum Ende glaubwürdig ist und seine LeserInnen an sich fesselt.

Empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Langatmig und leider wenig spannend

Knochenkälte
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Ich hatte mich auf den neuen David-Hunter-Thriller von Simon Beckett gefreut. Vom mittlerweile 7. Fall erhoffte ich mir einen guten Neueinstieg in die Serie, die ich irgendwann nach dem 3. oder 4. Fall ...

Ich hatte mich auf den neuen David-Hunter-Thriller von Simon Beckett gefreut. Vom mittlerweile 7. Fall erhoffte ich mir einen guten Neueinstieg in die Serie, die ich irgendwann nach dem 3. oder 4. Fall verlassen hatte.

Auf den ersten ca. 150 Seiten sah es auch ganz danach aus: Simon Beckett schafft es nahezu unmittelbar, eine unterschwellig bedrohliche Szenerie zu entwickeln. Und auch Leserinnen wie ich, die entweder ganz neu oder wieder in die Serie einsteigen wollen, können dem Geschehen gut folgen. Ich fühlte mich also zunächst gut aufgehoben und freute mich auf den weiteren Verlauf des Thrillers.

Leider kam es dann ganz anders als erwartet: Simon Beckett ergeht sich in endlos langen und auf Dauer ermüdenden und belanglosen Landschaftsbeschreibungen. Sind es erst Wald, Fichten-Monokultur und Sturmschäden, sind es später Winterlandschaften derselben Gefilde. Was anfangs Sinn ergab, um Atmosphäre zu schaffen, entwickelt sich mehr und mehr zu einer langatmigen Monotonie, die eines Thrillers unwürdig ist. Vor allem geht es zu Lasten der im Roman auftauchenden Charaktere, die uns Leser
innen nie richtig nahegebracht werden und die zumindest mir dadurch allesamt erschreckend egal blieben.

Derweil tapst David Hunter mehr oder weniger planlos und vor allem ziemlich umprofessionell durch die Gegend. Simon Becketts Lösung für die fehlende Ermittlungsarbeit sind - wenig originell - allerlei Zufälle, die David Hunter der Lösung des Falls bzw. der Fälle näher bringen.

Es gibt zwischendurch immer mal wieder kurze Spannungsspitzen und auf den letzten 100 Seiten legt das Tempo endlich etwas zu, allerdings rächt sich hier, dass Beckett seine Charaktere anscheinend völlig egal waren: Ich fieberte nicht mit. Das heißt, dass selbst das "spannende" Finale mich im Kern kalt ließ. Dass es zudem so wirkt wie mit der Schablone geschrieben und als hake Beckett nun noch schnell diverse Punkte auf einer "Wie schreibe ich ein Thriller-Finale"-Liste ab, ist da angesichts der vorher ausgelebten Ideenlosigkeit konsequent.

Alles in allem ist "Knochenkälte" ein erschreckend unausgewogenes Werk von Simon Beckett. Ich hatte irgendwann den Eindruck, dass der Autor überfordert war, seine tolle Prämisse umzusetzen. Es ist nichts an (ausführlichen) Landschaftsbeschreibungen auszusetzen; wenn sie aber ausschließlich dazu dienen, einen Thriller aufzublähen und darüber alles andere vernachlässigt wird, insbesondere Charakterzeichnungen und Romanhandlung, ist mir das zu wenig.

Lange Rede, kurzer Sinn: Simon Beckett liefert einen bestenfalls mittelmäßigen Thriller ab, der arg konstruiert, langatmig und bemerkenswert spannungsfrei ist. Schade.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Sehr unterhaltsam!

Der Doktor und der liebe Mord
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René Anours "Der Doktor und der liebe Mord" ist ein unterhaltsamer Tierarzt-Krimi, der mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Severin, seines Zeichens friedliebender ...

René Anours "Der Doktor und der liebe Mord" ist ein unterhaltsamer Tierarzt-Krimi, der mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Severin, seines Zeichens friedliebender Tierarzt. Dessen Chef hat Geld veruntreut und will dies Severin in die Schuhe schieben. Durch die Verkettung unglücklicher Umstände tötet Severin seinen Chef versehentlich. Die Tötung zu vertuschen, ist eine Sache, den Gnadenhof und somit die geliebten Tiere zu retten, eine andere. So gewinnt der zunächst absurd erscheinende Vorschlag, ausgerechnet er möge sich als Auftragsmörder verdingen, eine reizvolle Dimension. Aber es ist natürlich alles einfacher gesagt als getan...

Es ist viel zu oft so, dass Prämissen gut klingen, dann aber schlecht oder mäßig umgesetzt werden. René Anour hat jedoch eine wirklich gute Geschichte mit einer guten Dosis Humor abgeliefert. Mit Severin hat er zudem einen Protagonisten abgeliefert, den man irgendwie mögen muss. Mein Liebling war allerdings Tristan - seines Zeichens neuer Tierarzthelfer -, der zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, eine bewegte Vergangenheit vorzuweisen hat, dafür aber das Herz am rechten Fleck hat.

So sehr Severin und Co. auch allerlei Klischees bedienen, so scheinen doch immer wieder Facetten durch, die man so nicht erwartet hätte. Mir hat das sehr gefallen.

Natürlich ist ziemlich schnell klar, wer der Bösewicht ist, aber wie der Bösewicht überführt wird, was ihn zum Bösewicht macht, das wird auf so unterhaltsame und humorvolle Weise (und sehr viel Liebe) erzählt, dass ich mich ehrlich gefreut habe, dieses Buch zu lesen. Ich habe sogar die Naivität Severins ertragen können und mich nicht geärgert, dass er blind für das Offensichtliche ist. Das gehörte für mich in diesem Fall zum Roman dazu und war vollkommen okay.

Das Erzähltempo ist durchweg gut gewählt, die Pointen sitzen und auch wenn "Der Doktor und der liebe Mord" nicht unbedingt spannend ist, macht es einfach Spaß, den Charakteren, Verwicklungen und "Ermittlungen" beizuwohnen. Ich hoffe sehr auf einen zweiten Teil, denn im Verlauf sind mir Severin, Tristan und Co. ans Herz gewachsen und ich bin gespannt, ob und wie sich deren Zweit-Profession entwickeln wird.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Enttäuschend

Der Duft. Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle
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Paul Richardot ist Parfumeur und versucht sich nun auch noch als Schriftsteller. Sein Debüt "Der Duft" wird beworben als Thriller. Ich weiß nicht, wer meint, dieses Werk sei ein Thriller. Dafür ist der ...

Paul Richardot ist Parfumeur und versucht sich nun auch noch als Schriftsteller. Sein Debüt "Der Duft" wird beworben als Thriller. Ich weiß nicht, wer meint, dieses Werk sei ein Thriller. Dafür ist der Roman schlicht zu spannungsarm. Auch als Krimi überzeugt dieser Roman nicht, weil zu wenig ermittelt wird.

Die Prämisse von "Der Duft" ist an sich klasse: Die Firma Fragancia (so auch der Originaltitel des Romans) stellt individuell auf seine KundInnen zugeschnittene Düfte her, die zu therapeutischen Zwecken Erinnerungen wach rufen sollen. Der junge Mann Hélias ist mit einem großen Talent gesegnet und wird deshalb von seinem Fragancia-Mentor Alain von Le Mans zum Hauptquartier von Fragancia geschickt, um dort eine Ausbildung zu beginnen. Gleichzeitig unterstützt Nora, die rechte Hand der Fragancia-Gründerin und -Leiterin, die Polizei bei Ermittlungen in einem Vergewaltigungfall.

Sowohl die Einordnung des Romans als Thriller als auch die Titelerweiterung "Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle." suggerieren ein spannendes Leseerlebnis. Leider kann von Spannung nicht die Rede sein. "Er führt dich ins Paradies" wird durchaus ausführlich im Buch thematisiert. "Er führt dich in die Hölle." wird kurz im Roman als mögliche Nebenwirkung erwähnt.

Leider blieb "Der Duft" in so gut wie allen Bereichen hinter meinen Erwartungen zurück. Paul Richardot ergeht sich in langen Beschreibungen von Duft-Zusammensetzungen. Die dürften angesichts seiner Profession Hand und Fuß haben. Leider sind sie auf Dauer furchtbar öde und nehmen insgesamt zu viel Raum ein.

Die "Ermittlungen" im Vergewaltigungsfall laufen eher am Rande. Im Prinzip geht der leitende polizeiliche "Ermittler" von einem ganz spezifischen Täter aus und will durch Frangancia lediglich eine Bestätigung per Duft-Sitzung. Ermittlungen sehen anders aus. Und leider ist es unspannend erzählt.

Hinzu kommt, dass Paul Richardot es nicht einmal schafft, die Orte, an denen der Roman spielt, zum Leben zu erwecken. Le Mans taucht als Name auf, man erfährt einen Straßennamen und das wars. Das ist mir zu wenig. Hätte Richardot seine Ausführungen zu Düften nicht so exorbitant in die Länge gezogen, hätte er ein bisschen mehr Raum für anderweitige nützliche Beschreibungen gehabt.

Zu allem Überfluss sind viele Aspekte innerhalb des Romans und insbesondere in Bezug auf das Unternehmen Fragancia nicht schlüssig. Das Unternehmen investiert unglaublich viel Geld in Entwicklung, Sicherheit, Geheimhaltung und so weiter, man wird nur Kunde, wenn man wohlhabend ist und zwei Empfehlungen durch bereits vorhandene KundInnen vorweisen kann, muss dann aber pro Sitzung lediglich 200 Euro bezahlen, zumal es nur sehr wenige Olfakteure gibt, so dass man auch nicht auf unzählige Sitzungen kommen kann, die das Geld reinspülen. Gleichzeitig ist das Unternehmen angeblich so mächtig, dass es selbst von der Regierung bzw. Behörden "geschützt" wird. Für mich ist das nicht nachvollziehbar bzw. es wird im Roman nicht nachvollziehbar erläutert.

Mit Hélias hat der Autor einen sympathischen Protagonisten erschaffen. So sehr ich mich über dessen Entwicklung im Roman freue, so überhastet erscheint sie mir - gerade im Vergleich zum Rest - der Handlung allerdings.

Insgesamt empfinde ich den Roman als unausgegoren: Das Erzähltempo ist meistens langatmig, teilweise werden ohne erkennbaren Grund zeitliche Sprünge gemacht, die wenig Sinn ergeben und für mich teilweise nicht nachvollziehbar waren. Immer wieder war nicht klar, ob ein Tag, mehrere Tage oder gar mehrere Wochen vergangen sind.

Inhaltlich wird der Fokus sehr stark auf Duft-Zusammensetzungen gelegt, die übrige Handlung plätschert vor sich hin. Abgesehen von Hélias macht keine der Figuren eine nennenswerte Entwicklung durch. Die Leiterin von Fragancia wird immer wieder erwähnt, taucht aber nie direkt auf, was merkwürdig ist, wenn man bedenkt, dass angeblich immer wieder Menschen mit ihr gesprochen haben (insbesondere ihre rechte Hand Nora).

Paul Richardot hat einen mittelmäßigen Roman vorgelegt. Die Einordnung seitens des Verlages als Thriller sowie die Titelerweiterung halte ich für unklug gewählt, weil sie falsche Erwartungen weckt und am Ende bei vielen LeserInnen für Enttäuschung sorgen dürfte. Das ist schade, denn die Geschichte hätte Potential gehabt.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Wirklich gut

Die Einkreisung
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Ein gelungener historischer Kriminalroman, teilweise langatmig, aber es macht Spaß, den Ermittlungen zu folgen.

Ein gelungener historischer Kriminalroman, teilweise langatmig, aber es macht Spaß, den Ermittlungen zu folgen.

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