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Veröffentlicht am 03.03.2021

Tote Tante als Getränk und im übertragenen Sinne....

Dreimal Tote Tante. Ein Küstenkrimi
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In Fredenbüll schwimmen Leichen im Güllebecken und ein totes Schwein. Der Bauer weiß von nichts, außer vielleicht beim Schwein, aber das ist auch nur zu vermuten. Gut das Thies eine Fortbildung zum Thema ...

In Fredenbüll schwimmen Leichen im Güllebecken und ein totes Schwein. Der Bauer weiß von nichts, außer vielleicht beim Schwein, aber das ist auch nur zu vermuten. Gut das Thies eine Fortbildung zum Thema Profiling von Serientätern besucht hat, da kann er jetzt so richtig aus dem Vollen schöpfen. Nicole verdreht dazu nur die Augen. In der Hidde Kist wird munter mitgerätselt. Als dann auch noch Renate, die Pensionswirtin verschwindet, beginnen die Dinge sich zu überschlagen und Alle suchen mit. Dann verschwindet auch noch eine Touristin und Mandy, der Neuzugang aus Sachsen im Ort. Immer weitere Opfer finden sich, der Fall wird durch die Beteiligung eines dänischen Ermittlers international, Thies ist begeistert. Privat geht es natürlich auch wieder drunter und drüber, die Zwillinge machen erste Erfahrungen mit Freunden, gehen auf ihr erstes Festival und kommen Nachts nicht nach Hause. Heike ist völlig aufgelöst. Und wer ist der Vater von Nicoles Baby, die Kommissarin ist im fünften Monat, wilde Tipps werden abgegeben. Die komplette Belegschaft von Stehtisch 1 ist mit von der Partie und die Landfrauen überraschen mit einer neuen Einnahmequelle. Diese Folge wurde vom Autor eingelesen. Nach Bjarne Mädel und Hinnerk Schönemann macht er seine Sache sehr gut und schafft es allen Beteiligten einen eigene Stimme zu geben, das sächsisch der Mandy ist toll gelungen. Ein bisschen zu wilder Fall für Fredenbüll, aber als Unterhaltung nebenbei sehr gut. Es werden diverse Klischees auf die Schippe genommen, der Humor geht eindeutig über den Kriminalfall.

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Veröffentlicht am 03.03.2021

Hashtag: Bleib mal cremig Papa

Backfischalarm. Ein Inselkrimi
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Die Zwillinge von Thies und Heike gehen auf Klassenfahrt nach Amrum. Das Wetter lässt zu wünschen übrig, dennoch turnen alle möglichen Leute auf Deck der Fähre herum. Kurz vor Ankunft wird ein Toter entdeckt. ...

Die Zwillinge von Thies und Heike gehen auf Klassenfahrt nach Amrum. Das Wetter lässt zu wünschen übrig, dennoch turnen alle möglichen Leute auf Deck der Fähre herum. Kurz vor Ankunft wird ein Toter entdeckt. Die Schüler knipsen und posten was das Zeug hält. Thies und Nicole haben endlich wieder einen Fall, diesmal auf Amrum. Die Belegschaft der Hidde Kist ist auch vor Ort, man gönnt sich ein paar Tage Urlaub von einem Wettgewinn. Sie leisten tatkräftige Unterstützung, denn schließlich sind Thies und Nicole nur die kleine Besetzung. Es geschehen weitere Morde und einige Schüler und Lehrer rücken in den Fokus. Es gibt aber jede Menge weitere Verdächtige und skurrile Begebenheit. Trotz allen Humors war es diesmal etwas viel und damit knapp übers Ziel hinausgeschossen. Das Hörbuch wurde wieder vom Autor selbst eingelesen, was gut gelungen ist. Seine Charaktere erkennt man mittlerweile an der Stimme.

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Veröffentlicht am 03.03.2021

Gwangju - Aufstand 1980

Menschenwerk
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Han Kangs „Menschenwerk“ spielt 1980 in Gwangju, Südkorea und berichtet vom Gwangju-Aufstand, bei dem Studentenproteste vom Militär niedergeschlagen wurden.
Der Junge Dong-ho versucht zunächst die Leiche ...

Han Kangs „Menschenwerk“ spielt 1980 in Gwangju, Südkorea und berichtet vom Gwangju-Aufstand, bei dem Studentenproteste vom Militär niedergeschlagen wurden.
Der Junge Dong-ho versucht zunächst die Leiche seines beim Aufstand getöteten Freundes zu finden. In den folgenden Kapiteln werden die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven von unterschiedlichen Personen berichtet. Danach werden die weiteren Lebenswege der Menschen, die mit Dong-ho während des Aufstandes in Verbindung standen, erzählt. Nach und nach werden dadurch Teile der Geschehnisse offenbart und am Ende fügt sich ein schlüssiges Bild zusammen, was in den Tagen des Aufstandes genau passiert ist.

Han Kang gibt jeder Person mit einem Kapitel eine Stimme und schildert einfühlsam und überzeugend deren Geschichte und Gefühle. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert detailliert und eindringlich Bilder von Leichenbergen und Foltermethoden. Sie geht auf Themen wie Schuld, Vergebung, Tod und Leben mit dem Tod von geliebten Menschen ein.
Mich machte hier Vieles fassungslos, immer wieder finde ich es unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Die hier geschilderte Gewalt ist historisch belegt und damit ist dieses Buch ein Zeitzeugnis, eine Mahnung und ein Aufruf gegen die Gewalt und das Vergessen.

Der Roman lässt sich schnell und flüssig lesen, hinterlässt Eindruck und macht noch lange nach dem Lesen nachdenklich.
Mir hat auch gut gefallen, dass man als (westlicher) Leser/in nicht nur etwas über koreanische Geschichte, sondern auch über die koreanische Kultur lernt.

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Veröffentlicht am 03.03.2021

Wo ist Nina?

Nordwesttod (ungekürzt)
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Nordwesttod ist ein Regionalkrimi, der in St. Peter-Ording und Umgebung verortet ist. In dem Reihenauftakt werden die Ermittler sehr ausführlich vorgestellt, besonders das Privatleben von Hendrik Norberg, ...

Nordwesttod ist ein Regionalkrimi, der in St. Peter-Ording und Umgebung verortet ist. In dem Reihenauftakt werden die Ermittler sehr ausführlich vorgestellt, besonders das Privatleben von Hendrik Norberg, der kürzlich seine Frau verlor und nun alleine für die beiden Söhne sorgen muss, nimmt viel Raum ein. Er wird von Anna Wagner aus München unterstützt, die in eine schmutzige Scheidung hinter sich hat. In Kiel soll sie eine neue Vermisstenabteilung aufbauen. Die Beiden arbeiten zusammen, weil die Umweltaktivistin Nina Brechtmann vermisst wird. Diese wurde als Baby von einer führenden Hoteliersfamilie adoptiert, von der sie sich jedoch losgesagt hatte. Den Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter hatte sie auch abgebrochen.
Viele verschiedene Verluste prägen diesen ersten Fall. Der Erzählstil ist ruhig, aber dennoch fesselnd. Lange Zeit weiß man nicht, was mit Nina geschehen ist, ob es überhaupt ein Verbrechen gab. Dennoch war es immer interessant, ein solider Krimi, der mich gut unterhalten hat. Julia Nachtmann liest sehr angenehm und ruhig vor, ihre Stimme transportiert die Stimmung gut.
Alle Befragten scheinen etwas zu verbergen, man tappt mit der Polizei im Dunkeln. Es gibt einige unvorhersehbare Wendungen.
Die Charaktere sind authentisch, auch die Nebenfiguren wurden durchdacht angelegt.
Die Orte SPO, Büsum, Friedrichskoog und Umgebung werden beschrieben, wer sich dort auskennt, wird das Eine oder Andere wiedererkennen. Der Umweltschutz wird über die verschwundene Nina immer wieder zum Thema. Die Handlung ist gut konstruiert.
Mir hat dieser Reihenauftakt gut gefallen, auch wenn da noch etwas Luft nach oben war. Ich bin schon gespannt auf Teil 2, der im Mai erscheinen soll.

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Veröffentlicht am 02.03.2021

letzte Freundschaftsdienste

Das Leben ist zu kurz für irgendwann
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„…ohne den Tod wäre das Leben nicht so kostbar. Dann würden wir wahrscheinlich einfach nur so…existieren.“

Terrys Vater hat Demenz, sie muss ihn überraschend ein paar Tage zu sich nehmen, da es im Heim ...

„…ohne den Tod wäre das Leben nicht so kostbar. Dann würden wir wahrscheinlich einfach nur so…existieren.“

Terrys Vater hat Demenz, sie muss ihn überraschend ein paar Tage zu sich nehmen, da es im Heim Schädlingsbefall gibt. So kommt es, dass sie ihn samt Gepäck bei sich hat, als sie ihre beste Freundin Iris mit einer Geburtstagstorte überraschen möchte. Doch Iris ist nicht da, ihr Haus ist untypisch ordentlich aufgeräumt. Terry stöbert herum und findet heraus, dass ihre an MS erkrankte Freundin auf dem Weg in die Schweiz ist, um ihrem Leiden ein Ende zu bereiten. Kurzerhand fährt sie hinterher, um sie aufzuhalten. Die Drei treffen sich an der Fähre und reisen schließlich gemeinsam weiter. Die stets sorgenvolle Terry, die noch nie spontan war, begibt sich mit ihrer besten Freundin auf die Reise, in der Hoffnung sie umzustimmen. Weder die behüteten Kinder noch der verwöhnte Ehemann oder der demente Vater im Schlepptau können sie aufhalten.

Die Drei fahren auf Umwegen von Dublin bis nach Zürich; sie erleben dabei Lustiges und Trauriges und lernen sehr verschiedene Menschen kennen, die für besondere und bleibende Erkenntnisse sorgen. So wird dieser Roadtrip für alle Drei zu einer außergewöhnlichen Reise. Während Iris das Leben in der für sie typischen Weise in vollen Zügen genießt, erlebt Terry einen ungewollten Selbstfindungsprozess. Die Frauen kennen sich aus der Alzheimer Gesellschaft und so schaffen sie es gemeinsam dem dementen Dad eine gute Zeit in der ungewohnten und wechselnden Umgebung zu bereiten.
Diese schöne emotionale Geschichte wird aus Terrys Sicht erzählt. Sie macht die größte Entwicklung durch und der Leser kann dies durch die Erzählperspektive hautnah miterleben. Die Charaktere sind sehr lebensecht angelegt und sympathisch. Die 34 Kapitel sind mit Verkehrsregeln übertitelt, die gut zum Inhalt passen und eine Hommage an Terrys Vater sind, der Taxifahrer war.
Die schweren Themen Demenz und Sterbehilfe werden hier liebevoll und berührend in die Geschichte integriert. Es driftet nicht in den Kitsch ab und verleiht dem Unterhaltungsroman einen angenehmen Tiefgang.

Demenz, Tod und Sterbehilfe werden gerne aus dem Alltag ausgeklammert, aber das sollte nicht so sein, es gibt viele Betroffene und Angehörige, die sich damit auseinandersetzen müssen. Diese Themen in den Alltag zu integrieren und die Fragen dazu mit Normalität auszustatten kann ein großer Gewinn sein. Terry und Iris geben hier ihr Bestes, es richtig zu machen.
Mich hat diese emotionale Geschichte sehr berührt, ich habe sie sehr gerne gelesen und empfehle sie weiter.


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