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Veröffentlicht am 14.10.2020

über eine beeindruckende Selma Lagerlöff

Selma Lagerlöf - Die Liebe und der Traum vom Fliegen
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„Du brauchst Lebenserfahrung. Geh hinaus in die Welt.“ „Wie meinen sie das? Nach Stockholm?“ „So weit dich deine Füße tragen…Die Welt ist viel größer, als du dir vorstellen kannst.“ (Seite 44: Eva Andreetta ...

„Du brauchst Lebenserfahrung. Geh hinaus in die Welt.“ „Wie meinen sie das? Nach Stockholm?“ „So weit dich deine Füße tragen…Die Welt ist viel größer, als du dir vorstellen kannst.“ (Seite 44: Eva Andreetta zur jungen Selma Lagerlöff)

Selma Lagerlöff hat sich diesen Rat zu Herzen genommen und sich aufgemacht die Welt zu erobern. Trotz gesundheitlichen Handicaps, eingeschränkter Bildungsmöglichkeiten für Frauen, wenig Akzeptanz für die Durchsetzung der eigenen Wünsche hat sie ihre Ziele verfolgt. Sie lernte, ergriff einen Beruf, schrieb nebenbei bis sie davon leben konnte. Sie reiste innerhalb Europas, aber auch 1899 in den Orient. 1909 erhielt sie als erste Frau den Literaturnobelpreis.

Maria Regina Kaiser beschreibt Selma Lagerlöffs Leben in einer Romanbiografie in einzelnen fragmentartigen Abschnitten. Man erfährt etwas über ausgewählte Lebensphasen Selmas, manchmal werden größere Zeitspannen übersprungen. Da aber unter jedem Kapitel Ort und Jahreszahl stehen, kann man sich gut orientieren. Man kann hier sehr schön miterleben, wie Selma Lagerlöff sich entwickelte und immer selbstbewusster und erfolgreicher wurde. Einige sehr schöne Anekdoten, die sie ermutigten Schriftstellerin zu werden sind enthalten, ebenso wie Ereignisse rund um die Verleihung des Literaturnobelpreises. Auch die Rückkehr auf das elterliche Gut, das wegen Schulden verkauft werden musste, als sie jung war.

Kaiser hat hier sehr schöne wichtige Eckpunkte herausgesucht und macht auf diese Weise Lust noch mehr über und von Selma Lagerlöff zu lesen. In einem umfassenden ausführlichen Nachwort erfährt man viel sachliche Informationen in chronologischer Reihenfolge u.a. über ihre Beziehungen und ihr politisches Engagement. Abbildungen, Fotos, eine Zeittafel, eine Aufstellung der Werke, Register und ausführliche Quellenangaben runden dieses Buch ab. Ich empfehle, das Buch nicht linear zu lesen, sondern ab und an Erläuterungen im Nachwort zu suchen, die den Text super erschließen.
Hier kann man eine tolle Persönlichkeit und auch etwas von ihrer Zeit kennenlernen. Eine spannende Begegnung, die mir viel Spaß gemacht hat. Ich kann das Buch empfehlen.

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Veröffentlicht am 11.10.2020

wie man sich Hamburg erläuft

Zu Fuß durch die Hansestadt Hamburg
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Tanja Breukelchen beschreibt in ihrem Buch zwölf Spaziergänge, die durch unterschiedliche Stadtteile Hamburgs führen und dem Leser die verschiedenen Gesichter der Stadt nahebringen und mit vielen Hintergrundinformationen ...

Tanja Breukelchen beschreibt in ihrem Buch zwölf Spaziergänge, die durch unterschiedliche Stadtteile Hamburgs führen und dem Leser die verschiedenen Gesichter der Stadt nahebringen und mit vielen Hintergrundinformationen aufwarten. Eine Stadtführung der anderen Art, die mir sehr gut gefällt und ich werde diese als Rundtouren geplanten Spaziergänge bestimmt noch alle ablaufen.
Jedes Kapitel (immer 1 Spaziergang) beginnt mit einer kurzen Übersicht, diese Seiten sind farblich anderes gestaltet, so dass sie gut auffindbar sind. Start und Ziel sind jeweils eine Bahnstation, die Länge und die benötigte Zeit wird angegeben, ebenso die Highlights der Route und Tipps für Essen + Trinken unterwegs. Es gibt natürlich auch einen Ausschnitt des Stadtplans, damit man alles gut findet, dort ist die Route eingezeichnet und die Sehenswürdigkeiten sind gekennzeichnet. Ein erläuternder nicht zu langer Text und tolle Fotos, die neugierig machen, runden die Vorstellung ab.
Das Buch hat ein handliches Format und ist leicht, so dass man es gut mitnehmen kann. Jeder der zwölf Rundgänge hat einen anderen „Aufhänger“: Landhauskultur, Geschichte, starke Frauen und Nachhaltigkeit sind nur einige der Themen, auch auf Highlights für Kinder wird hingewiesen. Ein originelles Format, das dem Hamburgbesucher viele, auch unerwartete Facetten der Stadt zeigt, manchmal wähnt man sich eher in ländlicher Idylle, denn in einer Großstadt.

Ein tolles Buch, das mir ausgesprochen gut gefällt. Zwei der Routen haben wir bereits abgewandert, die angegebene Zeit stimmte, die Ziele waren gut auszumachen und die Tipps zu Essen und Trinken waren aktuell.

Ein klasse Reiseführer, wenn man sich gerne eine Stadt erwandert und beschaulich kennenlernen möchte. Man muss nicht alles abarbeiten, sondern kann sich gezielt etwas heraussuchen. Wir werden jedenfalls bald wieder zum Spazierengehen nach Hamburg fahren.


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Veröffentlicht am 07.10.2020

Manche mögen's kühl

Wintergemüse
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Heidi Lorey stellt in diesem Buch vor, wie man auch im Winter frisches Gemüse ernten kann. Nach Informationen über die Jahreszeiten, das Klima und den Klimaschutz gibt es noch praktische Anleitungen bezüglich ...

Heidi Lorey stellt in diesem Buch vor, wie man auch im Winter frisches Gemüse ernten kann. Nach Informationen über die Jahreszeiten, das Klima und den Klimaschutz gibt es noch praktische Anleitungen bezüglich Balkonkästen, Gewächshaus, Hochbeet, Frühbeet, Hilfsmittel und Lagerung. Allgemeine Informationen u.a. über Nitrate, Zellen, Düngung und die Fruchtfolge runden den Einleitungsteil ab. Die Texte sind sehr übersichtlich gestaltet, leicht verständlich, gut gegliedert und mit ansprechenden Bildern und Grafiken angereichert. Durch die einzelnen Überschriften und das Stichwortregister am Ende kann man jederzeit Themen, die man gezielt nachlesen möchte schnell finden.
Das Kapitel, in dem die einzelnen Gemüsesorten vorgestellt werden, macht den größten Anteil am Buch aus. Für jede Sorte gibt es eine Doppelseite mit Fotos, Spickzettel mit den wichtigsten Informationen auf einen Blick, Tipps zur „coolen Ernte“ und die Rubrik „Was schiefgehen kann“. Die Pfanzenporträts sind super gelungen und machen Lust darauf, das Gelernte umzusetzen. Abschließend werden noch die gängigsten Winterkräuter auf dieselbe Art vorgestellt. Ein Serviceteil mit Bestelladressen und Tipps zum Weiterlesen rundet das Buch ab.
Mir gefällt das Buch sehr gut, es wird mich sicherlich noch durch viele Erntezeiten begleiten und es macht Lust auch neue bzw. Einem noch unbekannte Sorten auszuprobieren. Was für eine tolle Möglichkeit mit der Verlängerung der Erntesaison einen Beitrag zur Selbstversorgung und zum Klimaschutz zu leisten. Ich freue mich schon aufs Ausprobieren.

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Veröffentlicht am 06.10.2020

typischer Klufti

Funkenmord (Kluftinger-Krimis 11)
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Klufti versucht seinen persönlichen Cold case Fall aufzulösen, in dem er einst den falschen Täter ermittelt hat und sich nun für dessen Verurteilung verantwortlich fühlt. Außerdem wird er Interimspräsident ...

Klufti versucht seinen persönlichen Cold case Fall aufzulösen, in dem er einst den falschen Täter ermittelt hat und sich nun für dessen Verurteilung verantwortlich fühlt. Außerdem wird er Interimspräsident und bekommt eine neue Kollegin.
Die Fälle von Kluftinger haben eine große Fangemeinde. Wer diese Reihe bereits kennt, weiß dass das Privatleben Kluftis und sein Drumherum mindestens genauso viel Raum einnehmen wie der Fall. Soweit so gut. Ich kenne alle Klufti-bücher und habe sie größtenteils gerne gelesen, dadurch sind mir die Personen bereits gut bekannt. Ich habe nicht das Gefühl, dass hier noch eine nennenswerte Entwicklung stattfindet oder etwas Neues passiert. Der Humor rund um die typischen Missverständnisse des ewig Gestrigen sind ein Lächeln wert, konnten mich aber nicht mehr wirklich mitreißen. Der Erzählstil ist wie gewohnt flüssig und man kann das Buch gut lesen, aber so richtig überzeugt hat es mich diesmal nicht. Ein wenig mehr Krimi hätte nicht geschadet.
Für Fans der Reihe schön, man kann das Buch auch ohne Kenntnis der Vorgänger verstehen. Für alle die das Lokalkolorit lieben und bereit sind sich auf den verschrobenen Ermittler einzulassen gut, für Fans verzwickter Kriminalfälle eher nicht geeignet.

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Veröffentlicht am 06.10.2020

Grenzsituation

GOTT
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Schirach hat mit Gott ein Theaterstück zum Thema Suizid und Sterbehilfe geschaffen, das den Leser bzw. Zuschauer zutiefst berührt und zum Nachdenken bringt.
Ein 78-Jähriger, geistig und körperlich gesund, ...

Schirach hat mit Gott ein Theaterstück zum Thema Suizid und Sterbehilfe geschaffen, das den Leser bzw. Zuschauer zutiefst berührt und zum Nachdenken bringt.
Ein 78-Jähriger, geistig und körperlich gesund, ist lebensmüde und möchte Suizid mit Hilfe eines Arztes begehen.
Nach einem Urteil in 02.2020 des Bundesverfassungsgerichts ist die Suizidhilfe in Deutschland erlaubt. Aber was für Folgen kann dies nach sich ziehen, ist es moralisch und ethisch haltbar und wie sollte diese Frage vor dem Hintergrund der deutschen Euthanasiegeschichte diskutiert werden.
Der Autor rollt den Fall vor einem Ethikrat aus. Neben den Anwälten und dem Antragsteller kommen ein Mediziner, ein Theologe und ein Rechtsachverständiger zu Wort. Die Problematik wird aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, Argumente für das Für und Wider aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, die man vorher nicht so bedacht hatte, werden genannt.
Das Thema wird hier genau beleuchtet, u.a. auch die Auswirkungen auf die Hinterbliebenen. Immer wieder kommen neue Punkte auf, die es zu bedenken gilt, so dass es immer schwieriger zu einem haltbaren Urteil zu kommen.
Wie bei Terror liegt die Entscheidung bei den Zuschauern, die den Ethikrat bilden.
Das Stück regt sehr stark zum Nachdenken an. Wer glaubte, eine feste Meinung zu diesem Thema zu haben, wird sich wundern. Schirach schafft es wieder mühelos den Leser ins Wanken zu bringen und regt an Meinungen und Aspekte zu hinterfragen.
Es gelingt ihm viele sachliche Punkte deutlich anzubringen und löst damit extrem emotionale Momente aus.
Drei Essays von Wissenschaftlern ergänzen das Buch, die das Thema nochmals aus der ärztlichen Suizidbegleitung aus medizinethischer, juristischer und theologischer-philosophischer Sicht beleuchten.
Ein tolles Werk, dass die Problematik sachlich umfassend darstellt und damit eine Auseinandersetzung mit dem Thema auslöst, die lange nachhallt. Absolut lesenswert!



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