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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2018

Unglaublich witzig und skurril

Der Pfau
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„Einer der Pfauen war verrückt geworden…“ – So beginnt der herrlich skurrile Roman von Isabel Bogdan, der in den schottischen Highlands spielt, fernab vom Highlife unserer modernen Welt. Auf dem Landgut ...

„Einer der Pfauen war verrückt geworden…“ – So beginnt der herrlich skurrile Roman von Isabel Bogdan, der in den schottischen Highlands spielt, fernab vom Highlife unserer modernen Welt. Auf dem Landgut von Lord und Lady MacIntosh mit seinem spartanischen Ambiente vermag man Ruhe und Gelassenheit finden. Das ist auch der Grund, warum eine Gruppe Banker samt Coach und eigener Köchin diesen Ort der Abgeschiedenheit für ein Teambuilding-Programm auswählt. Was sie allerdings nicht wissen, ist dass sich unter den Tieren des Landguts ein Pfau befindet, der sich äußerst merkwürdig verhält und höchst aggressiv auf alles in der Farbe Blau reagiert. In einem Anflug von Zerstörungswut macht er dabei weder vor Menschen noch vor Autos halt, wodurch sich der Landgutbesitzer Lord MacIntosh zum Schutze seiner Gäste gezwungen sieht, zu äußerst drastischen Mitteln zu greifen.

Bei dem Hörbuch braucht man anfangs ein wenig, um sich in der Fülle immer neu hinzutretender Charaktere zurechtzufinden, in kurzen Sequenzen wird jeder Charakter, sehr lebendig vorgestellt, und man hat das Gefühl, eine Reihe scheinbar völlig unzusammenhängender Einzelgeschichten vor sich zu haben. Erst im Laufe der Zeit eröffnet sich einem der genaue Kontext. Mit einer gehörigen Portion trockenen britischen Humors zeichnet Isabel Bogdan ein Gesellschaftsbild, in dem jeder aus falscher Rücksichtnahme vor seinen Mitmenschen etwas vertuscht, weil er meint, die Wahrheit den anderen nicht zumuten zu können. Dass sich dabei die Einzelpersonen immer mehr in prekäre Situationen hineinmanövrieren, ist vorprogrammiert! Jeder einzelne der befindet sich zwar in einer Gesellschaft, jeder empfindet insgeheim aber eine gewisse Einsamkeit und zeigt unglaubliche Berührungsängste, wenn es darum geht, auf andere zuzugehen.

Mit Christoph Maria Herbst ist den Machern dieses Hörbuchs ein echter Glücksgriff gelungen. Mit seiner manchmal fast schon spöttischen Art zu lesen, bringt er noch zusätzlichen Humor in die ohnehin schon sehr skurrile Geschichte und haucht auf diese Weise den einzelnen Charakteren noch mehr Leben ein. So geht der eine oder andere Lacher definitiv auf sein Konto! Schon allein seine geniale Lesekunst macht dieses Hörbuch für mich in höchstem Maße empfehlenswert, nicht nur für Liebhaber trockenen britischen Humors!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Seine Leidenschaft bis ins hohe Alter leben

Ikigai
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Die beiden Autoren Francesc Miralles und Héctor García gehen in diesem Buch der Ursache auf den Grund, warum es auf einer kleinen Insel in Japan überdurchschnittlich viele über Hundertjährige gibt. Sie ...

Die beiden Autoren Francesc Miralles und Héctor García gehen in diesem Buch der Ursache auf den Grund, warum es auf einer kleinen Insel in Japan überdurchschnittlich viele über Hundertjährige gibt. Sie begeben sich an den Ort des Geschehens und führen unzählige Interviews mit den Betroffenen. Dabei stellen sie fest, dass diese Menschen nie aufgehört haben, ihr Leben aktiv zu gestalten. Jeder lebt dort einen geregelten Arbeitsalltag, ist in einem sozialen Netzwerk eingebunden, und liefert seinen Beitrag zu diesem sozialen Gefüge. Hier gibt es keinen der sich quasi zur Ruhe setzt und tatenlos zusieht, wie der Rest seines Lebens an ihm vorbeizieht. Es wird gearbeitet, soziale Kontakte werden gepflegt und man hält sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit. Das Geheimnis dahinter steckt in dem kleinen Wörtchen „Ikigai“: jeder, der bis ins hohe Alter rüstig ist, hat ein persönliches „Steckenpferd“, etwas wofür seine Leidenschaft brennt und in dem er sich auch geistig verlieren kann. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein, ob sich jemand einer Kunst verschreibt, ob er dafür lebt, andern helfen zu können, oder ob er in scheinbaren Banalitäten wie etwa der Gartenarbeit aufgeht ist dabei einerlei. Wichtig ist dabei nur, dass er in seinem Tun seine persönliche Erfüllung findet.

Dieses Buch birgt so manche Erkenntnis in sich: In unserer westlichen Welt ist es Gang und Gäbe, sich nach seinem Job zur Ruhe zu setzen und das wird meist wortwörtlich genommen: Viele Pensionisten sitzen danach untätig zuhause, und wissen mit sich nichts mehr anzufangen, sie werden nicht nur körperlich sondern vor allem geistig träge. Der Verfall ist auf diese Weise schon vorprogrammiert. Dieses Buch öffnet einem die Augen, dass nicht die Arbeit an sich das Problem ist, sondern, dass man in dem, was man macht, einen Sinn erkennt und in weiterer Folge auch Freude daran empfinden kann. Dies lässt sich bis ins hohe Alter realisieren, man muss sich dabei nicht „ausbrennen“, sondern wenn man seine eigene Geschwindigkeit findet, und mit dem „flow“ geht, vermag man es sehr lange aktiv zu bleiben.

Was ich bei diesem Buch etwas entbehrlich finde, sind die abschließenden Auszüge aus verschiedenen Bereichen wie Qigong, Yoga, Tai-Chi etc. Für mich sind diese Kapitel weder Fleisch noch Fisch, entweder sollte man diese Kapitel ausführlich behandeln, was allerdings den Rahmen eines Ratgebers sprengen würde, oder man lässt diese gleich weg, mit dem Hinweis auf diverse einschlägige Literatur, was in meinen Augen zielführender wäre, so bilden diese Abschnitte eher unnötige Seitenfüller. In diesem Zusammenhang möchte ich außerdem anführen, dass ich in diesem Buch Quellenangaben vermisse, Angaben zu weiterführender Literatur wären wünschenswert gewesen!

Alles in allem finde ich diesen Ratgeber jedoch empfehlenswert, man mag dadurch vielleicht nicht sein persönliches „Ikigai“ finden, es regt einen jedoch durchaus dazu an, seine Lebensweise ein wenig in Frage zu stellen und Neues auszuprobieren!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Ein Hoch auf das Schablonendenken!

Der letzte Scheißkerl
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Nach seinem Bestseller „Scheißkerle“ wollte die Flut an begeisterten Zuschriften an den Autor nicht abreissen, unzählige Leserinnen teilten darin ihre persönlichen Erfahrungen mit jener im Buch beschriebenen ...

Nach seinem Bestseller „Scheißkerle“ wollte die Flut an begeisterten Zuschriften an den Autor nicht abreissen, unzählige Leserinnen teilten darin ihre persönlichen Erfahrungen mit jener im Buch beschriebenen Sorte Mann. So entschied sich Roman Maria Koidl zu einer Fortsetzung: „Der letzte Scheißkerl“, in welcher größtenteils der Erfahrungsschatz der Leserschaft hineinverwoben wurde. Die Herren der Schöpfung werden darin in vier Typen unterteilt: Den Macher oder auch General genannt, den Analysten oder Nerd, den Sonnyboy oder auch Blender und zu guter Letzt den fürsorglichen Diener. Jeder dieser Typen wird recht anschaulich beschrieben, und anschließend werden Tipps zum leichteren Auskommen mit dem jeweiligen Charakter gegeben.

Die Ausführungen Koidls sind zwar zum Teil sehr amüsant zu lesen, oftmals kommt einem dabei das eine oder andere „Kaliber“ aus dem eigenen Bekanntenkreis in den Sinn, auf den so manche Beschreibung wie maßgeschneidert passt. Nur bezweifle ich, dass man Menschen so leicht in Schubladen stecken kann, wie es hier passiert. Ich denke, es ist vielmehr so, dass jeder von uns sämtliche Facetten dieser Charaktere in sich beherbergt und diese je nach Bedarf seiner Umwelt präsentiert. Das macht das Ganze in der Praxis doch ein wenig schwieriger als es die in diesem Buch doch eher schablonenhafte Darstellung glauben lassen will. Was aber durchaus stimmen mag, ist die (allerdings nicht unbedingt neue) Theorie, dass die eigene Partnerwahl oftmals stark durch das Elternhaus geprägt ist. Dass man dadurch des Öfteren auf einen ähnlichen Partnertyp zurückgreift (man also immer wieder dieselben Fehler macht), liegt irgendwie auf der Hand.

Das Cover finde ich hingegen sehr witzig und originell gestaltet. Leider muss ich hier jedoch anmerken, dass sich die goldene Schrift des Titels auf dem Einband trotz sorgfältigen Umganges mit dem Buch bereits nach kurzer Zeit beim Lesen abzulösen beginnt. Ein etwas beständigeres Cover wäre wünschenswert!

Mein Fazit: Ein sehr kurzweiliges und amüsantes Buch, ob es tatsächlich das Prädikat „Ratgeber“ verdient, wage ich allerdings zu bezweifeln!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Interessante Grundidee, leider mangelhafte Ausführung

Der Brief
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Die Journalistin Marie lebt mit ihrer Lebenspartnerin Johanna in Hamburg und ist in höchstem Maße verunsichert, als sie eines Tages einen höchst mysteriösen Brief von Christine erhält, einer alten Schulfreundin, ...

Die Journalistin Marie lebt mit ihrer Lebenspartnerin Johanna in Hamburg und ist in höchstem Maße verunsichert, als sie eines Tages einen höchst mysteriösen Brief von Christine erhält, einer alten Schulfreundin, mit der sie schon seit längerem keinen Kontakt mehr hat. Dieser Brief nimmt auf ein Aneurysma im Gehirn Bezug, an dem Marie angeblich leidet. Tatsächlich aber erfreut sich diese jedoch augenscheinlich bester Gesundheit. Auch sonstige Lebensumstände, auf die sich dieser Brief bezieht, stimmen nicht: Weder lebt sie in Paris, noch gibt es in Maries Leben einen Mann namens Victor, mit dem sie zusammen eine Galerie in Paris leitet. Darüber hinaus berichtet darin Christine von ihren beiden Kindern Paul und Amelie, obwohl sie in Wahrheit nur ein Kind, nämlich Paul, hat. Zuerst denkt Marie an einen schlechten Scherz eines Unbekannten, der sich als ihre Freundin ausgibt. Was allerdings dagegen spricht, sind Dinge, die im Brief erwähnt werden, über die nur Marie und Christine Bescheid wissen. Zutiefst beunruhigt, vor allem wegen des unheimlichen Aneurysma-Hinweises, beschließt Marie, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch je mehr sie nachforscht, desto mysteriöser wird das Ganze.

Der Klappentext klingt sehr verheißungsvoll, auch die Leseprobe zu diesem Buch hat mich in den Bann gezogen, zumal ich nicht wusste, womit ich es bei diesem Buch zu tun hatte: ein Thriller, in dem ein Unbekannter sein perfides Spiel mit der Protagonistin trieb? Oder ging das Ganze mehr in Richtung Mystery, und es trafen hier zwei Parallelwelten aufeinander? Oder vielleicht doch ein Drama und man hatte hier die Chronologie einer Geisteskranken vor sich? Die Idee hinter der Geschichte war gleichsam erschreckend wie faszinierend und dementsprechend hoch war auch meine Erwartungshaltung gegenüber ihrem Ausgang. Die Spannung wurde anfangs geschickt aufgebaut, nur leider konnte sich diese nicht bis zum Schluss halten. Was folgte, war ein viel zu abruptes, fast schon lieblos gesetztes Ende, das noch dazu ein wenig zu reißerisch und unlogisch war. Schade, denn die Grundidee für dieses Buch hatte echtes Potential, das letztendlich aber nicht wirklich ausgeschöpft wurde. Zurück blieben am Ende ein etwas ratloser Leser und viele, viele offene Fragen. Eine dieser Fragen war, was denn nun konkret die Aussage dieses Buches sein sollte: wollte die Autorin der Leserschaft vor Augen führen, dass jede Art sein Leben zu leben, seine positiven Seiten haben kann? Oder wollte sie vielmehr einen philosophischen Denkanstoß geben, dass nichts so ist, wie es manchmal scheint?

Veröffentlicht am 24.02.2018

Rabauke Flätscher im Einsatz

Flätscher – Krawall im Kanal
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Nach einer Jam-Session des selbsternannten Meisterdetektivs und Knödelliebhabers Flätscher mit der Hinterhof O-Cliquen Band „The Beaters“ verschwindet plötzlich deren Sängerin Cloe, welche auch gleichzeitig ...

Nach einer Jam-Session des selbsternannten Meisterdetektivs und Knödelliebhabers Flätscher mit der Hinterhof O-Cliquen Band „The Beaters“ verschwindet plötzlich deren Sängerin Cloe, welche auch gleichzeitig Flätschers Sekretärin ist, spurlos. Zugleich werden auch andere Haustiere aus der Umgebung vermisst. Flätscher kombiniert haarscharf, dass es hier einen Zusammenhang geben muss und zusammen mit seinem Assistenten Theo macht er sich an die Lösung dieses kniffligen neuen Falles. Ihre Suche nach den Vermissten führt sie zum Kanal, einem Ort, der gruseliger nicht sein könnte, doch Großmaul Flätscher kann sich diesbezüglich natürlich keine Blöße geben. Werden sie es schaffen, die verschwundenen Tiere zu befreien?

Auch im zweiten Band „Krawall im Kanal“ der „Flätscher“-Serie trifft man wieder auf alte Bekannte, wie Meisterkoch Bode, die keifende Nachbarin Knesemeier mit ihrem nicht minder widerlichen Kater Rrrasbo, die O-Clique und vor allem Flätscher und seinen treuen Assistenten Theo. Wie auch schon der erste Band wird die Erzählung brillant durch die Grafiken Jan Bricks unterstützt, welche dem Buch in unnachahmlicher Weise Leben einhauchen. Nicht nur Kinder haben dabei Freude an diesen Illustrationen, auch Erwachsene können sich deren Charme und Witz nicht entziehen, auch bei mehrmaligen Betrachten erkennt man immer noch neue, lustige Details, die einen zum Schmunzeln bringen!

Flätscher, innerlich teilweise ein echter Hasenfuß, was sich auch in einer „Ladehemmung“ seiner persönlichen „Stinkkanone“ äußert, überspielt dies mit großspurigen Sprüchen und gibt sich meist äußerst cool, nicht zuletzt, um seine Sekretärin zu beeindrucken. Dieses Auftreten in Kombination mit seinen flotten Sprüchen wirkt aber unfreiwillig komisch und macht ihn sympathisch.

Ein erfrischend anderes Kinderbuch, wenngleich ich es eher als Buch zum gemeinsamen Lesen mit Erwachsenen empfehlen würde, da sich Kinder bei gewissen Wortkreationen Flätschers logischerweise (oder besser: „logomanisch“) doch recht schwer tun…