Viel Gefühl, aber wenig Prada
Prada – Sie träumte von Mode und fand die LiebeSchon nach den ersten Kapiteln war spürbar, dass hier weniger die Geschichte eines bekannten Modehauses im Mittelpunkt steht, sondern vor allem eine sehr romantisch angelegte Liebesgeschichte. Die junge ...
Schon nach den ersten Kapiteln war spürbar, dass hier weniger die Geschichte eines bekannten Modehauses im Mittelpunkt steht, sondern vor allem eine sehr romantisch angelegte Liebesgeschichte. Die junge Sofia verlässt ihr Dorf, arbeitet bei den Brüdern Prada in Mailand und träumt davon, eigene Entwürfe zu schaffen. Gerade dieser Einstieg machte zunächst neugierig, weil die Verbindung aus Mode, Italien und einer Frau mit großen Plänen viel Atmosphäre versprach. Auch das Cover und die Inhaltsangabe weckten Erwartungen an einen Roman, der stärker in die Welt von Prada eintaucht.
Leider konnte die Geschichte dieses Gefühl nur selten halten. Vieles wirkte recht oberflächlich und oft auch unnötig dramatisch. Die Liebesgeschichte zwischen Sofia und Mario nahm schnell sehr viel Raum ein, während die Entwicklung des Geschäfts eher im Hintergrund blieb. Dadurch entstand stellenweise das Gefühl, dass der Name Prada vor allem als Kulisse genutzt wird. Wer hofft, mehr über die Entstehung der Marke oder das damalige Italien zu erfahren, dürfte vermutlich etwas enttäuscht sein.
Auch die Figuren blieben eher blass. Sofia hatte zwar sympathische Momente, wirkte aber oft zu idealisiert. Mario wiederum blieb schwer greifbar und manche Entscheidungen erschienen wenig glaubwürdig. Einige Dialoge klangen zudem überraschend zeitgemäß und dem heutigen Sprachgebrauch angepasst, wodurch die Zeit um 1913 nicht immer lebendig wirkte. Gerade bei einem historischen Liebesroman fällt so etwas schnell auf.
Dabei liest sich das Buch durchaus flüssig und leicht. Die Seiten vergehen schnell und manche Szenen vermitteln ein angenehmes Bild vom alten Mailand, von Stoffen, kleinen Werkstätten und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Trotzdem fehlte über weite Strecken die Tiefe. Gefühle wurden häufig sehr ausgeschmückt beschrieben, ohne wirklich zu berühren. Dadurch wirkte vieles etwas überladen und vorhersehbar.
Besonders schade war das nach den positiven Eindrücken anderer Bücher der Autorin. Vor allem die Kaufhaus-Reihe sowie die Alltagswunder-Saga konnten mit Atmosphäre, Figuren und Zeitgefühl deutlich mehr überzeugen. Umso größer war hier die Hoffnung auf einen Roman, der Modegeschichte und persönliche Schicksale glaubwürdig verbindet.
Wichtig ist aber auch, dass es sich um einen fiktiven Liebesroman handelt, der keine wirkliche Geschichte über Prada erzählt und die Realität keineswegs widerspiegelt. Wer eher eine leichte Liebesgeschichte mit etwas Glamour sucht, könnte trotzdem unterhalten werden. Die Erwartungen an einen tieferen Roman über die berühmte Marke sollten allerdings nicht zu hoch sein.
3 Sterne.