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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2025

Bewegend, erschütternd, kraftvoll

Martha, Mon Amour. Eine verlorene Liebe
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Dieses Buch hat mich tief berührt. Schon nach den ersten Seiten war ich ganz in Marthas Welt eingetaucht – ihre Trauer, ihre Sehnsucht, ihre Stärke haben mich sehr bewegt. Martha ist eine Frau, die nach ...

Dieses Buch hat mich tief berührt. Schon nach den ersten Seiten war ich ganz in Marthas Welt eingetaucht – ihre Trauer, ihre Sehnsucht, ihre Stärke haben mich sehr bewegt. Martha ist eine Frau, die nach dem Ersten Weltkrieg eigentlich schon mit ihrem Schicksal abgeschlossen hat. Doch dann begegnet sie Amir, einem tunesischen Kolonialsoldaten – und plötzlich öffnet sich ein ganz neues Kapitel in ihrem Leben.
Ihre Entscheidung, mit ihm nach Paris zu gehen, fand ich unglaublich mutig. Sie lässt alles Vertraute hinter sich, nur aus Liebe. Das hat mir großen Respekt abgenötigt. Gleichzeitig war ich oft auch entsetzt und traurig, weil die beiden so viel ertragen mussten: Ausgrenzung, Vorurteile und dann der Schrecken des Zweiten Weltkriegs, der alles überschattet. Besonders die Angst um ihre gemeinsame Tochter hat mich sehr mitgenommen.
Die Geschichte hat viele Stellen, die zum Nachdenken anregen. Auch wenn die Handlung erfunden ist, spürt man, wie viel Wahres und Aktuelles darin steckt. Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und politischer Hass sind leider auch heute noch erschreckend präsent. Gerade deshalb fühlt sich das Buch so wichtig und zeitnah an.
Was mich besonders gefesselt hat, war der Stil: klar, einfühlsam und voller Emotionen. Ich konnte Martha richtig spüren – ihre Liebe, ihre Zweifel, ihre Hoffnung. Es war nicht immer leicht zu lesen, weil manche Szenen wirklich unter die Haut gehen. Aber genau das macht das Buch so besonders.
Mein Fazit:
„Martha, Mon Amour“ ist eine bewegende Liebesgeschichte – aber auch viel mehr als das. Es ist ein Roman über Mut, Anderssein, Verlust und die Kraft der Liebe in dunklen Zeiten. Ich habe es mit einem Kloß im Hals, aber auch mit Hoffnung im Herzen gelesen. Ein Buch, das nachhallt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Eine berührende Reise zu den Wurzeln

Die Nelkentochter (Die Blumentöchter 3)
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Auch dieser dritte Teil der Blumentöchter-Saga von Tessa Collins ist eine bewegende Geschichte, die mich von der ersten Seite an emotional gepackt hat. Nach dem Tod ihrer Großmutter fühlt sich Lali verloren ...

Auch dieser dritte Teil der Blumentöchter-Saga von Tessa Collins ist eine bewegende Geschichte, die mich von der ersten Seite an emotional gepackt hat. Nach dem Tod ihrer Großmutter fühlt sich Lali verloren und orientierungslos. In der Gärtnerei entdeckt sie Gedichte ihrer Mutter, die sie früh verlassen hat – diese Zeilen berühren sie tief und wecken in ihr eine sehnsuchtsvolle Suche nach Antworten. Mutig verlässt sie ihr vertrautes Leben in Cornwall und reist nach Sri Lanka, um den Spuren eines alten Familiengeheimnisses zu folgen.
Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich, was mir das Eintauchen in die Geschichte sehr angenehm gemacht hat. Besonders eindrucksvoll fand ich die Beschreibungen von Sri Lanka. Ich konnte die Wärme auf der Haut spüren, den Duft der Teesträucher riechen und die Farben der Landschaft förmlich sehen. Diese lebendige Kulisse hat mich tief in die Handlung hineingezogen.
Während des Lesens war ich von vielen Gefühlen begleitet. Ich spürte Lalis Unsicherheit und Traurigkeit, ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Liebe, aber auch die leise Hoffnung, dass sie ihren Platz in der Welt doch noch finden würde. Die Gedichte ihrer Mutter haben mich emotional berührt, und ich konnte ihren inneren Schmerz sehr gut nachempfinden. Als sie schließlich in Sri Lanka Antworten findet und sich ihrer Vergangenheit stellt, war ich tief bewegt.
Lalis Entwicklung im Laufe der Geschichte hat mich besonders berührt. Aus der stillen, zurückhaltenden Frau wird jemand, der zunehmend Klarheit, Stärke und Selbstvertrauen gewinnt. Das passiert nicht plötzlich, sondern in kleinen, glaubwürdigen Schritten, die ich sehr authentisch fand. Auch die Einblicke in die Vergangenheit ihrer Mutter haben die Geschichte für mich noch emotionaler und greifbarer gemacht.
„Die Nelkentochter“ ist für mich eine wunderbare Mischung aus Familiengeheimnis, Selbstfindung und der besonderen Atmosphäre eines fremden Landes. Es ist ein leises, gefühlvolles Buch, das lange nachhallt – voller Wärme, Hoffnung und innerer Kraft. Ich habe es mit viel Herz gelesen und kann es jedem empfehlen, der gerne tief in emotionale Geschichten eintaucht. 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Eine Familiensaga, die bewegt

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Ulrika Lagerlöf entführt uns mit ihrem Roman tief in die Wälder Nordschwedens, ein Ort voller Geheimnisse, Sehnsüchte und längst vergangener Geschichten. Der Auftakt der Norrland-Saga spielt auf zwei Zeitebenen, ...

Ulrika Lagerlöf entführt uns mit ihrem Roman tief in die Wälder Nordschwedens, ein Ort voller Geheimnisse, Sehnsüchte und längst vergangener Geschichten. Der Auftakt der Norrland-Saga spielt auf zwei Zeitebenen, die gekonnt miteinander verwoben werden und eine bewegende Familiengeschichte über Generationen hinweg erzählen.
Im Jahr 1938 begleiten wir die junge Siv, die in einer Zeit großer Entbehrungen ihre Kindheit hinter sich lässt. Als sie in ein abgelegenes Holzfällerlager geschickt wird, um dort als Köchin für zehn Männer zu arbeiten, beginnt für sie ein neues, hartes Leben. Doch gerade in der Abgeschiedenheit und rauen Natur entdeckt Siv ein Gefühl von Freiheit und begegnet der ersten Liebe, die nicht sein darf. Ihre Geschichte ist geprägt von Mut, Pflichtgefühl und einer inneren Stärke, die tief berührt.
Im Jahr 2022 kehrt Eva, eine PR-Beraterin, in das Dorf ihrer Kindheit zurück, um im Auftrag eines Forstunternehmens ein heikles Abholzungsprojekt zu rechtfertigen. Doch je länger sie dort ist, desto mehr spürt sie, dass ihre eigene Vergangenheit eng mit dem Schicksal der Region verwoben ist. Was als berufliche Mission beginnt, wird für sie zur persönlichen Spurensuche. Die Konfrontation mit Umweltaktivisten, den Sámi und nicht zuletzt mit ihrer eigenen Geschichte macht aus Eva eine Figur, die sich neu finden muss.
Besonders gelungen ist Frau Lagerlöfs atmosphärische Schilderung der nordschwedischen Landschaft. Die Wälder, das Klima, die Moltebeeren, sie werden fast zu eigenen Figuren im Buch. Auch der Einblick in das Leben der Sámi und die ungerechte Behandlung dieses indigenen Volkes durch den schwedischen Staat verleihen dem Roman Tiefe und gesellschaftliche Relevanz.
Während die Gegenwartshandlung rund um Eva stellenweise etwas blass bleibt, zieht der Erzählstrang um Siv mit seiner emotionalen Dichte und Authentizität besonders in den Bann. Ihre Entwicklung vom Mädchen zur jungen Frau ist feinfühlig und glaubwürdig gezeichnet. Man leidet, hofft und liebt mit ihr und wünscht ihr ein besseres Leben, als es ihr letztlich möglich ist.
Es ist ein bewegender, vielschichtiger Roman über Familie, Herkunft und das Erbe der Vergangenheit. Die Autorin schafft es, historische und persönliche Themen zu einem großen Ganzen zu verweben – mit leisen Tönen, aber nachhaltiger Wirkung. Wer gerne tiefgründige Geschichten mit starkem Setting und einer Prise Melancholie liest, wird diesen Auftakt der Norrland-Saga sicher nicht so schnell vergessen.
Fazit: Ein gefühlvoller Roman über Verbundenheit, Verlust und den langen Schatten der Geschichte. Eindrucksvoll erzählt vor der Kulisse der schwedischen Wälder. Ein gelungener Auftakt einer großen Familiensaga, die sicherlich noch viel Raum für weitere spannende Weiterentwicklungen bietet.
Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung "Wo das Feuerkraut blüht", die allerdings erst im Mai 2026 erscheinen wird.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Zwischen Buchduft und Selbstbestimmung

Das Fräulein Buchhändlerin
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Martina Bergmann entführt uns in ihrem Roman in das Jahr 1965 nach Bielefeld, in eine Zeit, in der von Frauen noch erwartet wurde, brav zu heiraten und sich der Rolle der Ehefrau und Mutter unterzuordnen. ...

Martina Bergmann entführt uns in ihrem Roman in das Jahr 1965 nach Bielefeld, in eine Zeit, in der von Frauen noch erwartet wurde, brav zu heiraten und sich der Rolle der Ehefrau und Mutter unterzuordnen. Doch Amanda, die junge Buchhändlerin, will mehr vom Leben. Mit leiser Entschlossenheit, klarem Verstand und einer Portion Sturheit verfolgt sie ihren eigenen Weg: Statt sich in eine traditionelle Rolle drängen zu lassen, nutzt sie die Gelegenheit, die Buchhandlung ihres Chefs zu übernehmen, und stellt sich damit nicht nur wirtschaftlichen Herausforderungen, sondern vor allem den gesellschaftlichen Vorurteilen ihrer Zeit.
Besonders beeindruckend ist die Art, wie Amanda sich behauptet: nicht laut, nicht rebellisch im klassischen Sinn, sondern mit einer inneren Stärke, die gerade durch ihre Zurückhaltung umso kraftvoller wirkt. Frau Bergmann beschreibt diesen Emanzipationsprozess mit viel Feingefühl und einem wachen Blick für die Zwischentöne. Ihre Sprache ist klar, klug und atmosphärisch. Man fühlt sich mitten im Alltag der 60er Jahre, spürt den Duft von Kaffee in der Buchhandlung und hört das Knarzen der Holzböden unter den Füßen.
Der Roman ist nicht nur eine liebevolle Hommage an den Buchhandel, sondern auch ein stilles Plädoyer für Selbstbestimmung und Mut. Amanda ist eine Figur, die man bewundert. Nicht, weil sie laut aufbegehrt, sondern weil sie unbeirrt ihren eigenen Weg geht, allen Widerständen zum Trotz.
Ein wunderbares Buch über das Kämpfen ohne großes Aufsehen, über das Festhalten an Träumen und über die Kraft, die in der Stille liegt. Absolut lesenswert – besonders für alle, die sich für weibliche Lebenswege jenseits der Konventionen interessieren.
Fazit: Ein starker Roman mit einer großartigen Hauptfigur; berührend, authentisch und inspirierend. Uneingeschränkte Leseempfehlung! 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Zwischen Hoffnung und Ausbeutung

Ibicaba
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Eveline Haslers Roman "Ibicaba" ist eine eindrucksvolle literarische Aufarbeitung eines weitgehend unbekannten Kapitels der Schweizer Auswanderungsgeschichte. Im Zentrum steht die tragische Reise von 265 ...

Eveline Haslers Roman "Ibicaba" ist eine eindrucksvolle literarische Aufarbeitung eines weitgehend unbekannten Kapitels der Schweizer Auswanderungsgeschichte. Im Zentrum steht die tragische Reise von 265 Auswanderern aus verschiedenen Schweizer Kantonen, die 1855 in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Brasilien aufbrechen – und dort statt eines Paradieses Ausbeutung, Hunger und Elend vorfinden.
Hasler schildert die Ereignisse mit großer Detailtreue und spürbarer Empathie für die Figuren. Besonders beeindruckend ist, wie sie historische Fakten und Zeitdokumente geschickt in die Handlung einwebt. Dadurch erhält der Roman eine Authentizität, die den Leser mitten in die Zeit und das Lebensgefühl der damaligen Menschen versetzt. Die Zustände auf der Plantage Ibicaba, wo die Auswanderer unter sklavereiähnlichen Bedingungen arbeiten müssen, werden schonungslos, aber nicht reißerisch dargestellt.
Der Schreibstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, da Frau Hasler auf wörtliche Rede verzichtet. Diese ungewöhnliche Erzählweise verlangt zunächst eine gewisse Umstellung, doch schon nach kurzer Zeit entfaltet der Text eine eigene Dynamik und Tiefe, die den Leser mitnimmt.
Besonders berührend ist die Figur des Thomas Davatz, der sich nicht mit der Ungerechtigkeit abfindet und durch seinen Mut zur Wahrheit eine wichtige Rolle für die Aufklärung in Europa spielt. Die Solidarität der anderen Auswanderer – auch der deutschen – zeigt, dass Menschlichkeit selbst unter härtesten Bedingungen möglich ist.
Insgesamt ist "Ibicaba" ein wichtiges, aufrüttelndes und sehr lesenswertes Buch. Es macht deutlich, wie nah vergangenes Leid oft noch ist und wie stark die Hoffnung auf ein besseres Leben Menschen antreiben kann – selbst wenn sie dafür alles riskieren müssen. Ein Stück Geschichte, das nachhallt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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