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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

Ein Sommer, der alles verändert

Der letzte Sommer der Tauben
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Im Mittelpunkt steht ein vierzehnjähriger Junge, der Tauben züchtet und in diesen Tieren Freiheit und Ordnung zugleich findet. Während er sich um sie kümmert, rückt eine neue Macht immer näher an den Alltag. ...

Im Mittelpunkt steht ein vierzehnjähriger Junge, der Tauben züchtet und in diesen Tieren Freiheit und Ordnung zugleich findet. Während er sich um sie kümmert, rückt eine neue Macht immer näher an den Alltag. Zuerst fast unmerklich, dann immer deutlicher. Hubschrauber am Himmel, neue Regeln, veränderte Blicke der Menschen.
Der Vater passt Bilder an, um Ärger zu vermeiden. Der ältere Bruder macht Karriere in einem System, das Angst verbreitet. Mutter und Schwester dürfen sich immer weniger frei bewegen. Ihre Welt wird kleiner, und gleichzeitig wächst der Druck auf die Männer, aufzupassen, zu kontrollieren und Regeln durchzusetzen. Die Selbstständigkeit der Frauen schwindet dabei immer mehr.
Besonders stark wirkt der Blick des Jungen. Er versteht vieles noch nicht ganz, spürt aber genau, wie sich sein Alltag verändert. Die Tauben sind für ihn mehr als ein Hobby. Sie gehören zu seinem Leben, geben ihm Struktur und Ruhe. Als sie ebenfalls bedroht werden, wird spürbar, wie sehr diese kleinen Freiheiten den Alltag bestimmen.
Die Sprache bleibt ruhig und klar. Es gibt Momente von feinem Humor, die nicht auflockern, sondern Nähe schaffen. Vieles wirkt schlicht und gerade dadurch glaubwürdig.
Zurück bleibt das Bild eines Sommers, der etwas beendet. Ein Buch, das wenig erklärt, viel zeigt und lange nachwirkt.
Mich hat dieser Roman tief bewegt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Drei Schwestern und das, was bleibt

Sanddornschwestern
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Die Geschichte beginnt im Jahr 1929 auf der Insel Usedom und setzt sich viele Jahre später im Jahr 1990 fort. Im Mittelpunkt stehen drei Schwestern und ihre Familie, deren Leben von Ereignissen geprägt ...

Die Geschichte beginnt im Jahr 1929 auf der Insel Usedom und setzt sich viele Jahre später im Jahr 1990 fort. Im Mittelpunkt stehen drei Schwestern und ihre Familie, deren Leben von Ereignissen geprägt wird, die lange nachwirken. Still und ruhig entfaltet sich das Geschehen, getragen von Erinnerungen, Verlust und dem Versuch, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen.
Der Alltag im Hotel Sanddorn ist von Arbeit und familiärem Zusammenhalt bestimmt. Mit der wirtschaftlich schwieriger werdenden Zeit wächst jedoch die Unsicherheit. Sorgen und Ängste schleichen sich ein, oft unausgesprochen. Ein neuer Pensionsgast bringt zusätzlich Unruhe in das Leben der Schwestern und stellt vieles auf den Kopf.
Die Figuren wirken nah und glaubwürdig. Jede der Schwestern geht anders mit Hoffnung, Liebe und Enttäuschung um. Agnes steht dabei stärker im Mittelpunkt, ohne dass die anderen in den Hintergrund geraten. Entscheidungen aus jungen Jahren wirken lange nach und prägen das weitere Leben.
Der zweite Handlungsstrang der Geschichte spielt im Jahr 1990. Agnes’ Rückkehr an den ihr vertrauten Ort bringt Erinnerungen zurück, die lange verdrängt waren. Vergangenes wird nicht ausführlich erklärt, sondern nach und nach sichtbar. Kleine Hinweise reichen aus, um Zusammenhänge zu verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch, das Erlebte einzuordnen.
Die Insel Usedom prägt die Geschichte und verbindet die beiden Zeitebenen. Sie schafft eine ruhige und stimmige Atmosphäre. Gefühle werden zurückhaltend gezeigt und wirken dadurch besonders deutlich. Beim Lesen bleibt ein leises Nachklingen, das die Ereignisse lange im Gedächtnis hält.
Am Ende bleibt eine Geschichte, die nachwirkt. Es geht um Schuld, Verlust und die Möglichkeit, Frieden mit der Vergangenheit zu finden. Ruhig erzählt, mit Wärme und spürbarer Tiefe. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Warmherzig, humorvoll und nah am Leben

5 alte Schachteln / 5 alte Schachteln und der Gin des Lebens
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Fünf Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, teilen sich weiterhin ihr Zuhause und ihren Alltag. Das Zusammenleben bringt kleine Reibereien, viel Vertrautheit und immer wieder Momente, die zum ...

Fünf Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, teilen sich weiterhin ihr Zuhause und ihren Alltag. Das Zusammenleben bringt kleine Reibereien, viel Vertrautheit und immer wieder Momente, die zum Schmunzeln einladen. Genau aus diesen ganz normalen Situationen entsteht auch diesmal der besondere Charme der Geschichte, der leicht wirkt und trotzdem Nähe schafft.
Im Mittelpunkt stehen erneut Freundschaft, Zusammenhalt und das Älterwerden mit all seinen kleinen Herausforderungen. Die Frauen gehen sehr unterschiedlich mit Veränderungen um, sei es im Alltag, in Gedanken oder im Umgang miteinander. Dabei entstehen Gespräche, Missverständnisse und herzliche Augenblicke, die vertraut wirken und oft überraschend ehrlich sind.
Der Gin des Lebens steht dabei sinnbildlich für kleine Auszeiten, für das Innehalten und für die Frage, was wirklich guttut. Ohne große Dramatik, dafür mit feinem Humor und viel Menschlichkeit, zeigt die Geschichte, wie wichtig es ist, sich gegenseitig Raum zu lassen und trotzdem füreinander da zu sein. Gerade diese leisen Momente machen den Reiz aus und sorgen dafür, dass sich vieles sehr nah am echten Leben anfühlt.
Der Schreibstil bleibt angenehm locker und gut lesbar. Dialoge wirken natürlich, Situationen nachvollziehbar und die Figuren sind längst vertraut. Man erkennt sie wieder, mit all ihren Eigenheiten, Macken und liebenswerten Seiten. Es fühlt sich an wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten, bei dem sofort wieder eine Verbindung da ist.
Auch dieser fünfte Band der Reihe hat mich begeistert und ich musste das Buch einfach in einem Rutsch durchlesen.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein Roman, der keine Schonung kennt

Bambino
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Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer ...

Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer auszuhalten ist und genau deshalb lange nachwirkt.
Mattia, von allen nur Bambino genannt, ist jung, brutal und schon früh Teil der faschistischen Bewegung. Sein Spitzname täuscht, denn hinter dem jungen Gesicht steckt eine erschreckende Härte. Gewalt wird für ihn zur Sprache, Macht zum Halt. Auffällig ist die Kälte seines Handelns und die Leere, die ihn antreibt. Entschuldigungen gibt es keine, nur Gründe.
Die Geschichte entfaltet sich schnell und konzentriert. Szenen wechseln abrupt, fast atemlos. Immer wieder blitzen Hinweise auf Mattias’ Herkunft auf, auf das Schweigen des Vaters, auf die fehlende Mutter. Diese Suche zieht sich sanft durch den Roman und gibt der Figur eine zusätzliche Tiefe. Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um Verletzungen, die nie ausgesprochen wurden und sich in Gewalt verwandeln.
Besonders eindrücklich ist der Umgang mit Geschichte. Krieg, Faschismus, Besatzung und Schuld werden nicht erklärt oder eingeordnet. Sie sind einfach da, roh und unausweichlich. Triest wird zu einem Schauplatz, an dem sichtbar wird, wie schnell Täterrollen entstehen und wie flüchtig jede Form von Macht ist. Vieles bleibt bewusst offen.
Die Sprache ist klar, hart und schnörkellos. Gefühle werden nicht ausformuliert, sondern entstehen zwischen den Zeilen. Gerade dadurch wirkt vieles beklemmend nah. Bambino bleibt eine Figur, die abstößt und zugleich fesselt, weil sie nicht vereinfacht wird. Am Ende steht kein Trost, keine Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass Geschichte Menschen formt und verformt und dass Schuld selten eindeutig beginnt.
Dieses Buch hinterlässt Unruhe. Es zwingt dazu, länger darüber nachzudenken, wie aus Orientierungslosigkeit Überzeugung wird und wie leicht Gewalt zur Identität werden kann. Ein Roman, der nicht gefallen will, sondern etwas offenlegt.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Romane schätzen, die fordern, verstören und lange nachwirken.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Herausforderungen und Hoffnungen in der Fremde

Unter fremden Himmeln
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Die neue Umgebung stellt das Leben aller auf die Probe. Alltag, Klima und Menschen fordern mehr, als zunächst erwartet. Sicherheit ist hier keine Selbstverständlichkeit.
Das Leben in der Siedlung ist von ...

Die neue Umgebung stellt das Leben aller auf die Probe. Alltag, Klima und Menschen fordern mehr, als zunächst erwartet. Sicherheit ist hier keine Selbstverständlichkeit.
Das Leben in der Siedlung ist von Beginn an angespannt. Entscheidungen müssen getroffen werden und haben oft Folgen. Die koloniale Verwaltung bestimmt den Alltag und lässt wenig Raum für eigene Wege. Gleichzeitig entstehen vorsichtige Kontakte zu den Einheimischen, geprägt von Neugier, Respekt und Unsicherheit.
Im Zentrum stehen drei Frauen, deren Lebenswege sich verändern. Jede von ihnen trägt eigene Hoffnungen und Sorgen mit sich. Beziehungen geben Halt, geraten aber auch ins Wanken. Nicht alles wird ausgesprochen.
Der Alltag ist geprägt von Arbeit, Krankheit und dem Versuch, etwas Beständiges aufzubauen. Medizinisches Wissen trifft auf das Heilwissen der Einheimischen. Kleine Szenen aus dem täglichen Leben lassen die Umgebung lebendig wirken. Tara Haigh schreibt ruhig und anschaulich, sodass die Figuren und Orte lebendig werden.
Die Geschichte entwickelt sich ruhig und nimmt sich Zeit. Spannung entsteht durch Entscheidungen und durch das, was unausgesprochen bleibt. Vertrauen wird geprüft, Träume verändern sich, und nicht jede Hoffnung erfüllt sich.
Zurück bleibt das Gefühl, einer fremden Welt nahegekommen zu sein. Die Figuren wirken lange nach, und die Atmosphäre bleibt im Gedächtnis. Ein starker zweiter Band, der zurückhaltend erzählt wird, aber lange nachwirkt. Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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