Bevor ich „True Crime in Nature“ gelesen hatte, war mir nicht im Entferntesten bewusst, wie viele Tiere als Parasiten oder Parasitoide leben, und wie erfinderisch sie dabei vorgehen, um teilweise sogar ...
Bevor ich „True Crime in Nature“ gelesen hatte, war mir nicht im Entferntesten bewusst, wie viele Tiere als Parasiten oder Parasitoide leben, und wie erfinderisch sie dabei vorgehen, um teilweise sogar mehrere Zwischenwirte hintereinander zu parasitieren. Wer hätte gedacht, welche heimtückischen Überfälle, Kidnapping und Anschläge sind allein im heimischen Garten unter den Insekten abspielen oder wie der Kleine Leberegel auf der Kuhweide sein Unwesen treibt, um Ameisengehirne zu kapern! Ich werde heuer sicher mit anderen Augen das Treiben in meinem Garten beobachten.
Die Autorin Farina Graßmann schreibt dabei so locker und unterhaltsam, dass das Buch nie wie ein trockenes Sachbuch wirkt, sondern man regelrecht durch die Seiten fliegt. Wunderbar ergänzt wird der Text durch comicartige, humorvolle Illustrationen in rot, schwarz und weiß und durch einzelne Fotos.
Eine absolute Leseempfehlung!
Maki lebt mit vielen anderen Tieren zusammen im Dschungel, als eines Tages ein großer braun-oranger Oran-Utan auftaucht und den Dschungeltieren einredet, sie bräuchten einen Anführer, um ihre Interessen ...
Maki lebt mit vielen anderen Tieren zusammen im Dschungel, als eines Tages ein großer braun-oranger Oran-Utan auftaucht und den Dschungeltieren einredet, sie bräuchten einen Anführer, um ihre Interessen gegenüber anderen zu vertreten, nach dem Motto „Dschungel zuerst!“. Indem das Trumpeltier die Tiere geschickt manipuliert und täuscht, erweckt es den Eindruck, der perfekte Kandidat zu sein und lässt sich zum Anführer wählen. Als erstes wird eine Mauer errichtet, um andere Tiere vom Dschungel fernzuhalten. Doch bald kommen dem Maki und den anderen Zweifel: Ging da wirklich alles mit rechten Dingen zu? Und was macht überhaupt einen guten Anführer aus?
Als vorlesender Erwachsener hat man natürlich sofort eine bestimmte Person der Zeitgeschichte vor Augen, und bereits der Titel und auch die Frisur des Trumpeltieres wurden schon dementsprechend gewählt. Ich liebe es, wenn Kinderbücher auch für die Eltern eine kleine Ebene einbauen, die zum Schmunzeln oder Nachdenken einlädt, und das ist hier wunderbar gelungen. Die Zielgruppe ab 4 Jahren wird die Parallelen noch nicht erkennen, aber spielerisch eine wichtige Botschaft zur Demokratie lernen: Nach welchen Kriterien sollten Personen ausgewählt werden, die eine Gruppe anführen? Müssen das die Stärksten und Größten sein, oder eher diejenigen, die die Bedürfnisse aller im Blick haben und mit anpacken, wenn Hilfe gebraucht wird? Ganz besonders gut gefällt mir, wie die Botschaft des Buches am Schluss verpackt ist – das ist wirklich sehr schön gelöst!
Sehr gut gefallen hat mir auch der Zeichenstil. Besonders goldig in der kleine Makake Maki, den man sofort ins Herz schließt. Die Illustrationen sind farbenfroh und dynamisch, aber nicht knallig. Einziger winziger Kritikpunkt: Da immer vom Bär, dem Tiger etc. die Rede ist, kommen implizit ausschließlich männliche Tiere vor. Ich hätte es wünschenswert gefunden, wenn auch Dschungelbewohnerinnen eine Rolle gespielt hätten.
Ein wirklich tolles Buch, das nicht nur zu Hause viel Freude beim Lesen macht, sondern auch in KiTas oder Kindergärten eine anregende Vorleselektüre sein kann, um anschließend darüber zu sprechen. Und nicht zuletzt ist es auch kleines Zeitdokument – wobei zu hoffen bleibt, dass die Menschen genauso schnell lernen wie die Tiere…
Mein Sohn (11) und ich lesen gerne gemeinsam fantasievolle Romane voller Magie und Abenteuer, und so waren wir sehr neugierig auf die „Bibliothek der Wahren Lügen“.
Oskar, 14 Jahre alt, lebt nach dem Tod ...
Mein Sohn (11) und ich lesen gerne gemeinsam fantasievolle Romane voller Magie und Abenteuer, und so waren wir sehr neugierig auf die „Bibliothek der Wahren Lügen“.
Oskar, 14 Jahre alt, lebt nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seiner Schwester Bibi, seiner im Rollstuhl sitzenden Mutter und deren neuem Freund. In der Schule wird er gemobbt, und am liebsten zieht er sich zuhause mit einem Buch von Simon Bruma zurück, der bereits der Lieblingsautor seines Vaters war, und schreibt Fanfiction. Als er den Schreibwettbewerb von Simon Bruma gewinnt, und zu ihm nach Hause eingeladen wird, um vom Bruma im Schreiben unterrichtet zu werden, ist er überglücklich. Doch im Hause des Autors passieren seltsame Dinge. Seine Tochter November ist schwer krank und kann nur durch Oskar gerettet werden…
Uns ist bereits der Einstieg in das Buch sehr schwer gefallen, da von Anfang an nicht klar ist, was real ist und was Phantasie. So bezeichnet Oskar seine kleine Schwester als Maus, sieht ihre Schnurrhaare, und auch Simon Bruma bezeichnet sie so, streicht ihr über die Schnurrhaare und gibt ihr Käse. Seine Mutter sieht Oskar als Eiskönigin, den Stiefvater als Echse. Im Verlauf der Geschichte vermischen sich Fiktion und Realität immer mehr. Die Handlung wird zunehmend verworrener bis hanebüchen, und es ist weder ein roter Faden noch ein schlüssiges Gesamtkonzept erkennbar, von Logik ganz zu schweigen. Mein Sohn hat bereits nach zwei Kapitel aufgegeben, ich habe das Buch beendet, muss aber sagen, dass es letztendlich ein Durchquälen war. Im Nachhinein bin ich froh, dass mein Sohn abgebrochen hat, da im Verlauf des Buches viele Kamphandlungen und Gemetzel stattfinden, hinzu kommen ekelhafte, gruselige Szenen, die Kinder verstören könnten. Das ständige Gezanke zwischen November und Oskar nervt zusätzlich.
Ich halte dem Autor zugute, dass es sich um ein sehr fantasievolles, sprachlich gewandtes Buch handelt, doch leider schießt er übers Ziel hinaus und verliert sich in einem wirren Wust verschiedener Handlungs- und Metaebenen. Leider konnten mich weder die Handlung noch die Charaktere überzeugen, und die Altersempfehlung ist mit 11 Jahren meines Erachtens zu niedrig angesetzt. Ich sehe die Zielgruppe bei 13 Jahren aufwärts.
Meinen Sohn und mich hat dieses Buch leider komplett enttäuscht.
In „Russische Spezialitäten“ schildert Dmitrij Kapitelman eindrucksvoll seine innere Zerrissenheit angesichts des Ukraine-Krieges. Der Autor selbst ist in Kyjiw geboren und dort russischsprachig aufgewachsen, ...
In „Russische Spezialitäten“ schildert Dmitrij Kapitelman eindrucksvoll seine innere Zerrissenheit angesichts des Ukraine-Krieges. Der Autor selbst ist in Kyjiw geboren und dort russischsprachig aufgewachsen, bevor er im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam. Dort führte die Familie in Leipzig über 25 Jahre ein Geschäft für russische Spezialitäten.
Seit Beginn des Krieges geht eine Spaltung durch die Familie, engste Freundschaften werden auf die Probe gestellt. Während sich der Autor westlich positioniert, verfolgt seine Mutter russisches Staatsfernsehen und glaubt der russischen Propaganda. Kapitelman spürt, wie sich auch sein Leben durch den Krieg verändert und er nach seiner eigenen Identität sucht, da er seit Kriegsbeginn „weder vollständig lachen noch weinen kann“ (Kapitel „Tate ist noch auf dem Spielplatz“). So fasst er schließlich den Entschluss, trotz der Gefahr nach Kyjiw zu reisen.
Kapitelman erzählt sehr persönlich, pointiert, mit großem Sprachgefühl und einem messerscharfen schwarzen Humor. Trotz des schweren Themas enthält sein Buch auch viele komische Momente.
Mich hat das Buch sehr bewegt und mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie komplex nicht nur die politischen, sondern auch die zwischenmenschlichen und innerfamiliären Auswirkungen des Ukraine-Krieges sind. Sehr lesenswert!
Ich muss gestehen, dass ich an diesem Roman zunächst vorbeiging und erst durch eine Empfehlung darauf aufmerksam wurde.
Von Anfang an hat mich die Hauptfigur, Wanda, ganz besonders herausgefordert. Sie ...
Ich muss gestehen, dass ich an diesem Roman zunächst vorbeiging und erst durch eine Empfehlung darauf aufmerksam wurde.
Von Anfang an hat mich die Hauptfigur, Wanda, ganz besonders herausgefordert. Sie war mir nicht unbedingt sympathisch, sondern ist eine Person, an der ich mich als Leserin immer wieder reiben konnte. Manchmal – gerade, wenn es um ihre Tochter Karlie ging – war ich beim Lesen ziemlich aufgewühlt und hätte ihr am liebsten die Meinung gesagt. Und dann gab es wieder Stellen, an denen ich mich Wanda sehr nahe fühlte und mich genau in sie hineinversetzen konnte. Ich liebe Bücher, deren Charaktere nicht glatt sind, sondern ambivalent mit Ecken und Kanten, und Wanda ist so ein Charakter.
Die Autorin Sara Gmuer schreibt eindringlich und lebendig, so dass ich mir das Hochhaus und seine Atmosphäre, die Bewohner und Bewohnerinnen, aber auch die Szenen am Film-Set und im Schickimicki-Restaurant in allen Details vorstellen konnte. Inwieweit die beschriebene Situation in der Filmbranche der Realität entspricht, kann ich nicht beurteilen, Ich vermute jedoch, dass hier deutlich überzeichnet wurde, und hätte mir ein bisschen weniger Klischee gewünscht, da an diesen Stellen die Geschichte etwas vorhersehbar und schablonenhaft wirkt.
Der Roman zeigt, wie sehr uns das Milieu unserer Herkunft prägt und wie schwer es ist, die gläserne Decke zwischen den sozialen Schichten zu durchbrechen, auch in unserem Verhalten und Denken. Wanda ist dies bewusst, und sie kämpft immer wieder dagegen an.
Ein unerwartet tiefgründiger, bewegender Roman, dessen Ende mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt, auch wenn es sehr passend ist. Für Wanda und die Handlung rund um das Hochhaus würde ich 5 Sterne vergeben, einen Stern ziehe ich ab für die Geschichte rund um die Schauspielerei, da sie mir zu stereotyp war.