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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.06.2018

Eine junge Frau in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche

Die Ärztin: Das Licht der Welt
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Der Roman „Die Ärztin – Das Licht der Welt“ spielt in der Kaiserzeit vorwiegend in Berlin und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die es trotz bescheidener Herkunft und gesellschaftlicher Hürden, ...

Der Roman „Die Ärztin – Das Licht der Welt“ spielt in der Kaiserzeit vorwiegend in Berlin und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die es trotz bescheidener Herkunft und gesellschaftlicher Hürden, schafft als Frau Medizin zu studieren. Ricarda ist die Tochter des Gärtners und der Köchin auf dem Gut Freystetten. Im Winter 1876 kommt es zu einem folgenschweren Unglück. Florentine, die Enkeltochter des Grafen Franz von Freystetten, bricht beim Schlittschuhlaufen im Eis ein. Die Gärtnertöchter Antonia und Ricarda schaffen es, Florentine zu retten, für Antonia allerdings kommt leider jede Hilfe zu spät. Um wieder etwas an der Gärtnerfamilie gut zu machen, verfügt der Graf vor seinem Tod, dass sich seine Tochter Henriette um Ricarda kümmern und ein Auge auf ihre schulische und berufliche Entwicklung haben soll. Die Komtess Henriette lebt nicht auf dem Landgut sondern in Berlin, wo sie als Ärztin eine Zahnarztpraxis betreibt. Nach einer schweren Erkrankung von Ricardas Mutter nimmt die Komtess Ricarda als Mündel mit nach Berlin, wo diese eine gute Schule besuchen kann. Ricarda findet Gefallen an Henriettes beruflicher Tätigkeit und deren Engagement für Frauen und für die medizinische Behandlung und Pflege von ärmeren Frauen.
Der Roman zeigt dem Leser die Entwicklung der jungen Ricarda auf sehr gut nachvollziehbare Weise. Die Schauplätze sind sehr anschaulich beschrieben und die gesellschaftlichen Gegebenheiten und Unterschiede werden eindrücklich am Beispiel zahlreicher interessanter Nebenfiguren dargestellt. Sehr interessant fand ich auch die medizinhistorischen Informationen, die man ganz nebenbei mitbekommt.
Sprachlich lässt der Roman sich sehr angenehm und flüssig lesen. Das Buch ist sehr schön aufgemacht. Auf der Innenseite der vorderen Klappe ist ein farbiger Stadtplan von Berlin im Jahre 1878 abgedruckt, wo die wichtigsten Schauplätze eingezeichnet sind. Wir finden vorne ein Personenverzeichnis und hinten ein Inhaltsverzeichnis mit den Kapitelüberschriften und Jahreszahlen, was beides für die Orientierung sehr hilfreich ist.
Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Ich fand es die ganzen 555 Seiten hinweg spannend und habe mich über jede Pause gefreut, wo ich darin lesen konnte.
Im November 2018 erscheint die Fortsetzung dieser zweiteiligen Serie, auf die ich mich sehr freue. Von mir erhält dieses Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 04.06.2018

Ein Todesfall aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet

ONE OF US IS LYING
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Fünf Schüler müssen an einem Nachmittag zum Nachsitzen, weil sie unerlaubterweise ein Handy im Unterricht dabei hatten. Tragischerweise kommt es zu einem Zwischenfall. Einer der Jugendlichen, Simon erliegt ...


Fünf Schüler müssen an einem Nachmittag zum Nachsitzen, weil sie unerlaubterweise ein Handy im Unterricht dabei hatten. Tragischerweise kommt es zu einem Zwischenfall. Einer der Jugendlichen, Simon erliegt seiner Erdnussallergie. Simon war an der Schule sehr bekannt, weil er über eine selber entwickelte App Klatsch und Tratsch über Schüler an der gesamten Schule verbreitet hatte. Nicht wenige Schülerinnen und Schüler hatten unter der Verbreitung mancher unerfreulicher Begebenheit zu leiden. Es steht sehr bald der Verdacht, dass jemand bei Simons Tod nachgeholfen hat.
Der Roman wird aus der Perspektive der vier anderen Jugendlichen erzählt, die gemeinsam mit Simon beim Nachsitzen waren. Dadurch werden die Jugendlichen selber, sowie ihr persönliches Umfeld auf sehr abwechslungsreiche Art charakterisiert und vorgestellt. Die Familien gehen völlig unterschiedlich mit der Situation um, als die Kinder plötzlich beschuldigt werden, möglicherweise an einem Mordkomplott beteiligt zu sein. Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz, so dass man gerne weiterliest, weil man wissen möchte, wie eine bestimmte Entwicklung sich für die anderen Beteiligten darstellt.
Sprachlich ist das Jugendbuch einfach gehalten, aber keineswegs monoton oder hölzern. Man kann sich auch als reifere Person schön in die verschiedenen Persönlichkeiten einfühlen. Mich haben vor allem die familiären Beziehungen interessiert und ich habe mich, obwohl ich nicht so gerne Jugendbücher lese, sehr gut von diesem Buch unterhalten gefühlt.
Von mir erhält es 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 23.05.2018

Dem perfekten Duft auf der Spur

Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe
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In ihrem Roman „Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ schlägt die Autorin Michelle Marly einen Bogen zwischen 1897 und 1922. Der Großteil des Romans spielt in der Welt der Schönen und Reichen in Paris. ...

In ihrem Roman „Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ schlägt die Autorin Michelle Marly einen Bogen zwischen 1897 und 1922. Der Großteil des Romans spielt in der Welt der Schönen und Reichen in Paris. Coco Chanel, die eigentlich Gabrielle Chanel heißt, lebt 1919 in Paris, wo sie bereits großen Erfolg als Modeschaffende feiern durfte. Als ihr Geliebter Boy Capel in einem tragischen Autounfall in Südfrankreich ums Leben kommt, bricht für Coco eine Welt zusammen. Sie fällt in eine sehr tiefe Trauer und versucht sich, wieder in die Welt der Lebenden zurück zu arbeiten, indem sie die letzte gemeinsame Idee, die sie mit Boy hatte, in die Tat umsetzt: Die Kreation eines ganz besonderen Parfums. Sozusagen als flüchtiges Denkmal der Liebe setzt sich Gabrielle mit der Kreation eines Duftes auseinander und kommt dabei in die Dunstwolke eines Parfums, das am russischen Zarenhof verwendet wurde und inzwischen nicht mehr hergestellt wird.
Das Buch lässt viele Prominente des Paris der Zwanziger Jahre auftreten. Coco lernt sowohl russische Adlige kennen, die nach der russischen Revolution nach Paris emigriert sind als auch Künstler wie Picasso und Igor Strawinsky.
Der Roman ist flüssig geschrieben und lässt sich schön leicht lesen, so dass er auf jeden Fall als Urlaubslektüre geeignet ist. Mir hat vor allem die Suche und Komposition des Duftes sehr gut gefallen. Man kann schön nachvollziehen, wie es zum heute immer noch beliebten Duftes Chanel Nr. 5 gekommen ist. Ebenfalls hat mir der Hintergrund der russischen Geschichte sehr gut gefallen, sowie die Art und Weise, wie die Meilensteine von Coco Chanels Leben dargestellt werden. Wer sich intensiv mit ihrem Leben befassen möchte, ist sicher mit einer Biografie besser bedient. Wer sich aber einfach etwas in ihr Leben einlesen möchte und keine Abneigung gegen Liebesromane hat, kann sicher mit diesem Roman schöne Stunden verbringen. Von mir erhält das Buch 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 01.05.2018

Eine schöne Clifton Fortsetzung

Möge die Stunde kommen
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Der 6. Band der Clifton Serie setzt da ein, wo man infolge eines fiesen Cliffhangers am Ende des 5. Bandes ungeduldig nachschaut, wann die Fortsetzung auf den Markt kommt. Er geht um den Ausgang einer ...

Der 6. Band der Clifton Serie setzt da ein, wo man infolge eines fiesen Cliffhangers am Ende des 5. Bandes ungeduldig nachschaut, wann die Fortsetzung auf den Markt kommt. Er geht um den Ausgang einer Gerichtsverhandlung. Über das Ergebnis möchte ich an dieser Stelle natürlich nichts schreiben. Aber soviel sei gesagt: Der Ausgang gibt reichlich Grundlage für weitere Irrungen und Wendungen der Barrington Gesellschaft sowie von Freunden und Feinden des Clifton Clans.
Mit besonders großer Spannung habe ich auf die Fortsetzung des in Russland gefangenen Schriftstellers Anatoli Babakov gewartet. Harry kämpft nach wie vor für dessen Freilassung. Die inneren Bilder, die sich mir am Ende des Buches im Zusammenhang mit Babakov boten, werden mir hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben.
Insgesamt habe ich mich wiedermal über 589 Seiten hinweg bestens unterhalten gefühlt und gleichzeitig einiges an Zeitgeist und politischen Entwicklungen der Siebzigerjahre mitnehmen können.
Der Roman wechselt immer wieder die Erzählperspektive, sodass die Spannung immer hoch gehalten wird und die Lektüre sehr abwechslungsreich ist. Ich kann diesen 6. Band der Clifton Saga nur empfehlen. Da ich alle Teile gelesen habe, kann ich nichts darüber sagen, wie geeignet das Buch zum Einsteigen ist, wenn man die Figuren und ihre Verflechtungen noch gar nicht kennt. Wie bei allen Serien ist die Einhaltung der Reihenfolge sicher von Vorteil für den vollen Lesegenuss.
Ich vergebe diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2018

München in den 50er Jahren

Der Himmel über unseren Träumen
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Vera Cohn verlebt acht glückliche Kindheitsjahre in München, als ihre Eltern 1938 beschließen, das für Juden immer feindlicher gesinnte Deutschland zu verlassen und in die USA zu emigrieren. Von ihrer ...

Vera Cohn verlebt acht glückliche Kindheitsjahre in München, als ihre Eltern 1938 beschließen, das für Juden immer feindlicher gesinnte Deutschland zu verlassen und in die USA zu emigrieren. Von ihrer geliebten Großmutter Rebecca bleibt Vera nur ein Skizzenbuch mit Zeichnungen von Münchner Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, die sie zusammen besucht hatten.
Nach dem Krieg zieht die Familie nach Bonn, wo Veras Vater für die SPD im Parlament sitzt. Vera studiert Architektur und will in ihrem geliebten München am Wiederaufbau während den 1950er Wirtschaftswunderjahren teilhaben. Sie findet eine Stelle in einem Architekturbüro, das vorwiegend Altersheime und Wohnungen baut.
Das Wiederanknüpfen an alte Freundschaften ist nicht einfach, weil ihre jüdischen Kindheitsfreunde weggezogen oder tot sind. Vera findet unter ihren Architektenkollegen und Mitarbeitern im Büro neue Freunde. Jedoch liegt immer wieder die Frage in der Luft, was die Menschen zwischen 1938 und 1945 wirklich gemacht haben. Die Unsicherheit vergiftet auch Veras Liebesbeziehung zu Arthur Brandt, einem aufstrebenden Architekten, der mit seinem Freund Ludger ein eigenes Büro gründet.
In dem Buch erfährt man einiges, wie in Architekturbüros in den 50er Jahren gearbeitet wurde. Die Situation von Frauen, die in den 20/30 er Jahren in den Städten zunehmend eigenständig ein Berufsleben führten, entwickelt sich wieder ins traditionelle Rollenverständnis zurück. Die Männer arbeiten für den Lebensunterhalt der Familie und die Frau kümmert sich um das leibliche Wohl ihres Ehemannes und später um die Kinder. Sehr gut dargestellt ist auch die Stimmung, geprägt einerseits von Aufbruch, aber auch von Misstrauen bezüglich der Vergangenheit. Ist die Entnazifizierung wirklich gelungen oder existieren die alten Seilschaften doch noch? Gerade für Menschen jüdischer Herkunft eine existenzielle Frage nach der Schuld für den Verlust von ganzen Familien.
Heidi Rehn schreibt in einem leisen, unaufgeregten und angenehmen Schreibstil. Die Liebesgeschichte ist gefühlvoll, aber nicht ins Kitschige abdriftend dargestellt. Sehr gut haben mir auch die eingeflochtenen Münchner Schauplätze gefallen. Mich konnte dieser Roman gut unterhalten, ich konnte schön abschalten und habe etwas vom Gefühl der 50er Jahre mitgenommen.
Ich vergebe diesem Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Liebhaber von München und Liebesromanen vor historischer Kulisse.