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Veröffentlicht am 28.06.2022

Enttäuschend

Kings of the Underworld - Maxim
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Zur Info: Dies ist der erste Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, dennoch begegnet man einigen Protagonisten in den anderen Büchern wieder und erfährt mehr ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, dennoch begegnet man einigen Protagonisten in den anderen Büchern wieder und erfährt mehr von ihrer Geschichte.

Klappentext:
Anya Grace Krylows Leben gleicht einem goldenen Käfig. Als Tochter des mächtigsten Mafiabosses von New York ist sie behütet aufgewachsen und musste sich bisher um nichts in ihrem Leben selbst kümmern. Doch an ihrem zweiundzwanzigsten Geburtstag setzt Anya ihrem Vater die Pistole auf die Brust: Sie will studieren und das auf keinen Fall in New York! Zähneknirschend stimmt ihr Vater einem Studium an der University of Baltimore zu – ausgerechnet dem Hoheitsgebiet von Maxim „The King“ Gromow. Der beste Freund ihres Bruders beschert Anya seit Jahren schlaflose Nächte. Jeden Tag in seiner Nähe zu sein, ist das Letzte, was sie sich für ihre Zukunft ausgemalt hat. Oder etwa doch nicht?

Schreibstil:
An den Schreibstil der Autorin musste ich mich erst einmal gewöhnen. Die ersten Seiten über war es mir nämlich alles zu viel. Zu viele Wiederholungen unwichtiger Dinge, zu viele Floskeln und zu viele sprachliche Klischees. Es wirkte alles etwas holprig und unbeholfen auf mich und klang ziemlich gleichförmig in Bezug auf den Satzaufbau zum Beispiel. Auch später noch fiel mir immer wieder auf, dass Stück für Stück beschrieben wird, was sie gerade tut. Authentischer wird es aber, wenn auch mal Handlungen unbewusst geschehen und die Sätze nicht jedes Mal bewusst mit dem Subjekt und dem Verb anfangen. Im Verlauf der Geschichte wurde es besser. Allerdings gewöhnt man sich wahrscheinlich auch einfach dran, wie ich oben bereits erwähnte. So würde ich sagen, dass mich der Schreibstil nicht vom Hocker gehauen hat. Dafür fehlte mir mehr Lesefluss, geschicktere Formulierungen und auch mehr Indirektheit. Später bei den Gefühlen wird das auch nochmal auftauchen.

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte beginnt mit einem Epilog und ich war erst einmal total überrascht bzw. enttäuscht, dass dieser so völlig nichtssagend ist. Er deutet Klischees an, erzeugt aber keine Spannung bezogen auf den weiteren Verlauf der Geschichte. So blieb auch der Moment beim Lesen aus, in dem ich dachte: Ach, so passt das zusammen. (Diesen hat man ja meist). Meiner Meinung nach hätten die paar Sätze einfach mit ins erste Kapitel genommen werden können.

Ebenfalls überrascht war ich dann davon, dass es zwei Erzählperspektiven gibt. Meistens bin ich ein großer Fan davon, weil man als Leser dann viel besser die Gefühle der einzelnen Figuren nachvollziehen kann. Bei dieser Geschichte jedoch wird ein geheimnisvoller Hintergrund angedeutet, der sich gefühlt auch auf Maxim ausbreiten sollte. Dadurch aber, dass schnell auch aus seiner Perspektive erzählt wird, bleibt er für den Leser nicht lange undurchschaubar. Das fand ich sehr schade, denn ich hatte aufgrund der Andeutungen, der Klischees und allein schon des Titels das Gefühl, dass ein düsterer Maxim, bei dem man nicht weiß, was er mit seinen Taten bezweckt und der dadurch sehr geheimnisvoll geblieben wäre, besser zur Handlung gepasst hätte.

So kommen wir eigentlich auch schon zu meinem größten Kritikpunkt an dieser Geschichte: das ganze Düstere, das Mafiagetue, generell die Dark-Seite der Geschichte fehlt hier. Es wird zwar davon gesprochen, dass Anya und ihre Familie sich in illegalen Kreisen bewegen und ach so gefährlich sind, aber das wird für den Leser nicht spürbar. Es gibt keine Geheimnisse, keine ausgefeilten Pläne, nichts, was von einer soften Liebesgeschichte abweichen würde. Das fand ich sehr schade, weil ich ein wenig etwas anderes von der Geschichte erwartet hätte. Und auch, wenn ich nichts Düsteres erwartet hätte, so muss ich bemängeln, dass hier einfach die Tiefe fehlt. Man kann nicht einfach in den Raum werfen, dass Anyas Vater noch so mächtig ist oder Maxim „The King“ genannt wird, ohne Taten oder mehr Informationen folgen zu lassen, die dies für den Leser spürbar und glaubhaft machen.

Stattdessen konzentriert sich die Geschichte mehr auf Anya, die endlich aus ihrem goldenen Käfig ausbrechen will. Eigentlich eine vernünftige Idee und durchaus nachvollziehbar. Anya schwankte aber sehr in ihrer Überzeugung. Mal flippte sie völlig aus, wenn irgendetwas über sie bestimmt wurde, mal brachte sie absolutes Verständnis auf. Auch hier fehlte wieder die Tiefe. Die eigentliche Auseinandersetzung mit der Situation. Zwar wird sie immer wieder aufgegriffen und am Ende auch „happy“ umgewandelt, aber der Weg dahin schien mir doch sehr unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen.

Anya verlor dadurch ebenso ein wenig von ihrem Charakter. Einerseits will sie selbstbewusst und eigenständig sein, andererseits macht sie aber nichts dafür. Sie verbringt fast jede freie Minute mit ihrem Bruder (wie vorher auch) und kommt gar nicht so recht auf die Idee, ihre Freiheit auszuleben. Versteht mich nicht falsch, ich habe nun nicht erwartet, dass sie gleich mit den härtesten Dingen anfängt, um alles mal auszuprobieren. Aber ein Gedanke dazu, was sie mit der neu gewonnen Freiheit anstellen könnte, wäre schon mehr als realistisch und nachvollziehbar gewesen. Hier beißt sich die Schlange aber natürlich in den Schwanz, denn wie oben erwähnt, bricht Anya eigentlich nie so richtig aus dem Käfig aus, sondern bleibt bei offener Tür brav drin.

Während Anya somit mehr Schein als Sein war, bleibt Maxim ein dünnes Klischee. Er versteckt seine Gefühle, macht einen auf den harten Mann und geht Anya aus dem Weg – bis natürlich plötzlich alles anders ist. Klar, vieles muss hier nicht ausgesprochen werden, denn wir Leser können es uns ja denken. Aber trotzdem hätte er mehr Inhalt verdient. Er blieb für mich eine leere Hülle, die selbstverständlich am Ende eher sterben würde als Anya zu verlieren….

Allgemein fehlten mir bei beiden Gefühle und Gedanken. Die Tiefe ihrer Liebe basiert allein auf unausgesprochenen Klischees und der Tagesablauf scheint nur darauf abzuzielen, den anderen irgendwann wiederzusehen und nicht zu beachten. (Mich hat es an zwei Stellen ganz besonders gestört: 1. Anya geht essen, läuft nach Hause, trifft auf ihren Bruder, der Essen mitgebracht hat und isst. – Kein Gedanke daran, dass sie eigentlich gerade erst gegessen hat. 2. Anya trifft auf Maxim, der zwei Wochen lang null geschlafen und nur Alkohol zu sich genommen hat. – Kein Gedanke daran, dass er irgendwie schlecht aussieht oder so (in meinen Gedanken war er schon fast magersüchtig. Da fehlte mir einfach Realität und Fülle. Eine Geschichte wirkt nur dann für mich authentisch, wenn die Figuren auch wie Menschen agieren.)

So, nun zum Cut der Geschichte. Vorher ist alles so la la. Vorhersehbar und teilweise unverständlich mit kleinen Highlights (Nikolai und Rachel). Der Cut passiert dann ebenfalls vorhersehbar und baut dann noch weiter auf Dingen auf, die für den Leser völlig klar sind und die Anya vorher auch so gedacht hat. In der Szene aber, scheint alles wegradiert zu sein. Ich war also schon hier nicht mehr ganz bei der Sache, weil es so gewollt klang. Dann sollte wohl nochmal das „Mafiading“ durchgezogen werden. Mit mäßigem Erfolg. Auch das passiert völlig ohne Tiefe und sehr plakativ, wenn auch nicht so vorhersehbar. Dann kommt noch das Ende, das mir bewusst gemacht hat, dass ich Anya eigentlich nie verstanden habe und verstehen werde.

Fazit:
Das war absolut nicht mein Buch. Düster und sexy ist hier nichts. Stattdessen wird mit vielen Klischees gearbeitet, der Schreibstil holpert ziemlich dahin und die Geschichte sowie die Figuren bleiben leer. Man kann es durchlesen, das schon, aber bereichert hat es mich nicht.

2 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 12.06.2022

Konnte nicht ganz mithalten

Idol - Gib mir alles von dir
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Klappentext:
Schon lange knistert es gewaltig zwischen Rye Peterson, dem Bassisten von Kill John, und der PR-Agentin der Band, Brenna James. Doch beide verbergen ihre Anziehung hinter bissigen Kommentaren ...

Klappentext:
Schon lange knistert es gewaltig zwischen Rye Peterson, dem Bassisten von Kill John, und der PR-Agentin der Band, Brenna James. Doch beide verbergen ihre Anziehung hinter bissigen Kommentaren und hitzigen Wortgefechten. Als Rye zufällig mitbekommt, dass Brenna auf der Suche nach einem Mann ist, der ihr Intimität und körperliche Nähe schenkt, schlägt er ihr einen Deal vor, der alles verändert. Eigentlich lautet die Regel: nur Sex, keine Gefühle. Aber mit jeder Berührung und jedem Kuss beginnen ihre Schutzmauern zu bröckeln…

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin war wieder gewohnt locker und mit einer Menge Witz versehen. Ich mag es einfach, wie leicht sich die Geschichte lesen ließ und wie direkt alles an die Leser:innen übermittelt wird. Es gab keine größeren Schwenker, keine Uneindeutigkeiten, die Leser:innen waren direkt am Geschehen beteiligt und das machte die Geschichte sehr mittelbar, aber natürlich auch recht einfach. Passend für einen New Adult-Roman, wie ich finde.

Zur Geschichte allgemein:
Eigentlich dachte ich ja, dass Brennas Geschichte schon in Band drei dran wäre. Schließlich wird vorher mehr als einmal angedeutet, dass sich Brenna und Rye nicht aus Hass ständig kabbeln. So war es aber auch gut, denn man merkte schnell, warum die beiden vorher nie so recht zueinander gefunden haben.
Brenne ist eine sehr selbstbewusste, starke, aber auch etwas starre Protagonistin. Sie hat sich so sehr darauf eingeschossen, immer stark aufzutreten und keine Schwäche zu zeigen, dass sie nicht mehr aus ihrer Rolle kann. Dadurch fiel es ihr lange Zeit über die Geschichte hinweg schwer, ihren Gefühlen und ihrem Bauchgefühl nachzugeben. Sie hatte stets das Gefühl, etwas beweisen zu müssen. Das Gute an Rye nun ist, dass sie sich sich beim eigentlich fallen lassen kann. Das funktionierte teilweise auch ganz gut, ab und zu hätte ich mir aber gewünscht, dass sie sich eher hätte fallen lassen. Die Geschichte bekam einfach sehr viel Länge dadurch, dass sie sich teilweise ihr Problem auch nicht eingestehen wollte und mit Rye nicht offen kommuniziert hat. Etwas schade, wenn man bedenkt, dass es genug Möglichkeiten gegeben hätte, um die Geschichte anzuheizen. Beispielweise durch mehr emotionale Elemente, die auch noch etwas Tiefe reingebracht hätten. So blieb es leider teilweise etwas flach, weil die Geschichte sich zu sehr auf den Abstand zwischen den beiden und das Sexuelle zwischen ihnen konzentrierte.

Dabei hatte Rye eigentlich viel Potential. Von ihm kommt zwar die anfängliche Idee, aber er gesteht sich viel früher ein, wohin seine Gefühle wirklich gehen. Und das, obwohl Rye eigentlich der Rockstar schlechthin ist und sich niemals binden wollte. Natürlich muss es hier einen geben, der stärker in die Beziehung zieht. Sonst würde es wahrscheinlich niemals zu einer Entwicklung kommen, aber gerade weil Rye diese Möglichkeit so früh angeboten hat, fühlte es sich einfach unheimlich lang an, bis Brenna endlich so weit war. Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit gewesen, Rye da noch etwas länger unentschlossen sein zu lassen.
Aber nun gut, alles in allem fand ich die Beziehung zwischen den beiden super süß. Ich mag es immer gerne, wenn die Protagonisten sich schon länger kennen und so schon viele Details, Macken und Vorlieben am anderen entdecken konnten.

Was ich auch cool fand, war, dass das Rockstarleben hier einmal aus dem Hintergrund betrachtet wurde. Ich kann mir vorstellen, dass einigen das zu wenig „Rockstar-Life“ war. Für mich war es so aber genau richtig, denn die Reihe stellt ja die ganze Band vor und Rye und Brenna haben eben noch mehr Lebensinhalte als nur die Band.
Es geht hier vor allem auch um das „Danach“. Wenn man keine Lust mehr auf ständige Touren, Konzerte und Fangeschrei hat, wenn man sich nochmal ganz anders verwirklichen und wenn man sich entwickeln möchte. Alles für mich berechtigte Gründe, weshalb Brenna und Rye sich in diesem Band dem eigentlichen Bandleben abwenden. (Zudem ist so eine Band ganz realistisch nicht jeden Tag ihres Bestehens auf Tour.)

Weiter sind die anderen Bandmitglieder aber natürlich wieder dabei und sorgen hier tatsächlich für die Auflockerung der Geschichte. Gerade Kilian lernt man sogar noch ein wenig besser kennen und auf Whip wurde ich richtig neugierig.

Fazit:
Mir hat die Geschichte etwas weniger gut gefallen, als die anderen Bücher, weil es doch einige Längen gab. Ich hätte es besser gefunden, wenn die beiden mehr kommuniziert hätten und dafür weniger im Bett erzählt worden wäre. Aber nun gut, das sexuelle Knistern, die Dramatik, das Rockstarleben ist da, (letzteres etwas anders als gewohnt) und in Verbindung mit dem flüssigen, lockeren Schreibstil ist es eine schöne Geschichte zum einfach mal durchlesen:)

3 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 12.06.2022

Grandioses Ende, genau richtig

Cassardim 3: Jenseits der Tanzenden Nebel
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Zur Info: Dies ist der dritte Band einer zusammenhängenden Reihe. Wenn ihr die Bände zuvor noch nicht gelesen habt, solltet ihr an dieser Stelle also aufhören zu lese, denn: Achtung Spoiler!

Klappentext:
Der ...

Zur Info: Dies ist der dritte Band einer zusammenhängenden Reihe. Wenn ihr die Bände zuvor noch nicht gelesen habt, solltet ihr an dieser Stelle also aufhören zu lese, denn: Achtung Spoiler!

Klappentext:
Der Kaiser ist tot, doch Amaias Status als Goldene Erbin ist nach wie vor umstritten. Sie steht zwischen der Tradition und einer Revolution – größer, als Cassardim sie je gesehen hat. Noár ist bemüht, sie aus der Schusslinie zu halten, aber Amaia verfolgt eigene Pläne. Sie muss das wachsende Chaos aufhalten, das von ihrem frisch vermählten Ehemann Besitz ergreift. Um ihn, Cassardim und die Menschenwelt zu retten, versammelt sie auf eigene Faust die Erben aller Reiche um sich und begibt sich mit ihnen auf die gefährliche Suche nach einem neuen Juwel der Macht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, an dessen Ende sie nicht nur ihre große Liebe verlieren könnte …

Schreibstil:
Fantasybücher zu lesen, erfordert immer ein großes Maß an Fantasie, denn man muss sich alles vorstellen. Von der Kleidung bis zur Umgebung bis zu den Möglichkeiten der diegetischen Welt. Bei Geschichten, die in unserer Welt spielen, vergesse ich oft die Umgebung. Oft ist sie auch einfach nicht wichtig oder eben nicht besonders. In Fantasyromanen jedoch spielt sie oft eine große Rolle und trägt letztlich auch dazu bei, dass man die Welt komplett versteht und sich in sie hineinversetzen kann.
Julia Dippel gelingt diese Anschaulichkeit jedes Mal aufs Neue wieder super gut. Cassardim ist beim Lesen in meinem Kopf einfach so greifbar, magisch und überwältigend, dass ich die Welt am liebsten nie verlassen würde. Zudem gibt es dort immer Neues zu entdecken, was gerade in diesem Band nochmal deutlich wurde, weil seine geheimsten Stellen offenbart werden.
Weiter ist ihr Schreibstil aber auch ansonsten super schön. Man wird locker und leicht durch die Geschichte getragen, gleitet in einen spannenden Lesefluss und fiebert mit den Figuren mit, die einem unheimlich ans Herz gewachsen sind.
Ich war auch nach diesem Band wieder überrascht, wie locker flockig ich hier eine Geschichte gelesen habe, die super komplex und voller neuer Eindrücke war und ich dennoch nie das Gefühl hatte, ich käme nicht mit oder etwas wäre nicht nahbar beschrieben. Also: allein der Schreibstil lohnt sich hier schon.

Zur Geschichte allgemein:
Das Schönste an der ganzen Cassardim-Welt ist für mich immer, dass sich die Figuren stehts zurück auf das besinnen, was ihnen am wichtigsten ist. So ist das für Amaia und Noár ihre Beziehung, die trotz der ganzen Umstände stets konstant und präsent bleibt.
Ich weiß, das klingt ein wenig danach, als wäre dies hier eine reine Liebesgeschichte. Dem ist aber nicht so. Cassardim ist viel mehr als das und die Thematik der Geschichte geht hier nahtlos weiter. Dadurch, dass Amaia und Noár jedoch zuvor im Fokus stehen, entsteht hier wieder eine Basis, die die ganze Geschichte über bestehen bleibt: die Liebe zwischen den beiden. Ich mag es total gerne, dass diese eine große Rolle im Handlungsverlauf spielt, weil dadurch einfach noch mehr Dramatik aber ebenso super viele emotionale und tiefgreifende Moment entstehen. Zudem ist ihre Beziehung relativ unkompliziert gehalten. Das heißt, sie reden miteinander, vertrauen sich und reagieren nicht wesentlich unreif. Dadurch entstehen nicht diese nervigen Momente, in denen man einen Liebesroman am liebsten zuschlagen würde, sondern kann sich weiter auf die anderen Thematiken der Handlung konzentrieren.

Das was letztlich alles in diesem dritten Band passiert, ist einem Finale auf jeden Fall würdig. Es geht um Amaias Herkunft, die Menschenwelt kommt nochmal zur Sprache und letztlich muss sich hier ganz Cassardim beweisen und mit- und füreinander kämpfen. So entsteht am Ende eine Schlacht, die episch ist und die für ein Finale einer Fantasyreihe ein absolutes Muss ist. Der Weg dorthin ist aber ebenso episch und hielt viele unerwartete Wendungen und Verstrickungen bereit. Ich fand es besonders cool, dass alles, was man meinte, nun schon begriffen zu haben, nochmal hinterfragt oder auch verkompliziert wurde und man mehr Details von Cassardim kennenlernte.

Dadurch, dass es nun ein geeintes Cassardim braucht, lernt man zudem alle Bewohner Cassardims nochmal richtig kennen. Interessant sind dabei vor allem die „Piraten“ Cassardims. Eine Welt, die auch Noár nicht ganz so vertraut ist, sodass die Spannung diesbezüglich schon alleine deshalb ansteigt, weil man so gar nicht weiß, was auf einen zukommt.
Es war einfach cool, dass die Spannung hier aus so unterschiedlichen Quellen bezogen wird. Mir wurde nicht langweilig, es gab genug Verstrickungen, die die Komplexität der Geschichte unterstrichen, dazu die Spannung der Liebesgeschichte und die schön ausgearbeiteten roten Fäden, die letztlich alle zueinander finden. Man ist dadurch auch emotional an die Geschichte gebunden, was bei mir nicht nur zu Lachen, sondern auch zu Weinen geführt hat. Ich liebe es, wenn eine Geschichte einen so berühren kann, dass man vergisst, dass es eigentlich nur Wörter auf Papier, erfundene Figuren sind, mit denen man da leidet oder lacht.

Das Ende wird wohl nicht jedem passen. Es ist irgendwo vorhersehbar, allerdings umgeht man diese Möglichkeit glaube ich gerne. Ich kann hier nicht so richtig was schreiben, ohne zu spoilern, aber ich kann sagen, dass es mir gefallen hat. Es hat zu den Figuren und zu der Welt gepasst und war für mich auch die realistischste Möglichkeit eines Endes. So bin ich fein damit. Lasst euch da einfach überraschen und freut euch, dass Cassardim sich stets treu bleibt.

Fazit:
Ich habe dieses Buch mal wieder geliebt. Es ist ein gelungenes Finale, dass mit ebenso viel Komplexität wie Tiefe und Emotionen daherkommt. Mich hat diese Reihe besonders ergriffen, weil die Liebesgeschichte der beiden Hauptprotagonisten unfassbar schön ist und dazu noch super schön in die Handlung eingebaut wurde. Das hat auch dieser Band wieder gezeigt. Dazu der lockere, sehr anschauliche Schreibstil und die Cassardim zugrunde liegende Fantasy. Ein Leseschmaus für jeden Fantasy-Leser, der Epik genießt und mit weniger stumpfer Brutalität klarkommt.

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 12.06.2022

Süße Lovestory für Zwischendurch

True North - Wo auch immer du bist
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Zur Info: Dies ist der erste Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Die Reihenfolge ist also nicht unbedingt einzuhalten, wie immer macht es aber mehr Spaß, wenn man sie nacheinander liest.

Klappentext:
Als ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Die Reihenfolge ist also nicht unbedingt einzuhalten, wie immer macht es aber mehr Spaß, wenn man sie nacheinander liest.

Klappentext:
Als Audrey Kidder der finstere Blick von Griffin Shipley trifft, weiß sie sofort, dass ihr Auftrag in Vermont schwieriger wird als gedacht. Doch sie hat keine Wahl: Wenn sie ihren Job behalten will, muss sie Griff davon überzeugen, seinen preisgekrönten Cider zum halben Preis zu verkaufen. Eine harte Nuss, denn der Bio-Farmer ist nicht nur ausgesprochen stur – und unheimlich attraktiv -, sondern seit ihrer heißen Affäre am College auch nicht besonders gut auf Audrey zu sprechen. Und dass sich Audrey in Griffs Nähe augenblicklich so zu Hause fühlt wie nirgends sonst auf der Welt, macht die Sache alles andere als einfach –

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin empfand ich als ganz okay. Die Geschichte ließ sich alles in allem ganz flüssig und locker lesen, ich hatte aber manchmal das Gefühl, dass Emotionen und Gedanken nicht ganz mittelbar für den Leser waren. Das lag vor allem daran, dass die Sätze teilweise komisch gestellt waren, sodass die eigentliche Aussage an falscher Stelle stand. Nach und nach gab sich das aber und hat mich dann nicht mehr gestört.

Zur Geschichte allgemein:
Den Anfang der Geschichte bildet eine ganz typische Situation: Audrey steht alles andere als fest verwurzelt im Leben und kommt durch ihren mehr als schlechten Job in ein total neues Umfeld. Dort trifft sie auf ihre alte College-Flamme Griffin. Ganz cool fand ich daran trotzdem, dass die beiden das ganze Herumgedruckse lassen und sich gleich darauf besinnen, was sie damals zueinander hingezogen hat. Dadurch nimmt die Geschichte überraschend schnell Fahrt auf.

Audrey ist dabei die inkonstante Figur dieses Paars. Sie will ihn eigentlich kennenlernen, lässt es dann aber doch, möchte bei ihm bleiben, geht dann aber doch und so weiter. Teilweise hat mich das ziemlich genervt, weil sie sowohl den anderen Figuren als auch den Leser:innen gegenüber keine richtige Erklärung liefert bzw. überhaupt eine Sekunde Zeit lässt, dies zu verarbeiten.
Dabei mochte ich ihren Charakter eigentlich. Sie liebt es zu kochen, was auch sehr gut zu spüren war, und sehnt sich nach einer Familie, wie ihre Hintergrundgeschichte (Vergleich Griffins und ihrer Familie) zeigt. Dennoch erschien sie mir auch auf dieser Ebene unentschlossen. Da hätten einfach noch mehr Gedanken, Gefühle und Hintergründe eingearbeitet werden müssen, um ihre Figur komplexer und verständlicher zu machen.

Griffin blieben ebenso schwammig. Man lernt ihn als Familienmensch kennen, der für seinen Job, seine Leidenschaft brennt, aber auch eine Vergangenheit hat. In erster Linie ist er aber attraktiv, was so ziemlich das Wichtigste an ihm zu sein schien. Auch ihn mochte ich total gerne, aber es war einfach schwierig, ihn richtig kennenzulernen. Meistens tat er mir einfach nur leid, weil Audrey kommt und geht, wie sie will und ihn immer wieder ohne Erklärung zurücklässt.

Der Handlungsverlauf blieb so natürlich spannend, denn man wusste ja nie, was Audrey so macht. Ansonsten waren die Grundelemente aber sehr vorhersehbar, was natürlich besonders dadurch auffiel, dass so wenig Tiefe in der Geschichte liegt. Ich sage immer, dass eine Liebesgeschichte nicht komplett neu erfunden werden muss. Es gibt nunmal immer die gleichen Elemente. Aber das ist an sich nicht schlimm. Es kommt einfach darauf an, dass die Figuren berühren, dass Tiefe und Emotionen oder auch, je nach Genre, die Erotik anders gelagert wird. So wird dann doch jede Geschichte einzigartig.
Hier hat mir diese Einzigartigkeit etwas gefehlt. Man merkte, dass es ein Wohlfühlroman werden sollte. Das war auch so. Ich mochte alle Figuren, das Thema „Cidre“ ist schön, weil man es noch nicht so oft gelesen hat und es echt interessant ist, und auch die Leidenschaften der beiden Protagonisten kam gut durch. Zwischen ihnen direkt, schien es aber irgendwie nur sexuell. Es fehlten einfach die Kniffe, die es zu einer Geschichte gemacht hätten, die man nicht mehr vergisst und die einen wirklich berührt.

Das Ende belegt dies. Es war vorhersehbar happy. Alle Probleme wurden im Nu gelöst. Klar, so endet eine Geschichte schön und alle losen Fäden finden zusammen. Aber auch hier fehlt letztlich der bleibende Eindruck.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 12.06.2022

Solide aber nicht hochkarätig

Swimming in Light
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Zur Info: Dies ist der zweite Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Ihr könnt die Bücher also unabhängig voneinander lesen, da die Figuren jedoch wiederkehrend sind, würde ich die richtige Reihenfolge ...

Zur Info: Dies ist der zweite Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Ihr könnt die Bücher also unabhängig voneinander lesen, da die Figuren jedoch wiederkehrend sind, würde ich die richtige Reihenfolge empfehlen.

Klappentext:
Ruffian will nur eins: seiner verstorbenen Mutter ein Denkmal setzen, indem er die obdachlosen Menschen, um die sie sich gekümmert hat, aus der bitteren Armut befreit. Dafür ist er sogar bereit, das Gesetz zu brechen und ins Gefängnis zu gehen. Als es ihm gelingt, sich in die Kreise der wohlhabenden Gesellschaft einzuschleichen, trifft er auf ein unerwartetes Hindernis: Teddi Burathon und ihre liebevolle Familie. Ein Kuss ist genug, um zu begreifen, dass Teddi die Eine für Ruffian ist. Aber um seinen Plan durchzuziehen, muss er sie belügen, ganz gleich, wie sehr sein Herz dabei blutet. Doch er hat nicht mit Teddis Entschlossenheit gerechnet, ihn vor sich selbst zu beschützen und für ihre Liebe zu kämpfen …

Schreibstil:
Ich muss sagen, dass ich anfangs doch ein wenig gestockt habe beim Lesen, denn teilweise sind die Sätze etwas komisch getrennt bzw. zusammengefasst. Daran habe ich mich aber recht schnell gewöhnt. Vielleicht ist das auch eher eine Übersetzungsfrage, denn ansonsten war der Schreibstil wieder wunderschön. Debra Anastasia schreibt sehr schön klar, locker und super einfühlsam. Die Emotionen kommen sehr gut rüber und die Figuren verstehen sich auch ohne Worte. Das dringt bis zum Leser durch und ist dadurch sehr beeindruckend.
Zudem hat sie wie Emma Scott die Gabe, die Figuren, egal ob ihre Handlungen schlecht oder gut sind, sehr nahbar darzustellen. So entwickelt man als Leser viel Mitgefühl und versteht die Figuren vor allem. Gerade im Hinblick auf die manchmal schwierige Situation im Handlungsverlauf, fiebert man so immer mit.

Zur Geschichte allgemein:
Der Anfang der Geschichte ist irgendwie interessant, vielleicht auch ein wenig merkwürdig. Ich habe mich total auf die Familie gefreut, wurde dann aber erstmal mit Ruffian konfrontiert, der im Gegensatz zu den Protagonisten in Band eins nicht von Natur aus durch und durch gut ist. Kurzum: er ist ein Problemkind, das in seiner Welt gefangen zu scheint. Zum Glück weiß Emma Scott es aber, uns ihren Hauptprotagonisten trotzdem gut zu verkaufen. Dies tut sie, indem sie ihn in seine verletzlichsten Moment zeigt und uns dadurch von vorneherein seine Beweggründe offenlegt.
So konnte ich natürlich nicht anders, als Ruffian zu mögen. Er ist sehr familienfreundlich, setzt sich für die Leute ein, die er liebt, hat ein gutes Herz und das mit Teddy ist Liebe auf den ersten Blick. Die Geschichte hindurch dominiert seine Eigenschaft, niemanden zu verletzen. Das sorgt für viel Tiefe und natürlich Emotionen. Zudem entschleunigt es den Erzählverlauf und lässt die Figuren sehr viel bewusster handeln und denken.
Was mich an Ruffian etwas gestört hat, war die Grundmotivation, die ihn zu seinen Handlungen treibt: Rache. Ich weiß nicht, wie ihr das empfindet, aber ich mag Rache so gar nicht. Für mich ist es etwas, das von unverarbeitet Hass zeugt und keinen besonderen Sinn für einen selbst ergibt. Man gewinnt durch die Ausübung von Rache nichts, sondern verliert viel mehr.
Bis Ruffian dahingehend zu Verstand kommt, dauert es sehr lange. Man muss es mögen, das bis dahin mit dieser Motivation auszuhalten.

Teddy war für mich dagegen regelrecht übermenschlich. Ich musste mir immer wieder in Erinnerung rufen, wie jung sie eigentlich ist. Sie ist einfach unheimlich taff und wahnsinnig gut organisiert und strukturiert. Es geht ihr darum, anderen zu helfen und dafür gibt sie alles.
Als sie auf Ruffian trifft, gerät ihr strukturiertes Leben durcheinander. Plötzlich ist nicht mehr alles planbar, schon gar nicht ihre Gefühle. Aber auch bei ihr ist ziemlich schnell klar, dass Ruffian für sie etwas Besonderes sein wird. Trotz dessen bleibt sie sich die Geschichte hinüber treu und zieht so ganz langsam und unmerklich Ruffian immer weiter auf die gute Seite. Das fand ich super schön, weil er so immer mehr Gründe und Dinge bekam, für die er noch einstehen konnte.
Was ich letztlich an Teddy vielleicht nicht ganz so cool fand, war, dass sie am Ende völlig teddyuntypisch handelt. Zwar versprüht sie weiterhin ihre gute Art, aber sie lässt sich auch in etwas hineinziehen, was am Anfang für sie niemals denkbar gewesen wäre. Inwieweit das so realistisch ist, kann ich nur vermuten. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass Teddy hier ein wenig auf Ruffians Ebene gehoben werden sollte, was eher gewollt authentisch wirkte. Somit war mir das Ende vielleicht etwas zu happy, denn Teddy schafft es natürlich auf teddytypische Art perfekt.

Den Handlungsverlauf fand ich gut. Die beiden kamen sich nur langsam näher, es kommen immer wieder andere und stärkere Gefühle auf und die anderen Protas bleiben stets gegenwärtig. Das hat mich sehr gefreut, weil die ganze Familie einfach nur toll ist.
Letztlich war dieser Band aber nicht ganz so tragisch. Alles bewegte sich auf einem recht vorhersehbaren Level.

Fazit:
Alles in allem fand ich diesen Band ein klein wenig schlechter als Band 1. Hier war einfach mehr vorhersehbar, was einem ein wenig die Momente nahm, in dem man völlig fertig gemacht wurde. Gefühlstechnisch gibt es hier aber auch wieder viel mitzuerleben und Teddy und Ruffian sind ein super schönes wie tragisches Paar, das ich gerne begleitet habe. Cool fand ich auch, dass der Schreibstil weiterhin stark blieb und die Protas aus dem ersten Band hier wieder erwähnt werden. Ich freue mich jetzt einfach sehr auf Austin:)

4 von 5 Sterne von mir.

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